BLOG | Neueste Nachrichten

Joshuas Gewürzreise: Safran
10.12.2017 10:41
Buchrezension: Achim Priester -...
03.12.2017 09:32
Vanille - Der Star der Desserts
19.11.2017 13:13
Ohrenkuss: Mütter
09.11.2017 18:00
Ajowan - Gar nicht so entfernter...
05.11.2017 12:38
heupd-Reportage: Bio-Anbau in der...
25.10.2017 13:31

Blog-Text-Suche

Meist gelesene Posts

Trocknungsverfahren für Kräuter und Gewürze
96317 mal gesehen   21.03.2014
Heiliger des Monats März: Oscar Romero
94698 mal gesehen   24.03.2014
Blogst Du hier!
77634 mal gesehen   21.10.2009
Verschwörungstheorien
75637 mal gesehen   19.05.2010

Archiv

Abonnieren für RSS-Reader

RSS 0.91Nachrichten
RSS 2.0Nachrichten

Zur Zeit wird gefiltert nach: September 1
Filter zurücksetzen

Fairbiotea 2013

Inspektionsberichte 2013: Qingshan-Farm erfolgreich, Xinanyuan-Projekt verliert Anerkennung

Fairbiotea - Siegel, so auf den Teepackungen zu sehen
Fairbiotea - Siegel, so auf den Teepackungen zu sehen
Qingshan Farm, Teegarten
Qingshan Farm, Teegarten
Qingshan Farm, Teepflücker
Qingshan Farm, Teepflücker
Qingshan Farm, im Wok verarbeiteter Tee
Qingshan Farm, im Wok verarbeiteter Tee
Qingshan Farm, Inspektion 2013, Bauer und Kontrolleure
Qingshan Farm, Inspektion 2013, Bauer und Kontrolleure
Qingshan Farm, Kalb im Teefeld
Qingshan Farm, Kalb im Teefeld
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Tee-Lagerhalle
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Tee-Lagerhalle
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Tee-Produktionshalle
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Tee-Produktionshalle
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Klimawandel bringt extreme Trockenheit
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Klimawandel bringt extreme Trockenheit
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Klimawandel bringt extreme Trockenheit
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Klimawandel bringt extreme Trockenheit
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Klimawandel bringt extreme Trockenheit
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Klimawandel bringt extreme Trockenheit
  • Fairbiotea - Qualitätsmanagement für Biotee in China



Wegen der besonderen politischen und sozialen Lage in China ist die Beschaffung von zuverlässiger, fairer Bio-Ware erschwert. Obwohl die Chinesen die Regeln ihrer harmonischen und ganzheitlichen Feng-Shui-Lehre auch auf die Landwirtschaft anwenden, passt das Einhalten unserer rigiden EU-Bio-Gesetzgebung nicht ins Weltbild. Mehr oder weniger häufig sind China-Bioprodukte aus den unterschiedlichsten Gründen pestizidbelastet, was für europäische Bio-Importeure ein aufwändiges Analysesystem unbedingt erforderlich macht. Der parallel wachsende Kapitalismus hat eine gigantische Landfluchtbewegung ausgelöst, mit negativen Folgen für die Landwirtschaft.


Unser Tee-Importeur, mit dem wir seit über 35 Jahren zusammenarbeiten, tüftelte deshalb seit 2008 an einer Lösung, die im Jahr 2010 unter dem Logo "Fairbiotea" spruchreif wurde: ein über den EU-Bio-Standard hinausgehendes Qualitäts-Management-System für ökosoziale Gerechtigkeit, das die Verordnung, besonders für den Teebereich, ergänzt und sicherer und transparenter für alle Seiten macht. Ein Versuch, eine vertrauensvolle, verläßliche Situation für Bauern und Handelspartner bis zu den KonsumentInnen zu schaffen.
Das System ist auf ein praktisches Qualitätsmanagement ausgerichtet, und bietet kostenlose, qualifizierte Schulung und analytische Beratung für Bio-Teebauern und -Farmen.


Neben zusätzlichen Sicherheitsstandards hat das System eine ökosoziale Entwicklung zum Ziel: Entwicklung von Nährstoffkreisläufen, Prämiensysteme zur Einkommensverbesserung und Motivation der Bauern, Abnahmegarantien, faire Preise u.v.m.. Die Fairbiotea-Standards werden jährlich extern von IMO geprüft. Begonnen hat das Projekt mit 4 Farmen.


Ab Ernte 2013 wird das Fairbiotea-System nur noch mit einer Farm, der Qingshan-Teefarm in der Provinz Hunan, weitergeführt, von der wir schon seit einiger Zeit bevorzugt Ware beziehen.
Leider mußte die Zusammenarbeit zwischen Fairbiotea und den Farmen Hecheng, Xinanyuan und Mingzhou in der Provinz Anhui ab Ernte 2013 aufgrund zuvieler Mängel vorerst beendet werden (siehe auch Newsletter Xinanyuan weiter unten). Zum System ‚Fairbiotea' gehören nicht nur vollmundige Erfolgsmeldungen im Medien-Sprech. Das ist ungewohnt, aber ehrlicher als Nachhaltigkeitsgesäusel.


Die Jahres-Inspektionen sind recht aufwändig. Es werden zwei Inspektionen gleichzeitig durchgeführt: die Bio-Kontrollstelle IMO Schweiz überwacht ihre (Schwester-)Firma IMO China. IMO China führt die durch die EU-Verordnung für den ökologischen Landbau vorgeschriebene Minimal-Standards-Bio-Kontrolle durch. Fairbiotea beauftragt IMO China aber auch mit der Kontrolle der Fairbiotea-Standards. Fairbiotea führt zur gleichen Zeit mit eigenen Mitarbeitern eine Inspektion parallel zur IMO-Inspektion durch.
 
 
In ihren Newsletter berichten die Fairbiotea-Mitarbeiter außergewöhnlich offen über die Inspektionen, über Erfolge und Mißerfolge, über kulturelle Mißverständnisse und Widerstände. Dauerthema ist der Konflikt zwischen den Anforderungen der EG-Bio-Verordnung, die aufwändige Handarbeit mit hohen Lohn-Mehrkosten erforderlich machen, und der Preisrigidität eines dominanten Teils des westlichen Markts - siehe auch unseren Bericht: Opens external link in new windowWarum Tee teurer wird.


Daneben sind die chinesischen Ideale oder das chinesische Verständnis für Ökologie und fairer Handel nicht dieselben wie die westlichen, im Klartext: Anweisungen aus unsere EG-Bio-Verordnung werden nicht ausgeführt, wenn sie nicht in das chinesische Weltbild passen - global nachvollziehbar, aber uns Westeuropäern fremd.
 

Der Bericht über die Qingshan Farm fällt positiv aus. Neben einigen fehlenden Dokumentationen, die nachgereicht werden müssen, wurde festgestellt, dass die ökologischen landwirtschaftlichen Prozesse grundsätzlich alle in Ordnung sind. Da die Qingshan Farm als "Company" organisiert ist (ein Produzent erwirbt bzw. pachtet die landwirtschaftlichen Flächen der Kleinbauern und bezahlt die Bauern dafür; für ihre Arbeit erhalten sie den vorgeschriebenen Mindestlohn) kommen auch die Prämien für den ökologischen Anbau tatsächlich bei den Bauern an. Hier können Sie den vollständigen Bericht lesen:  Inspektionsbericht Qingshan Farm 2013 

 



Dieses Jahr haben die Teebauern der Quingshan Farm erstmalig mit einem Phänomen des Klimawandels zu kämpfen: aufgrund großer Trockenheit sterben die Teesträucher ab. Da die Teepflanze wie Weinstöcke langlebig ist (sie werden so alt wie die Menschen), und die Büsche erst nach 7 - 10 Jahren richtig tragen, ist das ein ernster Verlust, und die nebenstehenden Fotos richtig traurig.


Die Entwicklung im "fairbiotea"-Xinanyuan-Projekt mit den Farmen Hecheng, Xinanyuan, Liukou 1, Liukou 2 und Mingzhou verlief leider negativ. Fairbiotea ist hier mit seinen Ambitionen vorerst gescheitert. Die Gründe sind - so vermutet Fairbiotea - zurückzuführen auf den Interessenkonflikt zwischen einem an Ökologie desinteressierten Produzenten/Manager, und den schlecht bezahlten, unmotivierten Bauern. Der Hygienebericht fiel mangelhaft aus, und es gab eindeutige Hinweise auf die verbotene Verwendung von Kunstdünger und Glyphosat (Roundup. Pestizid) - beides spart dem Bauern die (nicht bezahlte) Zusatz-Feldarbeit. Das Dokumentationswesen ist nicht installiert worden.
Diese Tees werden ab Ernte 2013 (Winter / Frühjahr 2013/14) nicht mehr das Fairbiotea-Siegel tragen. Ernte 2012 war in Ordnung - hier bleibt das Siegel. Hier ist der komplette Inspektionsbericht mit vielen Fotos:  Inspektionsbericht und Deklassifizierung Xinanyuan 2013

 



Im Trend 2013 und folgender Jahre werden die Preise für Tee weiter steigen, zumal im Inland und auf anderen Kontinenten, sogar Afrika, höhere Preise für Tee erzielt werden als in Europa. Wir rechnen damit, dass sich die exportierten Mengen weiter verknappen.
Trotzdem bleibt Tee sein Geld wert - ein Liter Tee wird nicht teurer sein als 1l Cola, aber natürlicher und gesünder, genussvoller sowieso.

 

Auf der Website Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.fairbiotea.de sind die Hintergründe noch einmal ausführlich nachzulesen.

 

 

Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

 

 

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: china, biotee, bio-grüntee, qingshan teefarm, fairbiotea
Anzahl Aufrufe: 3842

Geh Wählen!

Letzte Worte

Einmal im Monat schreibe ich hier einen Blog-Beitrag - schreibe über Themen, die mich gerade beschäftigen oder die ich mit euch teilen möchte.

Dies ist mein letzter Blog-Post...




nein, keine Sorge :-) es ist mein letzter Blog-Post vor den kommenden Bundestagswahlen am nächsten Sonntag, 22.09.2013.
Und ich nutze diese Gelegenheit, euch, liebe LeserInnen an den Geräten dort draußen, dazu aufzurufen, unbedingt an dieser Wahl teil zu nehmen.

Ja klar: es gibt interessantere Nachrichten aus dem All, Politik ist öde und verlogen, das ändert doch nix, und jetzt ermahne ich euch auch noch, diesen alle 4 Jahre wiederkehrenden Zirkus ernst zu
nehmen. Und klar: ich würde auch mehr und direktere Demokratie besser finden, "liquid democracy" und Volksabstimmungen über die täglichen Themen wie Mindestlohn, Schulformen, Atomkraft, Steuern, Reichtum und Armut...

Starter in ein politisch aktives Leben ist aber genau so eine Bundestagswahl wie nächsten Sonntag.
Die Grundlage für demokratisches Handeln ist unsere Freiheit zu wählen. Das ist ein lange erkämpftes Recht und keineswegs selbstverständlich.
In Deutschland wurde das allgemeine Wahlrecht für Männer erst nach der Deutschen Revolution von 1848 mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 eingeführt. Das Wahlrecht für Frauen sogar erst ab 1918 dank engagierter Frauenrechtlerinnen die dafür lautstark demonstrierten (kenne ich aus "Mary Poppins").
Selbst bei der Einführung des Wahlrechts durften faktisch nur ca. 20% der Deutschen wählen, weil das Wahlalter bei 24 Jahren lag und die meisten Deutschen jünger waren. Als ich zum ersten Mal zur Wahl ging, lag das Wahlalter noch bei 21 Jahren, mittlerweile ist es bei 18 und SPD, Grüne und Linke setzen sich für die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre ein.
Lustig chaotisch: die Piratenpartei fordert innerhalb der Landesverbände unterschiedliche Wahlalter, so z.B. Wahlrecht ab 16 in Nordrhein-Westfalen, ab 12 in Sachsen-Anhalt und ab Geburt in Berlin).

Also, nehmt euch euer Recht, geht wählen!
Wählt meinetwegen den letzten Sch**ss - aber wählt.
Mag sein, dass es eh keinen Unterschíed macht ("Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten" – dieses Zitat wird wechselweise Kurt Tucholsky, Rosa Luxemburg oder Wladimir Putin zugeschrieben, stammt in Wahrheit aber von der amerikanischen Anarchistin Emma Goldman) aber trotzdem: fangt hier & jetzt an und mischt euch ein! Macht mehr daraus und gestaltet aktiv eure Welt.
Wer nicht zur Wahl geht, den kann ich in Zukunft auch als Meckerer nicht ernst nehmen...

Hier noch ein Zückerchen als Wahl-Motivation:
der meines Erachtens beste Wahle-Werbe-Spot 2013 kommt von der Gewerkschaft IG-Metall.
Wird natürlich nicht im Fernsehen gesendet, sondern ist im Internet abrufbar.




Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz

ist
Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.


Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 2
Tags: geh wählen, demokratie, grundrecht, mündig, bürger, wahl, bundestagswahl 2013, cdu, spd, die grünen, linke, piratenpartei, metallmix
Anzahl Aufrufe: 4657

Heilige des Monats September: Oranna

15. September: Oranna

 

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht). Heute einfach mal eine Ode an die Orts-Götter, nein, -Heiligen.



 

  • Patronin Lothringens und des Saarlands, gegen Ohrenleiden



Es ist doch herrlich, wenn man in dieser globalisierten Welt, in der wir alle immer flexibler, mobiler und  stromlinienförmiger werden sollen, jemanden trifft der Regino heißt und man weiß sofort: der Kerl ist aus Prüm ! Cordulas und Ursulas stammen gern aus Kölle (bei einer Plektrud weiß man sogar, aus welchem "Veedel"), Corbinians entspringen Bayerns Fluren, nur Augsburgerinnen heißen seit alters her Afra, das Münsterland bringt Ludger hervor, die Wiege einer Oranna steht ohne Zweifel an der Saar.


"Oranna", was für ein abgefahrener Name für eine kerndeutsche Heilige.  Irgendwann in frühfränkischen Tagen lebt und wirkt sie mit einer Freundin namens Cyrilla als gottentflammte Zweisiedlerin und beredte Vermittlerin des neuen Liebesglaubens im waldigen saarländisch-lothringischen Grenzgebiet. Beider Heimat ist Irland, der heilige Wendelin vielleicht Orannas Bruder. Die Iren haben zwar erst nach der "Römerzeit" zum Christentum gefunden, dafür dann aber mit Karacho - und diese frischerleuchteten Inselkelten haben sich mit den ebenfalls im Keltischen wurzelnden Töchtern und Söhnen der Saar offensichtlich prachtvoll verstanden. In und um den Ort Berus vergißt man Oranna und ihre bewußtseinserweiternde Glaubensfreude nicht, der Sarkophag mit den Überresten der beiden gemeinsam bestatteten Mädels wird immer treulich bewahrt, steht nach Irrungen und Wirrungen heute wieder in der Kirche der Heiligen in der grünen Natur nahe Berus.


Kaum erinnert man sich mancher Sandkastenfreunde, nur mit Mühe der Reihe der Bundespräsidenten, geschweige denn der Könige und Herrscherinnen vergangener Zeiten, alles Schall und Rauch. Oranna aber wird seit anderthalb Jahrtausenden gedacht, Mädchen werden auf ihren Namen getauft. Atemberaubend, wie solche lokalen Heiligen das Gedächtnis ihrer Landschaft bündeln und lebendig erhalten: es gibt einen Brunnen mit heilendem Wasser in Berus und eine eiserne Krone, die läßt man sich aufsetzen, und die in der Kindheit taub gewesene Oranna nimmt sich Deines Ohrenleidens an. - Das ist keine künstliche TV-Folklore, das ist echt, das ist Wirklichkeit, die spirituelle Tradition eines konkreten Ortes, konkreter Menschen und deren Vorfahren bis zurück in die Antike.


Hoch sollen sie leben, die Ortsheiligen, die Hüter des geistigen Schatzes ihrer Wirkungsplätze ! Wohnt ihr in der Umgebung, dann besucht ihre Feste, nennt eure Kinder nach ihnen - und in drei Txxxxxx Namen, feiert die  Namenstage !!!  Dieses dusselige Geburtstagsfeiern, Runzelzählen mit "ehemals Gleichaltrigen", fette Schnittchen essen, wer unter Gottes blauem Himmel braucht denn das !?! 
Am Namenstag in einer Kirche des Namenspatrons hochgestimmt diesem nahen Freund aus anderen Welten gedenken und mit unmeßbarem Rückenwind aus dem Alltagstrott  heraussegeln, unsichtbar getragen - das gibt Schmackes, und zu Recht und sehr katholisch singen die Iren von Celtic Glasgow "You´ll never walk alone !" - was für ein geiles Gefühl, kein Gold der Erde wiegt das auf.





 

 

Freundlichst

Peter Kirwel






Peter Kirwel, Autor der Heiligen des Monats


Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb für Topas (Bio-Hersteller veganer Wheaty-Produkte) und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.



 

 

 




 

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: ortsheilige, oranna, saarland, lothringen
Anzahl Aufrufe: 7677

Lissabon

Dieses Jahr Urlaub in Portugal



Sommerurlaub. Dieses Jahr haben wir uns Portugal ausgeguckt, und zwar einen Städteurlaub. Lissabon ist ein alter Traum, in Porto wohnt unser Salzlieferant.

Heinz-Dieter Gasper war vor 45 Jahren mit einem Studienfreund schon einmal in Lissabon - die Bilduntertexte sind sein Bericht (durch die Verteilung des Fließtextes schonmal witzige Effekte). Hinter einigen Fotos verbergen sich zudem kurze Erklärungen - sichtbar, wenn der Cursor darübergeht.

Zu den Fotos: wir waren ganz fasziniert von der Bildsprache auf Mauern und Wänden, am liebsten großformatig auf den zugemauerten Häusern, wo kein Besitzer sich aufregt. Ein deutlich anderes Niveau als in Deutschland - sehen Sie selbst ...

 

Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

Bilder mit Klickvergrößerung



Wir wohnten an der schönsten U-Bahnstation Lissabons - Parque
Lissabon zum Zweiten- wie ist das, wenn man nach vielleicht fünfundvierzig Jahren zurückkommt?
von 2 Künstlerinnen gestaltet - zu Ehren der portugiesischen Entdeckungsreisenden. Dieser Bahnhof gehört auch zu den Menschenrechtsbahnhöfen wie Paris, Berlin und Brüssel.
Unspektakulärer als zu erwarten, Salazar ist weg, Nelkenrevolution mit Landreform und Gemeinwohl-Bewegung sind Geschichte,
Der Koch sitzt unter seinem Engel.
Otelo de Carvalho, der linksradikale Hauptmann, wohl sehr alt,
...
oder was ist aus ihm geworden?*)
...
Die garstige, unverblümte Art uns zwei langhaarigen, bärtigen, reisenden Pseudo-Freaks (Studenten),
...
das Unerwünschtsein laut und handgreiflich klar zu machen, ist auch Geschichte.
...
Wir kamen damals aus Spanien, wo wir maximal schräg beäugt wurden, mit dem Bummelzug,
...
und wurden schlagartig ab der portugiesischen Grenze im Abteil von den Bäuerinnen (mit Gemüse und Hühnern auf dem Weg von oder zum Markt) laut angeschrieen, an den Haaren gezogen,
Die Burg hoch über der Alfama
eine Menschentraube defilierte vorm Abteil, lachte und machte uns brüllend seine Aufwartung.
Viele Gebäude sind zugemauert - aber es wurde gerade auch viel restauriert.
In Lissabon war es denn etwas ruhiger,
Die Troika
nur manchmal liefen schreiende Kinder vor und hinter uns her,
...
die Busfahrer hielten schon mal auf offener Straße an und brüllten uns irgendwelche Schimpftiraden hinterher.
...
Ein selbstbewusstes, nicht duckmäuserisches Völkchen, was auf unsere Hippie-Aufmachung entsprechend reagierte.
...
Was uns einerseits imponierte, aber andererseits auch so stresste, dass wir Portugal/Lissabon auch nur 4-5 Tage ausgehalten haben,
...
wir sind wieder nach Spanien geflohen.
...
Natürlich haben wir die Highlights abgelaufen heute wie damals -
...
die wirren Alfamagässchen,
...
die damals noch heruntergekommene wenig renovierte Burg on top,
...
der riesige, leere Praca de Comercio, den eiserne Aufzug (Eiffel ließ bauen),
...
das Mosteiro des Hieronymus und den lokalen heiligen Antonius,
...
dessen Versuchungen sich Hieronymus Bosch sich nicht entgehen ließ, um ausschweifend diese zu bebildern.
...
Damals hing das Bild noch im Eingangsbereich eines alten Klosters/Kirche, heute im richtigen Museum als der Hingucker.
Der klassische Gitarrenspieler im Burghof...
Die Befreiung von der Diktatur Salazars, die EU, diverse Auszeichnungen als Kulturhauptstadt, die Expo -
Beim Fado
Alles scheint zu einer toleranteren, aber dennoch eher fremdelnden Gesellschaft geführt zu haben,
...
die mit der alten Geschichte als letzte Kolonialmacht etwas zu ungeniert kokettiert, wenn man sich die Texte der Raub-Kunst Museen ansieht.
...
Zwei sehr selbstbewusste Industrie-Mäzene haben sich mit Kunstsammlungen und Museen geradezu Unsterblichkeit verschafft - wir haben die Sammlungen genießen dürfen -
Teeliebhaber haben es schwer in den südeuropäischen Kaffeeländern.
einer der beiden, der den Nazi entkommene Armenier Gulbenkian sagt sicher einigen von Euch als Mr. Fünfprozent etwas.
Kommentar Heinz-Dieter Gasper: das habe ich mir schon länger überlegt ...
...
...
..
Der eiserne Aufzug, die urige Straßenbahn, sind inzwischen komplett in der Hand der Touristen, damals fuhren auch Einheimische damit.
...
Der Fado hat auch abseits der Touristenbusabzocke wieder etwas von seiner Natürlichkeit zurückgewonnen,
...
wir hatten Glück ihn wahrscheinlich authentisch in einem Wohnzimmerrestaurant mit Fado-Profis und -Amateuren zu erleben.
...
Wir haben Kabeljau (Bacalhau) und Tintenfisch (Polvo) ohne Ende und auch in Fastfood Variante genossen -
..
die Pastelerien haben uns in der Unterführung gesucht,
...
wir haben nicht wie Antonius agiert - war ja auch kein genialer Portraitist in Sicht, der heldenhaftes darstellen sollte.
Die Künstlerin in der Alfama bildet Kacheln nach für die Renovierung verfallener Schlösser und Villen.
Wer zählt die Höhenmeter, die die LissabonerIn (und wir Touristen)
Farbvergleiche.
die Treppenstufen, die wir hinter uns lassen mussten, um das eine oder andere Highlight zu suchen und zu besichtigen.
...
Rätselhafte, meist fehlende Beschilderung auf dem Weg zu den Kulturstädten, den Bahnen und Bussen -
...
verlängern den strapaziöse Teil schon mal unnötig.
...
Wahrscheinlich nutzt das irgendwem, wer weiß...
...
Nach 6 Tagen hatten wir das Gefühl 'durch' zu sein, sehr zufrieden.
...
Gelesen zum Ort gab es Saramagos Ricardo Reis,
...
auch im "A Brasileira" gelesen, Fernando Pessoa steht Wache vorm legendären Cafe -
...
(der erscheint 'leibhaftig' im doppelten Sinne in Buch des Nobelpreisträgers von 1998).
...

...
*) Wikipedia weiss es: Kleinunternehmer: Im Jahr 2011, als Portugal die Welt um internationale Finanzhilfe bat, hat Otelo Saraiva de Carvalho erklärt, er hätte die Revolution von 1974 nicht gemacht,
...
wenn er gewusst hätte, wie das Land jetzt dastehen würde.[1]
...
Weiter sagte er, dass ihn jeden Tag die Menschen auf der Straße bitten "nochmal einen 25. April, einen weiteren Militärputsch" auszurufen.
...
...
...
...
...
Die rosa Zuckerguss-Lady im Museum Serralves, Porto. Der Künstler heißt Urs Fischer, aus Zürich.
Nicht sieht man die Kinderfußspuren und Finger im Zuckerguss...
...
Der Rio Douro
Porto, nächste Station,
in Porto
gemütlicher, weniger Überseetouristen, nicht umsonst Kulturhauptstadt gewesen.
Gestalten im Wasser
Auch hier Mäzene die die Kultur beflügelten,
Unser Salzlieferant wohnt in Porto - das Salz wird im Naturpark Ria Formosa an der Algarve gewonnen.
ähnlich wie Gulbenkian's Museum, ist das Serralves Museum auch von einem wunderschönen Park umgeben.
Im Moment ist Sommerpause - Lager und Produktion sind leer.
Fünf Tage, wieder treppauf/treppab, hügelig, enge Sträßchen, malerisch, Weltkulturerbe, die Altstadt,
Die Lagerhalle und
der übervolle, etwas nervige Harry Potter 'no pictures please' Buchladen,
die Salzmischmaschine ruhen.
einer der schönsten Bahnhöfe der Welt
Vorbildliche Ordnung und Sauberkeit in der Salzhalle,
(Azulejos Kacheln ohne Ende auch in Lisboa, die Mauren haben die mal erfunden )
und die Arbeitswerkzeuge bekommen so eine gewisse Ästhetik.

Transportschnecke
das rosa Zuckerguss Mädchen (weiter oben) - was man nicht sieht: kleine Finger haben ehrfurchtslos davon gekostet
Abfüllanlage
und Fußspuren hinterlassen - unfreiwillig? wir werden Urs Fischer dazu befragen...
...

...

...

Ein kinetisches Kunstwerk vor der Uni in Porto ...

...
Im Gegensatz zu den Reinigungsfanatikern in Köln,
dort in Lisboa und Porto werden eher die Städtestraßen sauber gehalten (auffallend), statt aufwändige
Wandreinigung zu betreiben.
Das Grauen der Fassaden in der Stadt Köln wird jedenfalls deutlicher verteidigt als in Portugals Städten -
fehlgeleitetes Reinigungsbewusstsein, Ausgabenoptimierung ? Die hillije 3 Könige vum Kölle: Haus-und Grundbesitz,
ÖPNV und örtliches Verleger-Monopol?




Wir haben unseren Urlaub mit Bilder-Schatzsuche sehr genossen -
die Menschen, den spröden, hintergründigen Humor,
das Essen, die Kunst, den entspannten Straßenverkehr ...
Danach sind wir noch nach Frankreich gefahren, in die Drôme, wandern
und unsere Freunde von L'Herbier du Diois besuchen,
die dort in etwa dasselbe machen wie wir hier in der Heuschrecke.
Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: urlaub, portugal, lissabon, porto, meersalz, graffiti, kunst
Anzahl Aufrufe: 8961