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Heiliger des Monats September: Michael

29. September: Erzengel Michael

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).





Schutzpatron: der Deutschen, der Kirche, vieler Berufe

Erzengel Michael in Budapest, Heldenplatz
Am auf Pfingsten folgenden Sonntag gehen die Gottesdienstbesucher der Kirche in Uedelhoven nach der Messe nicht heimwärts, sondern sie marschieren zu einem "Heiligenhäuschen" auf dem nahen "Hausberg" des Eifeler Ortes.


Dieses Dreifaltigkeitskapellchen ist etwas über 100 Jahre alt, und so könnte man hinter diesem Gang eine Frömmigkeitsübung des 19.Jahrhunderts sehen. Nun findet sich aber im Pfarrarchiv ein Vermerk des Pastors Thomae aus der Zeit um 1700, in der er berichtet, daß ihn seine Schäfchen gezwungen hätten, "die Procession uff den Berg zu halten", obwohl er alternativ vorgeschlagen hatte, einfach ein paar mal um die Kirche zu laufen ...
Tatsächlich gehen die Uedelhovener seit über 2.000 Jahren "uff den Berg".


In der guten alten Zeit vor Caesar und seinen rabiaten Legionen hießen die Eifeler noch Treverer und kamen prima alleine klar. Der oberste Himmlische hieß Lenus, wurde auf den Bergen verehrt und war sowohl Kriegs- als auch Heilgott.
Die Römer, in Fremdsprachen etwa so stark wie heute unsere amerikanischen Freunde, nannten ihn Mars - und als die hügeligen Wälder zwischen Trier und Aachen christlich wurden, taufte man den geduldigen Lenus auf Erzengel Michael um. Michael-zwei-Fäuste-für-ein-Halleluja-schlag-den-Teufel, Chef der beflügelten Heerscharen, starker Arm des Herrn: paßte wie Faust auf Auge.



Und so steht man denn auf dem Uedelhovener Michelsberg, im Rücken den Michelsbach, sieht reihum Bergeshöhe an Bergeshöhe, viele nah und fern heißen Michelsberg, und denkt an diesem heiligen Ort an die unglaubliche Macht der lebenden Überlieferung, diesen niemals abgerissenen Strom mündlicher Tradition - der versiegt, der zu einem Ende kommt.
Einen normalen Sonntagsgottesdienst im 3. Jahrtausend besuchen etwa 60 Leute, viele davon nicht aus dem Dorf, Altersdurchschnitt über 70, außer den Meßdienern praktisch keine Kinder oder Jugendliche.
Noch 10 Jahre ? Und die gesammelte Spiritualität eines Ortes ist am Nullpunkt, wegen Reichtum geschlossen, wir sind selber Gott. - "Wer ist wie Gott ?" rief der Engelsfürst dem Teufel als letztes Wort hinterher, "wer ist wie Gott ?"









Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.












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Tags: michael, erzengel, lenus, eifel, treverer, wallfahren
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Rezept aus Ungarn: Wildschweingulasch

András' Wildschweingulasch



(diesmal nichts für Vegetarier - nächstes Mal wieder ...)


Ungarn / Szeged: Bio-Gewürzpaprikafeld, Kleinbauer Mihaly Bakos
Dieses Jahr haben wir unsere Paprikabauern in Ungarn in der Region Szeged besucht. Es sind ca. 7 Kleinbauern, die im Auftrag unseres Koordinators Guszti Bio-Gewürzpaprika anbauen (dazu folgt bald noch ein Reisebericht / Lieferantenportrait - aus dem Städtchen mit dem unaussprechlichen Namen Hódmezövásárhely, das zur geschützten Herkunftsregion für Szeged-Paprika gehört).




Aber es sind natürlich auch Nachkommen der Magyaren, einem Reiter- und Jägervolk - wo auch heute schon mal das Jagdgewehr neben dem Regenschirm an der Garderobe hängt. Wir haben bewundert, dass die historische Bewusstheit und das eigene Identitätsbewusstsein bei den Ungarn sehr viel präsenter ist, sogar bei sehr einfachen Menschen, als wir es bei uns kennen. So gesehen haben für uns Deutsche die Weltkriege einen (historischen) Identitätsverlust mit sich gebracht (obwohl Ungarn nach dem 1. Weltkrieg auf ein Drittel seiner Fläche geschrumpft ist).



Ungarn / Szeged: Bio-Gewürzpaprika
Die Steppen-Landschaft der Puszta wurde traditionell für Weidewirtschaft genutzt, und Ungarn war bekannt für gutes Fleisch. Mit Schrecken haben wir auf unserer Reise lernen müssen, dass die Mitgliedschaft in der EU hier keinen Segen gebracht hat: die deutsche Ware aus Massetierhaltung (immer größer, immer mehr, immer brutaler) hat die ungarische Viehzucht verdrängt. Ungarisches Fleisch ist im eigenen Land nicht mehr konkurrenzfähig. Als wir auf der Suche nach der besten ungarischen Salami als Souvenir für Blumengießer, Briefkastenleerer usw. waren, machte man uns klar, dass wir nur einen Re-Import tätigen würden.




Aber:



Eines Tages waren wir dann bei Gusztis Schwiegervater András zum Wildschwein-Gulasch eingeladen. Ein unprätentiöses Männeressen, von ihm zubereitet, nachdem er als passionierter Jäger das Wildschwein erlegt hat.
So ein leckeres Gulasch hatten wir noch nie gegessen, daher haben wir um das Rezept gebeten.
Wir schreiben es so, wie es von András gekommen ist. Natürlich muss er direkt nach der Jagd das ganze Fleisch verwerten und friert den Gulasch in Portionen ein.
Für den Nicht-Jäger-Haushalt müssen die Mengen natürlich heruntergerechnet werden (z.B. durch 10 für 1kg Fleisch oder durch 20 für 500g Fleisch teilen).
Wichtig ist der Zubereitungsprozess, und die Gewürze. Zum Wildschweingulasch gab es Nudeln und einen Salat aus selbst eingelegten Gewürzgurken.





András' Wild-Schwein Rezept:


Heuschrecke Bio-Gewürzpaprika edelsüß

Vorbereitung

 

  • Das Wild-Schwein Fleisch soll zuerst kurze Zeit kochen /d.h. 5 Minuten - das Blut geht aus dem Fleisch raus / danach abkühlen bis 10-20 Celsius. (NUR BRÜHEN OHNE SALZ NUR MIT WASSER,SO DAS WASSER GERADE BEDECKT DIE FLEISCH!)

 

Danach:

  • 10,00 kg Wild-Schwein würfeln, ca. 1,5 x 1,5 cm (dazu gibt es ein typisches Maschinchen)
  • 1,8 kg Zwiebel in Scheiben schneiden - danach kochen - danach pürieren (alternativ Zwiebel-Pulver nehmen, für 10 kg Fleisch 10 EL., András macht immer von Zwiebel-Pulver + etwas Wasser.).
  • 7-8 dkg (= 70-80 g) Knoblauch pressen, halbgar kochen.
  • Den (großen) Kochkessel waschen. Heizung Holz oder Gas - es ist ganz egal.



Zubereitung

Ungarn: András Wildscheingulasch

  • Zuerst 300 - 400g Schweine-Fett in den Kochkessel hineingeben (AM BESTE DAS WILDSCHEINESCHMALZ, ABER MAN KANN AUCH NORMALES SCHWEINESCHMALZ ODER OLIVENÖL ODER SONNENBLUMENÖL VERWENDEN.)
  • danach das Fleisch und die gekochten und pürierten Zwiebeln (oder Zwiebel-Pulver) hinzugeben,
  • dann 2 EL Speisewürze (oder Gemüsebrühe),
  • 1 EL scharfe Gewürzpaprika-Paste (es gibt scharfe Paprika/Chili-Würzpasten im Bioladen z.B. von La Selva oder Sanchon)
  • 3 Tee-Löffel Salz + ein klein wenig Wasser
  • Danach den halbgekochten Knoblauch in den Kessel geben, wenn das Fleisch schon halbfertig ist,
  • danach 20 Stück ganze schwarze Pfefferkörner,
  • 1 Tee-Löffel gemahlenen Kümmel,
  • 1 Kaffee-Löffel gemahlenen Pfeffer,
  • danach Wasser, sodass das Fleisch halb bedeckt ist (bzw. der Kessel halbvoll).
  • Wenn das Fleisch halbfertig ist oder ein bisschen mehr, dann 5 EL gemahlenen Paprika edelsüß hinzugeben.

 
Bis es fertig ist, soll man oftmals kosten, probieren und gemäß Ihrem Geschmack eventuell mit mehr Salz, Pfeffer und Kümmel ergänzen.






Ungarn: András Wildscheingulasch. Guszti und András

Wir wünschen dazu Guten Appetit!



Guszti und András




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Tags: paprika edelsüß, ungarn, szeged, wildschweingulasch, bio-gewürze
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Nicht gespritzt und doch belastet

Unterstützung bei unverschuldeten Verunreinigungen für Bio-Bauern ist notwendig


Konventionelle Nachbarfelder mit Pflanzen, die einen hohen Pestizideinsatz brauchen (Wind-Abdrift),
schwierige, feuchte Wetterlagen, wo im konventionellen Bereich wie verrückt gespritzt wird,
Hubschraubereinsätze,
Überschwemmungen, die pestizidhaltigen Schlamm in die Bio-Felder spülen
... die Alpträume von Biobauern. In unserem Bereich, Kräuter, Gewürze, Tee, haben wir häufig damit zu tun und haben auch schon öfter darüber geschrieben.

Das unten erwähnte Biphenyl ist nicht nur ein Pestizid, sondern entsteht z.B. auch bei unsachgemäßer Trocknung von Chili in Entwicklungsländern durch die Rauchentwicklung, also auf natürlichem Wege. Da die Analytik immer feiner wird, aber die Interpretationsfähigkeit der differenzierteren Messergebnisse hinterherhinkt, werden schon mal Produkte als pestizidbelastet interpretiert, wo der Eintrag auf natürlichem Wege zustandegekommen ist, oder sogar ein natürlicher Inhaltsstoff ist.

Nicht einfach: es wird also nie so sein, dass bio = rückstandsfrei ist. Dazu haben wir zuviel giftige Chemie in die Welt gesetzt (ca. 1350 Mittel lt. Katalog), und es sieht so aus, als würde es immer noch doller getrieben (Thema Gentechnik-Verseuchungen).

Deshalb fanden wir folgenden Artikel aus unserer Branchenzeitung BNN-Nachrichten (Ausgabe III, Sept. 2011) sehr informativ und möchten ihn auch EndverbraucherInnen zugänglich machen.

Der BNN (Bundesverband Naturkost Naturwaren Herstellung + Handel) leistet neben seiner Öffentlichkeitsarbeit wertvolle Qualitätsarbeit im Hintergrund. So wurde wegen der unten beschriebenen Problematik schon 2001 der BNN-Orientierungswert geschaffen, der heute ein weit anerkannter Standard ist.

Der BNN-Orientierungswert ist 0,01 Milligramm eines Wirkstoffs in einem Kilogramm des unverarbeiteten Ausgangsprodukts. Liegen die Werte darunter, handelt es sich mit Sicherheit um die unvermeidbare ubiquitäre Belastung aus der Umwelt.
Wird der Orientierungswert überschritten, löst seine Überschreitung eine Einzelfallprüfung unter Einbeziehung der zuständigen Öko-Kontrollstelle aus. Untersucht wird dabei, ob die Vorschriften für den ökologischen Anbau eingehalten wurden. In der Regel werden jedoch unbeabsichtigte Prozessfehler aufgedeckt und in der Folge abgestellt, selten dagegen illegales Verhalten.

Unsere Anmerkung zum unten beschriebenen, neuen Instrument der öffentlichen Stellungnahme: wir würden dafür plädieren, das Problem nicht nur wirtschaftlich, sondern auch öffentlich gesellschaftlich / politisch zu behandeln (die konventionelle Landwirtschaft und die Chemiekonzerne sind das Problem - und die Politik folgt den Lobbyisten), und schlagen deshalb vor, das entscheidende Gremium zu erweitern mit Menschen aus kritischen (Naturschutz-)Verbänden, grünen Parteien, Ökotest, Foodwatch usw.



Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner





Unterstützung bei unverschuldeten Verunreinigungen           

 

Nicht gespritzt und doch belastet



Biobauern setzen keine Pestizide ein, aber dennoch kommt es immer wieder vor, dass in ihrer Ernte Rückstände zu finden sind, die aus der konventionellen Landwirtschaft stammen.


Manchmal bedroht das die Existenz ganzer Betriebe, denn selbst wenn die Belastung weit unter dem gesetzlichen Grenzwert für konventionelle Ware liegt, sind die Produkte oft unverkäuflich. Der BNN Herstellung und Handel wird daher künftig öffentlich Stellung nehmen, wenn der BNN-Orientierungswert aus nachweisbaren und unverschuldeten Gründen nicht eingehalten werden konnte und davon mehrere Unternehmen betroffen sind.


Letztes Jahr standen 300 Kleinbauernfamilien in Brasilien vor einem Scherbenhaufen. Ihre komplette Biosoja-Ernte war in Folge einer ungewöhnlichen Wetterlage und eines massiven Pestizideinsatzes auf konventionellen Feldern in der Region mit dem Insektizid Endosulfan verunreinigt. Die Belastung lag zwar nur bei durchschnittlich 0,03 bis 0,06 Milligramm pro Kilogramm Soja und war damit zehn Mal geringer als zugelassen. Doch selbst diese Rückstandsspuren machten die Ernte auf Biomarkt unverkäuflich.


Die Bauern und Unternehmen, die Bio-Soja verarbeiten, suchten händeringend nach einer Lösung. Auch im Bundesverband Naturkost Naturwaren, der vor zehn Jahren den BNN-Orientierungswert für Pestizide eingeführt hat, rauchten die Köpfe. Wie lässt sich vermeiden, dass Bio-Erzeuger und Bio-Verarbeiter unverschuldet auf Ware sitzen bleiben, wenn nachweislich Dritte für eine Belastung leicht über dem Orientierungswert verantwortlich sind?


Orientierungswert ist kein Grenzwert


Für den Orientierungswert gilt normalerweise: Ist er bei einer Probe überschritten, veranlasst das betroffene Unternehmen - oder im Rahmen des BNN-Monitorings die Koordinationsstelle -  eine Einzelfallbetrachtung. Denn eine Belastung von mehr als 0,01 Milligramm eines Wirkstoffs pro Kilogramm kann ein Hinweis auf unerlaubte Anwendung und damit Betrug sein. Meist stellen sich jedoch ungewollte Verunreinigungen beim Transport oder beim Verpacken oder Abdrift von konventionellen Flächen als Ursache heraus. In solchen Fällen führt die Anwendung des Orientierungswerts regelmäßig zu einer Verbesserung im Prozess, oft durch einfache Maßnahmen wie konsequente räumliche Trennung der biologischen und konventionellen Verarbeitung.


Dennoch wird der BNN-Orientierungswert nach wie vor von vielen auf dem Biomarkt als Grenzwert interpretiert, obwohl er eine "Auslöseschwelle" für die Ursachenrecherche ist. Selbst Bescheinigungen der Kontrollstellen reichen daher meist nicht aus, um davon zu überzeugen, dass Bio-Ware mit Verunreinigungen im leicht überhöhten Spurenbereich immer noch Bio-Ware ist, wenn die Belastung nachgewiesenermaßen unverschuldet und unvermeidbar erfolgt ist. Denn Bio-Produkte werden nicht durch Rückstandsfreiheit definiert, sondern über den besonderen Prozess ihrer Erzeugung und Herstellung sowie ihre gesetzliche Kontrolle. Die gesetzlichen Vorschriften für den Ökolandbau sehen bewusst keinen eigenen Grenzwert für Pestizide bei Bio-Produkten vor.


Niemand kann Wind und Regen stoppen


Das Beispiel der brasilianischen Bio-Soja zeigt deutlich, warum das nicht anders sein darf: Manchmal lässt sich die Ursache für eine Kontamination eben schlicht nicht abstellen. Niemand kann Regen abschalten, der zu stark mit Insektiziden verschmutzt ist, und niemand kann den Wind beschwören, der ungewöhnlich viele Pestizidpartikel mit sich trägt.
Wird in solchen Fällen der BNN-Orientierungswert überschritten, ohne dass Betrug oder Fehler in Erzeugung und Verarbeitung nachzuweisen sind, ist Biobauern kein Vorwurf zu machen. Sie sind Opfer der allgemeinen Belastung der Umwelt mit Schadstoffen aus der konventionellen Landwirtschaft. Solange die Belastung unter den gesetzlichen Grenzwerten liegt und keine Gesundheitsgefahr besteht, sollten ihre Produkte weiter verkauft werden dürfen.


Damit sie künftig auch gekauft werden, hat der BNN Herstellung und Handel beschlossen, ein neues Instrument einzuführen: die "Öffentliche Stellungnahme zur Anwendung des BNN-Orientierungswerts für Pestizide". Einen Antrag können betroffene Unternehmen an den Verband richten. Erforderlich sind eine ausführliche Schilderung des Sachverhalts, Analysen eines anerkannten Labors und in der Regel eine Stellungnahme der zuständigen Kontrollstelle. Der Wissenschaftliche Beirat verfasst zum jeweiligen Fall eine Stellungnahme, die alle wichtigen Argumente zusammenfasst und bewertet. Am Ende entscheidet der Vorstand des Verbandes, ob die Anforderungen in Bezug auf den BNN-Orientierungswert eingehalten wurden oder nicht. Es ist auch möglich, dass keine Stellungnahme zustande kommen kann, weil entscheidende Informationen fehlen oder der Fall nicht verallgemeinert werden kann.


Stellungnahme, die erste!


Die erste "Öffentliche Stellungnahme" ist bereits veröffentlicht, denn für die brasilianischen Bio-Sojabohnen ließ sich eine unvermeidbare Kontamination aus der Umwelt zweifelsfrei nachweisen. 2010 war in der Anbauregion fast doppelt so viel Endosulfan verkauft worden wie in den Vorjahren. Bis zu 70 Prozent des sehr flüchtigen Stoffes verdunsten in den ersten beiden Tagen nach der Anwendung, und über Regen und Wind hat er sich dann über weite Strecken in der Umwelt verteilt. Im regenreichen und heißen Jahr 2010 gelangte Endosulfan so auch auf die Felder der Biobauern, wo die ölhaltigen Sojabohnen es aufnahmen und anreicherten.


Weil Endosulfan vor allem im direkten Kontakt die Gesundheit der Menschen gefährdet, hat die 5. Vertragsstaatenkonferenz zum Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe (POPs) den Wirkstoff jüngst zur  Nummer 22 des einst "Dreckigen Dutzends" deklariert. Endosulfan darf danach nicht mehr für den Pflanzenschutz eingesetzt werden. Allerdings gelten mehrjährige Übergangsfristen. Andere längst verbotene Pestizide tauchen immer noch in der Nahrungskette auf, zum Beispiel Biphenyl in deutscher Petersilie. Mit weiteren Fällen unverschuldeter Kontamination im Biosektor  muss also gerechnet werden, bis eines schönen Tages alle Pestizide von der Erde gebannt sind.





Katja Niedzwezky (aus: BNN-Nachrichten III/2011, Öffnet externen Link in neuem FensterBundesverband Naturkost Naturwaren Herstellung + Handel)





Fachkräftemangel

oder: Nur Friseure können was Friseure können

Es war Karneval und ich war mit Freunden am Weiberfastnachts-Donnerstag unterwegs.
Wir hatten schon einige Kölsch getrunken, aber was ich an der Scheibe einer türkischen Imbiss-Bude am Eigelstein sehen musste, hing nicht mit einem getrübten Bewusstsein zusammen:


IT-Fachkräftemangel
(Foto: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0)

Würden Sie dem Ersteller dieses Werbeschildes Ihren Rechner anvertrauen?

Wohl kaum.

Damit Sie sich nicht dubiosen Anbietern anvertrauen müssen, hier ein paar „Basic“-Tipps für Windows-Nutzer zur Rechner-Sicherheit:

1. Nur legales, gekauftes Windows installieren.
Soviel Investition (ab 80.-) muss sein.
Wer täglich seinen Rechner nutzt sollte die Kosten für ein „echtes“ Windows nicht scheuen. Das ist günstiger als 2 Computer-Spiele zu kaufen und berechtigt zu allen Updates für das Betriebssystem. Und nur mit diesen Updates bleibt Windows sicher gegen Angriffe.

2. Windows-Updates und Windows-Firewall einschalten.

Das wird in der „Systemsteuerung“ gemacht.
Dadurch werden Fehler und Sicherheits-Lücken in Windows geschlossen, sobald sie entdeckt werden und die Firewall schützt gegen unerwünschte Besucher von außen.

3. Virenscanner installieren.
Ohne geht heute gar nichts mehr.
Ein Freund hatte sich nach Neuinstallation von Windows innerhalb von 10 Minuten online einen Virus eingefangen, der seinen Rechner ständig runterfuhr. Besser vor dem 1. Online-Gang einen Virenscanner installieren und den dann sofort auf den neuesten Stand bringen. Wer die 20 Euro jährlich nicht investieren möchte: es gibt gute, kostenlose Versionen. Ich nutze privat für meine Familie AVG FREE und beruflich die Bezahl-Version. Auch Microsoft hat einen minimalen und kostenlosen Schutz: Microsoft Security Essentials.
Installieren!

4. Backup anlegen.
Selbst wenn das System beschädigt ist, muss man nicht „formatiern und instaliren“, wenn man vorher ein Backup gemacht hat. Man kann einzelne Dateien oder Ordner auf externe Medien wie USB-Stick oder Festplatten kopieren, besser ist aber ein sogenanntes „Image“, ein Abbild der gesamten Festplatte. Damit kann man im schlimmsten Fall das alte System innerhalb einer halben Stunde wieder zurück spielen. Statt der kostenpflichtigen Lösung „TrueImage“ gibt es auch hier wieder eine freie, kostenlose Variante: „Paragon Backup & Recovery FREE“ ist das „ümmesons“-Paket des Mitbewerbers Paragon.

Und ein letzter Tipp speziell für Nutzer von Mozilla-Firefox und Mozilla-Thunderbird:
das kostenlose „MozBackup“ des tschechischen Software-Autors Pavel Cvrcek, mit dem Sie alle Daten und Einstellungen sichern können. Funktioniert klasse und es gehen nie wieder E-Mail-Adressen oder E-Mails beim Umzug auf einen neuen Rechner verloren. Ich hatte mich selber letztlich über die Update-Politik der Mozilla-Gruppe geärgert, da nach dem Update auf die neueste Version einige Add-Ons nicht mehr funktionierten. Mit MozBackup konnte ich alle Daten sichern, Thunderbird deinstallieren, eine ältere Version installieren und die Daten komplett zurück spielen. Dann taten auch die gewohnten Add-Ons wieder ihren Dienst.

Wenige und relativ einfache Schritte verhelfen zu mehr Computer-Sicherheit.
Das ist einfach und tut nicht weh.

Und wer das mit dem Einstellen und Installieren absolut nicht drauf hat, sollte sich von Profis helfen lassen.
Es gibt in jeder Stadt mittlerweile Computer-Notdienste, die sogar ins Haus kommen und für kleines Geld helfen.
Aber bitte keine „Spezialisten“ wie die Urheber des Fotos oben...



Wolfgang Kurtz

ist
Wolfgang Kurtz Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.
Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.

Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein. 

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Tags: computer-tipps, computer-sicherheit, backup, virenscanner, windows, image
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Gastbeitrag
16.09.2011
15:05

Ohrenkuss: Zum Erdbeben in Japan

"Erdbeeben ist wie Krieg"

Ohrenkuss ...da rein, da raus - das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen einmal im Monat bei uns zu aktuellen Themen.
Heute möchten die Ohrenkuss-AutorInnen den Menschen in Japan nach der Erbeben- und Atom-Katastrophe im März 2011 ihr Mitgefühl ausdrücken. Die Lage in Japan ist weiterhin brisant, obwohl das Thema hier aus der Presse so ziemlich verschwunden ist. Deshalb finden wir es gut, dass Ohrenkuss Japan als Thema für den Monat September gewählt hat.






Ohrenkuss: Redaktionssitzung zum Thema Japan


Am 11. März 2011 gab es in Japan ein großes Erdbeben mit vielen Toten und Verletzten. Viele Häuser sind eingestürzt und viele Städte wurden überschwemmt.
Die Ohrenkuss-Redaktion hat sich mit dem Erdbeben in Japan und dem Unglück in Fukushima beschäftigt. Alle Redakteure waren sehr betroffen und hatten großes Mitgefühl mit den Japanern.





Martin Weser hat genau verfolgt, was in Japan passiert ist. Er schreibt:

"Japen ist Ort da wo ganz viele Leute umsteben kamen von der Welle.
Das ist schlim schlim genug.
Es gibt viele Leute in Japen die sind alle traurig.
In Japen ist alles kaput auch die Häuser von der Welle getrümmt und die Leute in den Häuser sind ums Leben gekommen. Die haben nichts zu Essen sie müssen alle auf dem Boden schlafen das war grausam gewesen in Japen.
Die alle Leute haben geweind von der Welle und von Erdbeeben. Sie haben kein zu Haus,... Es ist alles kaput in Japen sie haben mitleid.
Erdbeeben ist wie Krieg das ist traurig genug und das ist grund in Japen."





Ohrenkuss: Antonio Nodal, Gedanken zu Japan
Antonio Nodal haben die schrecklichen Bilder aus Japan sogar in seine Träume verfolgt. Er diktiert dazu:

"Japan, sehr Häuser und alle kaputt.
Hohe Wasser, schwarze Wasser hat ein gutes Schiff, alles kaputt gemacht.
Alle, viele Leute sterben.
Das ist schwer.
Ich fühle, nachdenke.
Nachdenke, Liebe Nacht geträumt.
Träumt er für: nicht gut."










Auch Katharina Müller ist unglücklich über das Erdbeben. Sie weist aber auch darauf hin, dass nicht nur in Japan, sondern überall auf der Welt Menschen in Armut leben. Sie schreibt:

"Ich habe eine Meinung. Ich habe auch ein Wunsch die Welt in Orgnung bringen. Ich habe ein Recht auf die Welt. Ich bin traurig das die Welt aus sind die Armen Leute die geinen Zuhause haben sind Armen weill es Edbeben und Wasserfluten in Küsten gibt. Große Flutwellen über die Küste in Japan und in den Neuseland."





Die Ohrenkuss-RedakteurInnen haben darüber nachgedacht, wie sie sich aus dem Gefühl der Ohnmacht und Untätigkeit lösen könnten. Sie kamen auf die Idee, ihr Mitgefühl auszudrücken indem sie Ideen für Trostpakete entwickelten. 


Martin Weser hat sich genau überlegt, was er in ein solches Trostpaket packen würde. Er schreibt:

"Ich würde gerne denen helfen das die Leute nicht mehr traurig sind. Das die Leute nicht mehr arm sind. Und denen die Häuse und andere alle wieder aufbauen.
Man kann alles zu schicken beispiel Anziehsachen.
Trostpaket.
Man kann ganz viel rein tun beispiel gestrickten Socken oder gestrickten Schal das ist selbst gemachte.
Dann haben die Japen schönen warm um den Hals.
Man kann auch Anziehsachen sein in den Paket.
Ich bin über Japen traurig mit der Welle und die Leute nicht mehr da sind das ist zum weinen."



Ohrenkuss: Redaktionssitzung zum Thema Japan
Tobias Wolf hat sogar schon eine Idee, an wen er sein Paket schicken würde, und möchte auch einen Brief an den Empfänger mit hineinlegen. Er diktiert:

"Es war einmal ein Junge irgendwo in Japan, einfach irgendwo. Der Junge hieß MiPang oder so ähnlich, der seine Familie in dem schrecklichen Erdbeben verloren hatte, der durch ein Wunder seine Bekannten von der Familie zufällig gefunden hat, die ihn dann übernommen haben für sein weiteres Leben. So was nennt man auch ein Trost-Paket.
Zum Trost würde ich ihm Sachen für die Schule schicken, was er so braucht. "Schade, dass du deine Familie verloren hast. Ich weiß, dass dies hart ist. Das ist mein Beileid." Das würde ich so in den Brief schreiben."





Auch Martin Weser weiß schon, was in sein Paket kommt und an wen er es adressieren wird. Außerdem hat er viele gute Wünsche, die er mit ins Paket stecken wird. Martin diktiert:
 

"Yue Hopu, der ist ein Mann, der lebt in Japan.
Der ist siebzig Jahre alt und lebt auf dem Land.
Da gibt gefährliche Dinge, die sind gefährlich.
Die Häuser sind Trümmer geworden mit Welle.
Da drin sind viele Leute gestorben.
Das ist sehr traurig auf dem Land.
 
Schleife und Ansichtskarte, dass er sich freut.
In einem Karton und dann werde ich das verpacken.
1000 Geld.
Blumensträuße.
Anziehsachen.
Ich wünsche Yue Hopu ein neues Leben.
Und sein Frieden.
Und sein Hoffnung.
Und die Welt beherrscht.
Und die Welt Ordnung ist."





Horst Kolbitz, mit 57 Jahren der dienstälteste und somit auch der lebenserfahrenste im Ohrenkuss-Team, diktiert die Packliste für ein besonders verlockendes Paket:

"Paket von Horst
Kartoffeln und Bockwurst.
Erbsen und Möhren. Dann gut.
Hinterher Eis drauf und Eierlikör. Dann besser wieder."

 

 

 




Zusammengestellt von Angelika Frey
Fotos © Ohrenkuss




Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...

Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm

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Tags: ohrenkuss, down syndrom, japan, fukushima, erdbeben, trostpaket
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