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Heiliger Strohsack: Geschichten vom Heiligen des Monats, April.

Heilige des Monats April 2010: Cantius, Cantianus und Cantianilla

 

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).   




Festtag in Hildesheim: 01.04. (Ankunft der Reliquien)


Schutzpatrone der Kinder


In den vergangenen Monaten hat uns interessiert, was mit mehr oder weniger bekannten Heiligen los ist, so lange sie da sind - heute fragen wir uns einmal, was Heilige bewirken, wenn sie wieder weg sind.

Sind sie denn weg ? Nun, keiner geht so ganz. Es bleiben Andenken, vielleicht Bücher, Bekleidung - und Knochen. Noch in den 1980er Jahren durfte mein auf´s Eifler Dorf gezogene Schwager die Erfahrung machen, dass in seinem Ort die männlichen Nachbarn eine Tote unter die Erde zu bringen hatten. Man trifft sich auf dem Kirchhof, buddelt abwechselnd, trinkt eine spendierte Flasche Schnaps und versteckt die Knochen der den Älteren bestens erinnerlichen Vorbelegung diskret tief unten im Loch. - Jetzt macht das auch dort ein Unternehmer, aber vorher war das überall so: in der Grüften räumte man Platz für den Nächsten der Familie, auf den Kirchhöfen steckte man die regelmäßig auftauchenden Reste in ein "Beinhaus".


Wohlgemerkt, die Knochen von jedermann, ob mit oder ohne Wappen, ob reich oder arm. Der Tod macht gleich - manche macht er allerdings auch gleicher. Denn wenn es einer in den Himmel schafft, wenn eine wirklich dort oben beim Herrn ist - dann doch die Heiligen ! Da war ein Schauder, eine Aura um deren Überbleibsel, die Reliquien. Die Seele dieses Leibes war sicher geborgen beim Herrn, in Abrahams Schoß: aber hatte diese Seele nicht vorher diese Knochen belebt ? Hatten die Knochen nicht der Seele ganz konkret als Wohnung gedient ?  Man fühlte sich diesen heiligen Seelen verbunden, man fühlte sich der jenseitigen Welt zum Greifen nah, war man den Reliquien nah.


Aquae Gradatae bei Aquileia in Norditalien, 304 nach Christus. Drei Kinder bzw. Jugendliche und ein Lehrer werden geköpft. Sie hatten Christen bleiben wollen, trotz der letzten und zugleich massakerreichsten Verfolgung durch den Diktator/Kaiser Diokletian. Aus guter Familie, aber verwaist, hatten sie in Rom alles verkauft und den Armen gegeben, wollten mit ihrem Mentor Protus in der Provinz untertauchen. Kurz vor dem Ziel erkannt, blieben sie ihrer Überzeugung, dem hellen Licht ihres Lebens in all der sie umgebenden römischen Barbarei treu.


Andere Opfer sind längst vergessen, ihr Staub verweht. Der Nachruhm der 3 Geschwister gründet sich darauf, dass ein Priester namens Zoelus ihren Leichen (sicher nicht risikolos) ein gemeinsames Grab zu verschaffen wusste. Den dort verwahrten Reliquien erweisen nun Gläubige seit 1706 Jahren Respekt. In Aquileia ruft man sie als Schutzpatrone der Kinder an, in Kranj (Slowenien) steht eine Kirche zu ihren Ehren - und in Hildesheim in Norddeutschland kamen an einem 1. April vor etwa 1000 Jahren einige Reliquien an. Diese Ankunft der unscheinbaren Knochen war den Menschen dort ein solches spirituelles Ereignis, dass sie diesen Tag der Ankunft seitdem (bis heute) feiern. Ja, noch 1978 (man glaubt es kaum) wurde der neue Hochaltar der Kirche im benachbarten Söhre mit Teilen der Reliquien versehen.


Natürlich kann man darüber spotten, das macht seit Luther alle Welt, moderne Katholiken stehen da mit in der ersten Reihe: kindischer Aberglaube, schlichte Gemüter ! Es wird milde gelächelt. Als Reliquienverächter ist man zweifellos in allerbester, hochintellektueller Gesellschaft.
Wenn man aber gar nicht so oberschlau sein will, und einen dieser Anhauch aus der anderen Welt anrührt ? Wenn man die ausgestreckte Hand aus dem Himmel nicht ausschlagen will ? - Hat der Chef in seiner komischen Art nicht mal gesagt  "Werdet wie die Kinder, sonst kriegt ihr nie die Kurve" ? Und wie sieht sie aus, unsere Erwachsenenwelt ? Na ? Wie sieht sie aus ?







Unser Geschichtenerzähler  Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem  FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.



 




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