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Hintergrund: Pestizide, Gewürzstudie

Die Pandorabüchse des Westens

  • Greenpeace-Untersuchung Oktober 2009: Pestizide in konventionellen Gewürzen
  • In der Greenpeace-Studie waren Bio-Gewürze nicht betroffen.



In den 60er Jahren haben die westlichen Länder die Büchse der Pandora geöffnet und hochgiftige Pestizide "für die moderne Landwirtschaft" ("Grüne Revolution") in Umlauf gebracht, und diese auch in großen Mengen in die "Entwicklungsländer" exportiert (wo wir in der Regel schön billig unsere Nahrungsmittel herbekommen).
Gerade Gewürze und Kräuter scheinen Pestizide in größeren Mengen zu sammeln, mehr als z.B. Getreide.

Viele der anfänglichen Giftstoffe sind inzwischen in der EU verboten, werden aber weiter in andere Ländern exportiert. Außerdem werden ständig neue Pestizide entwickelt.

Die Chemiehersteller müssen für neue Stoffe innerhalb eines Jahres die Parameter zur Analytik veröffentlichen, was soweit wie möglich heerausgezögert wird. In der Zwischenzeit ziehen Vertreter durch die Länder und beraten auf neue Pestizide mit dem Hinweis, "dass man sie nicht finden würde".

Auch Bio-Importeure kennen diese Problematik teilweise bei einigen Herkunftsländern wie Ägypten, Türkei, Indien und China, und betreiben eine aufwändige Analytik, um im Vorfeld möglicherweise belastete Ware vom Markt zu nehmen.

Wie macht es die Heuschrecke? Bei Gewürzen und Kräutern aus diesen Ländern kaufen wir nur bei langjährigen Lieferantenbeziehungen ein, bevorzugt bei Kleinbauernprojekten.

Auch hier kommen Ausreißer vor - meistens nicht aus persönlicher Habgier, sondern aus sozialem Druck (der konventionelle Nachbarn oder die Kommune zwingt dazu, ihre Ware mitzuverkaufen) und ökonomischem Druck. Bei Kleinbauernprojekten bezahlen wir etwas höhere Preise, die wirklich gebraucht werden. Wo es geht, kaufen wir regionale Ware aus Deutschland bei zuverlässigen Bauern, wenn möglich, Verbandsware (Bioland, Demeter usw.).

Bei gefährdeten Herkünften untersuchen wir oder unser Vorlieferant lückenlos auf Pestizide. Es gibt ein gutes Netzwerk: unser Bio-Branchenverband BNN hat Pestizid-Warnwerte geschaffen, und es gibt eine Gruppe BNN-akkreditierter Labore, die mit der Biobranche und diesen Warnwerten vertraut sind. Untersucht wird mehr als der normale Standard, nämlich noch ein Sonderspektrum an Hunderten weiterer aktueller Pestizide, im Moment mehr als 400. Dabei funktioniert das Tratschsystem der Gewürzimporteure untereinander recht gut - neue Gefahrenstoffe werden schnell weitergegeben und in die Analytik einbezogen, ebenso bestimmte Herkünfte.

Wir stehen in engen Kontakt mit unseren Kleinbauernprojekten und geben Warnungen direkt weiter, damit vor Ort schon Pestizidkontaminationen verhindert werden können.

Bei langjährigen und vertrauten Partnern werden analytische Screenings, d.h. in regelmäßigen Abständen Mischanalysen der Produkte dieses Lieferanten gemacht.

Insgesamt dank der Chemieindustrie und konventioneller Nahrungsmittelindustrie ein arbeits- und kostenintensiver Aufwand, der die Bio-Nahrungsmittel natürlich verteuert.

Die deutschen KonsumentInnen sind nicht ganz unschuldig an der Pestizidproblematik. Es werden weiterhin möglichst billige Lebensmittel gefordert. Die Einkäufer weichen immer weiter nach Osten aus, wo Arbeitskraft fast nichts kostet, und es keine hinderlichen Umweltrichtlinien gibt.
Die Medien verstärken bestimmte Mechanismen, indem sie eigentlich bekannte Nachrichten hypen. Die Schlüsse aus gehypten Nachrichten können nach hinten losgehen: synthetische statt natürlichen Aromen (Cumarin-Hype), stärkere Pestizide statt Kupfer (der nächste schon angekündigte Hype), Gentechnik im großen Stil statt Pestizide (die wirklich große Büchse der Pandora).

Die BioBranche hat diesmal punkten können - mal sehen, was als nächstes von der Chemieseite kommt.


Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper


Tags: pestizide, warnwerte, bio, verbandsware, analytik, pandora, gewürze
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