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die ebooks kommen

Schönes neues Lesen

Als 14-jähriger las ich viel Science-Fiction und war überzeugt, dass die Zukunft grandiose technische Wunder für die Menschheit bereithielt.

Viele Jahre später habe ich eingesehen, dass Atomkraft nicht nur Energieprobleme lösen kann sondern auch einen ganzen Sack neuer Probleme schafft.
Fliegende Autos, Kunstdünger oder Turbo-Gemüse halte ich nun nicht mehr für wünschenswert.

Aber einige meiner Science-Fiction-Träume sind Wirklichkeit geworden und haben unsere Welt grundlegend verändert:
Aus Mister Spocks "Kommunikator" wurde das Klapp-Handy. Endlich sind alle Menschen ständig miteinander verbunden, sogar unterwegs summt es bedeutungsvoll "bin grad in der Bahn..." und Beziehungsklärungen müssen nicht warten bis man sich sieht.
Eine andere Zukunftsidee war ein weltweites Netzwerk von Bildschirmen, über die man Angebot und Nachfrage optimal verteilen kann. Zuviele Äpfel im Garten? Kurze Nachricht und schon tauscht man die Äpfel gegen Birnen oder Ähnliches. Irgend etwas fehlt Dir? Tippe es ein und suche weltweit nach dem Anbieter.
Die rasante Entwicklung der Computertechnik und des Internet verwirklichte diese Utopie: bei ebay habe ich in den letzten Jahren ersteigert, was mir meine Eltern nie kauften und besitze jetzt eine ansehnliche Sammlung von "View Master"-3D-Scheiben oder die Carrera-Bahn, die ich nie bekam weil wir Kinder ja schon eine Märklin-Eisenbahn hatten. Das Internet als Tauschbörse funktioniert wunderbar - für die Musikindustrie sogar zu gut.
Durch intensiver tauschen von MP3-Dateien wurden die Musikkonzerne zum umdenken gezwungen - die alten Geschäftsmodelle funktionierten durch Peer2Peer-Netzwerke und iPods nicht mehr.

verschiedene eBook Reader, Foto: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0Ähnliches steht jetzt auch der Buchbranche bevor und damit sind wir bei einer weiteren Science-Fiction Erfindung:
So wie Captain Kirk in den "Star Trek" Fernseh-Folgen mit einem flachen Gerät in der Hand Baupläne der Enterprise oder Berichte des Schiffsarztes lesen konnte, so können wir Bücher digital lesen, als sogenannte eBooks. Die Entwicklung geht jetzt schon einige Jahre, vor allem auf den mobilen Computern beginnend mit dem Apple Newton über den Palm bis zum heutigen iPhone und auch auf größeren sehr flachen und leichten Lesegeräten, den eBook-Readern. Damit lassen sich digitalisierte Bücher mehr oder weniger komfortabel lesen - ein Vorteil ist, dass man hunderte von Büchern jederzeit bei sich hat und zum Beispiel beim Warten in der Schlange vor dem Postschalter lesen kann. In der Bahn und im Urlaub sowieso. Und im Bett mit dezenter Hintergrundbeleuchtung. Lesen! Überall! Sogar in verschiedenen Schriftgrößen, wenn das Auge nachläßt. Schöne neue Technik-Welt.
 
Auf der letzten Buchmesse wurden in Frankfurt wieder neue Reader vorgestellt, der Online-Händler Amazon hat den "Kindle" im Angebot, Thalia vermarktet den "Sony Reader" und die amerikanische Buchhandelskette Barnes & Noble plant ein eigenes Gerät.
Interessant ist eine bei Philips in Holland entwickelte Technik, mit der winzig klein schwarz-weisse Kügelchen in einer Bildschirm-Schicht durch elektrische Impulse ausgerichtet werden: dreht man die schwarze Hälfte nach oben, kann man aus vielen Kügelchen Buchstaben zusammensetzen, die sich gut von der weissen Umgebung abheben. Ein Leseerlebnis, dass ähnlich dem gedruckten Buch ist und nicht flimmert wie ein Bildschirm.
Ausserdem erfordert dieses Verfahren der "Elektrophorese" sehr wenig Strom, so dass man über 6000 Seiten lesen kann ohne den Akku des Gerätes laden zu müssen.

Alle großen Buchverlage haben mittlerweile digitales Lesefutter im Programm und haben auf der Buchmesse 2009 stolz von den geplanten Entwicklungen erzählt.
Allerdings werde ich den Eindruck nicht los, dass hier Bekenntnisse von Lippen kommen, die nicht gerne in den digitalen Apfel beissen. Haben die Verlagsmanager Sorge, dass es den Buchverlagen ähnlich gehen könnte wie den Musiklabels? Computer sind nichts anderes als Kopiermaschinen. Und so wie mit der Digitalisierung von Musik in MP3-Dateien auch der illegale Tausch und das kopieren der Daten möglich wurde, so könnte es auch den digitalen Büchern ergehen. Sammlungen von tausenden eingescannter Bücher könnten problemlos und rasend schnell als PDF oder im ePub-Format übers Netz verteilt werden ohne dass Verlage und Urheber daran verdienen.
Die Musiklabels haben diese Entwicklung schon hinter sich und darauf reagiert, indem die Produkte besser ausgestattet werden, Zusatznutzen enthalten und online günstiger erhältlich geworden sind.
Apple macht Millionen mit dem iTunes-Store, wo jeder Song im MP3-Format um 1 Euro kostet, ein Album meist 9,99 Euro.

Da ist der deutsche Buchhandel weit von entfernt:
das Angebot der eBooks, die man kaufen und herunterladen kann ist noch sehr begrenzt.
Keine aktuellen Verkaufshits wie der neue Schätzing oder Dan Brown. Keine Bestseller aus der Spiegel-Liste. Eher angestaubte Ware in einem schnell überschaubaren Sortiment.
Und: obwohl Druckkosten, Papierkosten und Lagerung bei den eBooks entfallen ist der Preis kaum günstiger. "Preisbindung" sagen einige deutsche Verleger und verstecken sich vor attraktiven Angeboten.
Schaut man sich das Sortiment der Online-Shops für deutschsprachige eBooks an, findet man zum Beispiel in meiner geliebten Kategorie "Science Fiction" wenig bekannte Namen und ab Seite 5 im Angebot fehlen dann die Cover-Bilder oder der Vorschautext. Es entsteht der Eindruck der schlechten Sortiments-Pflege, des Feigenblatt-Angebotes.

So verkauft man keine Bücher. Leser sind Augenmenschen und wollen das Cover des Buches sehen und Leseproben testen können, bevor sie kaufen. Und ein eBook darf auch nicht 20 Euro kosten sondern sollte deutlich unter dem Preis eines Taschenbuches liegen.

Ein engagiertes Einsetzen fürs eBook wäre auch den Schulbuchverlagen ans Herz zu legen. Mit digitalisierten Schulbüchern auf einem robusten Lesegerät würden die Schulranzen unserer Kinder ihr Rücken gefährdendes Gewicht verlieren.
Auch Jura- und BWL-Studenten die in meiner Studienzeit immer die Buch-Beladensten waren, könnten um viele Kilos erleichtert durchs Studium schlittern.
Und viele Wälder, die wegen Massen-Produkten wie japanischen Manga-Comics oder deutschen Herz-Schmerz-Romanen abgeholzt werden, könnten geschont werden.  
Dann wird ein weiterer Zukunftstraum erfüllt und wir lesen bis unser Akku leer ist.



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz
ist Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem Fensterkpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.

Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.

 

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  • 1 Kommentar(e)
  •  
Ursula Stübner
18.11.2009
19:06

Raschelndes Papier

Hallo Wolfgang, danke für den interessanten Beitrag, obwohl ich ja lieber Papier anfasse und umblättere, ich benutze auch immer noch lieber Papier-Terminplaner. Da habe ich das Gefühl, ich kann mit den Seiten / Daten besser springen. Nur für unterwegs sind ebooks sicher unschlagbar ...

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