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Superfood und Ökotest

Test Superfoods in der Zeitschrift ÖKOTEST 04/2016

Moringa-Baum, hier in Simbabwer


Superfood und Ökotest:  In der Ausgabe 04/16 testet ÖKOTEST sogenannte Superfoods wie Moringa, Rohkakao, Gojibeeren u.a. auf Pestizide, die Umweltgifte PAK (aus Trocknung / Verbrennungsprozessen) und MOSH/MOAH (aus Erdölprodukten), sowie die Mikrobiologie.




Das Ergebnis ist erschreckend: von 21 Produkten sind 17 mangelhaft und ungenügend, auch bio kommt schlecht weg. Sehr böse lässt sich ÖKOTEST über die überzogene Werbung aus für die völlig überflüssigen Superfoods – wie es findet. Normale Nahrung reiche schließlich (meinen die damit Currywurst- und BBQ-Burger aus der Mikrowelle wie in der danebenstehenden Werbung?).




Deutlich wird der Wahnsinn unserer momentanen Welt: von 21 Lebensmitteln würden 16 aus dem Verkehr gezogen und vernichtet werden müssen, würde allein die deutsche MOSH/MOAH-Höchstmengen-VO veröffentlicht, die wahrscheinlich deshalb noch in der Schublade liegt. MOSH/MOAH kann man erst seit ca. 5 Jahren gut analysieren, und dachte bisher, die Belastung stammt aus der Verpackung. Doch es zeigt sich, dass es weitere Eintragswege gibt, die noch nicht alle bekannt sind – wahrscheinlich auch Feinstaub/Abgase und Bodenbelastung.
Baobab bio, aus Simbabwe, auch ein Superfood.



Leider richtet sich die Kritik und Empörung nicht gegen die Auto-, Farb-, Düngemittel-, oder chemische Industrie etc., sondern gegen die Bauern und Lebensmittelhersteller. Auch die Gesetzgebung verteuert durch neuen Bürokratie- und Kontrollaufwand lieber die Lebensmittel anstatt den Hebel bei der Umweltverschmutzung anzusetzen.




Wie machen wir es: Wir selber haben auch schon etliche Tonnen im Container gehabt, die wir zurückgeben mussten – eine leidvolle Erfahrung, da unsere Bauernpartner in den meisten Fällen korrekt bio angebaut haben. Wir analysieren vor Wareneingang alle gefährdeten Produkten, i.d.R. alle Überseeprodukte lückenlos, und EU/deutsche Produkte nach Screening. Für unser Moringa sind Pestizid- und Mibio-Analyse ok, deshalb „raw“. Doch die besonders nährstoffreichen Superfoods sind anfällig für Keime, eben, weil sie so nährstoffreich sind. Evtl. muss dann wirklich mal entkeimt werden.




Zur Ökotest-Superfood-Kritik: zu einer vollwertigen Ernährung gehören schon immer auch die kleinen, gehaltvollen Nahrungsmittel mit den sekundären Pflanzenstoffen als vitale Reizstoffe. Einerseits ist es richtig, über den Tellerrand zu gucken und die Schätze der Übersee-Länder kennenzulernen – denn die Bauern brauchen natürlich Cash Crops. Aber andererseits verteuern wir in deren Ländern diese wertvollen Lebensmittel, wenn wir sie maßlos hypen.

 


 

Ursula Stübner, Heinz Gasper

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Tags: superfood, moringa, bio-kräuter, ökotest
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Gastbeitrag
12.04.2016
20:10

Ohrenkuss: Anfang der Welt

Urknall war vorher

 

 
Ohrenkuss ...da rein, da raus - das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft gGmbH. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen in Abständen bei uns zu aktuellen Themen.
 
 
 
Ohrenkuss hat sich im letzten halben Jahr mit der Entstehung der Erde beschäftigt - nun ist das neue Magazin "Anfang der Welt" erschienen: "Die Welt ist rund. Um die Erde schaut: die Erde unten, Erde oben, Erde Seite, rechts und links. Dieses Land ist schön. Aber dieses Land ist arm. Vielen Leute gehen Europa hin, in den Wohnung hin, richtig warm. Es ist so kalt draußen. Viele Menschen macht nichts zu tun. Viele Menschen helfen. Und die Politik sagt: Komm mal rumgeflogen. Mach keine Sorgen. Es ist gut." (Dorothee Reumann, diktiert) Wir stellen die Welt-Ausgabe hier vor.
 

Und noch eine Save-the-date-Ankündigung: das neues Projekt  TOUCHDOWN 21, initiiert von der Wissenschaftlerin und Ohrenkuss-Gründerin Dr. Katja de Bragança, das wir letztes Mal hier vorstellten, zeigt eine Ausstellung.
 
Ort: Bundeskunsthalle Bonn.
 
Eröffnung: Freitag, 28.10.2016
 
Dauer der Ausstellung:  29. Oktober 2016 bis  12. Februar 2017. Hier der Flyer zur Ausstellung: http://www.touchdown21.info/de/news/48-der-flyer-zur-touchdown-ausstellung-ist-da.html
 
Über die Ausstellung: Die Ausstellung mit und über Menschen mit Down-Syndrom begibt sich – als erste ihrer Art – auf eine kulturhistorische und experimentelle Spurensuche in unsere Vergangenheit und Gegenwart. Sie erzählt eine komplexe Beziehungsgeschichte. Sie beschreibt, wie Menschen lebten, leben und leben möchten – Menschen mit und ohne Down-Syndrom.
 
Aktiv von Menschen mit Down-Syndrom mit erarbeitet, umfasst die Ausstellung wissenschaftliche und künstlerische Exponate aus Archäologie, Zeitgeschichte, Genetik, Medizin, Soziologie, Literatur, Film, Theater und bildender Kunst. In ihrer inhaltlichen Tiefe und lebendigen Vielstimmigkeit will die Ausstellung – statt fertiger Antworten – vor allem einen Beitrag anbieten zu einer nachhaltig klügeren Debatte um gesellschaftliche Vielfalt. Einer Debatte um Teilhabe einerseits und den Umgang mit neuen medizinischen Möglichkeiten andererseits.
 
 

 


 

 

Anfang der Welt


"Die Welt zu halten ist schwer, mit meinen beiden Händen halte ich eine Welt. Wenn ich die Welt aufhebe, muss ich aufpassen, dass die Welt nicht den Boden berührt, nicht runterfällt. Die Welt ist schwer. Die Welt sieht für mich einfach wie eine Kugel aus, genauso wie die Farben von allen Inseln, die darauf sind: Asien, Afrika, Polen, Schweden, Fuerteventura, Deutschland, Europa und mehr. Die Weltkugel fühlt sich rund an. Riechen kann ich gar nichts, die Welt kann man nicht riechen. Nur der Müll stinkt wie die stinkenden Socken meiner Familie.
Die Welt kommt wie ein neugeborenes Baby auf die Welt, wie ich früher in dem Bauch von meiner Mutter war. Und die Welt kommt aus dem Bauch der Mutterwelt.
Die ganze Familie trennt den Müll, und meine Mutter trennt die Wäsche, und ich rede von der Rettung der Welt." (Nora Fiedler, diktiert)

 

 

Ohrenkuss: Ansgar Peters in einer Zelle mit Chromosomen

 

Das Kunstwerk im weißen Zelt ist von Ernesto Neto. Ich sitze in einem Kunstwerk – eine Säule. Die Säule ist schön beleuchtet. Und ich sehe ein rotes Licht scheinen – rot wie die Liebe. Ich finde die Säule sehr gigantisch. Es leuchtet in der Nacht wunderschön. Das Kunstwerk ist ziemlich breit – wie ein Baum. Es ist weiß, überall weiß - und da rot. Der Fußboden ist richtig schön weich und sanft. Ich liebe es gerne.

 

 

"Mein Körper aus Zellen.
In den Zellen sind Chromosomen. 47 Chromosomen.
Ich bin in Düsseldorf geboren.
Als wir mit dem Auto gefahren sind. Meine Familie.
Ich bin froh, wenn ich dabei bin.
Die Welt, die macht mich froh.
Ich bin mit mir zufrieden.
Ich bin zufrieden, dass sich gute Laune habe.
Ich bin glücklich." (Daniel Rauers, diktiert)

 

 

Ohrenkuss: Anna-Lisa Plettenberg in der Ausstellung Outer Space

 

Anna-Lisa Plettenberg, diktiert
Der Alex Karim, der ist ein Professor über diesen Urknall. Der ist in der Ohrenkuss-Redaktion gekommen. Dass (wir) darüber reden, über die Urknall.
Dieser Urknall ist ein englischer Wort: „Big Bang“.
Dass die Sterne zusammen waren, wenn die aufgepustet hat, dann ist wieder weiter geworden. Das habe ich noch im Kopf gehabt. Dass die Zeit länger, weitergeht.
(Alexander Karim hat mit einem Ballon den Urknall erklärt. Vor dem Aufpusten wurden Sterne auf den Ballon gezeichnet. Die Sterne wurden größer, als der Ballon aufgepustet wurde)

Daniel Rauers, diktiert
Ich kann nicht genau erklären, was der Urknall bedeutet.
Ich verstehe die Frage, aber ich kann es nicht genau erklären.
Ich bin auch mal geboren.
Das mit dem Urknall, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Das ist so kompliziert, das kann ich nicht erklären.
Der Urknall im Weltraum ist vor Ewigkeiten. Darum geht es.

 

"Das ist die Entstehung der Erde. In Millionen von Jahren, könnte auch Milliarden sein, das weiß keiner so genau, hat sich das entwickelt, nach und nach, da gab es keine Tiere, keine Menschen, kein gar nichts. Da gab es auch noch Ur-Saurier. Das wurde immer größer und größer, das ist ein Planet. Dass die Sonne größer wurde. Und viele sind von den Urmenschen… aus der damaligen Sicht. Aber das kann immer noch passieren. Kann, aber muss nicht sein.
Ich war damals nicht dabei gewesen.
Das kann man schlecht bezeichnen, auch in Worte zu fassen.
Farben? Das kann man nicht ausdenken.
Wann? Das weiß keiner. Auch nicht die Naturforscher.
Die Erde ist ja wie eine Kugel.
Da muss sie sich ja von Millionen Jahren angesammelt haben, dass es sich später zum Urknall entwickelt hat.
Die Erde ist ja genauso rund.
Da gab es keine Tiere, kein menschliches Wesen." (Achim Priester, diktiert)

 

 

Ohrenkuss: Verena Günnel in der Ausstellung Outer Space

 

Für mich viel zu viele Sterne da waren. Da waren richtig viele. Ich kann nicht so viele zählen auf einen Schlag. Wie weit ist diese Weltraumphantasie? Es gibt Sterne, Namen genannt worden. Nicht alle, nur manchmal. Das kann man nicht richtig beschreiben, wie Weltraumverstand ist. (Verena Günnel, diktiert)

 

 

Ohrenkuss: Paul Spitzeck in der Ausstellung Outer Space

 

Leben im All?

 
 
 
 
 
 
"Schön wär’s. Es gibt im Weltall, aber im Fernsehen, nicht in echt. Der Weltall ist sehr groß und sehr breit und nicht zu klein, aber es muss auch stimmen. Wenn ich sehen würde in der Ecke, dann würde ich sagen: Gibt es wirklich Alien." (Angela Fritzen, diktiert)
 
 
 

"Mein Vater war Professor für Astronomie. Er meinte, dass das alles Quatsch ist. Er hat nichts von Außerirdischen gehalten. Und ich bin seiner Meinung." (Achim Priester, diktiert)
 
 
 
 
"Ja, aber schwierig, weil oben ist andere schwerelos als die Erde. Im All muss man ein Anzug trage, weil wenn man so in All fliege, stirbt man. Die Alien kann oben spazieren gehen und brauch kein Anzug, weil die Alien lebt in die All. Es gibt kleine Alien, große Alien, aus Gold, aus Silber. Manche sind nett, manche ist nicht nett. Manche beißen auch. In den All ist dunkel. Da gibt es kein Licht. Nur winzige Sterne. Die Raumschiffe leuchten in die dunkle All. Es gibt Kontakt im All mit die Menschen in die Erde. Mit Walkie-Talkie. Wenn ein Raumschiff kaputt ist, kann man anrufe und Raumschifftaxi kommt und wird die Menschen im All Hilfe zu hole." (Paul Spitzeck, diktiert)

 

 
"Ich glaube, dass im All überhaupt nicht Leben ist. Da gibt’s nur Aliens und E.T.
Wenn ich ein Alien bin, dann bin ich E.T.
Weil ich nach Hause möchte." (Anna-Lisa Plettenberg, diktiert)
 
 
 
 
"DAS DOWN-SYNDROM IST EIN ALIEN." (Angela Fritzen, handgeschrieben)
 
 
 
 
"Aliens beißen nicht. Ich bin mutig." (Marley Thelen, diktiert)
 
 
 
 
"Also ich bin noch nie die Alien begegnet bin, weil ich bin anders bin. Der wohnt in Weltraum, ich nicht, ich wohne in Bonn. Für mich ist der viel zu groß und ich bin zu klein.
Ich war noch nie begegnet, weil ich treffe ganz selten einen Alien. Ich möchte gerne einen Alien treffen, brauche Uhrzeit, wenn ich Zeit habe, dann kann ich ihn treffen. Dann kann ich ihn einladen, wenn ich Lust hab." (Verena Günnel, diktiert)
 
 
 

 

Ohrenkuss: Daniel Rauers in der Weltraum-Ausstellung

 

 

"Ich treffe irgendein Alien. Die versteht mich. Ich rede mit ihm. Deutsche Sprache. Zeichensprache. Mittelgroß: 1 Meter lang. Ich treffe ihn bei dem Ufo auf der Erde. Wir machen was: Sachen. Coole Sachen. Freundschaft. Zusammen anrufen. Zeichensprache. Skype. 10 Stunden. Wir sind gut. Wir sind besser. Wir haben perfekte Zeichensprache gemacht. Wir haben den Raumschiff angeguckt. Und wir haben Ufos gesehen. Freundschaft. Wir haben gechillt. Wir haben Zeit gechillt. Wir haben Scherze gemacht. Faxen. Wir sind in die Dusche. Wir haben kalt geduscht, wir sind in der Badehose. Wir haben in die Uhrzeit gechillt, fünf Tage gechillt. Um halb elf haben wir geskypt. Ich bin auf der Erde. Alien auf dem Mond, ich hab mit dem Mond geredet." (Daniel Rauers, diktiert)

 

Texte und Fotos: © Ohrenkuss

Fotos: Hanna Witte, Köln www.hanna-witte.de

 

 

 

 

 


Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.


... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...

Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm

Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

Fotos und Texte © Ohrenkuss
Gestaltung der gedruckten Ausgabe: Maya Hässig

 
 

 

 

 

 

 

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Tags: ohrenkuss, down syndrom, urknall, weltall, bundeskunsthalle, touchdown21
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Konferenz Trust Organic Small Farmers

Jubiläum der Netzwerk-Initiative TOSF mit unseren Bio-Kleinbauernpartnern

Unsere Runde war diesmal etwas kleiner, da Dominik von KAITE / Zimbabwe und Barend von der Wupperthal-Cooperative / Südafrika fehlten.
Unsere Runde war diesmal etwas kleiner, da Dominik von KAITE / Zimbabwe und Barend von der Wupperthal-Cooperative / Südafrika fehlten.
Sarath Ranaweera von BioFoods, Sri Lanka
Sarath Ranaweera von BioFoods, Sri Lanka
Am Kopf des Tisches Father Jilsen und Sunil Joseph von PDS, Indien
Am Kopf des Tisches Father Jilsen und Sunil Joseph von PDS, Indien
Sich gegenüber sitzend rechts: Karin Wegner und Kirsten Arp vom BNN
Sich gegenüber sitzend rechts: Karin Wegner und Kirsten Arp vom BNN

Chairperson: Ursula Stübner und Heinz Gasper von Heuschrecke
Chairperson: Ursula Stübner und Heinz Gasper von Heuschrecke
Saraths Familie
Saraths Familie
Unsere Kollegen aus Berlin,
Neben PDS unsere Kollegen aus Berlin,
... aus Kanada und Frankreich
... aus Frankreich und Kanada
Ben Kaukler, Mit-Initiator von Trust Organic Small Farmers
Ben Kaukler, Mit-Initiator von Trust Organic Small Farmers
Karin Wegner über den aktuellen Stand der MOSH/MOAH - Diskussion, ein schwieriges Thema für die Projekte und Händler
Karin Wegner über den aktuellen Stand der MOSH/MOAH - Diskussion, ein schwieriges Thema für die Projekte und Händler


  • Protokoll der 10. Konferenz der Kommunikations - und Netzwerk - Initiative "Trust Organic Small Farmers" am 9.2.2016

Trust Organic Small Farmers (TOSF) is mainly a platform for organic small scale producers ( eg from South Africa, Zimbabwe, India and Sri Lanka) and organic importers and traders from Europe, US and Canada (Heuschrecke is founding member). The network has developed a unique form for transparent and open communication, solution focused approaches to problems and trust as a source to overcome problems...   here the english version.




Trust Organic Small Farmers (TOSF) ist hauptsächlich eine Plattform des Austauschs, der Beratung und Vernetzung zwischen Bio-Kleinbauernprojekten (z.Zt. aus Südafrika, Indien, Sri Lanka und Zimbabwe), und Bio-Importeuren / -Händlern aus Europa, USA und Kanada (Gründung 2007, Heuschrecke ist Gründungsmitglied). In ihrer offenen, vertrauten und lösungsorientierten Form ist diese Vernetzung einzigartig. Die Früchte dieser Zusammenarbeit sollen neben Verbesserungen für die einzelnen Projekte ebenfalls eine anschauliche und transparente Kommunikation zu EndverbraucherInnen sein. So haben wir von allen TOSF-Kleinbauernprojekten ausführliche Reiseberichte auf unserer Website. Auf den entsprechenden Produkten im Bioladen führt ein QR-Code zu diesen Lieferantenportraits. Zur Zeit sind es:


 
 
 

Die Konferenz



Traditionell treffen wir uns (es kommen immer um die 20 Personen zusammen) am Vorabend der BioFach-Messe in Nürnberg - ein bisschen wie eine globale Familie mit viel Freude über das Wiedersehen.
Wir sind wahrscheinlich eine der wenigen (oder die einzige) Fairtrade-Initiativen ohne Büroadresse, ohne Mitgliedsbeiträge, ohne Werbebudget, ohne Organisationsapparat und Personal (aber immerhin Chairwoman / Protokollantin), immer noch eine lebendige Gruppe durch die Geschäfts- und genauso freundschaftlichen Beziehungen - weil so viele gemeinsame Interessen vorhanden sind.
Über das Jahr gibt es Email-Kontakte, unregelmäßig gibt es Reisen und Besuche, aber einmal im Jahr sehen wir uns auf jeden Fall in Nürnberg.


Kernstück unserer  Konferenzen ist immer das ‚Sharing'. Jedes Projekt und jeder Betrieb bekommt Zeit, Veränderungen, Entwicklungen, Neuerungen, Erfolge und auch Probleme und Krisen darzustellen. Viele Schwierigkeiten, mit denen Projekte und Importeure wirklich zu kämpfen haben, sind global und strukturbedingt: nur 2 Stichworte - Klimawandel und Umweltgifte.

 


Dieses Mal ging es einmal nicht so sehr um Pestizide (obwohl immer noch großes Thema durch die Agrochemie), sondern um die sogenannten "natürlichen" Umweltgifte, d.h. Stoffe, die entweder durch Prozesse wie Trocknung / Verbrennung entstehen, wie Anthrachinon (was früher auch als Pestizid eingesetzt wurde, und es aber noch nicht klar ist, ob es auch eine natürliche Entstehung in Boden/Pflanze gibt), oder die über andere Kontaminationen wie durch Verpackungsmaterial usw. (MOSH/MOAH, Erdölverbindungen) in die Ware übergehen. Zu dieser Gruppe muss man noch sagen, dass sie noch garnicht solange analysiert werden kann, und dass der ubiquitäre Belastungsgrad noch nicht bekannt ist (Feinstaub, Belastung des Erdbodens).
Eine weitere Gruppe sind natürliche Fraßgifte der Pflanzen selbst wie die Pyrrolizidin-Alkaloide oder Nikotin. Letzteres ist noch nicht so stark der öffentlichen Diskussion.
Leider gibt es schnell angstmachende Medienhypes, sodass gerade deutsche VerbraucherInnen gerne Nulltoleranz fordern, obwohl - wie gesagt - Eintrags- und Entstehungswege, sowie das Gefährdungspotential wissenschaftlich noch nicht ausreichend erforscht sind. Durch die Panik gerät leider auch der Aspekt aus dem Blickfeld, ob wir Menschen zumindest diese natürlichen Pflanzenstoffe nicht als Reiz oder Information in minimaler Dosis brauchen, um eigene Widerstandskräfte zu entwickeln (es gibt eine Untersuchung, die darauf hindeutet, dass Insekten von den Pflanzen in der Hinsicht lernen).
Für einen Austausch zu diesen Themen hatten wir dieses Mal als "Special Guests" Kirsten Arp und Karin Wegner vom Bundesverband Naturkost Naturwaren eingeladen. Die beiden sind in der QS des Verbands tätig und sehr versiert, was politisch (neue EU-Bio-Verordnung) und wissenschaftlich gerade diskutiert wird.

 

Sharing

 

KAITE: Dominik Collenberg (li) mit Chilibäuerin Frau Chigon'a uns uns Reisenden

Kaite - Organic Africa, Zimbabwe


In Zimbabwe war gerade der Notstand ausgerufen worden wegen extremer Dürre und drohender Hungersnot. Dominik Collenberg, Gründer des Kleinbauernprojekts KAITE / Organic Africa, konnte leider nicht kommen. Er berichtete per Email: "Ja, die EU hat Zimbabwe bekniet, den Notstand auszurufen, so dass Hilfe organisiert werden kann. Der Regen fehlt an einigen Stellen deutlich und ja, wir sind alle betroffen."
Unsere Hauptprodukte aus Zimbabwe sind Bird Eyes-Chilli und Baobab.

 

 

 

 

 

 

Unser Besuch bei den Wupperthalern: Diskussion zwischen Sarath Ranaweera (Biofoods) und Barend Salomo (re) über den Einsatz klassischer Teemaschinen für Rooibusch

Wupperthal Original Rooibos Cooperative, Südafrika


Barend Salomo vom Vorstand der Wupperthal Original Rooibos Cooperative in Südafrika kam leider nicht rechtzeitig nach Deutschland, da sein Visum verspätet eintraf. Wir trafen ihn erst später auf der BioFach Messe. Die Wupperthaler Cooperative hatte an einigen Standorten begonnen, nach Demeter-Richtlinien anzubauen und die Pflanzen mit den selbst dynamisierten Präparaten zu behandeln. Die Erfahrungen für Rooibusch waren so gut, besonders angesichts der Klimawandel-Folgen, dass die Demeter-Methode nun breiter angewandt wird. Wir hoffen natürlich, dass dann mittelfristig eine Demeter-Zertifizierung möglich sein wird.

Die andere gute Nachricht aus Wupperthal betrifft Pyrrolizidin-Alkaloide. Unser deutsches Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) meinte, Rooibusch Tee sollte lieber auch mal auf Pyrrizidinalkaloide durch Beikräuter getestet werden.
Die Wupperthaler Bauern und Bäuerinnen ernten per Hand mit Sensen, weshalb die Gefahr gering ist für unerwünschte Bei-Ernten. Dennoch hatten wir in unserer Analyse minimale Werte im untersten Bereich gefunden. Die Cooperative bekam dann eine Auswertung der einheimischen, oft autochthonen Pflanzen durch ein Forschungsinstitut zur Verfügung gestellt, und konnten eine PA-haltige Pflanze bestimmen, die jetzt systematisch aus den Rooibusch-Feldern entfernt wird.

Von den Wupperthalern stammt unser guter Rooibusch-Tee.

 

 

 

Unser Besuch bei PDS: Sunil (li) und wir besuchen den Sahyadri-Kleinbauern Augusthy Vattothu, der auch Gummibäume beerntet

PDS, Kerala/ Indien, Sahyadri Spice Farmers Association


Sunil Joseph berichtet für die NGO Peermade Development Society (PDS) mit den angeschlossenen Sahyadri Spice Farmers. Begleitet wurde er von Father Jilsen, dem Nachfolger von Father Jose Cherian, der nun in die USA geht, um dort eine indische Gemeinde zu leiten. Gegründet wurde die christlich-kirchliche PDS von Bischof Arackal. Geschäftsführer der Organisation ist immer ein Father, der neben der Leitung z.B. der Gewürzfabrik ebenso zuständig ist für alle Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, Seelsorge, sowie Dozentenstellen an Universitäten innehat. Ein riesiges Pensum.

Im letzten Jahr hat die PDS das Warenlager vergrößert, sodass mehr Ware eingelagert und gleichmäßiger aus dem Lager heraus verkauft werden kann.

Das eigene Labor wurde vergrößert um ein Soil Testing Laboratory. Hier wird z.B. über Mikrobiologie geforscht und natürliche Pflanzenschutzmittel entwickelt. Die große Herausforderung unter dem Klimawandel sind verstärkte Probleme mit Schädlingsbefall und Pflanzenkrankheiten. Im PDS-Trainingscenter gibt es neue Programme für die Bauern zur Unterstützung. Aufgrund der veränderten Wetterbedingungen und der veränderten Schwankungszeiten der Tagestemperaturen ist es ein nun Problem, Produkte anzubauen, die man früher problemlos anbauen konnte.

Vor kurzem wurde das PDS-eigene Museum über die lokale Historie von Gewürze und Tee der Region Peermade eröffnet.

Heuschrecke bezieht von PDS z.B. verschiedene Pfeffersorten, Curcuma, Ingwer, Nelke und Zitwer

 

 

 

 



Unser Besuch bei BioFoods, Spice-Factory Matale, Trocknung Muskatnüsse. Im Bild: Sarath Ranaweera

Biofoods, Sri Lanka / Small Organic Farmers Association


Eine schöne Neuigkeit kommt vom Gründer und Vorsitzenden der Verarbeitungs- und Exportfirma BioFoods Dr. Sarath Ranaweera - er hat vor kurzem den ersten Demeter-Verband Sri Lankas mit-initiiert: Biodynamic Association of Sri Lanka.
BioFoods verarbeitet und vermarktet die Small-Farmers-Produkte von SOFA und MOPA. Von ihnen beziehen wir z.B. Muskatnuss, Macis, Pfeffer, Nelke und Curryblatt.
Als Pionier-Persönlichkeit beschäftigte ihn schon länger eine der Schlüsselforderungen der Weltagrarberichte: Kleinbauern- und Bioprodukte im Inland besser verfügbar zu machen. So gab es auch hier einiges Neues zu berichten.


Die Small Organic Farmers Association (SOFA) hat nach dem offiziellen Bürgerkriegsende und den aktuellen Befriedungsbemühungen der Regierung gezielt ehemalige Rebellen als Kleinbauern rekrutiert.
Mehr unterschiedliche und auch frische, sowie TK- Bio-Lebensmittel werden für den inländischen Markt produziert. Ein Fokus sind dabei auch glutenfreie Produkte.

Bioprodukte haben es jedoch auf Grund ihrer hohen Preise extrem schwer auf dem Inlandsmarkt. Um dem zu begegnen hat Sarath Ranaweera einen neuen inländischen Bio-Standard mit Zertifikat entwickelt, der speziell auf die einheimischen Verhältnisse zugeschnitten ist: weniger bürokratisch, einfacher umzusetzen und deshalb viel kostengünstiger als die internationalen Standards. Sarath bezeichnet diesen Standard als bio-ähnlichen Standard, die Produkte seien aber nicht explizit als "bio" gelabeled wie z.B. in der EU. Der neue Standard steht kurz vor Absegnung durch die Regierung.

Vor kurzem entstand nach dem langen Stillstand aufgrund des 30jährigen Bürgerkriegs die moderne Arbeitnehmer-Organisation SLEPA, die den Arbeitnehmerschutz, aber die Entwicklung des Landes, vor allem die Infrastruktur vorantreiben will. In einer Beziehung ist das moderne Sri Lanka der EU einen Schritt voraus: die Einfuhr des umstrittenen Pestizids Glyphosat wurde komplett verboten, was in Kürze auch das Aus in der Anwendung bedeuten sollte.

International stecken Kleinbauernverbände immer noch in einer härteren Wettbewerbssituation als z.B. Plantagen, die aufgrund größerer und einheitlicherer Strukturen immer günstiger produzieren können. So hat die Fairtrade -Zertifizierungsorganisation FLO gerade die Standards für "Small Farmers" so verändert, dass sie jetzt auch von Plantagen in Anspruch genommen werden können, wenn nur ein Teil Kleinbauern dabei sind. Die Profilierung für "echte" Kleinbauernprojekte, bzw. deren Marktchancen verringert sich durch die ungünstigere Kostensituation.

Auch Probleme und Kosten durch die Umweltgifte der Agroindustrie (Kontaminierungen, Unfälle) stellen für Kleinbauernprojekte  eine höhere Belastung dar, da Flächen und Ware viel vielfältiger und damit inhomogener sind. So hat auch BioFoods in der Qualitätssicherung noch mal aufgerüstet:
    - bessere, genauere Tests auf Rückstände,
    - jeder noch so kleine Fund wird gemeldet (auch cross-contamination). Kontaminierungen sind generell schwierig zu kontrollieren bei 500-1000 Bauern (Wind, Wasser, generell viel mehr Faktoren als bei zusammenhängender Plantagenwirtschaft).

Dazu sind die Eintragsquellen für Stoffe, die einmal als Pestizid benutzt werden können, aber auch natürlich oder umweltbedingt in der Umgebung vorkommen, wissenschaftlich noch nicht zufriedenstellend erforscht - es gelten im EU-Bio-Standard trotzdem die Grenzwerte für Pestizide, was etliche Bio-Chargen vom Markt kickt, obwohl die Bauern keine Pestizide eingesetzt haben.
Laut Sarath Ranaweera können diese Probleme nur mithilfe einer größeren, stärkeren Bio-Lobby gelöst werden. Europäische Labore würden nicht zwischen künstlichen und natürlichen Einträgen unterscheiden.


Tea Promoters India (TPI)

Unser Besuch bei TPI, Teefarm Putharjhora: Gautam Mohan in der Teeverkostung


Gautam Mohan, Agraringenieur und Enkel des Gründers Brij Mohan von TPI berichtet für die Firma, die nun 8 Bio-Teeplantagen verwaltet. Dazu werden Tees von 4 Teebauern-Kooperativen verarbeitet und vermarktet.
Insgesamt war 2015 ein gutes Jahr mit gutem Wetter. Doch in Assam brachte der Monsun viel Zerstörung und es gab einen tragischen Todesfall einer Teebäuerin.


In Assam hat TPI den Teegarten Chardwar (Vier Himmelstüren) übernehmen können. Die Plantage mit 300 Teebauern-Familien war stark vernachlässigt und ist sehr arm, aber einen Teil der Basisarbeiten hat TPI bereits geschafft: alle Häuser haben nun eine Toilette. Die Renovierung der Häuser läuft gerade mit Regierungsunterstützung. Eine eigene Teefabrik ist im Bau. TPI ist dabei, die dort übliche Kinderarbeit abzuschaffen.
 
In Darjeeling steckt TPI Energie in den Aufbau des Öko-Tourismus. Ziel ist die Erschaffung lokaler und individueller Tourismusprojekte, die sich selbst unterhalten und die Bildung in der Region unterstützen können, sodass die Gemeinschaften unabhängiger von den Fairtrade - Prämien für Produkte werden.

Auch Gautam moniert die immer neuen Rückstandsproblematiken, die jedes Jahr von der EU etwas hilflos (aufgrund unzureichender wissenschaftlicher Datenlage) vorangetrieben werden und die Projekte in den Drittländern in Kosten stürzen. TPI hat nun eine Darjeeling-Gemeinschaft mitgegründet für eine Studie " PAK und Anthrachinon" zu künstlichen und natürlichen Eintragsquellen und deren Reduktion. Die Studiengemeinschaft arbeitet mit dem Indian Tea Board, dem deutschen Teeverband und der EU zusammen.
Das kommende "Umweltgift des Jahres", so mutmaßt er, wird Nikotin sein, das auch von den Pflanzen selbst gebildet werden kann.



MOSH / MOAH und andere Rückstände


Aus der Reihe der Projektpartner in Übersee kam der Wunsch, über die Rückstandspolitik der EU-Bio-Verordnung und der deutschen Behörden zu sprechen. Für die Diskussion hatten wir Kirsten Arp und Karin Wegner von der QS des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) gebeten, an der Konferenz teilzunehmen, was sie sehr gerne taten. Sie konnten durch ihre Vernetzung mit Bundes- und EU-Behörden, sowie der Arbeit des wissenschaftlichen BNN-Beirats gute Hintergrundinformationen geben. Gleichzeitig nahmen sie aus der lebhaften Diskussion die Positionen der Projektpartner mit.


Typischerweise werden neue Analysemethoden in Europa entwickelt und neue Problemstoffe gefunden, die vorher nicht gemessen werden konnten. Oft sind es Stoffe, mit denen wir seit langem leben. Jüngste Beispiele: Pyrrolizidinalkaloide und Nikotin (die auch natürliche Umweltstoffe sind), Anthrachinon aus anthropogenen Trocknungs-/Verbrennungsprozessen, und MOSH/MOAH, Mineralölderivate aus allen möglichen Erdölverbindungen, die krebsverdächtig sind. Letztere stehen im Moment im stärksten im Fokus der EU und Deutschlands. Eine der deutschen Test-Zeitungen hatte sie in einem Pfeffer nachgewiesen. Natürlich ist die Aufregung bei den pfefferproduzierenden Kleinbauernprojekten groß.

Auch typisch: es fehlen wissenschaftliche Grundlagen über die genauen Entstehungswege, und zur Beurteilung der Giftigkeit beim Menschen:
- Woher kommt es? (nur teilweise bekannt, z.B. auch Schmieröle in Ernte- und Verarbeitungsmaschinen, Luft/Feinstaub, Boden)
- Testmethoden? Große Varianz zwischen Laboren und Proben, sogar innerhalb einer Probe.
- Werden Inhaltstoffe der Produkte missinterpretiert? Gefahr bei Gewürze und Kräutern mit hohem ätherischen Öl-Anteil.
- Keine Höchstmengenerordnung vorhanden.
- Für Kräuter und Gewürze ist der Konsum in der Regel zu gering, um die erlaubte Menge zu erreichen.

Beispiel Mineralölderivate MOSH/MOAH. Sie können seit ca. 5 Jahren gemessen werden. Da Erdöl überall in vielen Zusammenhängen verwendet wird (nicht nur in Druckfarben/ Recyclingpapier), und es zusätzlich evtl. natürliche bzw. Umwelt-Eintragswege gibt (Luft, Boden), ist MOSH/MOAH wahrscheinlich auch ubiquitär und kommt in den Lebensmitteln wieder zum Menschen zurück. Wir haben zum Beispiel MOSH/MOAH aus allen unserer Verpackungen ausgeschlossen, aber alleine in der Rohware auch alteingesessener deutscher Biobetriebe sind schon kleine Mengen messbar.
Der sehr streng gehaltene Höchstmengenentwurf, der noch nicht veröffentlicht ist, lässt wahrscheinlich momentan zu viele Lebensmittel herausfallen. Es ist ein Vorstoß aus Deutschland, also nationales Gesetz. Der Entwurf legt Migrationsgrenzwerte aus Altpapier-Verpackungen fest, also keine Höchstgehalte im Lebensmittel. Ob sie dennoch von Unternehmen/NGOs/Medien ... als Grenzwert im Lebensmittel herangezogen werden, kann Kirsten nicht ausschließen und sich schon vorstellen.

Die Krux bei all diesen Stoffen ist, dass das von Behörden und Verbrauchern bevorzugte System - lückenlose Analyse aller in Frage kommender Stoffe, und dem Vernichten kontaminierter Chargen - nicht finanzierbar und ethisch nicht zu vertreten ist. Die Bauern und Mittelstand sind hier nicht die richtige Adresse - die Lösung kann nur politisch sein (Umweltschutzgesetzgebung für Industrie, Verkehr, Luft, Wasser etc.).

Gerade in Deutschland entsteht durch den Umgang der Medien und Verbraucherschutzorganisationen mit solchen Befunden schnell Verunsicherung bei den VerbraucherInnen.  

Wir bekamen außerdem einen Einblick in den Stand der neuen EU-Bio-Verordnung (Revision): ein Streitpunkt ist eine Höchstmengenverordnung für biozertifizierte Produkte. Etliche EU-Länder fordern eine Nullgrenze, also Null-Toleranz - für Importeure und Bio-Industrie die bequemere Variante, ein Ja/Nein-Spiel ohne Risiko für sie selbst, und verlockend einfacher Schutz vor Biobetrug.
Andere EU-Länder, und auch die deutsche Biobranche, die der BNN vertritt, sagen generell, dass in einer Welt mit Chemie- und Agroindustrie im heutigen Ausmaße keine Rückstandsfreiheit mehr möglich ist. Schließlich setzen die Biobauern selbst keine Pestizide ein, tragen also aktiv zum Umweltschutz bei - deshalb darf man ihnen nicht das Risiko für Kontaminationen aufladen - was Kleinbauern auch sofort ruinieren würde.
Kirsten erklärte, wie vertrackt die Situation ist, wie aus vielen Lobby-Forderungen eine vermeintlich bessere Lösung gestrickt wird, wo schließlich jede einzelne Handels- und Verarbeitungsstufe bis hin zum Bauern bei jedem Schritt "Best Practise" nachweisen soll, falls es zu einer Rückstandsmessung kommt. Ein Dokumentierungswahnsinn droht, für den Bauern und Kleinbetrieben die Kapazitäten fehlen.
Es kann sein, dass die kommende EU-Revision das Bio, wie wir es jetzt kennen, nur noch kompatibel für Industrie und Plantagen macht. Dann muss das alte, soziale "Bio" wieder neu erfunden werden.

Weltagrarbericht 1 und 2, sowie der Welthungerbericht haben analysiert, dass die nachhaltige und langfristige Ernährung der Weltbevölkerung nur durch kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft gesichert werden kann. Dieses Protokoll schließt deshalb mit dem Leitspruch des Gründers der PDS, Bischof Arackal: "... that they may have life and have it abundantly"  (Joh. 10.10)



Ursula Stübner, Heinz Gasper, Ben Kaukler (Übersetzung)

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