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Gastbeitrag
26.10.2012
11:41

Ohrenkuss bekommt Matthias-Claudius Preis 2012

Ohrenkuss-Pressemitteilung: Ohrenkuss erhält Matthias-Claudius-Preis für soziales Handeln in Bochum






Ohrenkuss ...da rein, da raus - das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen regelmäßig bei uns zu aktuellen Themen.

 








BONN, 24 Oktober 2012 - Ohrenkuss hat einmal mehr Grund zum Feiern: Die Redaktion bekam am 23. Oktober in Bochum den Matthias-Claudius-Preis für soziales Handeln verliehen.

 




Im Auto von Bonn nach Bochum, wo Ohrenkuss heute den Matthias-Claudius-Preis bekommt. Paul Spitzeck: Wir haben jetzt vier Uhr zehn. Im Auto, wir fahren nach Bochum. Da kriegen wir Pokal. Ich fühl mich glücklich, da genieß ich die Nachmittag und Nachts. Ich lese einen Text von mir vor. Ich hab kein Aufregung.
Seit 2010 verleiht die Bochumer Matthias-Claudius-Stiftung den Matthias-Claudius-Preis für soziales Handeln. Mit dem Preis werden Initiativen und Institutionen ausgezeichnet, die sich für das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung einsetzen. Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit einer Zuwendung von 10.000 Euro verbunden. Erster Preisträger 2010 war die Bürgerstiftung Herten mit ihrem Projekt Hof Wessels.




Der Leiter der Matthias-Claudius-Schule, Volkhard Trust, überbrachte Ohrenkuss-Chefredakteurin Katja de Bragança die frohe Nachricht. "Mich freut das in besonderer Weise, da meine ehemalige Schülerin Anna Schomburg zu den Ohrenkuss-Redakteuren gehört", sagte Trust. Die Matthias-Claudius-Schule ist eine evangelische Gesamtschule in privater Trägerschaft. Zurzeit besuchen 820 Schüler die Klassen 5 bis 13, darunter circa 160 Schüler mit Behinderung. Sie alle werden im Rahmen des "Gemeinsamen Unterrichts mit Behinderten und Nichtbehinderten" unterrichtet.

 

 


Verliehen ist der Preis noch nicht - begießen kann man ihn schon mal. Kollege Marc Lohmann diktiert dazu: Ich freue mich, dass Ihr dabei seid in Bochum. Und viel Erfolg bei der Arbeit. Ich freue mich auf Euch, in zwei Wochen. Schöne Grüße auch. - mit Paul Spitzeck, Julian Göpel und Johanna von Schönfeld
Die Wermelskirchenerin Anna-Maria Schomburg, Jahrgang 1982, ist Ohrenkuss-Fernkorrespondentin der ersten Stunde. Sie träumt von einem großen Haus auf dem Land, liebt Lappland und Waldführungen. Obwohl sie am liebsten Pudding kocht, mag sie auch ihre Vögel, Filme und die Bücher von Cornelia Funke. Als sie im schönen Forsthaus in Bochum den Preis entgegennahm, sagte sie: "Ich freu' mich sehr, heute dabei sein zu können und es ist mir eine große Ehre den Ohrenkuss Preis entgegenzunehmen. Ich freue mich, dass ich mit Abstand die älteste bin, mit 30 Jahren. Ich bin seit der ersten Ausgabe dabei beim Ohrenkuss. Ich mach gerne bei Ohrenkuss weiter."

 

 


Anna-Maria Schomburg nimmt den Preis entgegen und sagt ein paar Worte des Dankes: Ich fühle mich sehr geehrt, diesen Preis entgegenzunehmen. Und erklärt, dass sie bis zum letzten Schultag sehr gerne in die Bochumer Matthias-Claudius Schule gegangen ist.


Anna-Maria Schomburg hasst Gemeinheiten und Lügen. Für Notfälle empfiehlt sie die gute alte Flaschenpost. Die ehemalige Claudius-Schülerin gärtnert gerne, gilt als Expertin für Wolle, schwört auf den VfL Bochum und schickt Ohrenkuss regelmäßig ihre selbst aufgeschriebenen Gedankengänge. Wie diesen: "Nachts kann man schlechter gucken als tagsüber. Manche Gedanken sind nachts schwerer und trauriger als am Tag. Im Bett kann man sich geborgen fühlen."

 

 


Informationen zur Matthias-Claudius-Stiftung gibt es im Internet unter stiftung.mcs-bochum.de. Infos und Fotos über Ohrenkuss - auch zum aktuellen Heft "Skandal" - stehen  unter ohrenkuss.de/presse. Die Herbstausgabe zum Thema ZEIT erscheint Anfang November 2012.
Weitere Informationen hat Katja de Bragança, Chefredakteurin von Ohrenkuss: braganca@ohrenkuss / mobil 0171-7860688.

 


Paul Spitzeck nach seiner ersten Lesung vor Publikum: Mir ist sehr gut, das Lesung und dann ist für mich das Lesung richtig Spass macht. Dann will ich noch ein Lesung machen. Jetzt gibt es Matthias-Claudius Bratapfel!Über Ohrenkuss


Das Magazin "Ohrenkuss ...da rein, da raus" erscheint zweimal im Jahr und veröffentlicht ausschließlich Texte, die Menschen mit Down-Syndrom selbst verfasst haben. So können die Leser von Ohrenkuss direkt daran teilhaben, wie Menschen mit dieser geistigen Behinderung ihre Umgebung wahrnehmen und was sie wirklich denken. Das Magazin ist in einer besonderen Optik gestaltet und veröffentlicht viele Fotos der Autoren, die sie in ungewöhnlichen oder alltäglichen Situationen zeigen. "Ohrenkuss ...da rein, da raus" hat bereits viele Preise gewonnen, darunter den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland und den Jugendkulturpreis Nordrhein-Westfalen.






Johanna von Schönfeld, nach der Lesung: Inneren Schweinehund überwältigt! Mit stolzem Dabeisein. Auf dem Foto seht Ihr den Bratapfel von Paul Spitzeck. Er diktiert: Matthias-Claudius Bratapfel? Apfel schmeckt saftig und auch ist Mandelnüsse drauf und bisschen Marzipan. Sauce ist Vanillesauce. Anna-Maria Schomburg sitzt am Nebentisch und fasst den Abend zusammen: Die Kollegen haben sich viel Mühe gegeben, die Lesung zu geben. Und das Essen war rundrum sehr lecker! Ohrenkuss dankt der Matthias-Claudius Stiftung für die Herbstling Einladung, den schönen Abend, die Ehrung unserer Arbeit und natürlich auch für das Preisgeld von 10.000 EUR.
Mehr Informationen zu Ohrenkuss unter:
Opens external link in new windowwww.ohrenkuss.de
Opens external link in new windowwww.facebook.com/Ohrenkuss
   

Fotos © Ohrenkuss

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tags: ohrenkuss, down syndrom, matthias-claudius preis, soziales handeln, dichter
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Kille Enna: Quitten - Lieblingsfrüchte

Eingelegte Zitrus-Quitten mit Cardamom



Kille Enna, Köchin, Gewürzspezialistin und Autorin
Kille Enna, Spitzenköchin, Buchautorin und Fotografin, lebt in Ystad.
Sie ist in Schweden und Dänemark vielleicht so etwas wie Sarah Wiener hier, ein "Idol für die naturbelassene Küche" -  siehe
unser Portrait:Opens internal link in current window Kille Enna, Spitzenköchin, Fotografin, Autorin
Kille liebt Gewürze, ihre Aromen, und ist begeistert von unseren Qualitäten.
Wir wiederum sind begeistert von ihrer überschwänglichen Energie, ihrem Mut und der Kreativität in dem, was sie tut. Wir haben selten so lebensfreudig beschwingte, authentische Rezepte gesehen wie in ihrem Kochbuch (siehe Buchtipp unten, auch ein schöner Geschenktipp mit den künstlerischen Fotos von Kille Enna).

Das Nachkochen ist wie ein sich Hineinvertiefen in die jeweiligen Früchte oder Gemüsesorten, die im Zentrum stehen - eine Auseinandersetzung mit allen Geschmacksfacetten, Aromen und Eigenarten  - verstärkt durch die reichhaltigen Gewürzen, die Kille Enna ihren "Stars" aus der Natur gerne an die Seite stellt. Dadurch, oder manchmal auch durch überraschende Säure, Schärfe, Herbe oder Süße, werden die Sinne hellwach ...

Die Quitte als geheimnisvoller, faszinierender "Star" ist ihre Lieblingsfrucht. Vor Kurzem gab es im Magazin der Süddeutschen einen schönen Artikel über Kille Enna, und mit einer Menge von ihr neu entwickelter Quittenrezepte:
Opens external link in new windowhttp://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/38559/Quitte-pro-quo

Sie mailte für unseren Blog eins davon: "... Try the "Eingelegte Zitrus-Quitten mit Kardamom" it is brand new, quick and very delicious." 



Meersalz traditionell grob - wie vor 1000 Jahren gewonnen, aus Portugal

Malabar-Superior, handverlesener scharzer bio-PfefferBio-Cardamom grün in der Schale

 
 

Benötigte Gewürze - hier natürlich Bio-Gewürze von Heuschrecke:

 











EINGELEGTE ZITRUS-QUITTEN MIT KARDAMOM

Quitten, Foto von Kille Enna

Durch ihren süß-sauren Charakter sind diese eingelegten Quitten ideal als Beilage zu Ente, Schwein und fettreichem Fisch sowie als Zugabe zu Reis- und Nudelgerichten. Rund um die Quittenwürfel gibt es reichlich Flüssigkeit – und das mit voller Absicht. Ergänzt um einen Schuss natives Olivenöl extra lässt sie sich nämlich in eine wundervolle Salat-Vinaigrette verwandeln. Insbesondere dem asiatischen Senfkohl, der im Herbst Hochsaison hat, gelingt mit seinen eigensinnigen Senfaromen das Kunststück, durchaus gegen den exotischen Fruchtgeschmack der Quitte „anstinken“ zu können. Dasselbe gilt für bittere Salat- und Grünkohlsorten, die im Winter Saison haben, wie Zichoriensalat, Endivie, Schwarzkohl und Roter Krauskohl.



Zutaten:

Ergibt 400 ml

  • 100 ml Balsam-Apfelessig
  • 200 ml Wasser
  • 5 g grobes Meersalz
  • 50 g heller Rohrzucker
  • 4 grüne Kardamomkapseln
  • 7 g fein gehackte Zitronenschale (ca. 1/2 Zitrone)
  • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 1 Quitte (ca. 250 g )


Eingelegte Zitrus-Quitten, Foto: Kille Enna
Zunächst Balsam-Apfelessig, Wasser, Meersalz und Rohrzucker in einen kleinen Topf füllen. Die Kardamomkapseln in einem Mörser leicht anstoßen, die Kapseln entfernen und die Kerne fein zerstoßen. Die Zitronenschale mit einem breiten Sparschäler ablösen und sehr fein hacken. Kardamom, Zitronenschale und frisch gemahlenen Pfeffer ebenfalls in den Topf geben und das Ganze zum Kochen bringen. 5 Minuten köcheln lassen.

Die Quitte gründlich waschen, halbieren und ungeschält in 1/2 cm dicke Scheiben schneiden. Das Kerngehäuse entfernen und die Scheiben in Würfel mit 1/2 cm Seitenlänge schneiden. Insgesamt sollten es 200 g Quittenwürfel sein. Alle Quittenreste können zu Quittentee verarbeitet werden, also nicht wegschmeißen!

Die Quittenwürfel in den Topf geben, eine Minute mitkochen, und den Topf dann vom Herd nehmen. Die eingelegten Quitten in einen Glasbehälter gießen, abkühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren. Hier halten sie sich problemlos zwei Wochen lang.
Hinweis
Das Mischungsverhältnis für ein Salatdressing ist 2/3 Quitten-Zitronen-Flüssigkeit zu 1/3 nativem Olivenöl extra.

(Anm.: Das Rezept für den Quittentee mit Rosmarin, Honig und einer Prise Chili finden Sie unter dem oben angegebenen Link zur Süddeutschen.)





Happy thoughts

Kille Enna








Und hier noch der Buchtipp:
Buchcover: Kille Enna und Georg Schweisfurth: Der echte Geschmack. Christian Verlag
Kille Enna und Georg Schweisfurth: Der echte Geschmack. Christian Verlag GmbH, München Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.christian-verlag.de . Rezepte nach Jahreszeiten, mit wunderschönen Fotos von Kille Enna.

Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung von Kille Enna

Rezepttext + Fotos © Kille Enna

Fotos Gewürze © Heuschrecke





 

 

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Tags: kille enna, quitten, cardamom, bio-gewürze
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Herzlichen Glückwunsch, Naturata !

Kölner Bioladen Naturata wird 30.




Am 20.10.2012 feiert der Kölner Bioladen Naturata (heute 3 Filialen: 2 in Köln und eine in Siegburg) 30-jähriges Bestehen.
Collage Naturata Köln 1982
Naturata ist nicht nur ein Bioladen:

 "NATURATA ist sowohl der vor Jahren gewählte Name für Einzelhandelsunternehmen, die sich dem Ziel "Gemeinsam Handeln" verpflichtet haben, als auch der Markenname von Produkten, die aus derselben Philosophie von der NATURATA-Spielberger AG (Anm.: später Naturata AG) hergestellt werden" - alles in einem Verbund zusammengeschlossen. Die Idee "Naturata" hat einen anthroposophischen Hintergrund, möchte mit der Natur und in gerechten, sozialverträglichen Marktprozessen arbeiten. Bewusst werden immer wo möglich, Demeter-Produkte gehandelt. Mehr über diesen Aspekt von Naturata:Opens external link in new window http://www.naturata-verein.de/index.php?id=charta .

Wieder zurück zu Naturata Köln: 1982 von Helga Größel gegründet, wird heute das Kölner Unternehmen vom Sohn Lutz Größel geführt:Opens external link in new window http://www.naturata-koeln.de/unternehmen.html .


Zum bevorstehenden Jubiläum hatte Lutz die alten Weggefährten aufgerufen, einen Artikel oder eine Rede über die Anfänge der Naturkostbranche in Köln zu schreiben, die er zu einem "Naturata-Buch" zusammenfassen will. Hier nun der Beitrag von Heinz-Dieter Gasper, Pionier und Gründer der Heuschrecke (gerade 35 geworden:Opens external link in new window http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2012/09/07/heuschrecke-wird-35-wie-alles-anfing.htm )
 

 






Dreißig Naturatas

Ein paar ungeordnete, spontane Überlegungen, die mir so in den Sinn gekommen sind...

Collage Naturata Köln, die Anfänge
1
70er: "Was sagen die Bäume" zu Demeter?
Wenig Begeisterung beiderseits - im 77er Bioladen "Was die Bäume sagen" dürfen wir keine Demeter-Produkte verkaufen, genauso wie in den anderen damaligen 100 Bioläden in der BRD. Nur Reformhäuser hatten legalen Zugang, weil es irgendwelche dunklen Absprachen gibt, uns Neuen das Leben schwer zu machen.
Der Demeter-Qualitätsbegriff steht außer Zweifel; nur der typische anthroposophische Dünkel, die versteinerten Gestalten und die konservativen Weltbilder, passen nicht ins linksradikal-alternative, oft noch auch Kiffer/Dealer - Milieu beim Aufbruch in eine neue, selbstbestimmte und ökologisch korrekte Welt.


2
Ende 70er: Naturata eG Lauda, die Großhandelsgenossenschaft
Vorgespräche und Gründung schaffen die Brücke zwischen beiden Ideologie-Blöcken.
Auch in der Person Daniel Trenkles, des ersten Geschäftsführers, der schon Jahre vorher mit Demeterprodukten/Reformartikeln die verstreute Bioladen-Szene anfuhr, war das nötige Vertrauen geschaffen. Heiß diskutiert wird die Installation einer EDV: Teufelswerk oder zukunftsträchtige Arbeitserleichterung/ stupide Arbeiten standardisieren? Die Gründungsversammlung schaffte es wider Erwarten, den kritischen Konsens zu finden - die Szene zeichnete Anteile, auch viele Großhändler werden Genossen. Irgendwann in den 90igern gibt es sogar eine kleine Gewinn-Ausschüttung. Irgendwie war es aber auch beruhigend zu erfahren, dass die Computer eine ewige Baustelle blieben (nicht nur in Lauda..). Natürlich bin ich Mitglied geblieben...

Frau Größel, Gründerin der Naturata-Köln
3
Anthroposophie oder Sekte?
Herr Finsterlin, auf den ich irgendwann Ende der Siebziger gestoßen bin, hat, glaube ich, noch die landwirtschaftlichen Vorträge von Steiner gehört - auf jeden Fall: seine Zeitschrift Erde & Kosmos habe ich gerne gelesen auf der Suche nach Dissidenz in der anthroposophischen reinen Lehre und einer anscheinend sehr dominanten Anthroposophischen Gesellschaft.
Die Zeitschrift verschaffte mir eine gewisse Zufriedenheit, wenn ich auch nicht sehr viel verstanden habe; auch für Anthroposophen kann es eine Hoffnung jenseits eines versteinerten Dogmas geben. Dies auch, weil ich später noch eine Reihe interessanter Leute (die nicht nur Anthro-Klischees bedienten) treffen sollte, wie Trees und Jan Kees vom Demeter-Kräuterhof "Blaues Haus" in den Niederlanden, u.v.a.. Das ist sehr viel unangestrengter und lebenslustiger, und entspricht trotz landwirtschaftlichem Engagements nicht dem Bild ums alte Erbe trauernder, ostelbischer Junker-Nachfolger im Lodenlook.


4
"Nur Alternative"?
Das war die Quintessenz vieler verwurzelter Demeter-Kollegen, wenn sie uns Bio-Pioniere beschrieben. Eine ganz nette, wohl vorübergehende Initiative, der man halt die nötige richtige Ideologie absprach.
Graf von und zu Finckenstein auf der Prym'schen Gutsverwaltung in Düren war für einige der neuen Ökos, so für mich, der glaubwürdige, beseelte Praktiker mit riesigen Bauernpranken, wo wir die Möhren, den Käse, aber v.a. das Steinofenbrot (mit Holz befeuert) holten; und illegalerweise die Rohmilch in den traditionellen 30 l Milchkannen abschleppten und verteilten. Viele Praktikanten (für Kost, Logis und wenig Trinkgeld) schufteten dort, der Mäc vom ersten Bioladen in Aachen hatte den Steinofen gebaut, der Günther von der Brotzeit war einer derjenigen, die dort gelernt haben...
Auch den Felix von Vital (damals Gänseblümchen, Stolberg) traf ich immer beim Abholen..

Naturata Köln wird 18 Jahre alt - 2000
4a
Leihen & Schenken
Passend zur Genossenschaftsgründung Kornkraft Krefeld (Naturkostgroßhandel) rückt die GLS in den Focus mit einer Leihgemeinschaft als breit gestreutes Bürgschaftssystem - ich werde Mitglied irgendwann 1979/80.


4b
Garten und Maria Thun Kalender
Anfang der 80er wohne ich zwei bis drei Jahre auf dem Land und betreibe den großen Garten als Mischung von Permakultur und Bio-Landbau, richte mich nach dem Maria Thuns Mondkalender und verkaufe/tausche ein paar Überschüsse mit dem Bioladen und einer Mini Land-Food Coop. Lese viele Bücher zu Bio-Landwirtschaft und Demeteranbau usw..


5
30 Jahre Naturata Köln, wie alles anfing
Plötzlich bekommt mein Ex-Bioladen Konkurrenz auf der Luxemburger Straße.
Die Blumenhändlerin Frau Größel gründet mit einem jungen Kollegen (Name verschwunden...). Die übliche Aufregung - ist der Laden nicht zu nah?, darf er von der Genossenschaft Kornkraft beliefert werden? usw..
Zum ersten Mal siezt man sich in der Kölner Bioladen-Szene (ca. 15 Läden gibt es..), mit Frau Größel, es gibt Irritationen.
Nachdem ich 1981 aus dem Bioladen "Was die Bäume sagen" raus bin, führe ich den Großhandel weiter, der bereits vorher als gemeinsamer Einkauf oder als Einkaufsgemeinschaft funktionierte. Mit den Demeter-Produkten vom Finckenstein-Hof wird auch Naturata bald Kunde.
Das bald darauf (nach der ersten BioMesse) gegründete gemeinsame Abhollager der regionalen Läden, kleiner Frischehändler, Bäcker und der Kornkraft, und die monatlichen Treffen aller Beteiligten schaffen mehr Vertrauen durch Kommunikation.
Vorher gibt es eine Reihe bizarrer Begegnungen - der langbärtige, -haarige Freak, im Sommer gerne barfuß, ohne Hemd, in kurzer Kinderlederhose, lieferte besagte Finckenstein-Rohmilch, unansehnliche, aber genial schmeckende Möhren und das tolle Steinofenbrot auch zur Naturata. Und Frau Größel hat sicher Mühe, das der konservativen Anthro-Kundschaft im Laden zu erklären, oder hat vielleicht auch im Anfang Mühe, selbst die Contenance zu bewahren; sicher auch schon mal in der Nähe von Reality-Soap, inklusive Fremdschämen, wenn Demeter-Else auf Heidi Heuschreck' in der Naturata trifft.
Mit dem Älterwerden und der Übergabe des Ladens ‚Berrenrather Straße' an den Sohn Lutz Größel verliert das Verhältnis seine Skurrilität. Das gemeinsame Pioniersein wird zum verbindenden Glied, peinlich wird es nicht mehr, Vertrauen schaffte das gemeinsame Altern.

Lutz Größel führt heute die 3 Naturata-Bioläden in Köln und Siegburg
6
Warum ist Heuschrecke kein Demeterhändler?
Bei aller Affinität ergeben sich immer wieder größere und kleinere Missverständnisse zwischen den Demeter-Traditionalisten und der "nur" alternativen Biobewegung...
Drei mehr oder weniger ernsthafte Versuche gibt es schon von Seiten der Heuschrecke; zweimal wird der Versuch brüsk vom Markenzeicheninhaber und seinen Wächtern zurückgewiesen, es gäbe weder Bedarf noch Interesse, so einem Betrieb wie Heuschrecke eine Demeter Lizenz zu erteilen. Diese Demeter/Anthro-Arroganz ist schon immer was Besonderes gewesen; ich kann natürlich gut damit kokettieren, nicht in den Rahmen zu passen und hab die Demeterprodukte, die mir gefallen haben, auch so gut verkaufen können; auch ohne Marken-Strahlkraft.
Der letzte Versuch kommt denn tatsächlich vom Lizenzgeber, ist noch hängend, im Moment fehlen noch ein bisschen die Mengen an Gewürzen, Tee und Kräutern, und oft ist auch die Qualität herkunftsbedingt (z.B. Ägypten...) alles andere als akzeptabel. Mal sehen, was die Zukunft so bringt...


7
Heute und Morgen
Lutz und seine Naturatas + Heuschrecke + Ursula und Heidi + Claudia + Michael+ Tobias usw.
Normales Kunden-und Lieferantenverhältnis?
Es ist natürlich mehr, nach der langen, dreißigjährigen Geschichte.
Die Naturata-Läden in Köln und Siegburg sind Flagschiffe für die Marke Heuschrecke - und die volle Auswahl in der Naturata ‚Krebsgasse' füttert uns durch den Alltag - da kaufen wir privat ein. Eine Art win win Situation: Michael erzähl schon mal von den Leiden und Freuden des FC Fans als Mitglied, Lutz übers Landleben und andere Pläne, Claudia über Kinder und ihren Laden "Spiel und Kleid" .... die Heuschrecke über Arbeitsstress - alles jammert ein bisschen auf hohem Niveau, weil es uns im Grunde ziemlich gut geht - mit den kleinen und größeren Rückschlägen bringen wir Stück für Stück "Bio" nach vorne, ohne die Essentials wie small is beautiful, Gemeinwohl, und faire Business Beziehungen zu vergessen -
So Gott will (oder wer auch immer), für die nächsten 10 - 20 - 30 Jahre, je nach Lebensplan und Nachfolge...



---
Entworfen und geschrieben mit viel Spaß, auf Wunsch des Geburtstagskinds, während eines beseelten und begnadet entspannten dreiwöchigen Urlaubs in der Hauptstadt - in S-Bahn, U-Bahn, Cafés und Sarah Wieners Speisekammer in der Chausseestr. irgendwo bei Biermann (dem Bänkelsänger) um die Ecke...
Heuschrecke blickt gerade auf 35 Jahre zurück...


Heinz-Dieter Gasper

Fotos © Naturata Köln
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Tags: bioladen, naturkostbranche, köln, naturata, anthroposophie, dreigliederung, demeter
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Gehirn-Jogging

bra1n dra1n

Folgende Texte mögen Ihnen vorkommen wie "Nachrichten aus dem All" - sind aber durchaus für jeden lesbar, der der deutschen Sprache mächtig ist.

Viel Spaß bei meinen Fundstücken zur "Gehirn-Akrobatik"...

1. In einem Schaufenster in der Nähe des Kölner Barbarossaplatzes:




2. Text aus dem Internet:

Ehct ksras!
Gmäeß eneir Sutide eneir Uvinisterät, ist es
nchit witihcg, in wlecehr Rnefloghele die Bstachuebn in
eneim Wort snid, das ezniige was wcthiig ist, ist dass der
estre und der lezzte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiin
snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöld sein, tedztorm
knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, weil wir
nicht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wort
als gzeans enkreenn. Ehct ksras! Das ghet wicklirh!
Und dfüar ghneen wir jrhlaeng in die Slhcue!


3. Und es geht noch besser
(bei Facebook gesehen):

D1353 M1TT31LUNG Z31GT D1R, ZU W3LCH3N
GRO554RT1G3N L315TUNG3N UN53R G3H1RN F43H1G
15T! 4M 4NF4NG W4R 35 51CH3R NOCH 5CHW3R, D45
ZU L353N, 483R M1TTL3RW31L3 K4NN5T DU D45
W4HR5CH31NL1CH 5CHON G4NZ GUT L353N, OHN3
D455 35 D1CH W1RKL1CH 4N5TR3NGT. D45 L315T3T
D31N G3H1RN M1T 531N3R 3NORM3N
L3RNF43H1GK31T. 8331NDRUCK3ND, OD3R? DU
D4RF5T D45 G3RN3 KOP13R3N, W3NN DU 4UCH
4ND3R3 D4M1T 8331NDRUCK3N W1LL5T.

Und jetzt zum Abkühlen und Runterschalten des Gehirns ruhig wieder den Fernseher einschalten...



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz

ist
Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.


Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.



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Tags: lesen, gehirn, lernen, texterkennung, hirnforschung
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Higgs - Basilikum entdeckt

Bildinterpretation. Erntezeit - Erntedank


  • 10 Dinge, die man sieht und die man nicht sieht



Terra Magnifica: Higgs Basilikum

 

 
1) Im Juli kurz vor unserem Urlaub erreichte uns folgendes Bild ohne Kommentar. Der Absender war unser Freund Roman Turk aus Kroatien.


2) Roman Turk ist unser Lieferant aus Kroatien für Bio-Kräuter und -Gewürze. Nachdem er als Maschinenbau-Ingenieur gearbeitet hat, baute er nach dem Balkan-Krieg ein Netzwerk von Kräutersammlern und -Sammlerinnen, sowie von Bio-Kräuterbauern über ganz Kroatien auf. Er organisiert die Biozertifizierung, Verarbeitung und Export der Ware. Seine Firma trägt den wunderbaren Namen Terra Magnifica. Mehr zu Terra Magnifica: Opens internal link in current windowwww.heuschrecke.com/kroatien.htm.   


3) Auf dem Bild zu sehen: rechts und links üppiges Grün, in der Mitte kniet eine Frau (Romans Frau Sanja, die Pflanzenexpertin von Terra Magnifica) als suche sie etwas. Unsere Interpretation:



Dem Laien gibt das Bild Anlass zu ausufernder Phantasie-Bildbeschreibung
- die stolze Gärtnerin und die 10 Premium - Pflanzen
- der stolze Verehrer der Dame widmete derselben ein Naturportrait in der Idylle
- nur die ordentlich geharkten Pflanzen haben im wuchernden Umfeld überlebt
- (nicht geharkt)- ein round-up Phänomen
- der hiesige Betrachter wird auf die gute zu erwartende Erntemenge eingestimmt - oder auf die minimalen Mengenergebnisse vorbereitet




4) Oder philosophisch betrachtet:



... oder die unordentlichen Pflanzen haben über das geordnete Umfeld gesiegt ...




5) Es kam folgender Kommentar des kroatischen Pflanzenfachmanns und Ingenieurs zurück:



"Higgs Basilikon entdeckt"




6) Mittlerweile haben wir Oktober, und in Europa ernten unsere Bioproduzenten gerade die letzten Kräuter und Gewürzpaprika, bevor die ersten Frostnächte die Pflanzen beschädigen.


7) Zunächst wird einfach nur hektisch geerntet, getrocknet, und die Rohware mit Stiel und Stängel auf Halde gelegt.


8) Erst wenn die Ernten eingebracht sind, werden die Kräuter aufbereitet: geschnitten, gereinigt (Fremdanteile und Stängel weitestmöglich durch Siebe und über Gebläse herausgenommen. Fremdbestandteile bis zu 2% bleiben übrig, gelten als Standard und sind nicht zu vermeiden. Wir stellen uns dann vor, dass diese kleinen Samenkörner oder Pflanzenteilchen von Gräsern und anderen Kräutlein in unserer immer industrieller, eintöniger und steriler werdenden Nahrung ein Quantum Vitalkraft hineinbringen. Eine homöopathische Wildblumenwiese in unserem Inneren.


9) In Süd-Ungarn, in der Spitzen-Region Szeged, werden auch gerade die letzten Tonnen unseres Gewürzpaprika geerntet - etwas Wettlauf mit den ersten drohenden Nachtfrösten hat sich ergeben - einige Bauern haben wohl andere Prioritäten gesetzt. Die Paprikafrüchte müssen, bevor sie getrocknet, dann geschnitten und auf Steinmühlen langsam vermahlen werden können, erst 2-3 Wochen nachreifen. In dieser Zeit entwickelt sich noch ein ideales Verhältnis zwischen Aromen und Fruchtzucker, weshalb man sagt, ungarischer Paprika aus Szeged sei der beste der Welt.

Der LKW aus Kroatien fast leergeladen
10) Gestern ist der erste, bis unters Dach vollgeladene LKW aus Kroatien mit neuen Ernten bei uns eingetroffen - alle Mitarbeiter helfen, die hunderte, unpalettiert transportierten Säcke schnell zu entladen, zu ordnen und den Wareneingang zu machen. Bis zum Winter werden weitere Produkte der neuen Ernten folgen und mit und mit, wenn die alte Ernte ausverkauft ist, von uns weiterverarbeitet: gemahlen, gemischt, oder pur abgepackt in den Verkauf gegeben.




Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner

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Tags: erntezeit, terra magnifica, kroatien, higgs basilikum
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