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Gastbeitrag
23.02.2011
10:25

Mikrokosmos: Zwerg-Bovist

Die Schönheit der warzigen Ornamente

 

Bovista dermoxantha 

Pilzexkursion im Februar: kann man auf Trockenrasen kurz nach der Schneeschmelze überhaupt Pilze finden?



Die vulkanischen und häufig kalkreichen Felsbiotope der sonnenexponierten Berghänge am Nahetal um Waldböckelheim werden in trockenen, warmen Sommern zur reinsten Steppe, das sind für Pilze extreme Standorte. Unter solchen Bedingungen entwickeln dennoch allerlei Stäublinge und Erdsterne im feuchteren Herbst bis in den frostfreien Winter hinein ihre Fruchtkörper, die häufig so stabil sind, dass sie sogar den Winter überdauern ohne ihre charakteristischen Merkmale zu verlieren und im Frühjahr lustig ihr noch immer intaktes Sporenpulver verstäuben können.






Bovista dermoxantha Sporen
Natürlich haben wir uns über jeden Fund gefreut, zumal die nur 1-3 cm im Durchmesser kleinen, kugeligen Fruchtkörper des Zwerg-Bovists (Bovista dermoxantha) leicht übersehen werden können. Die pergamentartige, unscheinbar graubraune Endoperidie (innere Kugelhülle, die äussere war schon zerfallen) war zusätzlich bestens getarnt durch das bräunlich-olive Sporenpulver, das aus dem ausgefransten Spalt am Kugelscheitel noch immer bei leichten Stupsern mit dem Zeigefinger in dunklen Wölkchen austrat. "Puffball", die englische Bezeichnung für Stäubling ist auch lautmalerisch die einzig passende.



Ihre ganze Schönheit entfalten diese Wölkchen, wenn man sie unter einem Deckglas auf dem Objektträger einfängt und bei 1000facher Vergrößerung bestaunen kann: die Sporen (3,5-4,5 ym) sind genauso kugelig wie der Fruchtkörper und zudem schön warzig ornamentiert.








Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer

Bilder mit Klickvergrößerung





Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos ©  Evi Wandelt / Lothar Claussnitzer

 







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Tags: zwerg-bovist, bovista dermoxantha, kugelige fruchtkörper, puffball
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Endlich mal wieder früh ins Bett...

OFFLINE

Viele der aktuellen Demonstrationen gegen die Regierung Mubarak in Ägypten wurden mit Hilfe moderner Medien geplant und koordiniert. Ägyptens Internet-Struktur ist die bestausgebauteste im nahen Osten.
Und die demografisch junge Gesellschaft Ägyptens (70% unter 30 Jahren) nutzt das Internet und liebt soziale Netzwerke wie Facebook. „Facebook erreicht alle – die Politischen und auch die Unpolitischen“.
Über Twitter, Facebook und Videos auf Youtube tauschten sich die Menschen aus und verabredeten sich zu Protestaktionen gegen die amtierende Regierung.
BGPMon
Am Freitag, den 28.01.2011 reagierte die ägyptische Regierung mit einer weitreichenden Abschaltung des Mobilfunknetzes und der Internet-Verbindungen. Die 4 großen Provider Link Egypt, Vodafone/Raya, Telecom Egypt und Etisalat Misr waren ab Mitternacht offline, desweiteren einige kleinere Knoten und Anbieter.
In der Nacht zum Dienstag, 01.02. wurde mit der Noor Group dem letzten ägyptischen Internet-Provider der Saft abgedreht.
Über die Server der Noor Data Networks war die ägyptische Börse mit dem Internet verbunden.

"Die Aktion ist beispiellos in der Geschichte des Internets", sagte ein Sicherheitsberater der Internet-Sicherheits-Firma Trend Micro.

Ägypten hatte 20 Millionen Internet-Anschlüsse und 55 Millionen Mobiltelefone bei 80,4 Millionen Einwohnern - alle waren vom Netz getrennt. Technisch gesehen wurden die Border-Gateway-Protocol-Server abgeschaltet, die die Daten an das nationale IP-Netz weitergeben. BGP legt fest, wie die Daten von einem Netzwerk zum nächsten weitergereicht werden, bis sie ihr Ziel erreicht haben.

Es gab einige Versuche, die Sperren zu umgehen. So hat Google Festnetztelefon-Nummern angeboten, bei denen man Nachrichten hinterlassen konnten, die in Twitter eingespeist wurden („Speak to tweet“). Über die Telefonnummern liessen sich wiederum auch die Nachrichten anderer hören.
ChaosknotenDie deutsche Piratenpartei hat in Kairo 3000 Cds mit Anleitungen verteilen lassen, wie man sich über das Festnetz mit alten analogen Modems bei deutschen Einwahlnummern einloggen kann.

Das fehlende Internet und Mobilnetz trieb übrigens die Menschen noch mehr auf die Straßen. Informationen wurden von Mund zu Mund weitergegeben.
Die Erkenntnis: das Internet erleichtert die Kommunikation - ist aber keine Voraussetzung für einen Aufstand.
Revolutionen gab es auch schon vor dem Internet.

Am Mittwoch, den 02.02.2011 ab 10:30 Uhr deutscher Zeit werden nach 5 Tagen die Verbindungen wieder hochgefahren, immer mehr ägyptische WebSites wieder sichtbar.
Am 11. Februar 2011 hatten die Tricksereien und Verzögerungen ein Ende: Husni Mubarak war nicht mehr der Staatspräsident Ägyptens.

Könnte ähnliches in Deutschland geschehen?
Die Struktur des Internets ist bei uns wesentlich komplexer.
Deutschland verfügt über deutlich mehr Anbieter, Rechenzentren und Knoten. Der administrative Aufwand und Zeitbedarf, alle zur Abschaltung zu bewegen, wäre deutlich höher. Einige Zugangsprovider könnten sich weigern,
einer undemokratischen Anordnung "von oben" Folge leisten.
Doch letzendlich stehen alle von der etablierten Wirtschaft eingesetzten Kommunikationstechnologien letztendlich unter Regierungskontrolle.

Wahrscheinlicher wäre in Deutschland, dass der zu erwartende wirtschaftliche Schaden die Abschaltung verbieten würde.
Nicht nur, dass viele Firmen und Behörden mittlerweile ohne Internet-Zugang sofort nicht mehr arbeitsfähig sind - auch das Banking und der Aktienhandel käme zum erliegen.
Energieerzeuger hätten große Probleme, da Steuerung der Kraftwerke und Verteilung von Kapazitäten und Spitzen nicht mehr über das Netz beobachtet und geregelt werden könnten.

Und wie das Beispiel Ägypten zeigt, wäre mit einem "Internet-Not-Aus" auch wenig gewonnen.
Es gäbe dann wahrscheinlich erst recht die größte Demo, die unser Land je gesehen hat: bei allein 12 Millionen Facebook-Süchtigen in Deutschland...



Wolfgang Kurtz

Wolfgang Kurtz

ist Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem    FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.
Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.

Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.

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Tags: all, ägypten, internet, offline, revolution, mubarak, border-gateway-protocol-server
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Heilige des Monats Februar: die Märtyrer der heiligen Bücher

11. Februar: Märtyrer der heiligen Bücher

 

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).  

 



Wobei man heute nicht alles so sein Leben riskiert: im Sport, bei Wetten in Fernseh-Shows, Samstagnacht betrunken auf 4 Rädern, mit kleinen Pillchen gegen den Blues, mit viel zu viel Schweinebraten (wer hätte das je für möglich gehalten). Ließe einer sein Leben beim Versuch, sein Automobil vor Dieben zu retten, er wäre der Boulevardpresse ein nationaler Held.


"Märtyrer der heiligen Bücher" - was für ein schräger Satz. Heute praktisch unsagbar. Erinnert an Selbstmordattentäter. Außer dem Artikel "der" paßt keins der Worte in die moderne Welt. Richtig ein bißchen unheimlich. Wie der Titel eines historischen Krimis mit mindestens 850 Seiten und eimerweise Tinten-Blut. Für Bücher sterben ?


303 startet der römische Kaiser Diokletian die letzte und zugleich brutalste aller Christenverfolgungen. Seinem Ziel eines starken Staates stehen die Christen mit ihren menschenfreundlichen Moralvorstellungen im Weg. Leute mit Prinzipien kann man nicht "durchregieren".
Christen wollen starke Menschen, nicht starke Staaten. Und so ordnet er die Ausrottung an, wie nach ihm noch so viele: die Politiker der französischen Revolution, Mao, Lenin und Stalin. Hitler kam nicht ganz so weit - 12 Jahre waren einfach zu kurz ...
Diokletian läßt die Kirchen in Flammen aufgehen oder abreißen. Er läßt die Priester töten, die christlichen Bücher, Bibeln und Theologisches, überall aufsuchen und verbrennen.


Nicht wenige wiedersetzen sich, besonders im seinerzeit römischen Nordafrika. Lektoren, denen damals die Aufsicht über die Schriften anvertraut war, verstecken diese und sterben lieber unter der Folter als die Bücher preiszugeben.
Bekannt wird das Schicksal des Lektors Tim und seiner jungen Frau Maura, die erst wenige Wochen zuvor geheiratet hatten. Da Tim, befragt wegen der Bücher, deren Herausgabe verweigert, werden seine Frau und er nebeneinander so gekreuzigt, daß sie erst nach 10 endlosen Tagen sterben.


Gern wird die Antike ja in ein goldenes Licht getaucht, von der tollen Kultur geschwärmt etc.pp. - der menschenverachtenden Sklavenwirtschaft, der pausenlosen Kriege, der nur machtorientierten, völligen Grundsatzlosigkeit des Staates wird dagegen eher selten gedacht. - Will sagen: die Christen wußten nicht nur, wofür sie standen, Sie wußten auch sehr genau, wogegen.
Und wie pervers ist denn das: zwei unschuldige verliebte Menschen 10 Tage und 10 Nächte lang in aller Öffentlichkeit sterben lassen ?


Die meisten der damaligen Opfer sind für uns namenlos, es waren ja oft Arme, die den Schneid und das Rückgrat hatten, nein zu sagen. Die Kirche gedenkt ihrer unter dem Namen "der Märtyrer der heiligen Bücher" - was ja auch heute der Kern des Widerstands gegen Diktatoren und ähnliches Gesocks ist: die Parolen der Unmenschlichkeit mit der guten Nachricht der Menschlichkeit zu beantworten.

Kleines Gedankenspiel: welches meiner Bücher ist mir am meisten wert ? Welchen dort niedergelegten Gedanken, welches Ideal würde ich nie verraten ? Und was gäbe ich dafür ? Meinen rechten Arm, die Hand, das Schwarze unterm Fingernagel ?



Peter Kirwel








Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.











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Tags: bücher, diokletian, märtyrer, heilige
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Dioxinskandal

Small ist beautiful (*

 

*) Zitat nach E.F. Schuhmacher (1911 - 1977, britischer Ökonom deutscher Herkunft. Außergewöhnlicher Lebenslauf - er entwickelte im letzten Lebensdrittel die "Buddhist Economics". Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Friedrich_Schumacher




Lebensmittel? Turbo-Hybrid-Tiere aus Massenhaltung bekommen nicht-artgerechte Futtermittel, worin (hier: dioxinhaltige) Industrieabfälle entsorgt werden. (Der nächste Skandal wird irgendeine andere widerliche Abfall-Entsorgung sein.)
Dies wird immer erst als Skandal thematisiert, wenn die Gifte die menschliche Nahrung erreicht haben. Die "normalen" Quälereien der Massentierhaltung reichen noch nicht aus, um eine allgemeine Aufruhr zu produzieren, die Quälereien sind in der EU wohl-reguliert.



Zur Lebensmittelsicherheit existieren Behörden, eine Bürokratie und ein Kontrollgerüst. Die Herstellerfirmen haben Auflagen zur Qualitätssicherung inklusive Analytik. Bei grenzüberschreitendem Lebensmittelverkehr potenziert sich der Aufwand. Für Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau liegt er um ein Mehrfaches darüber.



In der Regel überschreiten heute die Kosten des bürokratischen Überbaus, zusammen mit Verpackung, Logistik und Profitrate, den Wert des Lebensmittels mehrfach. Wenn wir bedenken, dass es im ursprünglichen Tauschhandel um nackte Ware ging, ist heute der Wert der Ware nur noch eine kleine Größe, aber auch eine flexible Größe: wenn die Kosten des Überbaus zunehmen, wird die Qualität der Ware gesenkt.



Um die Überbau-Kosten von Lebensmittel in Griff zu behalten, wird stark gesichert: geschönt, gestreckt mit unempfindlichem Materialien, und übersterilisert. Das Phänomen der mehrfachen Sterilisierung von Nahrung ist auch bei Bio-Lebensmitteln (bisher eher bei Massenware) zu beobachten. Unsere indischen Lieferanten für Bio-Gewürze beobachten den Trend im Westen genau und fassen sich an den Kopf - sie machen sich Gedanken um unser Immunsystem bei der toten Nahrung.



Man könnte sagen, der Lebensmittelhandel ist inzwischen eher ein Papierhandel und die Lebensmittel eine notwendige Dreingabe.
Papierhandel heißt, alle Lebensmittel-Zertifizierungssysteme, ob ISO, IFS, BRC, EG-BIO, NOP-BIO usw. basieren darauf, sich vom Vorlieferanten bescheinigen zu lassen, dass alles korrekt gelaufen ist. Damit ist versicherungstechnisch, politisch, ökologisch die Verantwortung nach hinten (oder nach vorne?) geschoben, und es muss nur noch das Vorhandensein von Zertifikatdokumenten geprüft werden -.



Kommen dann Machtgefälle, ökonomischer Druck, individuelle Schwäche, Geldgier oder gar kulturelle Unterschiede dazu, kann man sich spielfilmreife Abläufe / Skandale vorstellen.



Da Bio im Gegensatz zum Konventionellen in dieser Hinsicht nur ein paar Papiere mehr sind, keiner Zeit & Geld hat, nach der Sinnigkeit der tatsächlichen Geschichte und den Problemen zu fragen, ist der Bio-Skandal in globalen Zusammenhängen vorprogrammiert: ein Bio-Futtermittelprodukt aus ukrainischem Biogetreide mit chinesischen Nachtkerzensamen an ägyptischem Schwarzkümmeltrester, angereichert mit Ein-Euro-Bio-Brennnessel-Absiebe aus Kroatien nach Überschwemmungskatastrophe, als Pestizidschleuder.



Bio-Kleinbauern aus Übersee klagen, dass die (eurozentrierten) EU-Bio-Verordnungen nicht zu erfüllen seien - zu hoch gestochen für den provisorischen Alltag in einem armen Gebiet. Es gibt keine Lösungen für Grauzonen und Zwischenbereiche - z.B. wenn die Kamille-Ernte (wie jetzt geschehen) in die Nähe des Orientierungswertes für Bio-Produkte pestizidbelastet ist, weil ein Unwetter Boden von den umliegenden Feldern auf das Bio-Feld geflutet hat. Es war eigentlich nicht die Absicht, Bio-Bauern zu ruinieren - aber es ist so - nicht nur die Abdrift von Gentechnik ruiniert Bauern. Aktuell ist es Biphenyl - einerseits Spritzmittel, andererseits entsteht es bei vielen Vorgängen: im Rauch (Kleinbauern-Trocknung mit Holzfeuer (noch ohne Solartrockner) von Produkten), undichte Traktoren, Verwendung von recycelter Folie und Verpackungen - und ist am Schluss in den Chilischoten.



Der jetzige Dioxin-Futtermittelskandal ist nur einer von vielen - erstaunlich, wie wenig sich nach solch einem Skandal ändert. Die Kontrollsysteme werden noch größer angelegt, und die Firmen werden größer und verschachtelter, dazwischen kann man keine Schadensverursacher mehr feststellen. Die aktuellen Forderungen nach durchgängiger Kontrolle und Pflichtanalysen für alle sind nur ab einer bestimmten Betriebsgröße zu finanzieren. Kleinbetriebe schmeißen das Handtuch.



Jetzt ist der dioxinfixierte 14-Punkte-Plan für Futtermittel gebärt worden - lauter Selbstverständlichkeiten, wo unsereins dachte, das passiert schon längst. Beim nächsten Skandal tauchen die Forderungen leicht modifiziert wieder auf.



Wir alten Bio-Pioniere, schon etwas müde, haben uns in letzter Zeit überlegt, wie die jungen Generationen das Öko-Hippie-Erbe entweder weiterentwickeln, oder noch mal neu anpacken könnten. Was wäre denn jetzt neu zu gestalten? Und was wollen sie?



Ein ganz reizvoller Gedanke ist, das Wort "Vertrauen" in die Wirtschaftsabläufe zu bringen. Transparenz, klare Vernetzung von Globalität und Regionalität, Lust auf den einzelnen Menschen als Gestalter und Verantwortlichen. In Zukunft werden wir entspannt Convenience-Lebensmitteln mit nicht wesentlich mehr als 6 Zutaten einkaufen, die wir gut aussprechen können und die weder aus der Bau-, noch aus der Chemieindustrie stammen. Wir werden den Bauern vertrauen, weil es ihnen nicht mehr egal ist, was aufs Feld kommt und was ihre Tiere fressen. Wahrscheinlich werden diese guten Lebensmittel auch nicht teurer, da der Überbau abgebaut wird.



Aber vielleicht geht es ja noch eine Zeitlang gut. Mit der alten Papier-Landwirtschaft.





Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

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Tags: dioxin, lebensmittel, analytik, bürokratie, überbaukosten, warenwert, skandal, small is beautiful
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Gesundheitssysteme

Papa im Computer

Roman Turk ist unser Lieferant aus Kroatien für Bio-Kräuter und -Gewürze. Nachdem er als Maschinenbau-Ingenieur gearbeitet hat, baute er nach dem Krieg ein Netzwerk von Kräutersammlern und -Sammlerinnen, sowie von Bio-Kräuterbauern über ganz Kroatien auf. Er organisiert die Biozertifizierung, Verarbeitung und Export der Ware. Seine Firma trägt den Namen Terra Magnifica. Mehr zu Terra Magnifica: www.heuschrecke.com/kroatien.htm.  Im Moment kümmert sich Roman um seine Eltern - hier der Bericht. Das charmante Österreichisch / Deutsch von Roman wurde wegen des Verständnisses leicht geglättet, seine Wortschöpfungen eines Fremdsprachlers beibehalten. 

 

 

 

Meistens wird er 10 Jahre jünger als 82 geschätzt.
Dank seinem sportlichen und überaktiven Lebensweise und immer freundlichen Auftritt glaubt ihm keiner, daß er manchmal krank sein kann.
Und seit ca. 3 Monate hat er (wieder) Probleme mit den Blasensteinen.


Im erstem Spital hatte er bekannten Arzt, der ihm trotz gegebenem, hier in der Medizinalbranche üblichen Schmiermittel, nicht einmal richtig zugehört- und nur hin- und her geschickt hat. Und Papa hatte aus Erfahrung gesagt, der Stein kommt nicht von selber raus, es soll zerschlagen werden.


Nun versucht er jetzt seit 6 Wochen im zweiten Spital, denn die von bekanntem Arzt empfohlene Privatärzte machen diese Eingriffe doch nicht.
Vor 2 Wochen war ich zum erstem Mal mit Papa im Spital, denn er ist inzwischen schwach geworden und außerdem hört er nicht allzu gut, also vielleicht liegt hier das Problem? Es stellte sich heraus, er war umsonst gekommen, die Anestäsiologin sagte ihm angeblich schon das vorletzte Mal, er soll mit Andol 5 Tage vor der Operation aufhören (diesen nimmt er seitdem er einige Herz-Bypasse bekommen hat) und er sollte damals nur noch Termin für die Operation am Schalter vereinbaren.
Also machten wir am Schalter vor 1 Woche Termin für diese Woche aus. Es hat mich ein Bisschen gewundert, denn es gab nicht Schriftliches, nur "nächsten Dienstag um 12 herkommen".


Und so kamen wir.
Es stellte sich heraus, daß der zuständige Doktor wie befürchtet noch immer auf die Lizenz vom Ministerium wartet und nicht operieren darf, aber es sind 2 andere als Ersatz hier. Langsam verstehen wir, daß wir nur auf noch eine ambulatorische Untersuchung warten und nicht auf den Empfang ins Spital.
Während dieser fast 2 stündigen gehorsamen Wartens auf Godot, spielt sich einiges vor unseren Augen ab:


Ein Wartende verliert das Geduld und zerstückelt den angeblich nicht richtigen Krankenschein. Dann kommt er nach halbe Stunde wieder und versucht noch einmal. Diesmal geht die Anamnese ins Papierkorb und er verliert wütend der Raum sagend "A...löcher" und zwar wirklich in deutscher Sprache.
Ein Anderer kommt wie vom Himmel gefallen zum Schalter und erklärt, er hätte heute die Operation, seine Versicherung hat die Technikalien erledigt und er hat den Urlaub genommen. Nach langer Sucherei hat man sein Termin gefunden und zwar war es am 29.November letztes Jahres. Zurück in die Reihe bitte.
Ein alter, schwer atmender Mann hat gute 3 Minuten von einem bis zum anderem Ende des Ganges gebraucht, um dort von wütender Krankenschwester zu hören, was sucht er hier?
Die war wütend, weil ein junger Man nicht gewußt hat, da vor Urologie ein Befund von woanders zwingend zu machen ist. Und der ließe sich nicht blöd machen, sondern hat den Aufstand gemacht und erst die größere medizinische Mannschaft hat den Konflikt gemildert.


Außerhalb der ganzen Situation schwebend, hat der erste der Ersatzdoktoren die Hälfte der Wartenden auf einen anderen Termin verschoben, wobei einige davon nur halbe Minute seiner wertvollen Zeit gebraucht hätten. Manche haben dann versucht zum anderen Doktor zu kommen.
Die glückliche Hälfte (es war zwar nicht klar, in welcher Hälfte man sich befindet) hat dann ihren Namen irgendwann am Lautsprecher gehört, leider ohne Raumangabe. Und es gibt gute 10 Türen, alle mit Lauftext ausgestattet, an welchen die ganze Zeit nur Err(or) gestanden ist. Es war nämlich gar nicht klar, an welcher Tür der Treffer lächelt, denn diverses Personal hat die ganze Zeit die Lage gewechselt, wobei ein Außerstehender keine Logik herausfinden konnte. An "unserer" Tür (die Schalter-Schwester hat sie uns mit Finger gezeigt) war leider fast nichts los. Nur ging eine Schwester einige Male heraus und hinein und als wir sagten, wir beugen uns bei jeder ihrer Erscheinung immer deshalb vor, weil wir auf den Empfang hoffen, sagte sie "nur bitte ja nicht zu mir".


Ein geringer Prozentsatz von Wartenden schien am Ende etwas erledigt zu haben. Meistens haben sie eine der Schwestern mit "Grüsse an Dem oder Die" begrüsst.
So blieb noch eine Gruppe von 15-20 Leute im Warteraum.
Es begann mir suspekt zu werden, auch einer vom Hilfspersonal sagte etwas wie "man kann was nur bis 2 Uhr machen".
Meine Vater hat sich getraut, den eingebildeten ersten Ersatzdoktor bei seinem Verlassen der Ambulanz anzureden, der äußerte dann sein Mitleid zu Wehen meines Vaters, es sei aber außerhalb seiner Kompetenz.


Dann habe ich eine vorbeigehende Doktorin, die meinem Vater vor einigen Wochen untersucht hat um Hilfe gebeten und sie ging dann zum zweiten Ersatzdoktor und hat uns die Tür gezeigt, wo er ordinierte.
Endlichmal vor der richtigen Tür kam der Aufruf "Turk" und er ging hinein.
Der zweite Ersatzdoktor war ganz nett, aber natürlich war nichts von im Spital bleiben an derselbem Tag.


Mein Vater bekam ein Papierchen den er zurück zum Schalter bringen sollte.
Er versucht am Teil für bereits "gebuchte" Patienten, aber die Hauptschwester verweist ihm an den Teil daneben (1 leerer Arbeitsplatz liegt dazwischen), wo sich 4-5 Neulinge rühren.
Dann, in einem Einfall der Güte nimmt sie doch das Papierchen und tippt etwas auf der Tastatur. Dann sagt sie "Sie sind fertig".
Offensichtlich waren unsere Blicke verschwommen, so erläuterte sie zusätzlich "Jetzt sind Sie im Computer"




Papa im Computer





Ich habe dem Papa vorgeschlagen, die Schläger anders zu verwenden.







 

 

 

 



Roman Turk

 




Bei Terra Magnifica,  Kroatien: oben rechts: Gründer Roman Turk. Unten links: Heinz Gasper,  Heuschrecke-Gründer, außerdem Mitarbeiterinnen Ana und Sanya
Roman Turk, Gründer von Terra Magnifica (Freund und langjähriger Lieferant von Heuschrecke), ein biozertifiziertes Anbau- und Wildsammlungsprojekt für Kräuter, mittlerweile eines der größeren Kräuterexport-Unternehmen in Kroatien. Nach dem Krieg wurden die alten Sammlerstrukturen von Roman Turk wieder aufgebaut - dies die soziale Komponente: Terra Magnifica ist eine wichtige Verdienstmöglichkeit in der Nachkriegszeit für die verschiedensten Gruppen von Bauern, Flüchtlingen bis zu Kriegsversehrten, für junge und ganz alte Menschen. Zertifizierte Wildsammlung ist Landschaftspflege und dient dem Umweltschutz.










 

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Tags: gesundheitssystem, kroatien
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