Blog-Text-Suche

Meist gelesene Posts

Trocknungsverfahren für Kräuter und Gewürze
95980 mal gesehen   21.03.2014
Heiliger des Monats März: Oscar Romero
94569 mal gesehen   24.03.2014
Verschwörungstheorien
75341 mal gesehen   19.05.2010
Blogst Du hier!
75202 mal gesehen   21.10.2009

Archiv

Abonnieren für RSS-Reader

RSS 0.91Nachrichten
RSS 2.0Nachrichten

Heiliger Strohsack: Geschichten vom Heiligen des Monats, Februar.

1. Februar: Brigida / Brigitta von Kildare

 

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht). 





Patronin Irlands, der Schwangeren, der Kinder und der Haustiere

Auf den ersten Blick könnte uns die liebe heilige Brigida schnurzpiepe sein: viel zu lange her (1.500 Jahre), viel zu wenig Action (nix besonderes passiert). Frommes Mädchen, noch frömmere Nonne, heilige Äbtissin - ich schlaf gleich ein.

Auf den zweiten Blick zeigt uns die Verehrung der heiligen Brigida, wie offenherzig multikulti die Kirche vorhandene spirituelle Kräfte nicht bekämpft, sondern integriert, ja häuft. Indem man ihren Festtag auf den Tag der gleichnamigen keltischen Muttergöttin legte, den alten keltischen Frühlingsanfang am 1. Februar, wurde diese schöne Tradition bewahrt und weiter ausgebaut - insbesondere noch durch "Mariä Lichtmeß" gleich am Tag darauf. Dieses Fest des wiedererstarkenden Sonnenlichtes findet sich in den Erzählungen, daß Brigida Flammen auf dem Haupt erschienen seien - in ihrer Kirche in Kildare unterhielten noch 700 Jahre später ihre Klosterfrauen ein immerwährendes Feuer zu ihrem Gedächtnis. Selbst heute noch flechten in Irland Kinder zum Brigida Tag kleine Kreuze aus Röhricht, die in der Form an das alte Sonnenrad erinnern. - Reiche vergehen, Völker verschwinden, und die Kirche trägt die Tradition weiter und weiter - man mag das ja unwichtig finden, aber ich rheinischer Katholik steh auf die fette barocke volle Dröhnung. Warum weniger?

Und Drittens wird es knallmodern: im Kleingedruckten der Lebensbeschreibung Brigidas findet sich eine weibliche Emanzipationsgeschichte.
Brigidas Vater war nämlich ein adliger Militärmacho übelster Strickart: obwohl verheiratet, kaufte er sich ihre Mutter, eine Unfreie, als Sexsklavin. Als sein Spielzeug schwanger wurde, verkaufte er es mit Rabatt an irgendeinen Kumpel weiter und fragte nicht weiter danach. Das Mädchen Brigida wird getauft, das Christentum hält Einzug: und gibt Brigida, wie so vielen anderen, die Möglichkeit zur Revolte. Die schöne und intelligente Brigida muss sich nicht wie ihre Mutter verhökern und missbrauchen lassen, ihr bieten sich nun ungeahnte Möglichkeiten. Mit 14 setzt sie durch, Nonne werden zu dürfen und errichtet sich unter einer Eiche - recht hippiemäßig - eine Art Wohnhöhle. Andere stoßen zu ihr: Frauen auf der Flucht vor Männern (die waren damals ja auch nicht besser als heute), Männer auf der Flucht vor dem ewigen Gemetzeln, diesem Dauerblutrausch von Fehde und Blutrache, den sie bis heute nicht so recht sein lassen können. Es werden auf die Dauer mehrere solcher Kommunen, und hätte die Reformation nicht alles platt gehauen, bestünden sie noch heute. - Merke: wo im Mittelalter die Liebe ist, ist Mittelalter Fortschritt. - Und die Neuzeit ? - Nicht zu schnell antworten, die Frage sollte wirken können.




PS (auf unsere Nachfrage)...die heilige Brigida ist eine dieser "Basisheiligen" aus der Zeit der Christianisierung um 500, die einfach vom Volk wegen ihres Vorbildcharakters heiliggesprochen wurden - die offiziellen Heiligsprechungen gab es erst so ab 500 Jahre später. Gilt trotzdem !

Nein, keine wirklich belegten Wunder, kein Martyrium: hier genügte die Coolness eines gelungenen Lebens.
Schutzpatronin der Schwangeren, der Kinder, der Haustiere - und Irlands (zusammen mit Patrick und noch jemandem).


 



Unser Geschichtenerzähler Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.














 

 


Tags: brigida, irland, heilige des monats
Anzahl Aufrufe: 2760
  •  
  • 0 Kommentar(e)
  •  

Mein Kommentar

Bitte obigen Code eintragen

Benachrichtige mich, wenn jemand einen Kommentar zu dieser Nachricht schreibt.



Ihr Kommentar wird in der Regel am nächsten Arbeitstag freigeschaltet.

Spams, Links, rechtswidrige und anonyme Kommentare können nicht berücksichtigt werden.


Zurück