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Heilige des Monats Juli: Anna

26. Juli: Heilige Anna

 

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).



  • Schutzpatronin der Frauen, der Mütter, der Eheleute, der Familien

 

Die Oma vom lieben Gott, wow. Davon steht kein Wort in der Bibel, aber eine sehr früh einsetzende Tradition, fast noch zur Zeit der Augenzeugen, mag irgendeinen historischen Kern enthalten. In den ersten Jahrhunderten spielen diese Überlieferungen keine Rolle, alle Debatten konzentrieren sich auf die Lehre und Christus selbst, seinen Status in der Heilsgeschichte. Als 451 das große Konzil von Chalkedon endlich einen Schlußstrich zieht und definiert, daß Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich ist, wird seine bürgerliche Biographie interessanter.

Wenn Jesus nämlich einerseits wirklich wahrer Mensch ist, dann ist Maria andererseits tatsächlich „Mutter Gottes“: und mit dieser ungeheuerlichen Aufwertung Mariens steigt auch die Konjunktur für weitere Verwandtschaft. Die bestehenden Legenden treiben neue wilde Blüten, zu Annas Mann Joachim treten der im Witwenstand geehelichte Zweitmann Cleophas und nach dessen Verbleichen als Dritter im Bunde Salomas: alle Ehen mit Töchten namens Maria gesegnet, mit Kindern und Kindeskindern,  darunter der Chef höchstpersönlich sowie die Apostel Jakob der Ältere und Jakob der Jüngere, Johannes Evangelist etc.pp., eine unüberschaubare Schar. Ganz ekstatische Skribenten wollen schließlich gar von Jesu Urgroßeltern Stollanus und Emerentiana wissen, auf Gemälden der „Heiligen Sippe“ tobt eine komplette Kita durch den Saal.

 

Die Kirche im Osten bekennt sich früh zum bunten Trubel, während die nüchternen Theologen des Westens sich zieren. Es dauert hier volle 1000 Jahre, bis der zähe Druck der Massen die Dämme der Doktoren bricht und 1481 die Aufnahme Annas in den römischen Festkalender erzwingt.

 

Die Volksfrömmigkeit liebt das Begreifbare, das Anschauliche, mißtraut zutiefst der Spekulation. Jesus eingebunden in eine rundum weiblich dominierte Familie mit Großmutter Mutter Tanten, wo weder die Männer der Anna noch der brave Joseph irgendeine Rolle spielen, wo Jesus von der Wiege bis zur Bahre Sohn einer allgegenwärtigen Mutter bleibt – und nur sie steht unterm Kreuz, zusammen mit den Tanten, Johannes muß parieren, wird der Mutter zugeschlagen - das gefällt den Frauen Europas, und die tragen schließlich die Religion, wer bringt der nächsten Generation das Beten bei, etwa die Männer ? Um 1500 ist Anna der Superstar unter den Heiligen, an jeder Ecke werden ihr Kirchen und Kapellen geweiht, alles schwelgt im Familienrausch, Blut ist dicker als Wasser.

 

Die Reformation bringt dann einen Knick. Luther, ursprünglich selber ein heißer Ahnen-Verehrer, läutet die „Vermännlichung“ des Christentums ein. Nicht mehr sinnliche Volksfrömmigkeit soll das Bild der Kirche prägen, sondern ausschließlich von Männern dargebotene trockene Schrift-Exegese, eingebettet in stundenlange Predigten, wo Männer ex cathedra Moral predigen dürfen bis zur Erschöpfung aller Beteiligten, und Amen. Das reiche Ordensleben der Frauen mit ihren ganz eigenen Wegen mystischer Gotteserfahrung wird zu Gunsten der Gönner Luthers, der adligen Herren, die alles beschlagnahmen und verjubeln versaufen, ersatzlos zerschlagen. Er selbst heiratet eine Nonne und schickt sie an den Kochtopf, hält großzügig Hof im geklauten Kloster.

 

Und heute ? Die Protestanten haben gelernt, Frauen sind dort in Amt und Würden, prägen die Kirche zum Wohle aller. „Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild; nach Gottes Bild erschuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.“

Und die Katholiken ? Den Jesus haben sie aufgemotzt, der darf jetzt fresh sein, überall Jugendgottesdienste für die Handvoll gläubiger Teenager – aber Gottvater, an dem wird nicht gekratzt, der kommt irgendwie immer noch rüber wie Osama bin Laden, keine Spur davon, daß nicht nur Adam sein Ebenbild ist, sondern auch die kurvenreiche Eva, dat lecker Mädche.  An der Basis rumort es derweil gewaltig. Landauf landab halten Frauen Sonntag für Sonntag Wortgottesdienste, stehen Verheiratete beiderlei Geschlechts am Ambo und machen einen guten Job.

 

Stoßgebet: Heilige Mutter Anna, Du hattest Deine Männer und den ganzen Clan doch fest im Griff: kannst Du Deinen Lieblingsenkel nicht dazu bringen, die schlamperte römische Junggesellenwirtschaft aufzumischen ? - Ich gelobe feierlich: nach meiner ersten Messe mit einer waschechten katholischen Priesterin am Altar gehe ich zu Fuß von der Eifel runter nach Düren und bete bei Deinem Haupt einen Rosenkranz ! 

 

Da fließt noch viel Wasser den Rhein runter, klar - aber ich lebe gesund und bin viel an der frischen Luft – wenn der Chef das vorher nicht hinkriegt und ich über 100 werden sollte, bevor sich was tut, dann komme ich eben im Auto und schiebe ersatzweise den Rollator dreimal um die Kirche.

 

 

Freundlichst

Peter Kirwel






Peter Kirwel, Autor der Heiligen des Monats


Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb für Topas (Bio-Hersteller veganer Wheaty-Produkte) und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.



 

 

 

 

 

 

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Tags: oma gottes, heilige kita, luther, männliches christentum
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Gastbeitrag
24.07.2013
10:02

Mikrokosmos: Gold im Buchenwald

Jetzt ist Täublingszeit!

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Wer zur Zeit auf alkalischen, gut mit Basen versorgten, aber dennoch nährstoffarmen Böden nach Pilzen im Buchenwald sucht und etwas Glück hat, wie wir, der kann den zwar verbreiteten, aber eigentlich doch ziemlich seltenen Gold-Täubling finden.


Von anderen Lamellenpilzen unterscheiden sich die häufig farbenfrohen Täublinge (Gattung Russula) wie auch die zur gleichen Ordnung der Sprödblättler gehörenden Milchlinge (Gattung Lactarius) am deutlichsten durch ihr brüchiges Fleisch und die spröden Lamellen: zerbricht man den Stiel eines Täublings, dann knackt es wie beim Abbrechen eines Stücks von einem geschälten Apfelschnitz und an der Bruchstelle fasert, wie bei diesem, nichts auf.
Das liegt daran, dass sich in allen Teilen eines Täublingsfruchtkörpers, im Stiel, im Fleisch in den Lamellen, auch rundliche Zellen, sogenannte Sphaerozysten (siehe Mikrofoto Nr.7) befinden, während bei anderen Lamellenpilzen längsgestreckte Hyphenzellen vorherrschen, die sich einfach nicht glatt abbrechen lassen.


Hat man einen Lamellenpilz als Täubling erkannt, muss man ihn eigentlich nicht mehr genau bestimmen, um entscheiden zu können, ob er essbar ist oder nicht: ein kleines Stückchen vom Hut samt Lamellen an Fundort und –stelle roh zerkaut, macht umgehend klar, ob er mild oder bitter schmeckt: alle milden Täublinge sind essbar! Da aber Pilze bis auf ganz wenige Ausnahmen (z.B. Zuchtchampignons und Steinpilze) nicht roh gegessen werden sollen, wird auch die milde Geschmacksprobe der Natur vor Ort zurückgegeben, also ausgespuckt. Wirklich giftige Täublinge gibt es nicht, aber eine Mahlzeit bitterer Täublinge kann erhebliche Magen-Darmprobleme verursachen.
Unsere Gold-Täublinge sind mild und schön fest sind sie auch, und ihre goldgelb-zinnoberrote Hutfarbe lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen.


Hat man wirklich den Ehrgeiz, einem Täubling einen konkreten Namen zu geben, hat man’s  meist nicht leicht. Auf arttypische Hutfarben ist bei ihnen kaum Verlass und überhaupt sehen sie mit ihren farbenfrohen Hüten und meist weißen Stielen anscheinend alle gleich aus. Beim etwas älteren Gold-Täubling hat man immerhin zusätzlich zur Hutfarbe, noch goldgelbliche Lamellen und auch gelbweisslich überhauchte Stiele, die ihn, wenn auch  noch der Standort stimmt, ganz gut erkennen lassen.


Bei Unsicherheiten ist es aber unerlässlich, zunächst die Sporenpulverfarbe zu bestimmen, die bei Täublingen zwischen reinweiß und tiefocker liegen kann. In der Beurteilung der Farbe des Sporenpulverabwurfs unserer Gold-Täublinge (Foto Nr.3) folgen wir der Farbtafel nach der EURO-Skala für Druckereinen, wie es Kränzlin in Pilze der Schweiz Band 6, Russulaceae, S.15 tut und stellen fest, dass er sich aus 50 Anteilen yellow (y) für gelb und 20 Anteilen magenta (m) für rot von insgesamt 100 Teilen und damit auf ein schwach rötliches, mittelstarkes Ocker hinausläuft. Möglich sind auch die diverse chemische Reaktionen mit Guajak oder Eisensulfat, die Verfärbungen des Fruchtkörperfleisches hervorrufen, aber die sind meist nicht artypisch und machen den Goldtäubling von den meisten anderen Täublingen nicht unterscheidungsfähiger.
 


Dann geht’s mikroskopisch weiter.
Täublinge haben wunderschöne, stärkehaltige Sporenornamente, die sich mit einem jodhaltigen Reagenz (Melzer’s Reagenz) blauschwarz anfärben lassen. Unser Gold-Täubling bildet rundliche Sporen mit langen, breiten Rippen und vereinzelten Warzen, die bis zu 1,5 Mikrometer hoch hervorstehen. (Fotos Nr.4+5). Eine Analyse der Huthaut oder die Form der sterilen Zellen an der Lamellenschneide (Cheilozystiden) (Foto Nr.6) oder den Lamellenseiten (Pleurozystiden) bringt auch einzeln für sich betrachtet keine eindeutige Identifizierung, denn bei vielen Täublingen liegen ähnliche Verhältnisse vor.


Aber zur Feststellung des Genusswertes ist der ganze Aufwand ja auch gar nicht nötig, wie wir oben festgestellt haben. Es muss nicht mal der Gold-Täubling sein, der in der Pfanne landet, denn jetzt ist Täublingszeit! Guten Appetit!




Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
 




Bilder mit Klickvergrößerung

 


Die Pilzsachverständigen bei der Arbeit ...
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer



 

 

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Tags: gold-täubling, täublinge, gattung russula, gattung lactarius, pilze, mikrokosmos
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Kille Enna: Stachelbeeren!

Sommersalat mit Erbsen, Roten Beten & Stachelbeeren

 

An dieser Stelle erscheinen seit gut 2 Jahren jahreszeitlich passende Rezepte der dänischen Spitzenköchin, Autorin und Fotografin Kille Enna (siehe auch Buchtipp und das Portrait unten).

Für den Juli haben wir uns von Kille einen Sommersalat gewünscht. Passend zur optischen Buntheit tanzen in diesem Rezept die vielfältigen fruchtig-süß-würzig-erdigen Aromen ein Sommer-Ballett auf der Zunge. Und dies ist höchst passend zu den diesjährigen Sommerwetter-Kapriolen ...

 




Sommersalat mit Erbsen, Roten Beten & Stachelbeeren

Kille Enna: Bunter Sommersalat mit Stachelbeeren
In der Welt der herzhaften Speisen werden frische Stachelbeeren leider oft übersehen.
Dabei schmecken sie, besonders wenn sie ungekocht zum Essen hinzugegeben werden,
einfach wundervoll.


Zutaten
Für 2 Personen

  • etwa 100 g vollreife Stachelbeeren
  • etwa 100 g Rote Bete, geputzt und gewaschen
  • 25 g Zwiebeln, geschält
  • 50 g Erbsen, frisch gepalt
  • 1 kleine Handvoll Kräuter wie Dill, Basilikum, Estragon und glatte Petersilie, abgespült und trocken getupft
  • nach Belieben 2 EL Dillblüten
  • 150 g Salatblätter, geputzt, gewaschen und klein gezupft

 


Für die Vinaigrette:


  • 1 ½ EL Balsam-Apfelessig
  • 2 EL kalt gepresstes Erdnussöl
  • 2 TL Muscovado-Zucker
  • 1 Prise Paprikapulver edelsüss.
  • Meersalz
  • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 2 TL frisch gehackte Kräuter wie Minze, Dill, Oregano, Thymian und Salbei

 

 

Bio-Paprika, beste Qualität aus Ungarn, Region SzegedAromatischer Urwaldpfeffer, natürlich bio, aus der Adivasi-Niederlassung Kannampady, ein Kleinbauernprojekt
1) Für die Vinaigrette: Apfelessig und Erdnussöl in einer Schüssel verquirlen.
Mit Muscovado-Zucker, Paprika, Meersalz und frisch gemahlenem Pfeffer würzen. Dann fein gehackte Kräuter unterrühren.

2) Für den Salat: Stachelbeeren putzen, waschen und halbieren. Rote Bete und Zwiebeln in dünne Scheiben schneiden.
Stachelbeeren, Rote Bete, Zwiebeln und Erbsen in eine Salatschüssel geben. Kräuter, nach Belieben Dill und klein gezupfte Salatblätter unterheben.
Die Vinaigrette über den Salat gießen und den Salat in der Vinaigrette wenden.

 


Sommer has arrived and the rain has been plentiful. The garden is growing
to new height ...full of flavours ...
best wishes from up north

 

Kille Enna



 

 




Kille Enna, Köchin, Gewürzspezialistin und Autorin

Kille Enna, Spitzenköchin, Buchautorin und Fotografin, lebt in Ystad.

Sie wird in Schweden und Dänemark fast wie ein "Idol für die naturbelassene Küche" verehrt, (siehe auch unser Portrait: Opens internal link in current windowKille Enna, Spitzenköchin, Fotografin, Autorin ).
 
Ihr Markenzeichen ist die tiefe Kenntnis im Umgang mit Aromen - sei es ganz puristisch im Umgang mit Früchten und Gemüsesorten, im Umgang mit Säure, Schärfe, Süße, - oder sehr reichhaltig im Umgang mit Gewürzen. Ihre Rezepte sind virtuos, was erst Erstaunen und dann ein sinnliches, lebensfreudiges Begreifen hervorrufen vermag.
 
 
Fotos © Kille Enna   Öffnet externen Link in neuem Fensterkilleenna.com

Buchtipp: Kille Enna und Georg Schweisfurth: Der echte Geschmack. Christian Verlag GmbH, München Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.christian-verlag.de . Rezepte nach Jahreszeiten, mit wunderschönen Fotos von Kille Enna. Das vorgestellte Rezept findet sich auf S. 67

 




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Tags: bio-gewürze, stachelbeeren, rote bete, erbsen, kille enna
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Stellungnahme: Pyrrolizidine in Kräutertee - BfR-Studie

BfR warnt vor Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertee und Tee · Jetzt doch lieber Limo trinken?


Rechts am Photo ist die Darstellung der Taktik. Abschrecken mit viel Seiten und Zahlen. PS Eine Methode ohne übergeordnetem Regelwerk ist wie die Inquisition ohne Angabe der Konfession.

1) Das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) hat am 15.7.2013 eine Presseerklärung herausgegeben über eine mögliche Verbrauchergefährdung durch Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) in Pflanzen (und durch den Nektar in Honigen). Diese Pressemeldung wurde schon durch Tageszeitungen und TV-Sender aufgegriffen ("Tod im Kamillentee"), sodass in den nächsten Tagen VerbraucherInnen beim Kräuter- und Teekauf Fragen stellen werden.
Deshalb hier ein paar Zusammenhänge aus unserer Sicht. PA sind schon seit mindestens den 70er Jahren als Problemstoff bekannt.



2) Das BfR hat eine wahrscheinlich sehr aufwändige, eigene Analysemethode entwickelt, die es erstmals erlaubt, in größerem Umfang und mit einer niedrigen Nachweisgrenze PA nachzuweisen, und dazu ein Forschungsprojekt gestartet. Die Messgrenzen liegen noch unterhalb der typischen Pestizid-Messgrenzen.

Man muss sich dabei über drei Dinge im Klaren sein:

a) dass von ca. 320 bekannten Pyrrolizidinen (und es werden noch neue entdeckt) nur 17 analysiert wurden, nämlich die, von denen überhaupt Testsubstanzen (die angewandte Gaschromatographie-Analytik muss immer ‚vergleichen') verfügbar sind, und

b) dass das alles im "feinstofflichen" Bereich stattfindet, interpretiert und errechnet wird. Analysen müssen nach einer genau beschriebenen Methode erfolgen, die sich wiederum konkret auf ein oder mehrere übergeordnete Regelwerke / rechtsverbindliche Normen beziehen muss (dazu eine kritische Stellungnahme am Ende).

c) Als Gegenstand des Forschungsprojekts wurden stellvertretend für Lebensmittel Kräutertees und Tees ausgewählt, und zwar die markt-gängigsten Sorten: Babyfencheltee, Fencheltee, Kamillentee, Kräutertee, Pfefferminztee, Brennnesseltee, Melissentee, Grüntee, Roibuschtee und Schwarztee.
Eine irritierende Auswahl, da diese Sorten bisher nicht für Gehalte an Pyrrolizidine bekannt sind. Aber letztlich wurden dennoch teilweise erhebliche Mengen gefunden bzw. errechnet.




3) In der Studie mit insgesamt 221 Proben enthielten etliche Tees kein PA, aber es gab bei derselben Sorte dann auch Ausreißer mit hohen Werten. Über die Herkunft dieser hohen Ausschläge gibt es nur Vermutungen: bei einigen nimmt das BfR Verunreinigungen mit PA-haltigen Fremdpflanzen als Ursache an, was aber den unwahrscheinlichen Fall bedeuten würde, dass in der Größenordnung von 20% und mehr Fremdpflanzen verarbeiten worden wären. Weder im großflächigen Maschinenanbau noch in professioneller händischer Wildsammlung wäre dies zu erwarten.

Eine andere Vermutung bzw. Schlussfolgerung des BfR ist, dass der PA-Gehalt bei derselben Pflanze durch unterschiedliche Bedingungen im Erntejahr, Standort und Klima schwankt. Logisch, wenn man von der Intelligenz der Pflanze und ihrer Reaktionsfähigkeit ausgeht. Verunsichernd, wenn man die Fähigkeit der PA-Bildung auch den Pflanzen zuweist, die in der Fachliteratur noch nie damit in Verbindung gebracht wurden.
Beispiel zum Thema Standort/Klima und Inhaltsstoffe: aus unseren Erfahrungen wissen wir natürlich, dass es ägyptischen Bio-Fenchel mit 0,8 % Ölgehalt und deutschen Bio-Fenchel mit 7% ätherischem Ölgehalt gibt.



4)  Fragen: Geht das BfR davon aus, dass Pflanzen diese Eigenschaft neu erlernen können? Sollte die Flora beschlossen haben, sich nun gegen ihren größten (menschlichen) Fraßfeind zu verschwören? Anders als wir brauchen sie dazu nicht Youtube oder Facebook, sondern laden sich die Anleitung ganz modern aus dem morphogenetischen Feld herunter. Oder - siehe nächster Punkt - wird hier nur etwas gefunden, weil es neue, immer feinere Analysemethoden gibt, das schon seit Tausenden von Jahren da ist?




5) Das BfR betont, dass weder die Untersuchung noch die Pflanzenauswahl repräsentativ ist, und alles noch unsicher und ganz am Anfang ist. Dennoch geht in diesem frühen Stadium das Signal an die VerbraucherInnen, durch Vorsichtsmaßnahmen und Verzicht (auf Kräutertee und Tee) das Risiko zu kontrollieren. Die Verunsicherung wird verstärkt durch die Auswahl der Tee- und Kräutersorten, die eigentlich nichts mit den bekannten PA-Gruppen zu tun haben, sondern Allerweltsmischungen mit jahrtausendlangen gebräuchlichen Kräuterzutaten sind.



6) Übrigens - in dieser Studie wurde unser Keltischer Haustee mitgetestet - er war PA-frei!
Wichtige Zutaten: Brennnessel, Mädesüss, Eisenkraut, Birkenblätter, Ringelblume und auch Kamille...



7) Was sind Pyrrolizidin-Alkaloide (PA)? Es sind sekundäre Pflanzenstoffe, platt gesagt Ester-Säure-Verbindungen, eine recht große Gruppe in der weitläufigen Gruppe der Alkaloide (Alkaloide sind z.B. auch die weit weniger giftigen Koffein/Kaffee/Tee, Theobromin/Kakao und Capsaicin/Chili - aber auch Strychnin und Solanin).
Pyrrolizidine können bei höherer Dosis und längerer Anwendung allerdings durch ihre bioaktiven, toxischen wirkenden Abbauprodukte in hohem Maße v.a. die Leber schädigen und u.U. zerstören.
Mit PA schützen sich Pflanzen strategisch vor Fraßfeinden. Insekten haben diese erfolgreiche Strategie sogar schon von Pflanzen adaptiert und können das Gift sicher speichern.



8) Im Tierreich sind Vergiftungen bis zum Tod bekannt und in Studien nachgewiesen, v.a. durch Jakobkreuzkraut und Greiskraut (nicht Geiskraut, wie die Presse schreibt) sowie Heliotrop-Arten - das sind wohl die giftigsten PA-Pflanzen. Beim Menschen sind Vergiftungen mit z.T. Todesfolge durch Abusus über einige Wochen mit o.g. Pflanzen bekannt, vor allem im asiatischen und südamerikanischen Raum. In einigen Fällen ist bekannt, dass Kräuter verwechselt oder (Getreide) durch Fremdpflanzen verunreinigt waren.
PA sollten keinesfalls verharmlost werden!



9) Es gehört zur Intelligenz der Pflanzen, auf ihre Umgebung zu reagieren und bei Bedarf sekundäre Pflanzenstoffe in unterschiedlicher Konzentration zu bilden.
Borretschgewächse (v.a. Beinwell, Borretsch, Heliotroparten), Korbblütler (hier hauptsächlich die Senecio-Arten) und Leguminosen/Schmetterlingsblütler (hier hauptsächlich die Crotalaria-Arten von denen einige auch als Lebens- oder Heilmittel genutzt werden) gehören zu den Pflanzengattungen, von denen einige Mitglieder für hohe PA-Werte bekannt sind. Das sind dann aber auch schon 95% der PA-bildenden Pflanzen.
Pflanzen wie Beinwell und Borretsch (in anderen Kulturen weitere Pflanzen) werden in niedriger Dosierung traditionell als Gewürzkraut verwandt - hier weiß der Volksmund, dass vorsichtig dosiert werden muss. Einige der PA-haltigen Pflanzen spielen in der Heilkunde (TCM) eine Rolle. Tiere meiden in der Regel die stark PA-haltigen Pflanzen.



10) Unbefriedigend an der BfR-Studie, die in so einem frühen Stadium veröffentlich wurde, sind die zwangsläufigen Konsequenzen.
Das BfR schiebt die Verantwortung für weitere Forschung auf die Unternehmen - z.B. alles, was Anbau- und Verarbeitungsbedingungen betrifft. Es bietet dafür eine unsichere Plattform: das Ziel ist korrekt, die ubiquitäre PA-Belastung für KonsumentInnen zu senken - aber sind PA so handhabbar wie Pestizide? Welche (umweltverträglichen) Vermeidungsstrategien kann es geben?
Durch den Aufbau der Studie mit allgegenwärtigen Kräuter- und Teesorten wird suggeriert, dass alle wichtigen, täglichen Nahrungsmittel betroffen sein können. Es wird ab sofort nicht mehr möglich sein, diese Produkte ohne teure PA-Analyse zu verkaufen - für Kleinbauern und Kleinbetriebe schwer zu verkraften.
Es fehlt die Deutungssicherheit für die Analytik - die so neu ist, dass es noch mindestens 4 Wochen dauert, bis die ersten bekannten Labore (BNN-Standard), die wir gefragt haben, sie installiert haben - wie sind die Ergebnissen überhaupt zu interpretieren -, und man ist noch weit davon entfernt, sinnhafte Grenzwerte ausmachen zu können. Gewöhnlich dauert es ein Jahr oder länger, bis sich eine neue Methode so einpendelt, dass verschiedene Labore ohne große Streubreite zu denselben Ergebnissen kommen (Ringversuche).




11) Wahrscheinlich sind ca. 50% aller Pflanzen genießbar, und 50% mehr oder weniger giftig für den Menschen. Wir wollen die LeserInnen ja nicht beunruhigen, aber Pyrrolizidin-Alkaloide sind nur eine von vielen Natur-Gift-Gruppen.



12) Das BfR empfiehlt in etwa das, was Paracelsus vor ca. 490 Jahren gesagt hat:
öfter mal den Tee wechseln, oder:



13) Zitat: "Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist."



14) Ein paar letale Tages-Dosierungen:
10g Safran, 50g Salz, Muskat ab 5g toxisch.




15)  In dieser neuen Methode sind unserem Analyse-Berater Uneindeutigkeiten aufgefallen - er stellt hier eine Methode mit eindeutigem Regelwerk Pestizide in Kräutertees (A) gegen die BfR-Methode (B):

"A)  Pesticide analysis in teas and chamomile by liquid chromatography and gas chromatography tandem mass spectrometry (eurl-pesticide.eu)
 B)  Method for pyrrolizidines in herbs (BfR)

In References of A, page 8. it is clearly stated that the method is based on some specific regulatory paperwork of higher order (in this case SANCO 12495/2011)

In References of B, page 9. only two less important  references are cited: DIN ISO 32645. (1994, veraltet) Chemical Analsysis; Decision limit, Detection limit and determination limit, Estimation in case of repeatability, terms, methods, evaluation. Deutsches Institut für Normung DIN.
EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM). (2011) Scientific Opinion on  Pyrrolizidine alkaloids in food and feed. The EFSA Journal 9, 1-135 (nur eine wisenschaftliche Stellungnahme)
But in "Pyrrolizidinalkaloide in Kräutertees und Tees"-  Stellungnahme 018/2013 des BfR vom 5. Juli 2013, page 13 the norm 2002/657/EG is quoted as regulatory for "Einhaltung der Leistungskriterien an massenspektrometrische Analysenmethoden. It is not clear why in the proposed method for estimation of pyrrolizidines this norm hasn't been referenced.
So the method B is actually the report about the measurements done by some laboratory, without validation in other laboratories, and without proper references (...)
Darüberhinaus  wurde in der Stellungnahme die Norm 2002/657/EG referenziert, aber gemäß Beschreibung sowohl in der Methode, als auch in der Stellungnahme nicht eingehalten - es wurden bei den Messungen (durchgeführt durch ein unbenanntes Labor) tatsächlich weniger Übergänge betrachtet als in 2002/657/EG gefordert, was die Gefahr birgt, zu mehr positiv falschen Identifizierungen und Werten zu führen."

 




Aber das ist ein weitreichendes Thema für alle Gewürz-, Kräuter- und Teeanalytik; die gemeinhin von den Laboren als problematische Matrix angesehen wird; vor allem für Pestizid-Messungen mit Gaschromatographie: es werden sehr wahrscheinlich oft überhöhte Werte gemessen.
Die Alternative wäre ein deutlich aufwändigeres und teureres Verfahren. Diese ‚Alternative' ist eigentlich als Norm vorgeschrieben, über ‚kluge' Interpretation hat sich aber das andere Verfahren, wie auch vom  BfR für Pyrrolizidine benutzte, durchgesetzt. Alles kein Problem, wenn Obst und Gemüse untersucht würden und nicht die vermaledeiten Trockenkräuter, Gewürze und Tees.

 

P.S. Wir haben jetzt ein Labor gefunden, das diese Analysen bereits machen kann. Kräuter der neuen Ernten werden wir dann in einem Screening stichprobenartig analysieren lassen.




Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner


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Tags: pyrrolizidin alkaloide, kräutertee, tee, pflanzen, bfr, analytik
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Sommertipps

Have Phun!

Endlich ist der Sommer da!
Nach einem viel zu langen Winter und einem viel zu kalten Frühjahr haben wir endlich 30 Grad und tragen leichte Kleidung.
Alle schlechten Wetter-Witze haben ein Ende (...wie merkt man, das es Sommer wird? Der Regen wird wärmer...) und sogar das Leben in einer Großstadt wie Köln ist entspannter und beschwingter.

Hier meine völlig subjektiven Tipps für die im Urlaub daheim gebliebenen, für die Erholung auf Balkon oder Terrasse und den Abend in der Stadt:

1. Musik
Daft Punk - Random Access Memories (2013)
Eine Combo, die Ende der 90er/Anfang der Nuller Jahre völlig an mir vorbei gegangen ist.
Erst 2002 waren sie mit dem poppigen "One more time" nicht nur in der Club-Szene sondern auch bei allen Radiostationen und auf MTV zu hören.
Die Musiker Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter verschmelzen House, Rock, Techno, Elektro und Pop und tragen seit 2004 konsequent funktionsfähige Roboterhelme bei ihren Auftritten und in den Videos. 2009 unterlegen sie das Remake des 80er-Science-Fiction-Films "Tron" mit angemessenen Klängen.
Und 2013 erscheint "Random Access Memories" mit 13 funkigen, quirligen und Freude schaffenden Tracks.
Alles absolut tanzbar und zugleich 80er-Jahre retro-mäßig und science-fiction-mäßig ausgespaced.
Die Füße auf dem Tanzboden und die Roboterhelme im Himmel :-)
Der beschwingte Sound kommt gradewegs vom Altmeister: Nile Rodgers (geb. 1952 - also auch schon über 60), Gitarist der 70er-Disco-Gruppe "Chic" ("Le Freak", "Good Times") steuert seine kurzen, peppigen Gitarrenriffs bei. Vor allem beim konkurrenzlosen Sommerhit des Jahres 2013 "Get Lucky" geht das Gitarren-Gezirpe deutlich in die Beine.
Und Hip-Hopper Pharrell Williams ("The Neptunes") meint, diese Musik hätte den "Groove" wiederentdeckt, da bräuchte man kein "MDMA" um glücklich zu sein...
Unbedingt anhören! Egal ob im Waldbad oder im Eiscafé.  



2. Buch
Ernest Cline: Ready Player One (2011)
Wir erleben grade ein Comeback der 80er.
Das merkt man an der Musik, die im Radio läuft, an Film-Remakes und an einem Buch wie "Ready Player One", welches sich mit Computer-Rollenspielen und virtuellen Fantasy-Welten beschäftigt.
Der Held des erfrischend geschriebenen Romans, der 17 jährige Wade Watts, lebt in der von Umweltkatastrophen zerstörten Welt des Jahres 2044.
Alles, wovor wir gewarnt haben, ist eingetroffen. Energiekrise, globale Erwärmung, abgeschmolzene Polkappen und dadurch Armut und Hunger in der Bevölkerung.
Die Menschen flüchten in die virtuelle Welt OASIS, eine Art "Second Life", die allen Menschen die Möglichkeit bietet, unzerstörte Landschaften und reiche Erfahrungen zu geniessen. Da eh kaum jemand Arbeit hat und sogar die Kinder in virtuelle Schulen gehen, verbringen die meisten Menschen den ganzen Tag in der Computer-generierten Welt und kommen nur zum Schlafen und Essen in die Realität ihrer aufeinandergestapelten Elendshütten, den "Stacks" zurück.
Als der Erfinder von "OASIS" stirbt, hinterläßt er ein einen versteckten Programm-Code, ein "Easter Egg". Wer das Rätsel löst, soll OASIS und das Vermögen des Erfinders erben. Die Welt macht sich auf, die versteckten Oster-Eier zu suchen und unser Held Wade gelangt durch die immer extremer werdenden Abenteuer, die zu bestehen sind, an den Rand seiner Existenz.
Wade ist ein echter Gamer, ein "Nerd", voller Wissen über die Pop- und Computerkultur der 80er Jahre. Die Leidenschaft für diese vergangene Epoche von PacMan, Star Wars und Monty Python verhilft ihm zu einem Vorsprung auf der Jagd nach dem Ei und den 3 Schlüsseln. Immer im Wettstreit zu den "Neunern" (so genannt wegen der neun-stelligen Nummern auf ihren Uniformen, den Angestellten der weltgrößten Computerfirma "IOI" die die absolute Macht über die virtuelle Welt an sich reißen will. Böse, böse...
Das Buch ist stilistisch einfach geschrieben, streckenweise dachte ich eher an einen SF-Roman für Jugendliche, dadurch aber schnell lesbar und fliessend wie ein Film.
Es ist sicher ein Buch für Computer-Spieler und 80er Jahre Fans: so viele Anspielungen und Zitate aus Filmen, Musik und Games - aber bei der Beschreibung der Möglichkeiten der virtuellen Welt durchaus auch interessant für Nicht-Nerds. Und besonders eindringlich wird die kaputte, reale Zukunft unserer Welt beschrieben.
Noch können wir solche Sauereien wie Fracking und den chemischen Abbau von Bodenschätzen vielleicht stoppen.
Die gut 500 Seiten des Romans habe ich in 3 Tagen runtergelesen und hatte eine gute Zeit dabei.
Übrigens: vom Autors Ernest Cline stammt auch das Drehbuch zum Film "Fanboys", in dem Star Wars Fans eine Kopie eines noch nicht veröffentlichten Star Wars Films von der Ranch von George Lucas stehlen wollen, damit ihr an Krebs erkrankter Freund die Episode vor dem Kinostart (und damit vor seinem Tod) sehen kann. Eine Komödie die witzige Szenen über die Feindschaft zwischen den Fans von Star Wars und Star Trek enthält.
Aber diesen Film empfehle ich heute nicht, sondern:    


3. Film
Source Code (USA 2011, Regie: Duncan Jones)
Natürlich ein Science Fiction Film.
Aber ohne Raumschiffe und Laserschwerter. No Aliens!
Ein US-Hubschrauber-Pilot (gespielt von Jake Gyllenhaal) wacht in einem Regional-Zug auf, den nach Chicago fährt.
Er weiß nicht, wie er dort hin gekommen ist. Die Frau ihm gegenüber scheint ihn zu kennen und redet ihn mit einem unbekannten Namen an.
Dann explodiert der Zug und alle Reisenden werden getötet.
Unser Pilot wacht in einer Cockpit-ähnlichen Kammer auf. Ihm wird erklärt, dass ein Programm namens "Source Code" ihn in die Vergangenheit und für exakt 8 Minuten in den Körper eines verstorbenen Menschen schicken kann. Er soll die Bombe finden und den Bombenleger, der nach der Bombe im Zug eine Atombombe im Zentrum Chicagos gezündet hat.
Was folgt, erinnert entfernt an den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier". Aber hier haben wir keine Komödie sondern einen Thriller.
Mit jedem Zurückreisen in den fremden Körper kommt er dem Attentäter und auch der Frau gegenüber näher.
Jeweils nach 8 Minuten explodiert der Zug wieder, aber mit jedem "Erwachen" ist er ein Stück weiter und hat mehr Informationen gesammelt.
Und nach seinem "Tod" ist er jedesmal wieder in der Kammer und erhält Informationen von den Leitern des Programms. Er erfährt schließlich, dass er als Hubschrauberpilot in Afghanistan abgeschossen wurde und nur noch als Gehirn in einer Einrichtung der US-Army existiert. Von dort wird seine Persönlichkeit immer wieder zur Problemlösung in diesen fremden Körper in diesen fremden Zug und in diese dramatische Situation geschickt.
Das ganze ist sehr klar gefilmt. Schon die einleitenden Bilder mit einem Flug über den dahingleitenden Zug Richtung Chicago sind meisterhaft. Die Mitreisenden werden pointiert charakterisiert und jeder reagiert auf die Verdächtigungen seinem Typ entsprechend.
Wir haben hier einen äußerst intelligenten Science Fiction Thriller, der sich mit möglichen alternativen Welten und philosophischen Fragen zum Einsatz eines solchen Programmes wie "Source Code" beschäftigt. Der Regisseur Duncan Jones hatte schon für sein Debut "Moon" (2010) viel Lob geerntet.
Mit seinen außergewöhnlichen SF-Filmen sichert sich der Sohn von David Bowie auch bei mir einen vorderen Platz in der Beliebtheit. Den Film zu sehen ist weniger anstrengend, als meine Bescheibung sich hier anhört.
Es gibt viele tolle Momente (zum Beispiel, als der Pilot sich in einem fremden Körper mit einem fremden Gesicht im Spiegel sieht) und: am Ende gibt es ein Happy End!
Das ist doch was für den Sommer...

In diesem Sinne: schön urlaubn!

 



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz

ist
Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.


Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.