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Gastbeitrag
22.12.2010
10:35

Mikrokosmos: Im Winter hinter Rindenhöckern

Zitterling auf Totholz: Bourdotia galzini

 

Bourdotia galzini, Ständerzellen längsgeteiltSchon wieder ist ein Jahr vorüber und wir sind, was die Pilze angeht, in der Jahreszeit angekommen, wo man sie nur findet, wenn man viele Stöckchen umdreht und auf Totholz ganz genau nach Rindenhöckern, Schorfen und Überzügen sucht, hinter denen sich ein Pilz verstecken könnte, der ganzjährig auf diesen Substraten anzutreffen ist.

 

Wir sind diesmal in der Familie der Zitterlinge, es ist tatsächlich eisig kalt hier, fündig geworden und haben mit zittrigen, verfrorenen Händen ein Stückchen totes Laubholz in den Rheinauen abgebrochen mit einem blau-weisslich-opalisierenden Überzug:

 

Bourdotia galzini. Bourdotia hat, wie alle Zitterlinge ein auffälliges Merkmal:

 

die hier zu sehenden Ständerzellen, in denen die Sporen reifen, sind längsgeteilt, ein Merkmal das sie entwicklungsgeschichtlich vor den Pilzen ansiedelt, die solche Septen nicht mehr aufweisen, wie die höheren Ständerpilze, zu denen z.B. auch der Steinpilz gehört.

 

Frohe Weihnachten mit diesen schönen (weihnachts-)kugeligen Zellen, bis zum nächsten Guten Neuen Jahr

 

 

Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer





Bilder mit Klickvergrößerung





Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos ©  Evi Wandelt / Lothar Claussnitzer

 

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Tags: bourdotia galzini, zitterlinge, pilze, winter
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Heimatkunde

Die Hügelgräber in Dünnwald

Ich möchte wissen, was früher an dem Ort geschehen ist, an dem ich lebe.
Mich interessiert die Geschichte der Strassen und Häuser und Menschen.

Fotografierend versuche ich, den Wandel und die Vergänglichkeit festzuhalten. Bevor die Gegenwart im Strudel der stetig fortschreitenden Zeit verschwindet.

Bei der Beschäftigung mit unserem nördlichen Nachbarn, dem Kölner Stadtteil Dünnwald stieß ich bei "Wikipedia" immer wieder auf die Sehenswürdigkeiten des Stadtteils wie zum Beispiel
- das Denkmal „Der Weiße Mönch“
- die ev. Tersteegen-Kirche
- Offermanns Hüüsje
- das Rittergut Haus Haan
- den Wildpark

- und die Hügelgräber/Grabhügel im Leuchterbruch
    
Die ersten Sehenswürdigkeiten kannte ich mittlerweile - nur die Hügelgräber im Leuchterbruch wollte ich noch entdecken.
Es sollen über 100 Grabhügel sein, in denen Krieger der späten Eisenzeit, der "Hallstattzeit" (ca. 1000 - 500 v. Chr.) bestattet wurden - zur Asche verbrannt in tönernen Urnen und mit ihren Waffen und Armreifen. Und eine Legende besagt, dass ein Heidenkönig mit seinen Zauberpferden hier begraben wurde...
Diese Grabhügel wollte ich sehen und fotografieren. Ich ahnte damals nicht, dass mir viele Wochen der Suche bevorstanden.

So fuhr ich an einem schönen Sonntag im September mit dem Fahrrad, Kamera, GPS-Handy und Diktiergerät zum "Leuchterbruch".
Ich hatte mir das vorab im Internet auf "Google Maps" angeschaut - da gab es eine Straße mit dem Namen "Im Leuchterbruch" und ich dachte, das sollte ja einfach sein, dort die legendären Gräber zu entdecken.
Als ich dort ankam, fand ich eine ruhige Wohnstrasse, nette Häuser mit gepflegten Vorgärten links und rechts - nur keinen Hinweis auf die Hügelgräber.
Am Ende der Strasse lag ein kleiner Park mit einem Kinderspielplatz. Sollten dort die ominösen Gräber aus der Eisenzeit sein?
Nach 2 Stunden Suche gab ich auf. Ich konnte ja schlecht die Gärten hinter den Häusern inspizieren.
Einige Anwohner begannen eh mißtrauisch zu gucken, als ich zum 3. Mal auf meinem Fahrrad an ihnen vorbei fuhr.
War wohl nix.

Am nächsten Wochenende war ich besser vorbereitet:
ich hatte viel "gegoogelt" und systematisch das Internet nach den "Hügelgräbern in Köln-Dünnwald" abgegrast.
Dabei war ich auf die Seiten der Familie "Condé" gestossen, alter Dünnwalder Adel, die auf Ihren Seiten www.ahnenforschung-conde.de/duennwald.htm folgendes zitieren:
"Auf der Dünnwalder Hard liegen in einem Walde, der dem Grafen von Fürstenberg-Stammheim gehört, etwa 100 Hügelgräber.
Die Hügel sind 1/2-3 m hoch. Bereits 1872 wurden durch Professor Schaafhausen in Bonn acht Hügelgräber aufgedeckt, 1893 deckte Direktor Rademacher in Köln elf Grabhügel auf, und der Eigentümer ließ außerdem noch vierzehn Gräber öffnen. In der Mitte des Hügels stand jedesmal in einer Brandschrift die Urne, die mit Knochenresten gefüllt war.
Bisweilen fanden sich neben den Urnen kleine sog. Tränentöpfchen. Beigaben aus Metall kamen selten vor, es waren meist Reste einfacher, aus Bronzedraht gewundener Armringe, in einem Falle auch eine eiserne Lanzenspitze"

Kies- und Steinhügel, Foto: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0Also auf in den Wald! Mit der neuen Beschreibung suche ich jetzt nördlich der Odenthaler Straße - im Dünnwalder Wald, fahre kreuz und quer mit dem Rad über holprige Waldwege, an Spaziergängern vorbei, weiche Hunden und Pferden aus und gelange bis fast nach Leverkusen.
Keine Hügelgräber. Dann fahre ich nach Osten, über glatte Wurzeln und menschenleere Trampelpfade von Seelsheide die Odenthaler Strasse wieder runter nach Köln - und sehe hinter ein paar Bäumen mehrere Hügel aus Steinen.
Das ist ja einfach! Als ich näher rangehe, merke ich, dass es aufgeschüttetes Material für den Strassenbau ist.
Kopfsteine, Kies, Sand wie auf einem Bauhof. Nichts Eisenzeitliches.

Und ich lerne dazu: Wurzeln umgefallener Bäume sehen so aus, wie ich mir die Hügelgräber vorstelle.
Also Fahrrad an einen Baum lehnen und rein in den Wald. Dann feststellen, dass es nur die Silhouette einer Baumwurzel ist.
Oder ein vertrockneter Busch, mit wilden Brombeeren überwachsen. Kein Grabhügel.
Aber der Wald ist schön, ziemlich naturbelassen mit viel Bruchholz und umgestürzten Bäumen und einem kleinen Bachlauf der in einem kleinen See mit Bänkchen zum Ausruhen davor mündet. Da suche ich gerne weiter...

Foto: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0Das Thema beginnt, mich zu beschäftigen.
Wie sehen solche Gräber nach 3000 Jahren wohl aus? Wahrscheinlich ziemlich überwachsen.
Ob man die überhaupt noch erkennt? Aber ich lese, dass überall entlang des Kölner Mauspfades solche Gräber zu finden sind.
Die Kölner Bucht von der Wahner Heide bis nach Leverkusen ist reich an Hügelgräbern.
Im Römisch-Germanischen Museum neben dem Kölner Dom sollen Inhalte der Gräber liegen.
"Meine Gräber" sind also nichts besonderes. Überall werden sie erwähnt - aber nirgends konkret beschrieben.
Auch über einen "Dünnwalder Kulturpfad" kann man online Informationen finden, unter duennwald.kirche-koeln.de/kirche las ich: "Unsere Tersteegenkirche gehört zusammen mit der benachbarten kath. Kirche St. Hermann-Joseph, dem Wildpark, Haus Haan, den Hügelgräbern und der Finnensiedlung zum Dünnwalder Kulturpfad."

Aha! also muß man diesen Kulturpfad doch finden.     
An einem Wochenende im Oktober fahre ich erneut nach Dünnwald und entdecke an der beschriebenen evangelischen Kirche tatsächlich ein Schild mit den Stationen des Kulturpfades. Ich bin aufgeregt. Jetzt habe ich den Beweis, dass es diese Hügeldinger gibt.
Leider ist der Plan nicht sehr exakt. Wieder zuhause, versuche ich, verschiedene Karten im Photoshop auf Ebenen übereinander zu legen und zur Deckung zu bringen. Trotzdem kann ich die genauen Lage der Hügelgräber nicht eindeutig bestimmen.

Meine nächste Tour beginne ich an der westlichsten Möglichkeit "Am Jungholz" und will von dort aus systematisch jeden Weg im Wald erkunden.
Dort gibt es einen Wegweiser mit einer Karte des Waldes - aber ohne eingezeichnete Hügelgräber.
An einem Vereinslokal am Waldrand frage ich Jugendliche, diese fragen die Älteren - aber niemand hat je von "Hügelgräbern" gehört.
Mittlerweile spreche ich auch Spaziergänger im Wald an und frage nach den legendären Hügelgräbern. Nada. Nix.
Den Dünnwalder Wald kenne ich nach diesen Exkursionen mittlerweile recht gut.
Die Kreuzung der großen Wege von Köln nach Leverkusen, den Bach, die dunklen Bereiche mit den dichten Tannen, die lichteren graden Reihen neu aufgeforsteten Mischwaldes, die Schutzhütten.
Der Wald gefällt mir - aber ich habe eine Aufgabe, befinde mich auf einer Quest, suche den heiligen Gral, meine Hügelgräber.

Und zwischendurch immer wieder Recherche am heimischen PC: bei "Google Books" entdecke ich Scans eines Buches mit Hinweisen - aber die entscheidenden Seiten fehlen.
Amazon.de bietet das Buch antiquarisch an und 24 Euro und 3 Tage später halte ich das "Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein. Geschichte und Beschreibung, Sagen und Erzählungen."
von Johann Bendel in der gebundene Ausgabe in Händen.
Sehr schöner Nachdruck in Fraktur - leider auch darin nur diffuse Angaben vom Leuchterbruch nördlich der Siedlung.
Und langsam fühle ich mich wie Howard Carter auf der Suche nach dem geheimnisvollen Grab der Pharaonen.
Nichts als Wüste, äh Wald, um mich herum...

Wieder mal im Wald - diesmal durchkämme ich den östlichen Teil von der "Hardt" in Richtung Reinholdsberg.
Meine Frau weiß schon Bescheid, wenn ich Sonntags aufs Fahrrad klettere: "deine Hügelgräber" und meine Kollegen und Freunde erkundigen sich sporadisch, ob ich "sie" schon gefunden hätte...
Und ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Eine neue Idee: ich schreibe die Quellen an, die im Internet die Hügelgräber erwähnen.
Per E-Mail ist das ja heute kein Problem!
Bei 5 verschickten Mails erhalte ich eine Mail mit der Mitteilung, dass der Autor selber nur zitiert habe und auch nicht mehr weiß und einen echten Treffer!
Am 16. Oktober schreibt mir Erich Etien, der 2. Vorsitzende des "Dünnwalder Bürgervereins von 1899 e.V.", dass er sich freut, von meinem Interesse an Dünnwalder Geschichte zu hören und dass er ein Buch mit genaueren Informationen besitzt:
"das Grabhügelfeld im Waldgebiet nördlich der Odenthaler Straße (s.S.211, Abb 1, Nr. 15) umfaßt strenggenommen zwei Bestattungsplätze, die durch ein seichtes Tälchen mit einem noch wasserführenden Bachlauf getrennt sind. Beide liegen etwa 200 m auseinander. (Abb.1). 301 Grabhügel sind insgesamt erhalten, darunter in der nördlichen Gruppe drei Langhügel, ähnlich denen in Dellbrück. Die meisten der Grabhügel sind klein mit Durchmessern zwischen 3 und 10 m, größere Bestattungsanlagen mit 25 bis 30 m Durchmesser liegen vereinzelt und unregelmäßig verstreut dazwischen.
Die Höhen schwanken zwischen 0,5 m und 2 m." (aus: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern" Köln, Band 39 von 1980).
Und Herr Etien lädt mich ein zum Bürgerforum in der Dünnwalder Von-Diergardt-Strasse, wo er mir das Buch zeigen will und mehr Informationen verspricht.

Endlich - die Schatzkarte!Am 2. November ist das nächste Treffen. Ich fahre hin und stehe um 18 Uhr gespannt vor dem Treffpunkt des Bürgervereins.
Ein freundlicher 2. Vorsitzender bittet mich herein, und neben 5 netten Frauen und Männern des Vereins und dem erwähnten Buch ist sogar ein Gast zugegen, dessen Eltern direkt am Waldrand am Reinholdsberg gewohnt haben und der als Junge selber im Wald herumgestrolcht ist und zwischen den Hügelgräbern gespielt hat.
Ich fasse es kaum: das ist der erste Mensch, der die mittlerweile legendären Gräber mit eigenen Augen gesehen hat und mir jetzt ganz konkret mit einem Kugelschreiber die Lage auf der kopierten Karte markiert.
Das "S" für die Schutzhütte, der Bachlauf - dort war ich mittlerweile viele Male - warum habe ich die Graghügel nicht gesehen?
Nachdem die freundlichen Vorstandsmitglieder erfolglos versucht haben, mich als neues Mitglied zu werben, bedanke ich mich und fahre freudig nach Hause. Schön, dass es so hilfsbereite Kölner gibt.
Nächstes Wochenende werde ich auf einem Hügelgrab stehen!

Dann 2 Wochenenden mit schlechtem Wetter, Regen, Matsch.
Kein Wetter für Radtouren.
Erst am 21.11. schaffe ich es wieder in den Wald.
Es ist schon ziemlich herbstlich geworden. Das bringt den Vorteil, dass das Laub von den Bäumen gefallen ist, mehr Licht in den Wald gelangt und die braunen Blätter den Boden betonen. Kein Grün verbirgt die bodennahen Formen.

Hügelgräber - kaum zu erkennenHügelgräber - mit GrabungHügelgräber - in Köln Dünnwald
Fotos: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0

Ich fahre mit dem Fahrrad direkt zu den auf der Karte markierten Punkten. Jeder Punkt ein Hügelgrab.
Und dann sehe ich mein Erstes. Bin erstaunt, wie flach es ist. Vielleicht einen halben Meter hoch.
Nur eine sanfte Erhebung mit einem Durchmesser von vielleicht 5 Metern. Aber kreisrund.
Bäume wachsen daraus hervor. Haben die vorzeitlichen Recken durchstoßen. Und dann sehe ich noch eins - direkt dahinter.
Und ein weiteres, mit einer Mulde am Rand. Da ist gegraben worden vor über hundert Jahren und dann ist wieder Moos über die Grabung gewachsen.
Foto: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0Ich bin fasziniert und wie beseelt von dem Fund. Nach Monaten der Suche habe ich diesen Ort endlich gefunden.
Ich mache einige Fotos und sehe schon im Display der Kamera, dass man die sanften Hügel kaum sieht.
Das ist so schlicht und von der Zeit angeglichen, dass man es nur sieht wenn man es weiss.
Wahrscheinlich laufen viele Spaziergänger im Dünnwalder Wald ahnungslos daran vorbei.
Und jetzt sehe ich immer mehr Hügelgräber, links und rechts des Weges, in sanften Wölbungen eins hinter dem anderen.
Über 300 davon - das kann schon stimmen. Ich stehe auf einem mittendrauf und freue mich.
Die Aufgabe ist gelöst.

Auf dem Rückweg entdecke ich - jetzt sehenden Auges - dass die Odenthaler Strasse auf der Höhe der Einmündung Leuchterstraße sogar ein großes Hügelgrab mitten  durchschneidet. Da wurde die Straße einfach durch das Hügelgrab gegraben.
Vielleicht schauen Sie auch mal genauer hin, wenn Sie in Köln-Dünnwald sind...


Wolfgang Kurtz
Wolfgang Kurtz

ist Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.
Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.

Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.

 

 

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Tags: heimatkunde, köln, dünnwald, hügelgrab, hügelgräber, all, leuchterbruch, wald, grabhügel, hallstattzeit, conde, teersteegenkirche
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Gastbeitrag
10.12.2010
13:48

Ohrenkuss: H wie Herzenswünsche

Herzenswünsche und Perspektiven 2011

 

Das WörterbuchDas Ohrenkuss-Wörterbuch mit drei verschiedenen Cover-Versionen hat den Deutschen Designpreis 2011 in Silber gewonnen

 


Im Jahr 2008 erschien zum 10-jährigen Jubiläum von Ohrenkuss das "Ohrenkuss-Wörterbuch".
"Ohrenkuss ...da rein, da raus" ist ein künstlerisch-literarisches Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom. Ein einzigartiges Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft, vor über 10 Jahren gegründet und seither herausgegeben von Dr. Katja de Bragança. Es erscheint 2x im Jahr - jeweils ein halbes Jahr arbeiten die Ohrenkuss-AutorInnen intensiv an einem Thema, reisen dazu, machen Besichtigungen, Interviews, und schreiben oder diktieren dann ihre Gedanken und Meinungen.
Es entstehen mehr Texte, als im Magazin veröffentlicht werden können - so gab es die Idee des Ohrenkuss-Wörterbuchs, geordnet wie ein Lexikon, mit den schönsten Texten aus 10 Jahren, ernst, witzig, pragmatisch, poetisch. Man kann wirklich einen Begriff nachschlagen und erlebt eine Überraschung - der Kopf wird aufgemischt beim Lesen.
Mit dem Ohrenkuss-Wörterbuch haben wir, die Heuschrecke, angefangen, kurze Texte der AutorInnen in unserem Umfeld, der Naturkostbranche, zu veröffentlichen, zuerst als Einsprengsel über unsere Preisliste verteilt, und jetzt freuen wir uns, dass Ohrenkuss einmal im Monat bei uns bloggt.
Nun hat das Ohrenkuss-Wörterbuch in der gebundenen Ausgabe mit drei Cover-Versionen den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2011 (die höchste Designauszeichnung Deutschlands) gewonnen. Die unabhängige Jury aus Vertretern von Industrie, Hochschule, Design und Medien zeichnete das Buch mit Silber im Bereich Kommunikationsdesign aus. Gratulation!

 

 

 



Das Ohrenkuss-Wörterbuch von A - Z mit professionellen Fotos

 

H wie Herzenswünsche


Herzenswünsche stehen zwar nicht im Wörterbuch - gehörten aber an die Stelle zwischen Herzblatt und Herzschmerz. Die folgenden Herzenswünsche sind von den AutorInnen jetzt kurz vor Weihnachten und zum Jahreswechsel aufgeschrieben bzw. diktiert worden.






Martin Weser, am Computer geschrieben im November 2010


Lass Deiner Fantasie freien lauf!
Man trett die Pedale von Fahrrad den Berg hoch dann habe ich freien Lauf das soll schön sein. Es gibt mehrere freien Lauf das man die wünsche hat.
Man geht in den Wald um die Pilze zu finden das ist abenteuerlich den feiern Lauf. Wir sind dann mit Vollen Korb Glücklich und man genießt die Sonne von heute. Wir sind Entspannt und atmen in die Nase und den Mund aus und hören wie der Wind in die Nase geht. Das alles hat man den feiern Lauf zu tun hat muss man auch genießen. Dann bleiben wir Entspannt. Das soll schön sein. Das tut gut und man hört auch die Vögel singen.
Man darf mit seinen Wünschen auch mal nach den Sternen greifen.
Es gibt Dinge die nicht wirklich gibt. Ich Wünsche mir ich sitze neben Günther Jauch muss dann die fragen beantworten.
Ich wünsche mir das die Liebe sie ist mein Stern und sie Liebt mich.
Es gibt die Wünsche überall in der Weld und mein Stern fragt: Liebst du mich noch und ich sage ihr ja. Ich liebe dich das soll schön sein wenn man ein Freundin hat.
Ich hab mehrere Wünsche diese gibt es nicht.

Ohrenkuss - Lesung: Künstler und Autor Wiglaf Droste (früher bekannt als TAZ-Kolumnist) liest seine Lieblingstexte vor. Von ihm stammt ein Gedicht auf dem Rück-Cover des Buchs.



Claudine Egli, diktiert


"Ich wünsche mir Liebe".

 

 

 

Veronika Hammel, mit der Hand geschrieben


Dass der Ohrenkuss nach Süd Deutschland kommt. Da können wir in Museum gehen oder Führung mit machen durch die Stadt und können wir Texte schreiben. Selber eine Führung machen. Dann können wir ins Kino gehen. Viele Grüsse von Veronika

 

 

 


Anna Lotta Mentzendorff, auf dem Computer geschrieben


Liebe Katja, in meiner klasse  ist es so  nerfig, weil immmmer Streit ist.. Für mich ist das sehr  anschrent  und die jungs  grabschen uns Mädchen  an,  das ist sehr widerlig. Am besten wünsch ich das die mal aufhören sollen  und das mal Ruhe  einkert!  Ich möchte, das wir alle kein schtress mehr haben und alle Sorgen verlieren! Das wünsch ich den ganzen menschen auf der Welt!
deine anna lotta


 



Marley Thelen, diktiertOhrenkuss - Lesung: Julian Göpel trägt seinen Text


Ich war einmal in Urlaub gewesen, Brügge, Amsterdam, Irland und Schottland.
Da kann man auch verschiedene englisch sprechen kann und meine Freundin war in Irland und sie kann auch Englisch sprechen und ich kann das auch lernen, weil my name ist auch und ich will auch sprechen lernen. Ich kann nicht chinesisch sprechen, aber chinesisch zeichnen.
Ich habe viele Wünsche, was ich werden kann.
Notarzt oder Schauspieler und ich kann auch gut Video drehen und Mode machen und verschiedene Haare kämmen.

 

 


Daniel Rauers, diktiert


Ich möchte gerne in Köln wohnen.
Ich will die Stadt angucken.
Ein Zimmer. Und ein Bett. Und einen Fernseher.
Musik. Und ein Laptop. Email schreiben. Und ins Internet gehen. Und ich muss noch ipod hören.
Höflich und freundlich. Und Perspektive. Perspektive bedeutet lieb sein.

 


 

Angela Baltzer, diktiert


Ich möchte gerne in Bonn wohnen. Weil nicht so weit zu fahren zu mein Arbeit.
Ich möchte gerne in Bonn, in Stadt, eine betreute Wohnung suchen zu finden.
Ich will glücklich sein. Meine Zukunft ist: ich bin glücklich und fröhlich sein zu werden, weil ich woanders wohne. Das ist meine Perspektive.

 

 

 

Ohrenkuss - Lesung: Verena Günnel liest aus dem Ohrenkuss-Wörterbuch vor. Sie trägt einen Deel, ein festliches mongolisches Gewand.

Johanna von Schönfeld, diktiert


Ich liebe einfach gute Shootings. Das Bilder geschossen werden, irgendwelche Richtungen. Fotoshootings richtig durchziehen.
Ich liebe Bilder einfach. Ich lass mich einfach gerne fotografieren, filmen, Videos drehen, Fotoshootings. Die passenden Bilder müssen viele Ziele haben und die passenden Menschen treffen können.
Ich liebe die weite Welt und die Menschen. Ich mag allgemein die Zukunft. Ich finde interessant und  brennend spannend heitere und heißeste wie die Menschen doch wirken und wie die doch in der Zukunft aussehen und lernen und arbeiten. Männer und Frauen sind allgemein lebendige Menschen in der weiten Welt. Es ist pur pur pur per Ernst.





Aladdin Detlefsen, diktiert


"Als Regisseur arbeiten.
Ganz tief in mein Herz ich wünsch mir Regisseur sein."

 

 

Tobias Wolf, diktiert


Ich habe auch einen Traum, I have a dream: Mein Traum ist, dass ich meine Arbeit in den Schulen in Deutschland vorstellen kann. Meine Arbeit ist, allen Kindern Englisch beizubringen mit Liedern und Musik und mit CD-Roms auf dem Computer. Alle Kinder haben die Rechte, auch Englisch zu lernen, auch für die Kinder mit Down-Syndrom: "Have fun to learn English".
Die Anschrift von meinem Business ist: TOBI´S BUSINESS AGENCY Ltd.
D-82493 Klais, www.tobis-hits.de          (Internetseite noch im Aufbau, später mal reingucken ...)

 
 
 
 
 






Peschka/de Bragança (Hrsg.): Ohrenkuss. Das Wörterbuch. Bonn 2008 (ISBN 978-3-00-024933-4).
Weitere Infos zum Buch und zum Deutschen Designpreis:   http://www.ohrenkuss.de/buch/   und   Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.ohrenkuss.de/projekt/lob/#dbrd
 

 

 


Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...

Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm

Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

Fotos:
1+2) Ohrenkuss-Wörterbuch /// Bücherstapel, Umschlag und aufgeschlagen
©Ohrenkuss www.ohrenkuss.de


3) Wiglaf Droste liest seine Lieblingsstellen aus dem Ohrenkuss-Wörterbuch vor.
4) Julian Göpel trägt seinen Text "Bond, James" aus dem Ohrenkuss-Wörterbuch vor.
5) Verena Günnel liest aus dem Ohrenkuss-Wörterbuch vor. Sie trägt einen Deel, ein festliches mongolisches Gewand.
©Martin Langhorst Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.martinlanghorst.de

 

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Tags: herzenswünsche, wörterbuch, lexikon, ohrenkuss, down syndrom, deutscher designpreis
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Maria und die Geburt des Selbst

Kathrin Franckenberg: Maria und die Geburt des Selbst

 

Kathrin Franckenberg: Maria und die Geburt des Selbst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Maria und die Geburt des Selbst"

 

 

 

 

Kathrin Franckenberg

 

 

 

 


















Kathrin Franckenberg
Kathrin Franckenberg ist Künstlerin, Meisterschülerin von M. Cassou, USA ("Point Zero"), Kunstglaserin, ausgebildet im "Begleiteten Malen", Ergotherapeutin, SI-Therapeutin (DVE) für Kinder, tätig in der Erwachsenenbildung und begleitet seit mehreren Jahren kleine und große Menschen auf ihrem kreativen Weg.   Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.malfreude.de


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Tags: malerei, artshift, kathrin franckenberg, point zero, michelle cassou
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