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Zimtzicke, Prof.Schlau & Co

Genderstreit im Kinderzimmer

 

Als wir unsere diesjährige Anzeige für Schrot&Korn und EVE - "Wir sind Eure Zukunft", Kinder- und Jugendtees - (durchaus politisch - kinderemanzipatorisch gemeint) entworfen hatten, hatten wir nicht damit gerechnet, einige kritische Mails zum Thema Gender zu bekommen. Die Schreiberinnen waren richtig erzürnt und interpretierten die Zuordnungen folgendermaßen: der positive Professor Schlau "mal wieder" für die Jungen, und die negativ belegten Zimtzicken und zornige Mädchen - als beleidigendes Klischee - bleibt für die Mädchen.



Manchmal sind unsere Produkte etwas gesellschaftlich-politisch motiviert, manchmal nicht ganz unbeabsichtigt etwas polarisierend.


Wir beobachten Umwelt, Gesellschaft, Tagespolitik - so können Ideen entstehen.




Professor Schlau, KinderteeProfessor Schlau: Valentin


Schulpolitik, Hauptschuldiskussion, Pisastudie, Mädchen hängen die Jungs ab, Mut- und Perspektivlosigkeit bei Schülern, die Verlierer sind im Moment die Jungen und besonders Migrantenkinder.
Professor Schlau Tee ist als Ermutigung entstanden, Nomen est Omen - wenn nicht Professor, stehen doch zumindest viele andere Berufe offen, und mit Spaß und Leidenschaft ist das Lernen leichter. Es ist wichtig, eine Vorstellung zu pflegen und Vorlieben herauszubekommen - das gilt für Jungen wie für Mädchen. Die Jungen und Mädchen selber kommen nicht auf die Idee, den Tee wegen ihres Geschlechts nicht zu trinken.

Wenn wie jetzt geschieht, empörte Mütter fordern, den Tee "Professorin Schlau" (oder ProfessorIn Schlau) zu nennen, wird ein Genderdenken in die Kinderwelt getragen, das so nicht dort existiert. Die Kinder denken noch nicht so trennend, wie die Erwachsenenwelt.



Valentin (6) selbst sagte zunächst zur Problematik: "Nein, Mädchen würden ihn nicht trinken." Pause. "Die sind schon schlau."
Er korrigierte sich dann und meinte, Mädchen sollen natürlich auch Professor Schlau Tee trinken.







Zornige Mädchen, Kindertee


Zornige Mädchen: AnnikaUnser Tee "Zornige Mädchen" ist nach Erfahrungen und Beobachtungen der ungeheuren Kraft vieler kleiner Mädchen entstanden, die sich in Wutausbrüchen und Dickköpfigkeit zeigt, und kollidiert mit der Vorstellung: "Mädchen müssen brav, lieb und nett sein".
Wird diese Wut abtrainiert, wird sie vielleicht in der Pubertät für Erwachsene leichter händelbar, ist aber dann tatsächlich leider zuwenig vorhanden in der Politik, oder den oberen Wirtschaftspositionen.
Warum wird von einigen Frauen, die uns empörte Emails schreiben, der Begriff "Zornige Mädchen" als negatives Klischee empfunden? So wird diese Denkfalle aufrechterhalten.

Übrigens: der Begriff "Angry young men" (Zornige junge Männer) bezeichnete in den 50er Jahren eine bestimmte Gruppe gesellschaftskritischer Autoren und Künstler (in England), die soziale Entfremdung und Klassenkonflikte zum Thema ihrer Werke machten. Entsprechend entstand damals auch der Begriff "Angry young woman".
Zorn, um sich von Einengungen zu befreien, aber auch, um Kräfte für einen positiven Lebens- (oder Gesellschafts-) Entwurf zu bündeln.


Annika (5): "Ich finde wütend sein doof. Ich möchte das eigentlich nicht.
Manchmal bin ich wütend, wenn mich einer ärgert. Oder wenn ich etwas nicht darf."

 

 

 

 

 




Zimtzicke, Kinderfrüchtetee


Die Zimtzicken: Annika, Elena, CarlaZimtzicke - liebevolles Schimpfwort für unangepasste Mädchen - meist in der Pubertät.
Einen Grad Unterschied zwischen schimpfen und beleidigen: schimpfen dürfen die Mütter über ihre Töchter - Zicke ist ein gängiger Kommentar zu pubertärer Flegelhaftigkeit. Durchaus mit Augenzwinkern - Jede/r weiß, dass Heranwachsen nicht einfach ist, und ohne Regeln/Grenzen auszutesten wird kaum die Stärke entwickelt, die für ein selbstbestimmtes Erwachsenenleben notwendig ist.
Zicke als Beleidigung zu definieren, implementiert, dass es etwas Schlimmes ist, zickig zu sein. Zicken als oberflächlich zu bezeichnen hat in den interviewten Schulklassen zu einer Welle der Empörung geführt.

Ein Gegenmittel gegen solche Vereinnahmung und Ausgrenzung durch die "rechtschaffende Mehrheit" kann sein, sich selbst bewusst dieser Begriffe zu bedienen: schwul, Zicke, alte Schabracke usw. - als Ausdruck von Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein.



Elena (14) und Carla (10) haben ihre Schulklassen befragt. (Zimt-) Zicke wurde sehr differenziert gesehen: um es als Schimpfwort oder Beleidigung aufzufassen, kommt es darauf, wer das sagt, und es würde dann auch in genau dieser Absicht gesagt. Es wird aber auch unter Freundinnen benutzt, um sich zu freundschaftlich zu ärgern oder zu necken. Als Teenamen wurde es durchweg als "cool und total lustig" empfunden. Sehr empört waren die Mädchen, dass die Email-Schreiberinnen Zicken (oder was sie sich darunter vorstellen), als oberflächlich oder egoistisch bezeichneten. "Woher wollen die wissen, was die alles schon erlebt haben!?"

Carla: "Die Namen die du dir immer aus denkst, z.B. Zimtzicke oder Professor Schlau, sind wirklich witzig!!!!!!! Auch meine Freunde finden diese Namen cool und trinken ihn gerne. Liebe Grüße, Carla!!!!!!!!!"
Elena: "Hier hast du meine Meinung über Zimtzicke und Co. : Ich verstehe überhaupt nicht, warum sich andere Leute über die Namen Zimtzicke und Professor Schlau aufregen. So habe ich gar nicht darüber gedacht. Ich finde die Namen lustig und ansprechend. Auch meine Freundinnen trinken die Tees gerne und lachen über die Namen. Dadurch kann man sich die Tees auch gut merken. Viele Grüße Elena."





Wir sind mit diesen Produktnamen für die Kinder- und Jugendtees in unserem Sinne ganz korrekt, aber gerne schon mal nicht ganz "political correct". Allerdings haben wir selber Kinder befragt - sie verstehen unsere Produktnamen ähnlich wie wir.

Wir wollen bewusst weder die für die 70er Jahre wichtige feministische Diskussion fortführen, noch eine trennende Genderphilosophie für Schulkinder unterstützen. Unsere Jungen und Mädchen werden ganz andere Probleme zu bewältigen haben, wenn sie groß sind, und zwar gemeinschaftlich, nicht als Konkurrenz. Keine niedlichen Engelchen, Bengelchen, Prinzesschen, Räubertöchterchen bei uns, und kein Jungsbashing!

Manche Erwachsenen-Kommentare machen uns bewusst, wie notwendig die Auflösung der alten Rollenbilder ist. Mögen unsere Teenamen ruhig noch weiteren Widerspruch in dem Sinne hervorrufen.

Die Diskussion ist eröffnet:

Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner
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  • 2 Kommentar(e)
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wolke
15.05.2010
09:52

genderstreit

wie die kinder / jugendlichen die namen sehen ist das eine, welche beiträge eingestellt werden das ander. und gekauft (und gekocht) werden die tees von den eltern.
der "zornige mädchen tee" wird kaum vor denkfallen schützen - wie mit dem zorn meines kindes - ganz egal ob tochter oder sohn, liegt ja wohl an den eltern und es könnte ja auch das missverständnis entstehen, dass der zornige mädchentee aus meiner, grad mal aufmüpfigen, tocher ein braves angepasstes mädchen macht - also die wut nicht abtrainiert sondern gleich mit dem tee weggetrunken wird.
und schlau wird junge oder mädchen von dem tee eh nicht - wenn ein junge meint die mädchen sind schon schlau, der tee wird's nicht bringen, dass er schlau wird. und bei aller mädchen- förderung und der erkenntnis, dass mädchen fleissiger sind in den top-positionen landen männer....
und ob gerade die eltern von migranten-kindern diese tees sich leisten können ist dann die nächste frage...

michael
21.09.2010
10:41

polarisieren

wenn Sie polarisieren wollen und "politisch unkorrekt" die Diskussionen der 70er nicht fortführen wollet etc. - warum bringen Sie dann nicht einen "Ausländer-" oder "Kanacken"-Tee auf den Markt. Wir "Migranten" würden das verstehen und nennen uns ja auch selbst so. Ich freue mich schon auf meinen Ausländer-Tee.

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