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Gastbeitrag
12.03.2010
09:45

Ohrenkuss im Blaubartzimmer

Unsichtbare Macht, mit großen Auswirkungen

Kleines Hintergrundwissen zu Ohrenkuss:

Was ist eigentlich Ohrenkuss? Ohrenkuss ...da rein, da raus ist ein Magazin, in dem fast alle Texte von Menschen mit Down-Syndrom erstellt werden (selbst geschrieben, getippt, in den Computer eingegeben oder auch diktiert und danach eventuell selber abgeschrieben). Die zwölf Bonner Kollegen treffen sich alle zwei Wochen zur Redaktionssitzung. Die Außenkorrespondenten senden der Redaktion ihre Beiträge per Post, Fax, Tonband oder eMail zu. Die Autoren- und Redaktionsarbeit wird von Assistenten begleitet. Bei Ohrenkuss kann sich jeder als Autor bewerben, der das so genannte "Down-Syndrom"  hat.

Themen, die die Welt bewegen ... Über (fast) alles haben die Autorinnen und Autoren von Ohrenkuss schon einmal geschrieben: über die Liebe, die Musik, über Essen und Trinken, Sport treiben und den ewigen Konflikt zwischen Männern und Frauen. Die Themen dieses ungewöhnlichen Magazins sind so vielfältig wie das Leben selbst. Menschen mit Down-Syndrom schreiben in Ohrenkuss über das, was sie bewegt, verleihen ihren Gefühlen Worte, teilen ihre Sicht der Welt den Lesern mit. Die Themen bestimmen die Autoren selbst, genauso wie ihre Texte eins zu eins in dem Magazin wiedergegeben werden - ohne Anpassungen an die aktuelle Rechtschreibung, ohne Korrekturen bei Grammatik oder Zeichensetzung.

Öffentlichkeit und Unterstützung: In den langen Jahren des Projektes haben sich viele Menschen ein Bild von Ohrenkuss machen können, auch wenn sie noch nie ein Heft in den Hände gehalten haben. Die Ohrenkuss-Website wird von Menschen aus ganz Deutschland regelmäßig besucht: Jeder Ohrenkuss-Autor ist dort mit einem Porträt vertreten. 2005 ist Ohrenkuss mit dem Deutschen PR Preis ausgezeichnet worden; verschiedene Stiftungen haben das Projekt finanziell unterstützt. 2006 und 2009 erhielt Ohrenkuss den BCP Award, einen renommierten Preis für Unternehmensmagazine.

Dr. Katja de Bragança

 

 

Blaubartzimmer


Bei der Einstimmung zu dem Thema Unsichtbar (Ohrenkuss Ausgabe 1-2010) kamen auch dunkle Themen hoch.
Die Ohrenkuss-Redaktion musste sich der Tatsache stellen, dass es auch weniger schöne Dinge gibt, die sich noch in der Unsichtbarkeit finden lassen - wenn man denn sucht.
Und mutig ist.
Was liegt da näher, als sich mit dem legendären Blaubartzimmer zu beschäftigen?


Ohrenkuss-Ausgabe Unsichtbar: Angela BaltzerDie Kollegin Angela Baltzer lässt ihre Phantasie spielen, darin ist sie ein Profi, trainiert durch jahrelanges Schreiben für das Magazin. Sie diktiert den folgenden Text:



Meine geheime Kammer

Ich mag sehr gern Totenskelett und ich mag sehr gerne sehr viel Blut.
Ich habe ein Totenskelettkerze.
Ich habe die Schlüssel für die Kammer, ich bin über die Macht.
Darf nur Angela aufmachen, andere darf nicht aufmachen, ist verboten.

 

 





Streng ist, wie immer, die Kollegin Anna Maria Schomburg. Sie legt Wert auf Äußerlichkeiten. Das Blaubartzimmer im Original findet sie nicht in Ordnung, klärt uns aber auf, wie es mit ihrem eigenen Blaubartzimmer bestellt ist:




Nicht sehr appetitlich

Das Blaubartzimmer ist ein Zimmer, wo Geheimnisse aufbewahrt werden und wo niemand rein soll!
Das ist ein nicht sehr appetitliches Märchen über einen Mann mit Blaubart!
Mein Blaubartzimmer ist unter meinem Kinderzimmerbett die Grabstätte für die verstorbenen Tiere die da beerdigt werden.

 



Es geht, wie so oft, um Macht - unsichtbare Macht, mit großen Auswirkungen.
Der Kollege Stefan Zajak  aus Tirol denkt politisch - und betont es auch gleich, indem er mit Großbuchstaben seinen Text in den Computer hämmert:




Unsichtbare Macht    

 

UNSICHTBAR IST ZUM BEISPIEL IM FALL DER MAUER- UND ES WAR
DAS UNSICHTBARSTE JAHR VON 1989.
DANN FÄLLT DIE MAUER WEIL DIE DEMONSTRANTEN HABEN GERUFEN:
WIR SIND DAS VOLK. WIR SIND DAS VOLK: UND DA FÄLLT DIE MAUER WEIL SIE HABEN DIE MAUER ZERSTÖRT UND DIE NACHRICHTENSENDER ÜBERTRAGEN ES.
 ES WAR EINE UNSICHTBARE MACHT, DAMALS. DER FRIEDEN IST ZURÜCK UND DIE BERLINER STADT NICHT MEHR ZERTEILT.
DANN HAT DER HELMUT KOHL DIE ANSPRACHE GEMACHT UND DANN HAT ER EINE
BAMBIVERLEIHUNG VERDIENT, 20 JAHRE SPÄTER: SO SICH ALLES UNSICHTBAR VERÄNDERT HAT.

 

 




Ohrenkuss-Ausgabe Unsichtbar: Horst Kolbitz
Dienstältester Kollege der Bonner Redaktion ist Horst Kolbitz - er schaut immer ganz genau hin und macht sich die Mühe, das Blau des Blaubartzimmers anhand eines Farbfächers zu bestimmen. Hier lesen Sie sein Diktat:

 

 

Eine Farbe


Pantone 3005 C
Der König hat Bart steht.
Ein Bart.
Das ist eine Farbe. blau.

 

 

 

 

 

Neuer  Kollege und Ohrenkuss-Nachwuchs ist der 17 jährige Daniel Rauers. Er sorgt sich um den Schlüssel - was geschieht, wenn man die verschlossene Tür aufschließt? Was findet man in dem Raum!? Will man das so genau wissen? Er diktiert:



Der verbotene Schlüssel

 

Da ist Skelette drin. Weil die abgeschlossen sind, um die verbotene Schlüssel.
Ist ein Totenleiche. Die verbotenen Tor nicht sehen kann, gar nicht.
Weil es nicht sehen kann Gerippe von Wesen, Drachen. Speit Feuer, fliegen.
In Gefängnis gar nicht Feuer speien.
Meine geheime Kammer
Toten Menschen, weil es Skelette, gruselig.
Schrecklich.
Geisterwelt. Gespenstern, die heulen.
Weil die gruselig ist.
Vampir und Fledermäuse.




Die blutige Redaktionssitzung zum Thema endet aber elegant und sorgenfrei, denn der Ohrenkuss US-Korrespondent Tobias Wolf klärt uns auf:



Ein  BLAU-BAD-ZIMMER ist wie ein blaues Bad.
Das hab ich in Vashon mit blauen Kacheln.





Mehr Texte und Fotos zum Thema finden Sie in der neuen Ohrenkuss-Ausgabe "Unsichtbar" (ab sofort erhältlich):
Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

 

 

 



Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de


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Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.
Fotos: Michael Bause, Köln   Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.michael-bause.de


 


Tags: blaubart, down syndrom, blau, poesie
Anzahl Aufrufe: 5016
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  • 1 Kommentar(e)
  •  
Inger Detlefsen
15.03.2010
15:20

Mein Tipp

Mein Tipp ist: falls man sich die Welt nicht erklären kann - bei Ohrenkuss nachschauen!

Wer anders als ein Ohrenkuss-Autor hätte z.B. die Vorgänge um den Mauerfall treffender zusammen fassen können!?
Und dass es sich in Wirklichkeit um ein BLau-BAD-Zimmer handelt, wer hat das schon gewusst?? Und dabei doch so naheliegend...

Vielen Dank für die neuerlich erhellenden Momente mit Ohrenkuss!

Inger Detlefsen

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