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Heilige des Monats Januar: Paula

26. Januar: Paula von Rom

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).

Und erstaunlich nah am Alltag in mancher Hinsicht - daily Soap, Job, Beziehungskram ...






Im 4. Jahrhundert, das Christentum war gerade verwirrend schnell aus der Schmuddelecke des Untergrunds zur Staatsreligion aufgestiegen, machte sich der sprachbegabte Christ Hieronymus an eine einheitliche, im ganzen römischen Reich allen verständliche Ausgabe der Bibel.

Er mußte dafür die vorhandenen lateinischen Übersetzungen auftreiben und miteinander vergleichen, sowie an Hand des griechischen bzw. hebräischen Originals eine neue, korrekte, gut benutzbare und in der Sprache klare Übersetzung herstellen. Dieses Unternehmen brauchte lange Jahre und viel Mühe, führte aber zum Erfolg: als "die Allgemeine" (lateinisch "Vulgata") wurde seine Übersetzung zum Bestseller und verdrängte die fehlerhaften älteren Versuche.
Insbesondere für diesen sehr verdienstvollen Geniestreich wurde Hieronymus durch die Jahrhunderte verehrt, er gilt bis heute mit Ambrosius von Mailand, Augustinus und Papst Gregor als einer der 4 lateinischen Kirchenväter, Stützen des ganzen Kirchengebäudes.


So steht das in den Geschichtsbüchern, so stimmt das auch, und keiner fragt sich, was fehlt.
Wenn ich mir heute eine ebenfalls löbliche Aufgabe vornähme, z.B. die Geschichte meines kleinen Eifeldorfes mal so richtig gründlich aus den Urkunden heraus hieb- und stichfest darzustellen, wäre dieser Traum am anderen Morgen schon wieder ausgeträumt - wenn der Wecker geht, einen ins Büro ruft, Geld verdienen, schnöde Realität.
Aber halt - höre ich da "Geld" ? - Oh yeah, it´s money, that matters, aufgewacht Kinder, ohne Moos war auch früher nix los. Wir nähern uns der Sache mit großen Schritten.


Die Eltern einer jungen römischen Dame namens Paula stammten aus den Familien der Cornelier und Gracchen, ihr Mann war ein Julier. Die ganze Blase ist reich wie der Scheich, denen kommt seit einem halben Jahrtausend das Geld nur so aus den Ohren. Mit 22 Jahren ist Paula dann bereits Witwe und Mutter mehrerer Kinder, der Tod ist halt allgegenwärtig. Kein Problem, da kuckt man sich den nächsten Goldfasan aus und läßt es weiter krachen, in Rom gehen die Lichter nicht aus, the show must go on. Das machen die anderen Reichen so,  ob Christenbub oder Heidenmädchen, warum nicht auch Paulinchen.
- Aber in der jungen christlichen Witwe arbeitet es, sie will sinnvoll wirken. Natürlich Breitspur, Adel verpflichtet.


Nachdem Sie eine Zeitlang die Armen Roms hartnäckig betüddelt hat (was andere ihr Leben lang machen, in Rom werden die Bettler nicht alle), lernt die mittlerweile dezent gelangweilte Paula den flotten Hieronymus kennen, der Ihr erstens von seinem Bomben-Projekt "Standard-Bibel" vorschwärmt und der zweitens unbestrittener Superstar aller frommen Damenkränzchen der Hauptstadt ist. Paula sieht sofort und glasklar das Team des Jahrhunderts vor ihrem inneren Auge: Hieronymus, der hat Ziele und Köpfchen, und sie, sie hat die Kohle.


So geht das dann: als Hieronymus ins Heilige Land zieht und in der Nähe von Bethlehem seine Denkerstirn kräuselt, wäre ihm das Denken vermutlich schnell wieder vergangen, denn "voller Bauch studiert nicht gern", aber leerer noch viel weniger - wenn er nicht seine allesvermögende Sponsorin gehabt hätte. Paula schnappt sich eine ihrer Töchter (und ein bißchen Dienerschaft), gibt den Rest in der Kita ab und dampft nach Palästina. Sie läßt für Hieronymus und seinen Clan ein Männer- und ein Frauenkloster bauen, finanziert alles und jeden 20 Jahre lang, und wird nach ihrem Tod am 26. Januar 404 von Bischöfen in die Kirche zur Totenmesse getragen.


Ehrlicherweise sollte auf jeder der zigtausend Hieronymus-Statuen der Kirchen und Museen dieser Welt stehen "Hieronymus, gesponsert  von Paula", und auf jeder Ausgabe der Vulgata "Paula-Ausgabe, übersetzt von Hieronymus" - man sollte überhaupt mehr über Geld reden, daß fördert den Durchblick und klare Verhältnisse.


Bertold Brecht schildert in seinem Gedicht "Die Legende von der Entstehung des Buches Tao Te King auf dem Weg des Laotse in die Emigration", wie ein Zollbeamter den des Landes verwiesenen Weisen Laotse eine Woche lang samt Diener durchfüttert, bis dieser seine Weisheit niedergeschrieben hat und schließt:

"Aber rühmen wir nicht nur den Weisen
Dessen Name auf dem Buche prangt !
Denn man muß dem Weisen seine Weisheit erst entreißen.
Drum sei der Zöllner auch bedankt
Er hat Sie ihm abverlangt."

 

 







Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.










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Tags: paula von rom, hieronymus, bibelübersetzung
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Ländliche Bildbetrachtung

Portrait: Indigener Gewürzbauer in Kannampady, Indien

 

10 Dinge, die man sieht, und die man nicht sieht.




Urwaldpfeffer in Kannampady, Bio-Kleinbauer Mr. Kadatha





1) Ein älterer Herr - weiße Haare und Bart, rosé-weiß gestreiftes Hemd - im Zentrum. Der Gesichtsausdruck: präsent, etwas distanziert und leicht amüsiert.



2) Farben: die leuchtend-tiefbraune Hautfarbe vor dem satten Grün im Hintergrund. Das helle Hemd gibt Luftigkeit. Kontraste, gleichberechtigte Farbintensitäten. Ein herausblinzelnder Farbfleck: die rote Tüte.

Urwald-Niederlassung Kannampady, Dschungel

3) Der Hintergrund: Dschungel. Dichtes Grün. Wir waren frappiert von gefühlten 240 Grüntönen, die sich erst beim näheren Hinsehen in verschiedene Gewürz- und andere Nutzpflanzen differenzieren sollten. Nichts war zufällig, alles wurde erklärt.









Urwaldpfeffer in Kannampady, Bio-Kleinbauer Mr. Kadatha und Sohn Mr. Raghavan

4) Der Herr, Mr. Kadatha, ist von Beruf Gewürzbauer, seit Generationen. Hier neben ihm: sein Sohn, Mr. Raghavan, der mit ihm zusammenarbeitet. Die Großfamilie bewirtschaftet ca. einen Hektar Fläche.



5) Der Ort: wir sind in Indien, im Bundesstaat Kerala im Süden, ca. 250km von der Hauptstadt Trivandrum entfernt in den Bergen. Hier in unzugänglichen Urwaldregionen gibt es "Reservate" oder "Tribal Settlements", geschützte Gebiete für die indischen Ureinwohner, Adivasi oder indigene Stämme. Kannampady ist eine solche Adivasi - Niederlassung im Idukki Bezirk (Kerala), 8 km inmitten des Urwaldes gelegen.




6) Mr. Kadatha ist mit 251 anderen Gewürzbauern aus Kannampady Mitglied im Sahyadri Spice Farmers Consortium für Bio-Gewürze. Wir beziehen seit mehr als 15 Jahren Gewürze von ihnen.



7) Kunst in Zahlen:Urwaldpfeffer in Kannampady, Kleinbauernfamilie
Anzahl der biozertifizierten Farmer in Kannampady:        252
Durchschnittl. Landbesitz / Farm:                    1 ha
Gesamte biozertifizierte Fläche in Kannampady:        253,34 ha
Zertifizierungs-Status:    USDA NOP (USA), EU, NPOP (Indien),JAS (Japan), Naturland, Biosuisse (was eine sehr große Formular- und Dokumentenmenge bedeutet, und viele viele Arbeitsstunden mit Bürokratie).
Erntemengen in Kannampady für die Gruppe der biozertifizierten Farmer (auf 253,34 ha):
1. Schwarzer Pfeffer:         90000 kg
2. Weißer Pfeffer:          7000 kg
3. Ingwer, frisch:        14000 kg
4. Curcuma, frisch:        14000 kg
5. Nelken:                  600 kg
6. Cardamom, frisch:           5000 kg
7. Muskatnüsse:                 10 kg
8. Tee (Grünes Blatt):          9000 kg
9. Kaffee Robusta (getrocknet, mit Schale):    40000 kg





8) Daneben werden dort zur Selbstversorgung verschiedene Früchte und Gemüsesorten angebaut, sowie einige Tiere gehalten. Dieser relativ kleine Flecken Erde gibt reichlich, in einer gesunden Diversität. Deshalb hat der Weltagrarbericht 2009 ausdrücklich festgestellt, dass diese kleinbäuerliche (vorsintflutliche) Bio-Landwirtschaft mehr zur Zukunftssicherung der Welternährung beiträgt als die Agroindustrie, die vor allem viele Umweltschäden verursacht.



 




Bio-Urwalpfeffer 'Tribal' schwarz ganz aus KannampadyHeuschrecke Bio-Urwalpfeffer 'Tribal' schwarz gemahlen aus Kannampady9) Im Jahr 2009 haben wir Kannampady besucht. Später entstand dort die Idee, den Urwaldpfeffer von Kannampady separat zu trocknen und zu verarbeiten, sodass er mit genauer Herkunftsangabe vermarktet werden kann. Normalerweise werden die Gewürze der insgesamt ca. 2000 Kleinbauern des Sahyadri Spice Farmers Consortium nicht getrennt. Mit der genauen Herkunftsbezeichnung entsteht bei den KonsumentInnen in unserem Land ein genaueres Bild, welche Menschen denn den Pfeffer angebaut und in den Händen gehabt haben, den man gerade isst.




10) Und jetzt kommt per Email ein konkretes Bild zurück: unser Kannampady - Urwaldpfeffer in den Händen des Kannampady-Bauern.







Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper



Gastbeitrag
20.01.2012
16:32

Mikrokosmos: Heimliche Stars

Pilze, die über den Tellerrand gucken.


Nein - das sind keine Eisblumen!


Plicatura crispa, der Krause Adernzähling, von unten

 

 


Wir befinden uns zwar im Wintermonat Januar, der ließ aber mit frostigen Temperaturen bis vor zwei Tagen auf sich warten.

In der ersten Januarhälfte herrschten eher frühlingshafte Celsiusgrade um die 10° vor und in schneefreien Wäldern und Fluren zeigte sich bei gleichzeitig hoher Boden- und Luftfeuchte endlich die Pilzflora, die wir im staubtrockenen November so sehr vermisst hatten.


Endlich mal Pilze, die über ihren Tellerrand gucken: Plicatura crispa, der Krause Adernzähling, von oben.


Hier ist nun Plicatura crispa, der Krause Adernzähling, reihenweise und dachziegelig zu Dutzenden an einem toten, liegenden, unterarmdicken Buchenast gewachsen. Die 10-20 mm breiten, halbkreis-, fächer- oder muschelförmigen Fruchtkörper sind mit ganz kurzem Stiel am Substrat angewachsen. Während die Oberseite von einem ocker- bis rotbraunen, konzentrisch-wellig-gezonten, angedrückten Filz bedeckt ist, kann man unterseits eine weisslich-grau-blaue Eisblumenlandschaft bestaunen: lamellig-aderige Rippen, mal gegabelt, mal quer untereinander verbunden.

Mikroskopisch gibt der Krause Adernzähling, den man übrigens ganzjährig an allerlei verrottendem Laubholz entdecken kann, bis auf winzige kommaförmige Sporen wenig besonderes her. Deshalb diesmal im Bild viele ganze Fruchtkörper - von oben und von unten.





Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer

Bilder mit Klickvergrößerung




 



Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer




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Tags: plicatura crispa, krauser adernzähling, pilze
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Taikonauten

Chinas langer Marsch ins All

Wer hat als erster den Mond erreicht?

Nein, nicht die Schweizer - die Amerikaner waren es!
Ich habe noch irgendwo die vergilbte Tageszeitung mit den Sonderseiten zur ersten Mondlandung am 21. Juli 1969. Die habe ich als 12-jähriger für die Ewigkeit aufgehoben.

Foto: NASA, Public DomainWer war die weltraummäßig fortschrittlichste Nation der letzten 50 Jahre?
Na, die Amis natürlich - mit Voyager-Sonden, dem Apollo-Mondflug-Programm und dem Spacelab-Weltraumlabor.
Sicher, die Russen versuchten mitzuhalten, waren aber seit Apollo 11 immer die Zweiten. Solide Technik - aber weniger elegant und nie ganz vorne.

Das Bild der Weltraumfahrt hat sich in den letzten Jahren entscheidend geändert:

Amerika hatte das Raumfahrtprogramm deutlich heruntergefahren, nachdem die Vorherrschaft im All entschieden war und sich mehr auf die Sicherung irdischer Boden-Schätze durch (Öl-)Kriege und feindliche Übernahmen konzentriert.
Am 21. Juli 2011, exakt zum 42. Geburtstag der ersten Mondlandung kehrte das letzte amerikanische Space-Shuttle "Atlantis" - nach 30 Jahren Einsatz - zur Erde zurück und beendete die Ära dieser wiederverwendbaren Raumfähren.

Die Russen hatten schon seit einigen Jahren verstärkt die Botendienste übernommen und mit ihren zuverlässigen Sojus-Raketen Satelliten und Menschen ins All gebracht.
Auch amerikanische Astronauten nutzten die Space-Taxi-Dienste der ehemaligen Konkurrenten.
Leider sind in den letzten Jahren einige russische Missionen buchstäblich "ins Wasser gefallen":
im Dezember 2010 eine "Proton"-Rakete mit 3 Satelliten, im August 2011 stürzte eine Sojus-Rakete mit dem Versorgungsraumschiff Progress ab. Die bemannten Flüge zur Internationalen Raumstation ISS mussten daraufhin zwei Monate lang ausgesetzt werden.
Im Dezember 2011 eine Rakete mit 18 Satelliten an Bord nach nur 7 Minuten Flugzeit und am Sonntag, 15.1.2012 stürzten Teile der im November 2011 verlorenen Marssonde "Phobos-Grunt" zurück auf die Erde.  
Insgesamt missglückten 2011 fünf verschiedene Starts. Keine gute Entwicklung bei der russischen Weltraumagentur "Roskosmos".

Und hier kommen die neuesten "Shooting-Stars" am Himmel:
Neben den amerikanischen "Astronauten" und den russischen "Kosmonauten" streben jetzt auch erstmals chinesische "Taikonauten" gen Himmel.
Und das ziemlich flott und erfolgreich!

Ausgehend von einer russischen Sojus-Kapsel entwickelten die Chinesen zu Beginn unseres neuen Jahrtausends eigene Raumschiffe der "Shenzou-Reihe".
Am 15.10.2003 startete der 1. bemannte chinesische Raumflug vom Raumfahrtzentrum Jiuquan aus, um die Erde zu umkreisen. An Bord der Shenzhou V befand sich als einziger Pilot der ehrenwerte Yang Liwei. Sein Flug dauerte 21 Stunden und 23 Minuten und endete planmäßig mit einer Landung am Fallschirm auf dem harten Boden der Wüste Gobi. Die Volksrepublik China war damit in die kleine Gruppe der weltraumfahrenden Nationen aufgenommen.

Es folgten die Shenzou VI fast genau zwei Jahre später (Oktober 2005) mit schon 2 "Taikonauten" an Bord, die über 4 Tage in der Erdumlaufbahn blieben.
Im September 2008 die Shenzou VII mit 3 Mann Besatzung und dem ersten "Weltraumspaziergang" der Chinesen, ganze 22 Meter am Seil und in einem Raumanzug aus eigener, chinesischer Produktion.
Dann die Shenzou 8 - ein unbemannter Flug, in dem China das Ankoppeln an die erste eigene Raumstation "Tiangong 1" (gestartet 29.09.2011) erfolgreich testete.

Im Juni 2012 soll der 4. bemannte Raumflug Chinas mit der Shenzou IX folgen.

Das geht also recht flott voran und so wie es aussieht, wird die Zukunft im All eher chinesisch sprechen als amerikanisch oder russisch. Wobei sich China allerdings deutlich an geschichtliche Traditionen hält: Der Begriff "Taikonauten" verbindet die chinesischen Silben für "sehr groß" und "Himmel, Leere" mit dem griechischen "nautos" für Seefahrer.  Dadurch sind die 3 Begriffe "Astronaut, "Kosmonaut" und eben "Taikonaut" übereinstimmend, sowohl in der Bedeutung als auch in der Form.

Und nicht nur Traditionen aus der Geschichte der vorherigen Weltenraum-Bezwinger sondern auch Traditionen des "großen Vorsitzenden" Mao Ze Dong werden gewürdigt: "Langer Marsch" (Chang Zheng, abgekürzt CZ), ist der Sammelname der chinesischen Trägerraketen, die für die "Shenzou"-Missionen verwendet werden und ist benannt nach dem zentralen Heldenmythos der Kommunistischen Partei Chinas.
Auf diesem „langen Marsch“ legte Mao innerhalb von 370 Tagen 12.500 km zurück, eroberte mit der "Volksbefreiungsarmee" den Norden Chinas und emanzipierte den chinesischen Kommunismus von den Wurzeln des russischen Kommunismus. Der "Lange Marsch" ist den Chinesen ein Symbol für Stärke und Widerstandskraft Chinas und immer noch beliebtes Thema für Bücher und Filme.

Ausblick:
Am Raumfahrt-Programm der chinesischen Raumfahrtbehörde "CNSA" sind auch europäische Universitäten und Institute wie das Deutsche Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt.
Wissenschaftler der Universitäten Erlangen, Hohenheim, Magdeburg, Tübingen und Hamburg, Freiburg sowie der Charité Berlin entwickeln Versuche und Projekte.
Neben den sechs rein deutschen Experimenten führen die Universitäten Erlangen und Wuhan ein gemeinsames Experiment durch.

China will bis 2015 den Mond erreichen und bis 2020 Gesteinsproben und Erfahrungen dort sammeln. Bis 2024 soll dann die erste bemannte Mission erfolgen. Neben einer großen Raumstation mit mehreren Modulen im Erd-Orbit (2020) plant China eine Station auf dem Mond und denkt über Flüge zum Mars nach.

Als 13-jähriger Weltraum-Fan träumte ich davon, dereinst unseren Planeten in seiner ganzen Schönheit aus der Erdumlaufbahn zu sehen - aber ich dachte nicht, dass ich dafür chinesisch lernen sollte...   
 



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz

ist
Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem    FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.


Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.



 

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Tags: taikonauten, astronauten, kosmonauten, raumfahrt, china, all, shenzou, roskosmos, mondlandung
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Lyrik aus Peru: José Ruiz Rosas

José Ruiz Rosas: Einsames Zwiegespräch II

 

Teresa Ruiz Rosas lebt in unserem Kölner Stadtteil und ist Schriftstellerin.

Ihr Vater José Ruiz Rosas ist in Peru ein bekannter und geehrter Lyriker.

Geboren 1928 in Lima, ließ er sich in der südperuanischen Stadt Arequipa nieder (dort stammt auch Mario Vargas Llosa her), hat die Buchhandlung Trilce geführt, später die Zweigstelle des nationalen Kulturinstituts und die Stadtbiobliothek. Das war der Umkreis, wo (auch in dunklen Zeiten) ein wichtiger Teil des kulturell-intellektuellen Lebens Perus stattfand.

Bisher gibt es wenig deutsche Übersetzungen der Gedichte von José Ruiz Rosas. Ein Übersetzercolloquium um Teresa Ruiz Rosas hat nun eine zweisprachige Anthologie veröffentlicht. Teresa erzählte sehr anschaulich von der intensiven und berührenden Arbeit des Ringens um die Sprache. Das Ergebnis hat etwas Perfektes, als wäre die Poesie eine Blüte im vollsten Moment der Entfaltung - wer Sprache liebt, kann es hier zweisprachig nachempfinden ...

In unserem Blog stellen wir mit und mit einige der Gedichte vor.




Einsames Zwiegespräch II




Das symmetrische Reich der Zufälle,
das bisweilen mein Zeitvertrieb ist,
Verschwendung von Farbe, Zahl und Prunk
tanzend zwischen den Händen und den Bars.

Wie viele Welten fremder Abenteuer
des Goldes, Rausches, Piks und Kreuzes,
wo ich versinke, wollüstig und keusch,
in Kabalen freudiger Duelle.

Ich bin der Magier und der König, bin die Zahl,
manchmal den unendlichen Filz bereisend,
der Elle den Wert des Oberarms zu geben.

Und die höfische Welt entspannt sich
mit überlieferter Sorgfalt, heftigem Eifer,
auch mir das gleiche Kartenlos zu ziehen.
 



Diálogo o solas II



Este reino simétrico de azares
con el que a veces mi transcurso gasto,
derroche de color, número y fasto
danzando entre las manos y los bares.

Cuántos mundos de extraños avatares
del oro, la embriaguez, la espada, el basto,
donde me hundo, lujurioso y casto,
en cábalas de duelos jubilares.

Soy el mago, y el rey y soy el número
que el tapete infinito a veces viaja
dándole al cúbito el valor del húmero.

Y el palaciego mundo se relaja
con atávico afán y celo innúmero
por darme igual destino de baraja.










Aus: José Ruiz Rosas: El viento donde tus ques exclamas / Der Wind, der dein Staunen trägt. Gedichte, 1950 - 2009, eine Anthologie. Öffnet externen Link in neuem FensterVerlag Ralf Liebe, Weilerswist 2009
Gedicht: Einsames Zwiegespräch II. S.16/17
Übersetzercolloquium: Ines Hagemeyer, Teresa Ruiz Rosas, Rainer Maria Gassen, Monika Driller, Monika Winterson
Wir danken für die freundliche Genehmigung von Teresa Ruiz Rosas und dem Verlag Ralf Liebe.

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Tags: josé ruiz rosas, peru, lyrik, poesie
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