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Pfeffer - Ein Allrounder, oder mehr?

Joshuas Gewürzreise: Pfeffer

 Pfeffer ganz, schwarz und weiß

Eine pfeffrige Angelegenheit


Pfeffer. Jeder kennt ihn, jeder hat ihn, jeder benutzt ihn. Wenn auch nur irgendwas gekocht wird, kommt zu 90% Pfeffer dazu. Manchmal gezielt, manchmal aus Lust und oftmals aus Prinzip. Zum Essen und Kochen gehört nur mal Salz und Pfeffer. Darum ist es auch keine Überraschung, dass Pfeffer das beliebteste Gewürz überhaupt ist. Warum also einen Beitrag zu Pfeffer, gibt es dazu nicht schon genug?

Ja, aber auch nein.


Pfeffer, die ewige zweite Geige


Selten wird Pfeffer wirklich als spannendes Gewürz verwendet. Selten gibt es etwas, wo man denkt: Ah, Pfeffer, fantastisch. Es ist oftmals einfach gut, Pfeffer dazu zu verwenden. Es gibt dem Essen nochmal eine andere Note, ein wenig Schärfe (abhängig von der Pfefferart), manchmal eine fruchtige Note, oder in exotischen Fällen wie Szechuan-Pfeffer eine völlig neue Erfahrung mit einem interessanten Zungenerlebnis. Dieser ist aber eigentlich gar kein Pfeffer (mit Zitruspflanzen verwandt), deswegen klammer ich ihn mal aus. Außerdem zerstört es sonst mein Argument.
Also, da Pfeffer so viel verwendet wird, aber so selten wertgeschätzt wird, wollte ich eine Gegenbewegung starten.


Pfefferexperimente - Die Suche nach dem goldenen Vlies (in Form von Pfeffer)


Naja, um es abzukürzen: Es ist schwieriger als gedacht. Es ist einfach Pfeffer an eine Frischkäse-Räucherforellen-Creme zu machen und sich darüber zu freuen. Schwieriger ist, die richtigen Nuance nur mit Pfeffer zu treffen. Naja, zumindestens für mich.

Dieser Blog wird mehr ein Erfahrungsbericht über die Versuche als eine Rezeptsammlung. Vielleicht dient das Ganze ja als Anstoss. Es würde mich freuen, wenn die Ideen aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Dann aber bitte mit mir teilen!

 

Eine eisige Schärfe


Schon länger spukt in meinem Kopf die Idee von Pfeffereis herum. Leider bin ich selber kein großer Süßesser, mag deswegen nicht viel Zucker in meinem Eis. Zweiter Problempunkt: Keine Eismaschine. Macht die Eisherstellung etwas schwieriger und das Endresultat etwas weniger cremig. Geht aber trotzdem mit viel Geduld und viel Rühren! Drittes Manko: Ich vertrage keine Milch oder Sahne, also gibt es eben Ersatzprodukte. Auch nicht so einfach für die Konsistenz.

Trotz dieser drei Kontrapunkte wollte ich also doch süßes Pfeffereis. Also ran ans Werk. Erster Versuch:



Pfeffer-Vanille-Eis mit heißen Trauben in Pflaumenwein

Klingt gut, oder? Eigentlich wollte ich heiße Pflaumen, hab es dummerweise vergessen und dann war das Eis gut und ich konnte keine mehr kaufen. Naja, ein Verbesserungspunkt fürs nächste Mal.

Zutaten:

  • 500 ml Milch (oder Ersatzmilch)
  • 1 EL Zucker (oder MEHR)
  • 1 TL Vanille
  • 1/3 TL gem. Weißer Pfeffer (vielleicht weniger)
  • 1/3 TL gem. Schwarzer Pfeffer (auch hier vielleicht weniger)
  • 2 Eigelb
  • 200g Trauben (oder Pflaumen)
  • 50 ml Pflaumenwein


Tathergang:

Milch auf mittlerer Hitze erhitzen, Zucker, Vanille und Pfeffer einrühren und 2-3 Minuten köcheln lassen. Topf vom Herd nehmen, abkühlen lassen. Dann die beiden Eigelb einrühren und bei schwacher Hitze und starkem Rühren nochmal erhitzen. Eigelb in Süßspeisen ist fantastisch. Es sorgt für ein tieferen Geschmack und eine sinnlichere Cremigkeit. Milchreis, Grießpudding, Eis. Einfach mal am Ende 1-2 Eigelb dazu. Wer Lust hat, kann das Eiweiß aufschlagen und unterheben - dadurch wird es noch luftiger. Für Eis aber nicht geeignet. Dann direkt ins Gefrierfach. Wer eine Eismaschine hat, macht wie immer damit Eis. Wer keine hat, muss das Gefäß alle 30 Minuten aus dem Eisfach holen und umrühren, damit es schön cremig wird. Wenn es die gewünschte Konsistenz erreicht hat (ca. 6-12 Stunden), kurz in einer Pfanne die Trauben (oder Pflaumen) erhitzen, den Pflaumenwein dazu geben und kurz verkochen lassen, so ca. 5-10 min. Dann servieren (das geht ja wohl ohne Anleitung).

Ergebnis:

Vanille-Pfeffer-Eis mit Trauben und Pflaumenwein

War nicht schlecht, ganz und gar nicht. Das Problem war eher, dass es mit einfachem Vanille-Eis auch nicht schlecht gewesen wäre, vielleicht sogar besser. Und das ist irgendwie das Hauptproblem des Ganzen. Es ist durchaus alles ziemlich interssant und sogar lecker, aber es gibt schon einen Grund, dass es viel Vanille-Eis und wenig Vanille-Pfeffer-Eis gibt. Simplizität ist manchmal einfach besser. Trotzdem ist die Pfefferbeigabe gut, um mal die alten Muster aufzubrechen.

Ähnlich sieht es mit dem 2. Versuch aus.



Zitronen-Pfeffer-Sorbet

Zitronenpfeffer ist keine Neuheit, Zitronen Sorbet auch nicht. Hier das Eis, was mit zumindest einem von beiden was zu tun hat.

Zutaten:

  • 400 ml Wasser
  • Schale und Saft einer Zitrone
  • 2 EL Zucker (definitiv mehr)
  • 1 EL ganze Pfefferkörner


Tathergang:

Wasser in Pfanne mit Pfefferkörnern und Zitronenschale

Hier gibt es einiges zu erklären. Der allgemeine Ablauf ist nicht schwierig, aber es gibt viele kleine Dinge. Im Prinzip ist es Wasser mit Zutaten auf dem Herd kochen. Die 400 ml im Rezept beziehen sich aber auf das Endergebnis. Ich habe meine Lösung für eine gute Stunde kochen lassen, musste also immer wieder Wasser nachschütten. Für weniger Zitronengeschmack kann man die Schale erst später dazu geben, aber der Pfeffer braucht eine Weile um seinen Geschmack ans Wasser abzugeben. Gerne immer wieder probieren, ob und wie es schmeckt. Wie immer beim Essen ist es auch hier eine Geschmacksfrage. Wenn der Geschmack zufrieden stellt, alles rausfischen oder die Feststoffe absieben.
Zum Zucker: Zuverlässige Quellen sagen, man soll ca. 20-30% Zuckeranteil im Endprodukt haben. Da war ich weit drunter. Bei mir war es also eher ein Slush-Eis. Zucker ist im Sorbet wichtig für die Konsistenz, aber ohne Eismaschine ist ein cremiges Sorbet generell wirklich schwierig. Wer will, also ca. 80g (5-6 EL) Zucker benutzen. Dazu viel rühren und auf ein gutes Sorbet hoffen.

Ergebnis:

Ähnlich. War geschmacklich wirklich nicht schlecht. Die pfeffrige Note in einem sauren Zitronensorbet hat mir gut gefallen. Wäre sicherlich auch eine interessante Variante für Margaritas mit Tequila. Trotzdem gilt auch hier, dass Zitronensorbet alleine schon wirklich gut ist.

 


Zum Schluss gibt es Worte:


Pfeffer kann man fast zu jeder Frucht geben. Erdbeeren mit weißem Pfeffer ist fein, die hier angesprochenen Versuche waren fein, ich kanns mir auch gut mit Aprikosen vorstellen. Aber irgendwie ist es alles bloß interessant. Etwas, was man mal ausprobieren sollte und dann wieder 10 mal das normale Produkt essen sollte. Macht das Leben pfeffriger. Es ist ein bisschen wie bei Ananas oder Mango mit Salz und Chili. Wobei ich das noch besser finde - Wirklich mal ausprobieren! (Gute) Früchte sind fantastisch ohne alles, ist aber immer wieder spannend herumzuprobieren. Wenn man etwas aus diesem Wortwust mitnimmt, dann das: Ausprobieren. Man weiß nie, was man entdeckt!

Zum Abschluss noch ein klassisches Gericht, das wirklich gut mit Pfeffer funktioniert.


Spaghetti Carbonara mit frischen Pfifferlingen

Spaghetti Carbonara mit frischen Pfifferlingen


Hier bin ich sehr pedantisch. Es gibt gutes Carbonara, was nicht schwer ist, und trotzdem kann man unglaublich viel falsch machen, sodass es furchtbar wird. Ich ziehe hier klare Linien. Furchtbar ist stark übertrieben. Wie immer gilt: Recht hat der, dem es schmeckt - oder so.

Zutaten:

  • 150 g Spaghetti
  • 300 g Pfifferlinge
  • 100 g Speck
  • 3 Eier
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 Zehe Knoblauch
  • Salz, Pfeffer, Zitrone



Wie was wo:

Erster Schritt: Frische Pfifferlinge im Wald suchen gehen. Macht Spaß und schmeckt viel besser! Viel, viel besser! Generell hat es etwas großartiges, sein eigenes Essen zu finden. Zweiter Schritt: Heiße Pfanne. Speck würfeln, Pfifferlinge putzen. Gibt einen recht akzeptablen Trick: Mehl in Wasser einrühren, Pfifferlinge rein, umrühren, abgießen. Danach sind sie ziemlich sauber. Das bisher Genannte bitte in umgekehrter Reihenfolge. Beides in die Pfanne, die Pfifferlinge werden Wasser lassen. Wichtig ist die heiße Pfanne. Wasser verkochen lassen, damit die Pfifferlinge anbraten können. Pfifferlinge und Speck schön anbräunen, Temperatur runter, dann die Zwiebeln dazu, damit sie nicht verbrennen. Später den Knoblauch. Nudeln kochen, bitte al dente. Wenn die Nudeln fertig sind, mit einem kleinen bisschen Nudelwasser in die Pfanne geben. Dann das Ganze vom Herd nehmen. Jetzt die Eier dazu geben, mit Salz und Zitrone abschmecken und viel frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken. Je gröber, desto besser. Ich mag es auch, die Körner einfach nur mit dem Messer zu zerdrücken. Fertig. WEHE DEM, DER SAHNE FÜR CARBONARA BENUTZT. Geht schnell, geht einfach, schmeckt fantastisch. Naja, man muss halt Pfifferlinge finden. Geht aber auch ohne.

Und nochmal ein Bild:

Spaghetti Carbonara mit frischen Pfifferlingen, Bild 2

 

Fazit


Pfeffer ist gut. Mit Süßspeisen interessant - doch bin ich nur so halb begeistert. Vielleicht finde ich irgendwann noch das Richtige. Aber richtig benutzt ist Pfeffer fantastisch. Vielleicht mal ab und an darüber nachdenken, warum man Pfeffer benutzt. Interessant ist auch, wie viel halbe Sätze, Satzteile oder kurze Sätze in diesem Blog gefunden werden können.

Ich hoffe, diese Reise hat euch Spaß bereitet. Dieses mal mit mehr Experimenten, nächstes mal vielleicht wieder was anderes.

Oh ja: Wer mehr über Pfeffer und die Pfeffersorten der Heuschrecke lernen möchte, Opens external link in new windowhier nochmal der Beitrag zur Pfefferschule.

Bis dahin, guten Hunger.

 


 Joshua Stübner

 

Meine Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

Mehr zu dem anderen Opens external link in new windowhier.

 

 

 

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Tags: biogewürze, pfeffer, rezept
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Darjeeling streikt für Autonomie

Notwendiger Wandel für Darjeelings Teegärten - Kleinbauernkooperativen entstehen

Eine magische Brücke führt in die Region Mineral Spring in den Bergen Darjeelings
Eine magische Brücke führt in die Region Mineral Spring in den Bergen Darjeelings

Die Teeregion Mineral Spring - Sitz der Dorfkooperative Sanjukta Vikas. Wir vermarkten ihren Tee in unserem Darjeeling Springtime!
Die Teeregion Mineral Spring - Sitz der Dorfkooperative Sanjukta Vikas. Wir vermarkten ihren Tee in unserem Darjeeling Springtime!


Präsident der Kooperative Puram Tamang und seine Frau
Präsident der Kooperative Puram Tamang und seine Frau
Viele junge Teebauern dabei -
Viele junge Teebauern dabei -
Konferenz der Kooperativen-Mitglieder bei unserem Besuch
Konferenz der Kooperativen-Mitglieder bei unserem Besuch
Im Hintergrund Dokumentenverwaltung für die Bio-Zertifizierung
Im Hintergrund Dokumentenverwaltung für die Bio-Zertifizierung
Lageplan
Lageplan
Gruppenbild ...
Gruppenbild ...
... und Nachwuchs
... und Nachwuchs
Typische Wohnhäuser in den Bergen
Typische Wohnhäuser in den Bergen
Schmackhafte indisch-nepalische Küche
Schmackhafte indisch-nepalische Küche
Kein Ufo, sondern Bittercurd-Gemüse (Kürbisart)
Kein Ufo, sondern Bittercurd-Gemüse (Kürbisart)

Junge Teepflanzen
Junge Teepflanzen
Ingwer - Anbau, damit es weitere Standbeine außer Tee gibt
Ingwer - Anbau, damit es weitere Standbeine außer Tee gibt
Der Selimbong - Teegarten, bio.
Der Selimbong - Teegarten, bio.
Hier wird der frisch geerntete Mineral-Spring Darjeeling
Hier wird der frisch geerntete Mineral-Spring Darjeeling weiterverarbeitet

weiterverarbeitet, ...
... separat als Kleinbauerntee.
... separat als Kleinbauerntee.
Der Roller ist ein Herzstück in der Teefabrik.
Der Roller ist ein Herzstück in der Teefabrik.
Hier steckt viel Know How drin - wielange, mit welchem Druck und Temperatur die fermentierenden Teeblätter gerollt werden.
Hier steckt viel Know How drin - wielange, mit welchem Druck und Temperatur die fermentierenden Teeblätter gerollt werden.
Teeverkostung
Teeverkostung
Teepflückerinnen ...
Teepflückerinnen ...
auf dem Weg zur Teefabrik, um die gepflückten Two leafs and a bud abzuliefern. Sie werden gewogen und ihnen in ihrem Büchlein gutgeschrieben.
auf dem Weg zur Teefabrik, um die gepflückten Two leafs and a bud abzuliefern. Sie werden gewogen und ihnen in ihrem Büchlein gutgeschrieben.
Die TeemitarbeiterInnen der Fabrik.
Die TeemitarbeiterInnen der Fabrik.
Selimbong ist Demeter-zertifiziert und stellt seine Präparate selbst her - doch das wird nochmal eine eigene Geschichte ...



Juni 2017: Die Autonomie-Bewegung der Nepali-stämmigen Bevölkerung (Gorkha Movement) hat in Darjeeling zum Generalstreik aufgerufen. Auch die Teefabriken stehen schon seit Wochen still, second Flush bleibt auf den Feldern, sowie auch die darauf folgenden Ernten. Keine Exporte gehen mehr raus aus Darjeeling in 2017.


Kurz zur Geschichte: Als die Briten Mitte des 19. Jahrhunderts den Teeanbau in Darjeeling begannen, warben sie in diesem sehr dünn besiedelten Teil Indiens ArbeiterInnen aus Nepal an. Darjeeling ist deshalb tatsächlich heute überwiegend in Sprache und Kultur nepalisch geprägt. Und wehrt sich gegen eine zu starke Assimilierung in den Bundesstaat West-Bengal. Es brodelte schon lange unter der jungen Gorkha-"Kriegern" mit ihrer stolzen Tradition, die im Vielvölkerstaat West-Bengal (noch von den Briten konzipiert) die Verlierer sind.


Ein klassischer Darjeeling-Teegarten ernährt bis zu 8000 Personen in den umliegenden Dörfern, und die Beziehung zwischen den TeearbeiterInnen und den damals britisch geführten Teefarmen war fürsorglich-eng angelegt. Nach Abzug der Briten und Übernahme durch indische Leitungen funktionierten die Mechanismen nicht mehr, die Teegärten verarmten, und damit auch die umliegende Bevölkerung. Dringende Modernisierungsmaßnahmen, sei es in den Fabriken oder in den Häusern der DorfbewohnerInnen, blieben aus. Erschwerend ist, dass auf dem Weltmarkt für die edlen Darjeelingtees schon seit vielen Jahren nicht die Preise erzielt werden können, die benötigt werden. Zur Verdeutlichung: Auf den steilen Berglagen werden nur ca. 750kg Tee/ha erzeugt, im flachen Assam dagegen ca. 3000kg/ha - ein Verhältnis wie zwischen Bourgogne-Crus und Languedoc-Landwein - auch von der Qualität her. Anders als dort gelingt es bei Darjeelingtee nicht, entsprechende Preise durchzusetzen.


Als Außenstehender wünscht man sich einerseits, dass die schöne britische Teegarten-Kultur erhalten bleibt, sieht jedoch auch die dringende Notwendigkeit, den kolonialen Charakter in gerechtere Wirtschaftsformen überzuführen.


Die Frage ist, ob die fortschreitende Konzentration der Darjeelingfarmen in den Händen weniger, außerhalb Darjeelings lebender und nicht unbedingt nachhaltig wirtschaftender Besitzer die Teeregion weiter ruiniert: ausbleibende Reformen für die aktuell noch im Patronatsverhältnis lebenden ArbeiterInnen, z.B. Lösungen für zeitgemäße Sozial- und Rentenleistungen. Sowie Bildung. Eine aufmüpfige junge Generation stellt ihre Forderungen und scheint bereit, einiges abzufackeln: Ist die Zentralverwaltung in Delhi gewillt, wenigstens Darjeeling als Unions-Territorium anzuerkennen, wenn schon nicht der Status eines Bundeslandes erreicht werden kann? Der Traum Darjeelings ist, ein Bundestaat innerhalb der indischen Union zu werden wie das nördlich gelegene Sikkim, das auch nicht größer ist als Darjeeling ( Sikkim ist übrigens 100% Bio. Es gibt dort keine konventionelle Landwirtschaft mehr!). Stattdessen versucht West Bengal provokativ, Nepali als Schulsprache zu verbieten laut Medien ...


Aber auch die fehlende Werterzielung bzw. fehlender Konsens über kostendeckende Preise, die Instandhaltung und innovative Investitionen berücksichtigen, gehört zu den Konfliktursachen. Nur wenn der hochwertigste Tee Indiens seinen Preis erzielt, wird es die Teeregion Darjeeling auch noch in 10 Jahren geben.


Ein schöner Erfolg ist, dass nach den großen Unglücken der 90er durch Bodenerosion nach der langen Monokultur (ganze Hänge rutschten über Nacht ab), nun der größere Teil der Teegärten biologisch bewirtschaftet wird. Eine andere zukunftsweisende Entwicklung ist, dass sich selbstständige Dorfkooperativen gründen, aufgegebene Teepflanzungen wiederbewirtschaften, evtl. zusammen mit einem sanften Tourismuskonzept. Diese Dorfkooperativen arbeiten partnerschaftlich mit bekannten Bio-Teegärten zusammen, die den Kleinbauerntee separat verarbeiten und vermarkten - eine win-win-Situation.

 

Beispiel: Mineral Spring ...  (siehe Fotos)

Diese Dorf-Kooperative bewirtschaftet in unzugänglichen Gebieten alte, aufgegebene Teepflanzen:
Die Kleinbauern der Dörfer Harsing, Dabaipani und Yankhoo östlich der Stadt Darjeeling hatten begonnen, nach Abzug der Briten in den 50iger Jahren die aufgegebenen Teefelder wieder zu bearbeiten. Zuerst illegal, um den sehr kargen Lebensunterhalt mit etwas Tee-Ernte und Holzrodung aufzubessern.


In den 80igern wurde die Landnutzung mithilfe einer NGO legalisiert. Ende der 90iger erfolgte die Gründung der Kooperative Sanjukta Vikas mit 264 Familien in Mineral Spring. Mit dem Kontakt zu TPI (Tea-Promoters India, einem wichtigen Partner von uns für Bio-Tee) wurde der Teeanbau professionell, mit sehr guten Qualitäten, die schon prämiert wurden. TPI garantiert eine feste Abnahme der nun bio-zertifizierten Teeblätter und verarbeitet sie im Bio-Darjeeling-Teegarten Selimbong, getrennt als Mineral Spring Darjeeling.

 

Heute sind 11 Dörfer mit ca. 465 Familien beteiligt. Im Jahr 2014 haben wir die Kooperative in der magisch anmutenden Landschaft besucht.


Unser Darjeeling Springtime beinhaltet seit Ende 2016 eine schöne 1.Flush-Qualität von Mineral Spring. Im politisch fragilen Darjeeling mit vielen verschleppten postkolonialen Problemen ist die Zusammenarbeit von selbständigen Kleinbauerngruppen und Bio-Teeplantagen, wie es TPI unterstützt, eine echte Win-Win-Situation. Wir wünschen uns natürlich, dass unsere Kleinbauerntees guten Anklang finden (wie auch die Nepal-Tees, oder unsere Aroma-Schwarztees mit dem Basistee von den Sahyadri Farmers in Kerala).

 




Der Streik kann - bis die Teeproduktion wieder anrollt, die Felder erst mal von den sprießenden Beikräutern gereinigt worden sind (die Natur ruht nicht während des Streiks) - dazu genutzt werden, Kooperativentee von Mineral Spring, oder den Darjeeling-ähnlichen Tee von der nepalischen Genossenschaft Kanchanjangha Tea Estate kennenzulernen.

Darjeelingtee-Engpässe wird es aber erst ab September 2018 geben; dann auch unvermeidliche größere Preiserhöhungen. Bis dahin haben wir Kontrakte über Tee, der schon in Bremen liegt.

 

 

Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

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Tags: darjeeling, bio-tee, kleinbauern-kooperativen, teegärten, briten, indien, nepali, gorkha, mineral spring
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Schöne Kräuter aus Kroatien

Terra Magnifica - Wunderbare Erde: Wildsammlung und Anbau. Bio-Kräuter aus Kroatien

 Besuch bei Terra Magnifica: neue Biobauern in den Kalnik-Bergen

Diesen Sommer haben wir wieder einmal unsere Lieblingslieferanten Roman und Sanja in Kroatien besucht.

Roman Turk gründete 1996 die Kräuterfirma Terra Magnifica, um die durch den Balkankrieg aufgegebene Kräutertradition neu zu beleben. Er ließ Wildsammlungsgebiete und Kleinbauern biozertifizieren - heute ist er der drittgrößte Kräuterexporteur, 100% bio. Seit fast 20 Jahren arbeiten wir mit ihm und Sanja zusammen. Hier geht's zum ausführlichen Opens external link in new windowLieferantenportrait.

Diesmal haben wir fast live und mit vielen Fotos auf Facebook über unsere Sammler- und Bauernbesuche berichtet: https://www.facebook.com/HeuschreckeBio/  - eine Premiere für uns in den Social Media.

 

Das letzte Mal waren wir kurz vor dem EU-Eintritt in Kroatien; nach 4 Jahren in der EU ist die Bürokratie nicht weniger, aber anders kompliziert geworden. Es gibt noch die netten Balkan-Lösungen, aber auch in Gesetz gegossene Absurditäten, die besonders Kleinunternehmer wie die Sammler und Kleinstbauern betrifft. Einige haben leider aufgegeben.

Die Auswanderung in andere EU-Länder mit besseren Verdienstmöglichkeiten ist spürbar, aber es kommen auch Menschen wieder ins Land zurück, und es ziehen sogar junge Leute wieder auf's Land ihrer Eltern oder Großeltern zurück.

Terra Magnifica unterstützt diese jungen Biobauern mit Know How, Saatgut, und hilft bei der Verarbeitung und Vertrieb der Kräuter. Viele dieser Kräuter und Blüten kommen auch zu uns und werden zu Kräutertees und Gewürzmischungen unter der Marke Heuschrecke weiterverarbeitet.

 

Folgend unser Besuch in der Gebirgsregion Kalnik: Die beiden jungen Männer Zoran und Sinisa arbeiten hauptberuflich in einer Aluminiumgießerei, die nur aus 4 Mitarbeitern besteht. Nebenbei beginnen sie nun als Bauern auf dem Land ihrer Väter, und haben bereits die Umstellung auf Bio in die Wege geleitet. Kräuter-Anbau, und insbesondere Blüten, bringen bessere Verdienstmöglichkeiten als z.B. Mais, erfordern aber auch mehr Arbeitseinsatz. Als erstes haben die beiden ein Versuchsfeld verschiedener Kräuterkulturen eingerichtet, um zu testen, was auf ihrem Boden gut gedeiht. 

 

 

 

 

Aluminium-Verarbeiter und Biobauer Zoran auf den Feldern seines Vaters ...
Aluminium-Verarbeiter und Biobauer Zoran auf den Feldern seines Vaters ...
... in einem 500m hoch gelegenem Dorf in den Kalnik-Bergen
... in einem 500m hoch gelegenem Dorf in den Kalnik-Bergen
Heidi, Roman, Sanja, Zorans Vater, Zoran
Heidi, Roman, Sanja, Zorans Vater, Zoran
Blaue Stunde auf dem frisch eingesätem Feld. Die Reihen sollten besser quer zum Hang verlaufen (nächstes Mal), da bei Starkregen sonst zuviel Erde den Hang herunter gespült würde.
Blaue Stunde auf dem frisch eingesätem Feld. Die Reihen sollten besser quer zum Hang verlaufen (nächstes Mal), da bei Starkregen sonst zuviel Erde den Hang herunter gespült würde.
Die Testfelder, was am besten gedeiht. Hier: Wermut
Die Testfelder, was am besten gedeiht. Hier: Wermut
Immortelle, begehrt für die Destillation von ätherischem Öl.
Immortelle, begehrt für die Destillation von ätherischem Öl.
Nochmal Helichrysum
Nochmal Helichrysum
Thymian
Thymian
Melisse
Melisse
Ringelblume
Ringelblume
Zeichen großer Trockenheit und dann Starkregen: die Erde wird in Rinnen fortgespült. Hier sollte auch eine schnellwachsende Zwischenfrucht mit langen Wurzeln hin, und die Reihen quer angelegt werden.
Zeichen großer Trockenheit und dann Starkregen: die Erde wird in Rinnen fortgespült. Hier sollte auch eine schnellwachsende Zwischenfrucht mit langen Wurzeln hin, und die Reihen quer angelegt werden.
Zoran arbeitet Vollzeit in der Aluminiumgießerei unten im Ort. Für die nächsten Jahre wird er die Bio-Landwirtschaft nebenbei machen - hauptberuflich geht es erst, wenn er damit wirklich seine Familie mit den 2 kleinen Töchtern versorgen kann.
Zoran arbeitet Vollzeit in der Aluminiumgießerei unten im Ort. Für die nächsten Jahre wird er die Bio-Landwirtschaft nebenbei machen - hauptberuflich geht es erst, wenn er damit wirklich seine Familie mit den 2 kleinen Töchtern versorgen kann.
Rosa Kornblume
Rosa Kornblume - eigentlich falsches Saatgut geliefert - aber schön.
Sinisa arbeitet ebenfalls in der kleinen Aluminiumgießerei und betreibt auch mit ihm zusammen die Bio-Landwirtschaft.
Sinisa arbeitet ebenfalls in der kleinen Aluminiumgießerei und betreibt auch mit ihm zusammen die Bio-Landwirtschaft.
Das Land ist schon zertifiziert und gerade im ersten Umstelljahr.
Das Land ist schon zertifiziert und gerade im ersten Umstelljahr.
Der Hof von Zorans Eltern
Der Hof von Zorans Eltern


Für die Gründung kleiner Höfe gibt es EU-Mittel. Zoran und Sinisa habe sich eine Destille angeschafft. Viele Kleinbauern destillieren auch selbst ätherisches Öl aus ihren Ernten.
Für die Gründung kleiner Höfe gibt es EU-Mittel. Zoran und Sinisa habe sich eine Destille angeschafft. Viele Kleinbauern destillieren auch selbst ätherisches Öl aus ihren Ernten.
Eigener Brunnen mit köstlichem Wasser
Eigener Brunnen mit köstlichem Wasser
Gastfreundschaft. Alles selbstgemacht. Lecker.
Gastfreundschaft. Alles selbstgemacht. Lecker.
Unser Besuch hat auch den Sinn zu besprechen, welche Kräuter aus unserer Sicht benötigt werden, wo sicherer Verdienst zu erwarten ist, und wovon es bereits zuviel gibt.
Unser Besuch hat auch den Sinn zu besprechen, welche Kräuter aus unserer Sicht benötigt werden, wo sicherer Verdienst zu erwarten ist, und wovon es bereits zuviel gibt.
Landwirtschaft, und speziell Bio-Landwirtschaft braucht einen langen Atem, eine längere Planung und Durchhaltevermögen. Hier gibt es nichts Schnelllebiges. Erst in 4 Jahren wird es die erste voll-zertifizierte Bio-Ware nach den 3 Umstelljahren geben.
Landwirtschaft, und speziell Bio-Landwirtschaft braucht einen langen Atem, eine längere Planung und Durchhaltevermögen. Hier gibt es nichts Schnelllebiges. Erst in 4 Jahren wird es die erste voll-zertifizierte Bio-Ware nach den 3 Umstelljahren geben.
Dann werden wir sicher auch Kräuter aus den Kalnik-Bergen bekommen.
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Tags: kroatien, wildsammlung, terra magnifica, bio-kräuter, kontrolliert biologischer anbau, kleinbauern
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