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Hintergrund: Stevia, aktuelle Situation.

Jahresbericht 2008/09: Stevia zwischen Freiheit und Markt-Monopol

 

Wir danken Herrn Steiner von PRO STEVIA SCHWEIZ, Verfasser dieses Berichts, dass er ihn uns zur Verfügung gestellt hat. Kontakt zu PRO STEVIA SCHWEIZ: siehe unten.





Ist Stevia nun zugelassen oder nicht? Eine tägliche Frage für Pro Stevia. Doch die Antwort ist immer noch nicht einfach. Zu den Fakten:

  • In der EU ist Stevia im Prinzip weiterhin nicht zugelassen! 
  • Ausnahme ist Frankreich, dort erhielt ein Rebaudiosid A 97 % eine auf 2 Jahre beschränkte Zulassung.
  • In der Schweiz ist wie seit Jahren die Zugabe von 1 bis 2 % Stevia in Teemischungen erlaubt.
  • Neu ist in der Schweiz beim BAG auf Gesuch hin eine provisorische Zulassung für Steviol-Glykoside erhältlich, sofern sie mindestens 95 % Reinheit aufweisen und den JECFA-Spezifikationen entsprechen.
  • Via diese neue Zulassungs-Möglichkeit hat das BAG bis Ende 2009 total 37 Produkte (Steviol-Glykoside oder Rebaudiosid A) zugelassen. Diese erstrecken sich von Stevia flüssig über Pulver, Tabs, Getränke, Tomaten-Ketchup, Assugrin Steviasweet, Groovia, Schokolade, Glace, Kräuterbonbons, Getreidestängel bis Hefesüssgebäck.

 

 

Begriffs-Klärung

Stevia-Pflanze:     Stevia rebaudiana Bertoni, eine Pflanze mit rund 300 Inhaltsstoffen, vorwiegend aus den Gruppen der Terpene und Flavonoide
Süssstoffe:    Stevioside, Rebaudioside A, C, D und E, Dulcoside A
Steviol-Glykoside:     Extrakte der Stevioside-Diterpenglykoside. Glykoside sind organische chemische Verbindungen der allgemeinen Struktur R-O-Z, bei denen ein Alkohol (R-OH) über eine glycosidische Bindung mit einem Zuckerteil (Z) verbunden ist.
Reb A 97:    Extrakt aus Rebaudiana A mit 97 % Reinheit


Coca-Cola steigt ein

Seit 2002 mischt Cargill, ein amerikanisches Familienunternehmen mit 116,6 Milliarden US-$ Umsatz (2009) kräftig im Reb A-Markt mit. Cargill sucht einen Ersatz für die HFCS (High Fructose Corn Syrup), dessen Verbrauch seit 2002 in den USA um 12,7 % zurück ging. Der Konzern ist selber einer der weltweiten Hauptproduzenten für HFCS. Cargill will auch der amerikanischen Bevölkerung Rechnung tragen, welche zu 2/3 künstlichen Süssstoffen misstraut. Cargill hat mit Coca-Cola einen Exklusivliefervertag von Reb A 97 bis ins Jahr 2030 abgeschlossen. So weit so gut. Alles passt in die gegenwärtige Stimmung, in der naturnahes, gesundes und dennoch hippes Konsumieren angesagt ist.



Reb A 97 ist ein Pseudo-Stevia

Ist aber ein Reb A 97 noch ein natürlicher Süssstoff? Dr. Jakob Ley von Symrise, dem viertgrössten Duft- und Aromahersteller der Welt, sagt ganz klar, dass Reb A 97 nichts mehr mit Stevia zu tun hat. Wir müssen also entweder von Stevia (Blätter) oder von Reb A (und wohl auch Steviol-Glycosiden) sprechen. Die Produkte von Cargill und Merisant enthalten auch Isomere (spiegelverkehrte Moleküle) und Artefakte. Neuere Stevia-Züchtungen von Cargill sollen auch Rebaudioside F enthalten, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch gentechnisch veränderte Pflanzen erzeugt werden.
Ein weiteres Problemfeld sind die verschiedensten Extraktionsverfahren, bei denen teilweise Kalk, Eisen und Aluminium eingesetzt werden. Bei den vom BAG zugelassen Extrakten haben wir keine Ahnung, wie die Extrakte und aus welchem Pflanzenmaterial sie gewonnen wurden. Dazu kommen noch die Träger- und Haltbarkeitsstoffe, die nicht immer natürlichen Ursprungs sind.



Warten auf Strassburg

Die Problemlösung wäre eigentlich die Zulassung der Steviablätter. Doch gemäss Herrn Andreas Klepsch von der EU-Kommission ist vorläufig mit keiner Zulassung von Blättern zu rechnen. Der Europäische Gerichtshof Strassburg wird dieses Jahr noch eine Anfrage des Verwaltungsgerichtshofes München beantworten müssen, ob Stevia der Novel-Food-Verordnung untersteht oder nicht. Erste Stellungsnahmen lassen nichts Gutes erhoffen. Doch noch lebt die Hoffnung: Wenn Strassburg Stevia nicht unter die Novel-Food-Verordnung stellt, sind die Blätter ohne weitere Studien zugelassen - das wäre eigentlich die logische Befreiung von Stevia aus überflüssigen Einschränkungen.
Gleichzeitig ist ein Gesuch von Cargill für Reb A 97 bei der EU hängig. Hier stehen wir zwischen zwei Extremen. Wenn die EU-Kommission dem Antrag Cargill stattgeben würde, und gleichzeitig die Novel-Food-Einschränkungen bleiben, könnte im schlimmsten Fall nur Reb A 97 in Europa zugelassen sein. Auch die provisorischen Zulassungen für Steviol-Glykoside würden hinfällig. Bis Ende Jahr wissen wir vielleicht, ob sich die Vernunft oder die Macht durchgesetzt hat.



Pro Stevia für Wahlfreiheit

Der Konsument hat nur eine Wahlfreiheit, wenn auch die Blätter zugelassen sind. Dann kann er zwischen einem natürlichen und einem eher unnatürlichen, dafür einfach anwendbaren, Süssstoff wählen. Die grossen Player haben jedoch kein Interesse an der Zulassung der Pflanze, denn sie versprechen sich vom Extrakt-Markt Milliardenumsätze.
Leider spielen die Medien eine unglückliche Rolle. Wenn sie von Stevia schreiben, heben sie grösstenteils die Vorzüge der Pflanze hervor. Von den positiven Effekten ist aber in einem Extrakt kaum mehr etwas vorhanden. Auch wenn Villars eine Schokolade mit 4 % Zucker und Reb A auf den Markt bringt und gleichzeitig in höchsten Tönen die Vorteile von Stevia rebaudiana-Blättern lobt - zum Beispiel plaquehemmende Wirkung - ist dies schlicht Irreführung des Konsumenten.



Ausbeutung der Bauern

Dazu kommt das agropolitische Problemfeld: Wenn die Blätter nicht zugelassen werden, wird sich für diese kein Markt entwickeln. Die Bauern müssen dann gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen, die der Agrokonzern liefert. Die Ernte müssen sie wiederum dem Konzern abliefern - gegen ein Trinkgeld. Cargill hat sich in Paraguay bereits 50'000 Hektaren Land gesichert, auf dem Stevia angebaut werden könnte.
Ich möchte eigentlich nicht, dass sich indische Zustände in Südamerika wiederholen. Indische Kleinbauern sind öfters nicht in der Lage, die Kredite, die sie in Form von Saatgut und Pestiziden von den Agromultis erhalten haben, mit der Ernte zurück zu bezahlen. Dies führte bereits tausende von Menschen in den Ruin oder gar Suizid. Der indische Staat wollte das Problem bekämpfen und sprach den Hinterbliebenen eine Entschädigung von US $ 3'000 zu, was einige verzweifelte Bauern zusätzlich in den Freitod trieb, damit die Familie wenigstens zu dieser Zahlung kam. Wenn wir die Milleniumsziele der UNO, die Armut bis 2015 zu halbieren, ernst nehmen wollen, dürfen wir solche Praktiken nicht dulden.

 


Kurt Steiner
02/10

 

PRO STEVIA SCHWEIZ
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Tags: stevia, stevia rebaudiana
Anzahl Aufrufe: 6295
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  • 2 Kommentar(e)
  •  
Petro
28.04.2010
08:53

aus dem Reich der Märchen und Fabeln

Steviolglykoside aus transgenen Stevia-Pflanzen, sowie Artefakte bei der Isolierung der Süßstoffe sind reine VERMUTUNGEN, die im Oktober 2009 bei einer Fachtagung an der Uni Hohenheim in die Welt gesetzt wurden. Ohne jegliche Beweise drauflos zu spekulieren, ist nun nicht gerade ein seriöses Vorgehen.

Heuschrecke
03.12.2010
00:00

Offener Brief zu Kommentaren zum Jahresbericht 2008/09: Stevia zwischen Freiheit und Markt-Monopol

Dr. Udo Kienle arbeitet an der Uni Hohenheim seit bald 30 Jahren am Thema Stevia. Er ist für sehr viele die Ansprechperson zum Thema.
Der folgende offene Brief bezieht sich auf Kommentare, die auf unserer Website sowie im Forum ProStevia Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.prostevia.ch eingingen. Da der offene Brief von Udo Kienle viele Informationen gibt, die sonst nicht (z.B. in der Tagespresse) zu finden sind, veröffentlichen wir ihn hier.



Offener Brief an "Manuela" und "Peter"


Dass jetzt eine baldige Zulassung für die Stevioglykoside vor der Tür steht, ist schön. Es gibt aber Punkte, die aus meiner Sicht hierbei zu beachten sind. Dies lasse mir das auch nicht von irgendjemandem verbieten. Offensichtlich stören diese Aussagen irgendjemanden und deshalb greift man hier zu persönlicher Diffamierung. So etwas macht man dann, wenn man zur Sache selbst nämlich nichts sagen kann und auch keine Sachargumente hat. Was mich persönlich aber daran stört, ist, dass die betreffende Person vor allem eines nicht hat, was man mit dem altmodischen Wort Anstand bezeichnet. Wenn jemand glaubt, ich hätte kriminelle Dinge getan, dann kann er gegen mich ja Klage erheben. Ich habe aber nie eine Klageschrift zugestellt bekommen, obwohl es ja angeblich Anlass gegeben hätte.

Richtig ist, dass während der Versuche zum EU-Projekt zum Stevia-Anbau in Spanien zwei Hektaren Stevia-Pflanzen durch Einleitung des Herbizides "Diuron" in die Tröpfchenbewässerungsleitung durch Unbekannte vernichtet wurden. Dies wurde von mir bei der Guardia Civil in Spanien angezeigt. Offensichtlich hat es schon damals Personen gegeben, denen ein Stevia-Anbau in Europa unerwünscht war. Wir mussten auch einen Partner aus dem EU-Forschungsprojekt hinauswerfen. Dies geschah mit Unterstützung der EU-Kommission, weil dieser Partner offensichtlich von dritter Seite beeinflusst war und die Forschungsarbeiten mit allen Mitteln blockieren wollte. Dem Partner wurden deshalb in erheblichem Umfang Projektmittel seitens der EU-Kommission gestrichen. Trotz dieser Widerstände wurde das Forschungsprojekt erfolgreich zu Ende geführt.  

Nun zu den angesprochenen Fach-Themen: Es ist eindeutig, dass bei der Herstellung der Steviolglykoside mit der gängigen Herstellungsmethode während der Produktion Umlagerungen und Isomere entstehen. Dies zeigen die Anmeldungen (Unterlagen zu Gras-Notification) von Cargill und Merisant. Dort sind einige dieser chemischen Neubildungen dargestellt. Des weiteren gibt es Patentanmeldungen von Pepsi-Cola, die zeigen unter welchen Bedingungen diese Isomere entstehen. Dabei ist ganz klar ersichtlich, dass diese bei den üblichen Herstellungsbedingungen entstehen. U.a. entsteht zum Beispiel Isosteviol. Dies ist eine Substanz von der nicht bekannt ist, dass sie in der Natur vorkommt. Von Isosteviol ist aber bekannt, dass diese Substanz pharmakologische Eigenschaften hat. Möglicherweise sinnvolle, aber deshalb wäre so eine Verbindung ein Medikament und hat nichts in Süßstoffen zu suchen. Es gibt andere Verbindungen, die zum ersten Mal 2008 beschrieben wurden und bis dahin nicht bekannt waren. Ursprünglich wurden Steviolglykoside in Japan ähnlich wie Zucker hergestellt. Ende der 90er Jahre wurden die Verfahren aber verändert. Eine neuere toxikologische Langzeituntersuchung unterblieb aber, was eigentlich angebracht gewesen wäre, da ja der Anteil der Nicht-Steviolglykosid-Verbindungen substanziell verändert wurde. Es ist ganz sicher, dass Unternehmen wie Cargill sehr genau ihre Steviolglykoside untersuchen. Es gibt aber andere Hersteller, die ihre Steviolglykoside z.B. nicht auf die Abwesenheit von Isosteviol untersuchen. Dies wäre mindestens als erweitertes Reinheitskriterium zu fordern.

Transgene-Stevia-Pflanzen: Darauf hat Frau Victoria de la Huerga auf der International Fruit World 2009 (15./16.9.2009) hingewiesen. Herr Josep Pamies i Breu, der am 22.2.2010 auf der email-Verteiler-Liste von EUSTAS stand, weist darauf in einer Präsentation zum Thema Stevia hin. Ebenso hat die Kent-Depesche, eine Zeitschrift, die laut Verfassungsschutzbericht von Baden-Württemberg dem scientologischen Umfeld zugerechnet wird, im Jahr 2007 darauf hingewiesen. Soweit Beiträge Dritter, mit denen ich nichts zu tun habe. Vom fachlichen Aspekt her, gibt es eine Reihe von Patentschriften und wissenschaftlichen Fachartikeln zum praktischen Teil des Themas. Da steht drin, wie es geht, Stevia-Pflanzen gentechnologisch so zu verändern, dass z.B. mehr Rebaudiosid A entsteht. Geübte Fachpersonen haben da eine Blaupause. Es wäre ganz einfach, wenn jeder Steviolglykosid-Hersteller seine zur Herstellung genutzten Varietäten bei der EU-Kommission hinterlegen und regelmäßige Kontrollen durch die EU-Kommission zulassen würde. Man kann sich über Sinn und Nutzen der Gentechnologie trefflich streiten. Man muss aber die Rechtslage dabei im Auge haben. Es ist in der Europäischen Union nicht zulässig Lebensmittelzusatzstoffe, das wären die Steviolglykoside, aus gentechnologischen Organismen zu gewinnen, die in die Umwelt etabliert wurden (z.B. durch Anbau), außer wenn diese Organismen selbst als unbedenklich seitens der EU-Kommission geprüft und zugelassen sind. Weiterhin sagt die Rechtslage, dass ein Lebensmittel, das unter Verwendung eines unzulässigen Lebensmittelzusatzstoffes (z.B. aus gentechnologisch veränderten Pflanzen) hergestellt wurde, automatisch nicht mehr verkehrsfähig ist. Somit läge der Schaden zunächst einmal beim Lebensmittelhersteller. Wenn man sieht, dass 96% der europäischen Lebensmittelhersteller kleine und mittlere Unternehmen sind, dann würde ein Skandal jedes dieser Unternehmen stark schädigen und eventuell Arbeitsplätze kosten, wenn nicht gar die Existenz des Eigentümers. Genau dies ist zu vermeiden. Deswegen: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

In Kürze sollen Steviolglykoside in den USA auf den Markt kommen, die über fermentative Prozesse im Bioreaktor hergestellt würden. Sollte dies tatsächlich so sein, und das Verfahren auch so funktionieren, dann ist dies die Herstellung der Zukunft, weil die ganz großen Unternehmen der Branche einsteigen werden. Stevia-Anbau zur Herstellung von Steviolglykoside in China, Afrika und auch Südamerika werden dann mittelfristig verschwinden.   

Aus meiner Sicht nochmals ganz generell zum Thema Stevia und Steviolglykoside. Es ist ganz klar, dass Verbraucher natürliche Süßungsmittel bevorzugen, besonders dann, wenn sie zusätzlich kalorienarm sind. Nach einer Umfrage, die wir an der Universität Hohenheim im Juni/Juli durchgeführt haben, würde die überwiegende Mehrheit der Verbraucher auf Zucker verzichten, wenn Steviolglykoside zugelassen sind. Ebenso würde ein großer Teil der gleichen Befragten auf künstliche Süßstoffe verzichten. Dies erfordert eine hohe Verantwortung gegenüber dem Verbraucher. Die einzige Langzeitstudie zur gesundheitlichen Unbedenklichkeit, die die Europäische Lebensmittelbehörde heranziehen konnte, ist schon fast 20 Jahre alt. Korrekterweise, im Sinn eines Verbraucherschutzes, wäre nochmals eine Langzeitstudie durchzuführen, bei der das europäische Verzehrsniveau für Süßstoffe berücksichtigt wird. Würde man den europäischen Verbraucher ernst nehmen, dann müsste man eine solche Langzeitstudie mit einer auf den Menschen bezogenen Maximaldosis von 40 - 50 mg Steviolglykosid pro kg Körpergewicht durchführen. Derzeit liegt die maximale Höchstdosis bezogen auf Steviosid bei 10 mg/kg Körpergewicht. Bei dieser minimalen Menge bedeutet dies, dass ein Kind pro Tag nur 1 Glas Limonade trinken kann, um die maximale Tagesdosis nicht zu überschreiten. Dies hat der Schweizer Gesetzgeber dahin gehend geregelt, dass derzeit in Getränken nur 200 mg Steviolglykosid pro Liter Limonade enthalten sein darf. Die Konsequenz ist, dass der Verbraucher solche Produkte nicht annimmt, wenn noch zusätzlich überwiegend Zucker enthalten ist. Erste Produkte sind in der Schweiz schon wieder vom Markt verschwunden. Meiner Meinung nach hat der Verbraucher das Recht, dass Süßstoffe die maximal mögliche Sicherheit im Sinne des Verbraucherschutzes erfüllen. Bei Steviolglykosiden besteht das Problem, dass die technisch notwendigen Einsatzmengen in Lebensmitteln nicht ohne weiteres mit den europäischen Verzehrgewohnheiten (viel Süß und viel Süßstoffe) in Einklang zu bringen sind. Man kann nachlegen und eine neue Langzeitstudie machen, das würde dieses Problem lösen. Die unsäglichen Versuche, die EU-Kommission, die Zuckerindustrie oder die Süßstoffindustrie als großes Zulassungshindernis für die Steviolglykoside darzustellen, lenken ganz einfach vom Thema ab. Nämlich, dass bis heute keine Untersuchungen vorliegen, die den Nutzen für den Verbraucher auch tatsächlich belegen. Das Lebensmittelrecht im Bereich Zulassungen ist ein System, das gemäß "Check" and "Balances" funktioniert. Der Antragsteller bereitet sein Zulassungsdossier vor und unabhängige Experten untersuchen, ob die gesundheitliche Unbedenklichkeit auch tatsächlich gewährt sein wird. Wir haben hier genau keine Meinungsdiktatur von Einzelnen, sondern das Zusammenwirken vieler für ein gutes Ganzes.

Ich habe vorher den Begriff "Anstand" benutzt, dem manchem Schreiber offensichtlich fehlt. Es zeugt nicht von Anstand, wenn man über die unterschiedlichsten Medienkanäle der EU-Kommission im Zusammenhang mit bisher nicht erteilten Zulassung "Korruption" unterstellt und die zuständigen EU-Beamten mit Telefonketten belästigt. Wir sind - Gott sei Dank - weit davon entfernt, dass im Bereich Lebensmittel nach Interessenlage entschieden wird. Lebensmittel waren aber schon immer ein sehr heikler Wirtschaftszweig und deshalb haben Staaten, schon in der Frühzeit der menschlichen Zivilisation, versucht mit drakonischen Strafandrohungen Ordnung und Lebensmittelsicherheit zu schaffen. Wer es nicht glaubt, der kann sich mal in Ruhe die Gesetze des babylonischen Herrschers Hammurapi (ca. 1800 v. Chr.). durchlesen. Man kann diese Strafandrohungen reziprok sehen, d.h. je härter die Strafandrohung, desto größer das Gefährdungspotential durch die gepanschten Lebensmittel.  

Es gibt Zeitgenossen, die versuchen, das Thema Steviolglykoside und die Pflanze Stevia rebaudiana für die Verbreitung bestimmter ideologischer Inhalte zu missbrauchen. Deshalb habe ich in einem Kommentar, auf den "Manuela" abhebt, erschienen im Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit im Juli 2010, darauf aufmerksam gemacht, dass in der EU eine Propaganda-Präsentation verbreitet wird, die den EU-Staaten unterstellt, korrupt zu sein. Diese Präsentation wird in Kürze auf der Stevia-Webseite der Universität Hohenheim veröffentlicht, damit sich der gemeine Bürger auch ein Bild davon machen kann, was hier manche Köpfe bewegt. Ebenso ist es von öffentlichem Interesse, wenn man weiß, dass der Präsident von EUSTAS sich in einem US-Forum im Jahr 2007 dahin gehend ausgelassen hat: "On the contrary, there seems to be some dark forces undermining our work on stevioside".  Ich möchte an dieser Stelle auch nochmals auf die oben genannte Kent-Depesche eingehen. Immer wieder wurde hier zum Thema Steviolglykoside und Stevia berichtet, dass Zucker schädlich ist u.a.m. Aber die Kent-Depesche wusste Abhilfe und hat, so habe ich es auf jeden Fall verstanden, bei ihren Lesern für Steviolgylkoside als Alternative geworben. Aber vielleicht kann jemand schlüssig erklären, warum als einzige Bezugsquelle über Jahre hinweg die Firma des Herrn Vizepräsidenten von EUSTAS genannt wird? Für mich ist die Sache ganz klar: Es gibt schon saumäßig dumme Zufälle.  

In diesem Sinne  
Dr. Udo Kienle

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