BLOG | Neueste Nachrichten

Joshuas Gewürzreise: Safran
10.12.2017 10:41
Buchrezension: Achim Priester -...
03.12.2017 09:32
Vanille - Der Star der Desserts
19.11.2017 13:13
Ohrenkuss: Mütter
09.11.2017 18:00
Ajowan - Gar nicht so entfernter...
05.11.2017 12:38
heupd-Reportage: Bio-Anbau in der...
25.10.2017 13:31

Blog-Text-Suche

Meist gelesene Posts

Trocknungsverfahren für Kräuter und Gewürze
96317 mal gesehen   21.03.2014
Heiliger des Monats März: Oscar Romero
94698 mal gesehen   24.03.2014
Blogst Du hier!
77634 mal gesehen   21.10.2009
Verschwörungstheorien
75637 mal gesehen   19.05.2010

Archiv

Abonnieren für RSS-Reader

RSS 0.91Nachrichten
RSS 2.0Nachrichten

Zur Zeit wird gefiltert nach: April 1
Filter zurücksetzen

I Ging: 11. Der Friede

Gabriele Seifert: I Ging - Outside

 

Am Rande der großartigen David Hockney-Ausstellung im Kölner Museum Ludwig 2012/13, in der Museumsnacht und der danach stattfindenden Museums-Party (ja, das hatte der kürzlich scheidende Direktor Kasper König eingeführt: Kunststudenten erklären Besuchern die Objekte, danach gibt's Party) lernten wir die Kölner Künstlerin Gabriele Seifert kennen. Weil Christiane - ex-Heuschrecke-Mitarbeiterin und Bioladen-Pionierin mit ihr dort war. Vom Hölzchen aufs Stöckchen auf die Schafgarbenstengel kommend, kommen wir auf ihr I Ging - outside - Projekt.

In ihrem aktuellen Kunst-Projekt "I Ging - outside" bringt Gabriele das ehrwürdige I Ging im Kölner Stadtbild in passenden Kontexten ein. Dank der Künstlerin gibt es nun davon Kostproben im Heuschrecke-Blog.

 
I Ging, abgesehen von eigenen schüchternen Versuchen mit selbstgesammelten Schafgarbenstengel (70er Jahre) ist die Domaine von unserem Lieblingslieferanten (Wildkräutersammlung in Kroatien), der dieses Orakel fest in seinen Geschäftsalltag eingebunden hat und so seinen Handlungshorizont erweitert. Nicht so untypisch, wie man auf den ersten Blick denkt ...
Doch unter den jüngeren Jahrgängen ist das I Ging - genauso wie der Kultfilm Harold & Maude -  merkwürdigerweise aus der Wahrnehmung ziemlich verschwunden ...





  Das I Ging - outside Projekt



    11. Der Friede



"Ende April erscheint immer die verschwenderische Pracht der japanischen Kirsche."

 


Gabriele Seifert: 11. Der Friede



In Köln, aber auch anderswo, finden sich goldene I Ging-Zeichen auf Wegen, Bäumen, Brücken und Plätzen. Dieses Zeichensystem, das aus 64 einzelnen Hexagrammen besteht und denen jeweils ein Begriff zugeordnet ist, ist vor über 3000 Jahren in China entstanden. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, das unsere Welt sich in einem ständigen Wandel befindet , man diesen aber klug beeinflussen kann.

Gabriele Seifert setzt diese I Ging-Zeichen in einen räumlichen Kontext und fügt ihnen so eine weitere Bedeutungen hinzu, - wortwörtlich, witzig oder tiefsinnig. Diese Serie mit dem Titel I Ging-outside wird von ihr umfangreich fotografisch dokumentiert. Die Fotos erweitern die Bedeutungen der I-Ging Zeichen durch zufällig anwesende Menschen, Tiere oder auch Wettereinflüsse.

Dieses Bild hat Gabriele Seifert auch schon zu einer Aktion von Ai Wei Wei geschickt, zu der er anlässlich des 5.Jahrestags des Erdbebens in Wenchuan aufgerufen hatte.








 


 Gabriele Seifert

Gabriele Seifert ist 1959 geboren und lebt und arbeitet als bildende Künstlerin in Köln.
 
Arbeitsbereiche.: Malerei, Zeichnung, Collage, Video und Installation.

Sie hat Philosophie und Kunst an den Kunstakademien Münster und Düsseldorf studiert.

Weitere Informationen unter Opens external link in new windowwww.gabrieleseifert.net





I Ging-Postkarten von Gabriele Seifert

I Ging - Postkarten

Wer einmal etwas Besonderes verschenken oder verschicken will:
Eine Auswahl von 10 Motiven umfasst die Postkarten-Edition "IGing-Orte/Gold". Diese kann über Gabriele Seifert bestellt werden gs<at>gabrieleseifert.net



Fotos © Gabriele Seifert

IGing ist noch keine Trademark dieser Börsenkapitalfirma No.1  (noch heißt es <i-dsching>, nicht <ai-dsching>).




 
Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: i ging, gabriele seifert, köln, kunst
Anzahl Aufrufe: 3826

Heuschrecke Geschäftsbericht 2012

... `ne andere Art von Geschäftsbericht

 

Wie ist es uns 2012 ergangen?

KAITE, Zimbabwe: Chili-Strauch
Kurzer Überblick: Öko ist weiter in - auch wir haben Zuwächse gehabt.

Beim Thema Messe haben wir auf die wichtigsten reduziert und so vor allem persönliche Energie, aber auch Kosten gespart.

Wir haben unseren ersten Nachhaltigkeitsbericht innerhalb eines Branchen-Projekts (Pilot-Jahr) des Bundesverband Naturkost Naturwaren erstellt.

Und wir haben uns verstärkt in große, eigenständige Gewürz-Importe von unseren Kleinbauern-Partnern in Indien und Zimbabwe gestürzt - spannend, viel gelernt.


Die Vorbereitungen für einen Import laufen schon mal über mehrere Monate: die Ware für einen vollständigen Container muss von den Bauern erst mal geerntet und verarbeitet sein. Mit unseren Sonderwünschen zu Qualität und Differenzierung (Tribal, Demeter, Superior Malabar) reizen wir mitunter auch die Belastbarkeit der Kleinbauern-Organisatoren aus - doch es erfüllt sie ebenso mit Stolz, uns diese Diversität bieten zu können.
Der bürokratische Prozess über verschiedene Kulturen hinweg (Biozertifikate, Zoll/Importpapiere) kann sich sehr ausufernd bis kafkaesk gestalten.
Im Fall Zimbabwe kam unser erster Container mit 4 Tonnen Chili sowie zufällig beigeladenen Exoten wie Baobab-Frucht und Papaya-Blättern nach Irrfahrt (denn zwischendurch war geplant, den Container in Rotterdam per Rheinschiff an Köln-Mülheim vorbei - da wohnen wir privat - bis Köln und dann erst auf den LKW, was sich dann doch anders ergeben hatte) tatsächlich jetzt erst Karneval/BioFach 2013 an - aber die Papiere kamen etwas überraschend noch später.
Faktisch stehen alle Gänge voll Chili, es riecht überall nach Chili, aber nichts darf bewegt werden, bis der Zoll es erlaubt (der wartet ja auch auf die Papiere ...).


KAITE, Zimbabwe: Chili wird verladen

Am 1.Sept. 2012 feierten wir 35jähriges Firmenjubiläum!
Zeit für Rückbesinnung, aber auch Vorwärts-Besinnung - doch dazu später. Im Heuschrecke-Blog gab es passend die Geschichte, wie alles anfing:
Opens external link in new windowhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2012/09/07/heuschrecke-wird-35-wie-alles-anfing.htm


Im Jahr 2012 haben wir, auch durch unsere kurze Zusammenarbeit mit Helmut Gote (WDR-Rundfunk- und Buchautor, Gastrokritiker), viel Lob und Medienglanz für unsere Gewürzqualitäten erhalten. Wir durften auf zwei Gewürz-Veranstaltungen mit ihm aufs Podium. Im Dezember (ausgestrahlt am 19.1.13) kam dann noch ein Gastauftritt in der WDR-Sendung "Gans und Gar" zum Thema Pfeffer, mit Thomas Hackenberg und Helmut Gote.


2012 in Zahlen und Ausblick 2013

KAITE, Zimbabwe: Chili wird verladen
Der Umsatz-Zuwachs 2012 betrug 5%, gleichmäßig verteilt auf Verarbeiter-Ware und Naturkostläden / Marke Heuschrecke.
In 2013 erwarten wir, nach vielen Jahren Plus, ein Minus im Rohwarengeschäft. Das hat zwei Gründe: einige außergewöhnliche Aufträge aus 2011 und 2012 werden wahrscheinlich nicht fortgeführt, und wir lassen uns nicht auf Preisdumping-Strategien ein. Kunden sind schon mal äußerst bestimmt mit so was - nicht nur im konventionellen Handel. Zum Glück sind wir etwas flexibel und können auch verzichten. Wir rechnen dennoch mit einem prozentual höheren Rohertrag.


Wie jedes Jahr kommt dieser Bericht verzögert durch den nahtlosen Übergang Inventur - Messevorbereitung, Ausstellung, und Nachbereitung der BioFach-Messe in Nürnberg. Im Blogbeitrag Opens external link in new windowhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2013/03/18/biofach-2013-nachlese.htm finden Sie unsere Messenachlese, wo wir auch über oben erwähnte Preis-Dumpings berichten.


Innerbetriebliches

KAITE, Zimbabwe: im Dezember wurde verladen, Karneval bei uns ausgeladen
Wir sind weiterhin 17 MitarbeiterInnen bei stabiler Kundenstruktur: ca. 70% Verarbeiterkunden und 30% Naturkostfachhandel.
Und hier zur Vorwärts-Besinnung: im Jubiläumsjahr wurden auch die Wachstumsgrenzen unseres Manufakturbetriebs auf hohem Qualitätsniveau sichtbar. Wir pflegen bewusst eine flache Firmenhierarchie ohne Zwischenebene mit einer guten Kommunikation in der Belegschaft, ein Gemeinwohl-Gedanke. Das ist gut mit 17/18 MitarbeiterInnen möglich, aber nicht mehr mit 25/30.
Allerdings wachsen die Zeitfresser überproportional: mehr Bürokratie und Papier-Anforderungen seitens der Kunden.
Viel Energie rauben auch Probleme mit der Analytik der Bio-Ware, verursacht durch steigenden Spritzmitteleinsatz in der Agro- und Gentechnik-Industrie, auch im Anbau für Pflanzen-Sprit. Durch Fluten, Regen und Abdrifte landen diese Giftstoffe vermehrt auf Biofeldern.
Alles Gesagte lehrte uns, dass unser Umsatz nicht mehr beliebig steigerbar ist ohne für uns erstmal nicht akzeptable Veränderungen. Verbessern wir lieber die Innenorganisation - unsere Aufgabe für 2013 -, und bleiben small & beautiful.



Herzliche Grüße
Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner



Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: heuschrecke, bio-gewürze, bio-tee, bio-kraeuter, import, manufaktur
Anzahl Aufrufe: 4491

Heiliger des Monats April: Werner von Bacharach

19. April: Werner von Bacharach



Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).
Und auch - seltsam aktuelle - Lehrstücke in Politik (Religion ist immer politisch). Manchmal auch der reinste Krimi.




Schutzpatron der Winzer oder:
Schutzpatron des Antisemitismus, der Judenverfolgung und der reuelosen Mörder




Gründonnerstag 1287 wird in Bacharach am Rhein der erst 16 jährige Winzer-Tagelöhner Werner ermordet aufgefunden. Seine Leiche ist schlimm zugerichtet, es war wohl ein Sexualmord an dem völlig mittellosen Teenager. Wer immer sich an ihm vergangen hat, suchte sich gezielt einen schwachen und arglosen jungen Menschen ohne Familie und Anhang aus, das perfekte Opfer, der arme Kerl wurde schon im Hunsrücker Heimatort vom Stiefvater geprügelt, schließlich rausgeworfen. Vielleicht ist alles lange geplant, der Täter aus der Nachbarschaft - wie es so zugeht in dieser besten aller Welten.


Jetzt sollten die lieben Bürger nachfragen: wer hat den Werner zuletzt gesehen, wer waren seine Freunde – oder auch Feinde, gab es Streit ?
Die Honoratioren von Bacharach wählen nach ausgiebiger gemütlicher Beratung bei ein paar Gläschen Rheinwein eine Abkürzung des üblichen Procedere. Man beschließt, nicht den Mörder des Habenichts zu suchen (der sich möglicherweise in den eigenen Reihen fände, sehr unangenehm), sondern statt dessen – Überraschung ! - gleich noch ein paar Nachbarn mehr umzubringen. Die überschaubare christliche Gemeinde von wenigen Hundert Einwohnern schlachtet daraufhin über Ostern gut 30 der jüdischen Bacharacher ab. Die haben zwar rein gar nichts mit dem Mord zu tun, aber Vorteil 1: man plündert zusätzlich deren gesamten Besitz und spart sich so die Ausgaben für Ostergeschenke; Vorteil 2: man ist all der lästigen Schulden ledig, die man bei den weinhandelnden jüdischen Geschäftspartnern hatte und kann den bereits verkauften Wein erneut losschlagen - oder selber saufen, Wohlsein !


Eine Begründung für ihr doch sehr durchschaubares Gemetzel liefern die arischen  Bacharacher auf Anfrage nach. Böse böse Juden hätten den Werner nach der Gründonnerstagsmesse abgefangen, in einem Keller an den Füßen aufgehangen, damit er die Hostie des Abendmahls wieder ausspucken solle, und ihn folgends zu Tode gefoltert.


Diesen haarsträubenden Quatsch glaubt ihnen kein Mensch, so dumm ist nicht mal das Mittelalter, auch nicht den Bacharachern zuliebe. Die übergeordneten Obrigkeiten (Bischof, König, Kaiser) verurteilen das Blutbad an friedlichen, unschuldigen Untertanen scharf mit deutlichen  Worten. Höheren Orts ist man sogar richtig gründlich sauer, denn alle Juden im Reich zahlen ihre Steuern an Bischof König Kaiser, jetzt haben aber die Bacharacher die schönen, blutigen Talerchen alleine eingesackt, und natürlich gibt eine tote Kuh keine Milch.


Wer Unrecht hat, der häuft es gern. Als die fröhlichen Winzersleute merken, daß der Shitstorm an ihnen vorbeirauscht und ihre Mordorgie ungestraft bleiben wird, legen sie gleich noch eins drauf. Aus dem armen Werner, der in seinem kurzen Leben außer schlechtbezahlter Arbeit und dem letztlichen Todesstoß nichts von ihnen bekommen hat, machen sie mit atemberaubender Frechheit einen Märtyrer.  Man investiert einen Teil des gestohlenen Geldes schlau und nachhaltig in Infrastruktur, in den Bau einer weithin sichtbaren Werner-Kirche, die dem verkehrsgünstig am Rhein gelegenen Wein-Ort viele durstige Pilger mit vollem Geldsack bringen soll. Zuerst bockt der nachtragende Bischof zwar, beschlagnahmt ihnen einmal sogar die Baukasse unterm Hintern weg, aber Zähigkeit siegt und irgendwann ist ihr Werner richtig amtlich heiliggesprochen.


Und jetzt ratet einmal, liebe Leserinnen und Leser, wann dieses außergewöhnlich schäbige Verbrechen samt dessen extra dummdreister Vertuschung namhaft gemacht und der falsche Heilige wieder  kassiert wird ? In der Reformation ? In der alte Zöpfe abschneidenden Gegenreformation, in der Aufklärung, in der französischen Revolution ?
Im 1882 erschienenen 5. Band des offiziösen, bischöflich genehmigten „Vollständigen Heiligen=Lexikons (Stadler)“ werden die mittelalterlichen Lügen unverändert als Fakten aufgetischt, die Opfer zu Tätern gemacht, „weshalb sie der verdienten Strafe nicht entgingen“, man traut seinen Augen nicht.   Verdiente Strafe ? Selbst wenn das blöde Horror-Märchen komplett wahr wäre und einige Juden so zum Spaß vor Ostern einen Christen filetiert hätten (was für ein irrer Käse überhaupt !), wäre das doch überhaupt keine Entschuldigung dafür, im Gegenzug 30 Menschen zu ermorden, allen (!) Juden den Besitz zu nehmen, die Überlebenden zu vertreiben. Wie dunkel muß es im Oberstübchen von Herrn Pastor Ginal und dem seiner geistlichen Mitautoren ausgesehen haben, wie wenig paßt solch ein dummer, finsterer Haß in ein Lexikon von Heiligen, die doch dem Gott der Liebe inbrünstig nachgelebt und entgegengestrebt haben.


Nein, auch wenn es richtig weh tut, der Kelch des Fremdschämens will bis zur Neige ausgetrunken werden: erst 1963, ein Jahr nach dem „Love me do“ der Beatles, 6 Jahre vor dem Flug zum Mond, streicht der zuständige Trierer Bischof den so vielfach mißbrauchten Werner aus dem Festkalender. 1963 ! Vorher, also auch nach 1945, wurde sein Tag fleißig gefeiert, ohne schlechtes Gewissen darüber, daß dieser wirklich tiefbraune Mist den Nazis schön breit den Weg geebnet hat, nicht aber dem Herrn.


Es gibt Fortschritte, klar: eine Werner-Kapelle in Oberwesel wurde kürzlich umgeweiht, und in den eindrucksvollen Resten der Werner-Kirche in Bacharach wurde ein „Sorry“-Plakettlein angebracht – um weiter mit der pittoresken Ruine touristisch werben zu können, das unrechte Gut gedeiht und läßt das Geld im Kasten klingen.
Zu später Stunde unterwegs auf der A61 heimwärts Richtung Eifel winkt das Hinweisschild der „Bacharacher Werner-Kapelle“  dem Wissenden recht schaurig zu, und oft habe ich mich gefragt: was denken sich jüdische Automobilisten in solchen Augenblicken, in deutscher Nacht auf deutschen Autobahnen „den Straßen des Führers“ ?


In seinem heute evangelischen Hunsrücker Geburtsort Womrath steht bis dato ein schmuckes Wernerkapellchen, und die Website der Verbandsgemeinde faselt, auch nach über 700 Jahren von keinerlei Kenntnis getrübt, vom „Märtyrerknaben Werner“ ( www.kirchberg-hunsrueck.de/wissenswertes38.html ).


Warum in drei Teufels Namen dauert die Aufarbeitung so vieler so platt offensichtlicher Dinge so befremdlich peinlich endlos lange ? Hat das Papamobil ein Gaspedal ? Und kann mal jemand Super tanken ?
Die Geduld vieler mit vielem ist gänzlich am Ende, so bahnen sich Revolten an.

Freundlichst

Peter Kirwel






Peter Kirwel, Autor der Heiligen des Monats


Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb für Topas (Bio-Hersteller veganer Wheaty-Produkte) und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.



 

 

 




Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: krimi, bacharach, mittelalter, ostern
Anzahl Aufrufe: 4519

Eine bessere (Audio) Welt

Neil Youngs neues Musik-Format "Pono"

Der Musiker und Alt-Hippie Neil Young ("Heart of Gold", "Old Man", "Hey Hey My My"), Mitglied der Bands "Crosby, Stills, Nash & Young" und "Crazy Horse", schimpft schon seit Jahren lauthals über den Niedergang des Hörgenusses durch das digitale Musik-Format "MP3" und kündigt ein selbst entwickeltes, neues Musik-Format und dadurch eine dramatische Verbesserung der Audio-Qualität an.
 
Neil Young arbeitet mit seinen 67 Jahre immer noch hyperaktiv an verschiedenen Projekten und hat 2012 auf Anraten seines Arztes mit Alkohol und Marihuana aufgehört. Seine soeben erschienene Autobiografie führt er darauf zurück, dass er ohne Drogen keine Musik komponieren konnte - und die Zeit zum Schreiben nutzte.
Laut Young geht durch die Bearbeitung und Kompression beim MP3-Verfahren "die Seele der Musik verloren".

Das ab 1982 am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen entwickelte Verfahren, das 1995 als ".mp3" auf den Markt und ins damals entstehende Internet kam, "bedient sich dabei der Psychoakustik mit dem Ziel, nur für den Menschen bewusst hörbare Audiosignale zu speichern. Dadurch wird eine starke Reduktion der Datenmenge möglich, die jedoch die wahrgenommene Audioqualität nicht oder nur kaum verringert". (Quelle: Wikipedia)  

Für Neil Young und viele andere Musikliebhaber wird wohl doch zu viel weggeschnitten und zu stark komprimiert um möglichst kleine und damit transportable Dateien zu erhalten. Vielen Menschen wäre es auch hier wichtiger, zehntausende von minderwertigen Songs immer mit sich tragen zu können, als weniger Musik dafür in exzellenter Qualität zu haben.  

Schon bei der Einführung der CD hatte ich in heftigen Streitgesprächen mit meinem audiophilen Freund Frank vertreten, dass selbst das Knistern einer analogen Schallplatte wärmer wäre als der kühle, ja "sterile" Sound einer CD.
Seine Eltern hatten ihm von einer USA-Reise einen CD-Player mitgebracht, den er von 110 Volt auf 220 Volt umrüstete und damit den ersten CD-Hörtest in meinem Bekanntenkreis ermöglichte. Das hörte sich kälter, "cleaner" an ohne dumpfes Rumpeln und ohne Kratzer und Abnutzungen der Platte. Ich fand's zu technisch.
Und 1 Jahr später hatte ich dann auch einen dieser Wahnsinns-CD-Player, die Musik ach so unverfälscht und "pur" wiedergaben.

Als dann Mitte der 90er Jahre Musik im MP3-Format kam, war der große Vorteil die geringe Größe, die das verschicken, downloaden und transportieren auf mobilen Geräten erlaubte. Apple entwickelte den iPod (mit "Click-Wheel") und es war toll, seine komplette Musiksammlung auf  einer mobilen Festplatte dabei zu haben. Überall-Musik.

Und der Tod des echten Musikgenusses - so Neil Young, als populärster Vertreter der MP3-Kritiker.
Noch in 2013 soll der PONO auf den Markt kommen: ein mobiler Player für Pono-Musik-Dateien, unter 200g schwer, knallgelb und dreieckig geformt wie eine Toblerone-Schokolade.
"PONO" ist ein Wort aus der hawaiianischen Sprache, das "gerecht und gut" bedeutet.
Die Geräte werden nicht nur Audiodateien mit der derzeit üblichen Studioauflösung von 24bit/192 kHz abspielen können, sondern zukünftig sogar eine Auflösung von 384 kHz umsetzen könnten, quasi ein "Hi-Res-Audio".

Damit sollen wir, die Hörer, die Musik wieder so hören, wie sie im Studio oder in den Konzertsälen aufgenommen wurde.
In bestmöglicher Qualität.

Hier ein Video von Neil Young mit einem Prototypen des Pono-Players 2012 in der "David Letterman Show"



Für mich stellt sich dann demnächst die Frage: stelle ich noch einmal meine Musik-Sammlung um, nachdem ich Zappa und Genesis schon auf Schallplatte, Audio-Cassette, CD und MP3 hatte? Ich bin gespannt und warte auf die Möglichkeit eines Hör-Tests...

Hier die offizielle Seite: Opens external link in new windowhttp://www.mypono.com/

Hier weitere Informationen und interessante Fragen (in Englisch)
Opens external link in new windowhttp://www.tapeop.com/blog/2013/04/09/analog-investment-age-pono/

 



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz

ist
Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.


Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 3
Tags: pono, mp3, neil young, crazy horse, musik, format, player
Anzahl Aufrufe: 6099

Kille Enna: Bio-Sprit oder ...

... doch lieber Lebensmittel?

 

An dieser Stelle erscheinen seit fast 2 Jahren in regelmäßgen Abständen jahreszeitlich passende Rezepte der dänischen Spitzenköchin, Autorin und Fotografin Kille Enna (siehe auch Buchtipp unten).
Im März 2013 war sie in Tansania als Botschafterin für die dänische Action Aid-Kampagne "STOP FOOD FUEL" unterwegs. Gerade ist sie zurückgekehrt und hat uns ihre ausdrucksstarken Fotos zur Kampagne von Action Aid (http://www.actionaid.dk/) gemailt.
 

Diesen Monat gibt es daher anstelle eines Rezepts etwas Nachdenkliches zum Thema "Bio-Sprit versus Lebensmittel".






 

  • Kille Enna: Bäuerin in Tanzania mit einer Zeichnung: ihr Land vor Biosprit und nach Biosprit.
  • Kille Enna: Bäuerin in Tanzania mit einer Zeichnung: ihr Land vor Biosprit und nach Biosprit.
  • Kille Enna: Bauer in Tanzania mit einer Zeichnung: sein Land vor Biosprit und nach Biosprit.
  • Kille Enna: Bauer in Tanzania mit einer Zeichnung: sein Land vor Biosprit und nach Biosprit.
  • Kille Enna: Bauer in Tanzania mit einer Zeichnung: sein Land vor Biosprit und nach Biosprit.
  • Kille Enna: Bauer in Tanzania mit einer Zeichnung: sein Land vor Biosprit und nach Biosprit.


Bio-Sprit
ist so eine Art Nachhaltigkeitswahnsinn, brisantes Symbol für Ungerechtigkeit, garniert mit Pseudo-CO²-Ökologie. In armen Ländern, hier das Beispiel Tansania, führt er in Folge zu faktisch Landraub und Hunger.

Auch bei uns in Deutschland nimmt er landwirtschaftliche Fläche für Nahrungsmittel weg. Die Pachten stiegen bereits so stark an, dass vor allem kleinere Bauern ihr Pachtland aufgeben mussten. Wir geraten in eine paradoxe Situation, in der sich der Anbau von Nahrungsmitteln nicht mehr "lohnt". Die naheliegende Vermutung ist, dass die Stagnation des Bio-Landbaus in Deutschland konkret auf die Land-Konkurrenz für Bio-Sprit zurückzuführen ist; statt hochwertige Nahrungsmittel werden lukrative Agrochemie-Produkte angebaut.


Die hiesigen Bio-Mais-Monokulturen können ungebremst per Spritzmittel optimiert werden - es gibt ja keine analytischen Vorbehalte in Form von Höchstmengen-Überschreitung bei Pestiziden.
Wir Ökos merken das daran, dass jetzt mehr als früher, auch in Feldabständen von mehr als 1000 m, noch Pestizideinträge in benachbarten Bio-Flächen gefunden werden (so Glyphosat in Fenchel, Terbuthylazin in Frühlingsgemüse und so fort.)

Wir können nur hoffen, dass die Politik sich neu besinnt (siehe die NRW-Niedersachsen - Grüne Landwirtschaftsminister-Front, ein Horrorkabinett für die Agrochemiebauernverbandsklientel).

 



 

"I am home again after 10 days of heat in Tanzania.

 

The woman are amazing down there.

A country filled with sweetness and kindness, despite that it is one of the poorest countries in the world.

 

 


I learned a lot about life and what matters. I also took some quite cool photos (I think) ...

 

I made the growers draw their fields before /after that Sun Biofuel stole their land ... and now the company grows crops for biofuel. Instead of food for the poor!
This we will use for our campaign for Action Aid in DK.

 

 

Ex. "... the case of villagers in Tanzania's Kisarawe district whose lives were devastated when the equivalent of 11,000 football pitches of land were seized to grow biofuels.

Their case illustrates all too well the devastating effects of biofuels on local communities  they lost their land and with it their livelihoods, as well as access to wells and ancestral graves, with little or no compensation, the promised investment in terms of clinics, schools and roads failed to materialise and whilst the plantation looks to remain shut, there is little hope of jobs."



The bottom text is taken from uk actionAid:: http://www.actionaid.org.uk/100621/blog.html?article=3581

 

 

 

 

Kille Enna, Ystad, April 2013




 





Kille Enna, Köchin, Gewürzspezialistin und Autorin

Kille Enna, Spitzenköchin, Buchautorin und Fotografin, lebt in Ystad.

Sie wird in Schweden und Dänemark fast wie ein "Idol für die naturbelassene Küche" verehrt, (siehe auch unser Portrait: Opens internal link in current windowKille Enna, Spitzenköchin, Fotografin, Autorin ).
 
Ihr Markenzeichen ist die tiefe Kenntnis im Umgang mit Aromen - sei es ganz puristisch im Umgang mit Früchten und Gemüsesorten, im Umgang mit Säure, Schärfe, Süße, - oder sehr reichhaltig im Umgang mit Gewürzen. Ihre Rezepte sind virtuos, was erst Erstaunen und dann ein sinnliches, lebensfreudiges Begreifen hervorrufen vermag.
 


 
Fotos © Kille Enna   Öffnet externen Link in neuem Fensterkilleenna.com

Buchtipp: Kille Enna und Georg Schweisfurth: Der echte Geschmack. Christian Verlag GmbH, München Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.christian-verlag.de . Rezepte nach Jahreszeiten, mit wunderschönen Fotos von Kille Enna.



Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: biosprit, biofuel, tanzania, action aid, dänemark, kille enna, fotografien
Anzahl Aufrufe: 10428