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Schamanisches Märchen: Wegwarte

Wegwarte: Erdintelligenz, Spiritualität, Vernunft und Liebe sind die Köche des Lebens ...

 

2014. Die Klasse 7 der Gemeinschaftsschule hatte nach dem Beinahe-Super-GAU des maroden Atomkraftwerks die Faxen dicke.


Schon länger thematisierten sie auf eigenen Wunsch ihre Zukunftserwartungen und -Ängste in den diversen Unterrichtsfächern: der Welt-Tag der ökologischen Überschuldung, die wachsende Lärmbelastung durch sinnlos subventionierten Auto- und Flugverkehr, die einen keine Nacht mehr durchschlafen ließ, die immer künstlicher und steriler werdenden Nahrungsmittel, die widerlichen, aber als normal angesehenen Tierquälereien in den Mastfabriken, der immer nachlässiger und liebloser werdende Umgang der Politik mit der Zukunft der Jugend, immer schlechtere Aussichten auf ein Leben bei guter eigener Gesundheit. Das allgemeine Gesellschaftsgefühl: "nach mir die Sintflut" machte ihnen richtig Panik.


Das gemeinsame Nachdenken, Recherchieren und Diskutieren hatte die Schüler und Schülerinnen zu einer konspirativen Gruppe zusammengeschweißt. Nach einer spontanen Idee, und mit dem Bedürfnis, jetzt sofort irgendetwas anders zu machen, hatten sie ihre Bildungsgutscheine zusammengelegt und gemeinsam einen Meditationslehrer engagiert. Und nun waren sie fast schon Profis im Umgang mit Stress, Kreativität und Visionen.


Das aktuelle Projekt war jetzt, einen Schauprozess gegen beispielhaft ausgesuchte Politiker und ihre Wirtschaftslobbyisten anzustrengen. Mit Unterstützung einer Gruppe ehrenamtlich arbeitender Rechtsanwälte, allen voran der Grüne Christian Ströbele, wurden zahlreiche Fälle herausgearbeitet, wo die Politik mit ihren Seilschaften wider besseren Wissens die Gesundheit ihrer Bürger geschädigt hat, die Lebensqualität irreparabel verschlechtert hat, und für kurzfristige ökonomische Vorteile ihnen, den Jugendlichen, konkret vermeidbare Schulden aufgehalst hat.


Die Idee hierzu kam bei einer Klassenwanderung auf. Aus Spaß hatten sich die Schüler mit Pflanzensignaturen beschäftigt. Im milden Augustlicht fiel ihnen die außergewöhnliche, fast leuchtende Farbe der Wegwartenblüten auf, die auf ihren unauffälligen, kahlen Stängeln zu schweben schienen. Flugs setzte sich die Gruppe im Kreis um die Pflanzen herum, um in einer Meditation mehr zu erfahren:


"Ich leite Euch durch die Dickichte der Erdgewohnheiten. Alles Hinderliche wird ausgemistet, die Seele wird frei, das Dickicht transparent, sodass Ihr atmen könnt oder sehen könnt.
Die Gehirnhälften finden zusammen, es kommen gute Ergebnisse heraus, aus dem Wollen.
Ihr dürft Euch von den Erdkräften leiten lassen. Diese entscheiden, was überhaupt sinnvoll ist. Nicht die Himmelskräfte - diese geben die spirituelle Dimension der Ewigkeit ins Leben.


Die Welt spürt auch, dass vieles verkrampft ist - die Entspannung lässt die Welt atmen. Der Darm soll fließen, dass die Energie der Welt überhaupt in den Körper aufgenommen werden kann. Es tut gut, sich regelmäßig hinzusetzen, den Darm zu entspannen bis befreites Ausatmen folgt. Du bist dann aufnahmebereit für die inneren Erdenergien. Die leiten deine Handlungen, deine Seins-Körperintelligenz.

Erdintelligenz, Körperintelligenz, geistige Spiritualität, Vernunft und Liebe sind die Köche des Lebens."




Von dieser Botschaft bis zum dem Plan, wie sie nun aktiv für ihre Belange kämpfen wollten, war es nicht mehr weit.








Im Juli bis September erfreut die lichtvolle, blassviolette Blüte der Wegwarte unser Auge. Sie scheint uns an Wegrändern und gerne an Kreuzungen zu erwarten.
Die geröstete Wegwartenwurzel ist traditionell Bestandteil von Muckefuck oder Blümchenkaffee. In Frankreich ist es üblich, dem Kaffee einen Anteil Zichorienwurzeln beizugeben.

Wegwartenwurzel ist auch eine Zutat in unserem Luna-Weltentee:

  • Luna - Welten Tee   Zutaten: Fenchel, Cardamom, Walnussblätter, Galgantwurzel, Wegwartenwurzel, Angelikawurzel, alle aus kontr. biolog. Anbau





aufgezeichnet von Ursula Stübner

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Tags: wegwarte, zichorienwurzel, muckefuck, luna-weltentee, bio-kräuter, bio-kräutertee
Anzahl Aufrufe: 3820
Gastbeitrag
26.10.2010
21:20

Mikrokosmos: Bitterlicher Trichterling

Was sind Huthauthyphen?


Clitocybe phaeophthalma, der Bitterliche Trichterling
Kleine, weisse Trichterlinge sind meist giftig (Muscarinsyndrom) - und schwierig zu bestimmen, weshalb man sie gern weitläufig links liegen lässt.
EINEN aber gibt es, der zweifelsfrei erkannt werden kann, wenn man denn seine Huthaut mikroskopisch untersucht:


Clitocybe phaeophthalma, der Bitterliche Trichterling. Zwar schmeckt er, wie der Name schon sagt, bitter und er riecht auch unangenehm ranzig, aber wer probiert schon rohe, potentiell giftige Trichterlinge oder verlässt sich zur Pilzbestimmung gar auf seinen Geruchssinn?!


Eindeutig bestimmbar machen ihn eingestreute blasige Anschwellungen der Huthauthyphen, sogenannte Physaliden von 35x20 um Grösse: die besitzt kein anderer Trichterling.  Wir freuen uns, diese einmaligen Hyphenelemente,  400-fach vergrößert, Präparat mit Kongorot angefärbt, zeigen zu können.


Viel Spaß damit!



Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer




Bilder mit Klickvergrößerung





Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos ©  Evi Wandelt / Lothar Claussnitzer

 

 

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Tags: bitterlicher trichterling, clitocybe phaeophthalma, huthauthyphen
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Heilige des Monats Oktober: Ursula

21. Oktober: Ursula

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).  




Patronin der Stadt Köln, der Jugend, der Erzieher, der Universität Paris, für eine gute Heirat und eine gute Ehe, einen ruhigen Tod, gegen Kinderkrankheiten und Qualen des Fegefeuers, in Kriegszeiten.


Die Sache mit der heiligen Ursula hat besonders viele Facetten. Einmal ist es eine spannende Story aus dem fabulierfreudigen Mittelalter, schön und ausführlich erzählt auf Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heilige-ursula.de/legende/legende_13_jahrhundert.html - man erfährt dort von Ursula, der christlichen Prinzessin der Bretagne, die den heidnischen Prinzen von England heiraten soll (Politik ...); die sich die Taufe des Verlobten ausbedingt, 3 Jahre Zeit bis zur Hochzeit und eine Schar von Gefährtinnen; diese selbstbewußte Teenie-Truppe reist dann mitten in der übelsten Völkerwanderungszeit den Rhein runter, über die Alpen bis nach Rom und retour; wird dann von den seinerzeit unter Attila Köln belagernden Hunnen gestellt und hingemetzelt - man wundert sich, daß der sehr farbige Stoff in den 1950er-Jahren nicht in einen Sandalenfilm gegossen wurde.


Zum anderen ist die Geschichte, wie die guten Kölner 1.000 Jahre lang die ganze Welt mit den Reliquien der 11.000 ermordeten Mädels versorgen, auch ein Ding für sich - soll diesen tüchtigen Rheinländern erst mal einer nachmachen ! Was für ein sensationell unverwüstliches Marketing - und alles mit doch irgendwie "nachwachsenden Bio-Rohstoffen"....


Zum Dritten hat die liebe Ursula ein gewaltiges Weiterleben. Ihre Legende macht den Begriff des Opfers, der uns heute ganz unendlich fremd ist, unmittelbar erlebbar. Im festen Glauben, daß die Liebe stärker ist als der Tod und das in einer anderen Welt mit ganz anderer Münze gezahlt wird als mit unserem Blech geht sie trotz Warnungen und Visionen sehenden Auges ins Martyrium. Und sie geht nicht allein - die beispiellose Wucht von 11.000 Märtyrerinnen bekräftigt anders als der vereinzelte Mut eines alleinstehenden Bekenners die Seelengröße, die allein das Vertrauen auf Gott verleiht.


 "Katholisch" heißt übersetzt "umfassend", das ist und bleibt Programm der Weltkirche - die eher unkatholisch enge, um nicht zu sagen beschränkte Sicht mancher heutiger, immer und immer noch nur männlicher Kirchenoberen soll uns da nicht täuschen. Welch ein kraftvolles Vorbild für die Mädchen Europas diese Ursula stets war ! Über Sprüchelchen wie Kinder=Küche=Kirche hätte sie zusammen mit ihren 11.000 nur schallend gelacht.


Ursulas zu Hause ist ein wunderschönes Beispiel für die Integrationskraft des Katholizismus. Ihr uraltes Gemäuer zu Köln am Rhein umschließt aufs Friedlichste ein keltisch-römisches  Wasserheiligtum (der Brunnen soll sich bis heute in der Unterkirche finden (ich war selbst noch nicht in der Krypta)). Im Volksglauben hieß es, "am Grunde dieses Brunnens spielt die Mutter Maria mit den Seelen der ungeborenen Kölner Kinder". Wilde Mythen der Vorzeit, geborgen im unsichtbaren Kreis der 11.000 Girlies aus der Völkerwanderung, die in der "Goldenen Kammer" im Turm auch im 3. Jahrtausend ausgesprochen handgreiflich wachen ...


An solchen Plätzen schnurren Jahrhunderte zu Augenblicken zusammen, da strömt rheinische Spiritualität -  "sursum corda, erhebet die Herzen !" - der Alltag hat einen ja schnell genug wieder.









Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.







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Tags: heilige ursula, köln, schreckenskammer, hunnen, mittelalter, 11000 jungfrauen
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CyberWar

Als es noch Menschen gab...

Abends saßen wir immer gemeinsam ums Feuer und erzählten Geschichten von früher.
Der alte Adams kratzte sich mit der Pfote hinter dem Kopf und erzählte von Sternen, die die Menschen geschaffen hatten und die um die Erde flogen.
Diese Sterne wussten immer, wo man war und halfen, den Weg in der Dunkelheit zu finden. Sie konnten aber auch bestrafen und Blitze auf die Erde schicken und sogar die Menschen töten, die an andere Götter glaubten und ihnen Feuer in ihre Höhlen lenken.

Die Jüngeren am Lagerfeuer begannen, ihr Fell nach Flöhen und Zecken abzusuchen - es waren sehr alte Geschichten, die schon viele Nächte erzählt worden waren.
Evana ängstigte sich besonders bei den alten Sagen, die sich mit den Computern beschäftigten.
Evana lauschte gebannt:

"Als den Menschen unsere Hilfe und Freundschaft nicht mehr reichte, bauten sie sich Maschinen. Maschinen um Nahrung zu produzieren, Maschinen die sie von einer großen Stadt in die andere trugen, Maschinen die ihre Hauser bewachten und Maschinen mit denen sie sich unterhalten konnten.
Diese Computer waren bald überall und steuerten und verwalteten das Leben der Menschen.

Doch der Mensch war dumm und hatte schon immer Kriege geführt. Blutige Kriege mit Schwertern und Pfeilen, grausame Kriege mit Panzern und Giftgas.

Und er begann, Kriege mit Computern zu führen.

Erst fantasierte die Menschheit nur von den Möglichkeiten, wie in dem Film "War Games" (John Badham, 1983), der von einem jugendlichen Hacker handelt, der sich in die Kriegs-Rechenzentrale der Amerikaner einloggt und beinahe den 3. Weltkrieg heraufbeschwört. Nur weil der Computer erkennt, dass keine Seite überleben könnte, bleibt der atomare Schlag aus.

Doch wie so oft wird aus Science Fiction Wirklichkeit entwickelt.
Nach den jugendlichen Hackern kamen Kriminelle, die Computer für Erpressung benutzen, fremde Bankkonten plünderten und Menschen ihre Persönlichkeit stahlen. 
Immer häufiger wurden auch in Deutschland Firmen von Mitbewerbern durch "Denial of Service"-Attacken (Überlasten eines Server durch massive Anfragen) angegriffen und waren tagelang offline.
Der Nationalstaat Estland war 2007 monatelang vom Internet abgeschnitten (und hatte zufällig zu der Zeit Stress mit Russland)...

Dann wurde StuxNet geschaffen.
Dieser "Wurm", eine Software, die sich selber vermehrt und verbreitet, hatte mehr als 10.000 iranische Rechner übernommen. Anti-Viren-Experten haben diesen Wurm "stuxnet" getauft und analysiert. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass kein jugendlicher Hacker in der Lage gewesen wäre, diesen komplexen Schädling zu entwickeln. Mindestens 5 - 6 erfahrene Spezialisten hätten wohl 6 Monate daran gearbeitet und 4 sogenannte "Zero Day Exploits" für Windows (Sicherheitslücken, die dem Hersteller Microsoft noch nicht bekannt waren) und 2 gefälschte digitale Signaturen verwendet.
Durch die bisher unbekannten und nicht geschlossenen Sicherheitslücken konnte per USB-Stick der Schädling in Windows-Rechner eindringen. Wegen der gültigen Zertifikate zweier taiwanesischer Hardware-Hersteller
wurde der stuxnet-Wurm auch von eventuellen Windows-Virenscannern nicht als gefährlich erkannt.
Der stuxnet-Wurm sucht gezielt nach Steuersoftware der Firma Siemens und kann fehlerhafte Befehle in Industrieanlagen auslösen. Zum Beispiel eine falsche Temperatur anzeigen - so dass notwendige Kühlung von Generatoren unterbleibt. Diese Steuersoftware wird zum Beispiel in iranischen Atomanlagen eingesetzt. Zum Beispiel im Kernkraftwerk Bushehr.

Die Entwicklungskosten für den Wurm liegen durch die teuer gehandelten Zero-Day-Exploits und die gestohlenen Zertifikate, sowie die aufwendige Programmierung in mehreren Schichten für mehrere Windows-Varianten (Windows2000 bis Windows7) in einem 7-stelligen Bereich. Nichts für neugierige Teenager. Es bleiben nur Nationalstaaten übrig, die eine derart hochgezüchtete Cyber-Waffe entwickeln und auf den anzugreifenden Industrie-Anlagen testen können. Haben die Amerikaner diese Cyber-Waffe als Alternative zu einem bewaffneten Konflikt entwickelt oder schlägt hier der israelische Geheimdienst Mossad zu?

Heute wissen wir, dass die Elektrizitätswerke der Menschen und Atomkraftwerke weltweit empfindlich für diese digitale Kriegswaffen waren. Und auch ihre Krankenhäuser funktionierten nicht mehr, als sie bitter benötigt wurden."

Das Feuer war heruntergebrannt. Viele der jungen Hunde waren eingeschlafen.
Evana fröstelte wie immer bei den alten Sagen einer vergangenen Menschheit.
Sie legte die Pfoten über ihre Augen und träumte von wärmeren Dingen.

*****
(Diese Geschichte lehnt sich an eine Story von Clifford Simak, einem Pionier der Science Fiction, an - und ist entstanden aus der Beschäftigung mit der höchst aktuellen Entwicklung des stuxnet Wurms als Cyberwaffe zur elektronischen Kriegsführung. Wir benötigen dringend eine "Genfer Konvention" für den elektronischen Krieg, Regeln für den Schutz von Personen, die nicht an den digitalen Kampfhandlungen teilnehmen.)


Wolfgang Kurtz
Wolfgang Kurtz

ist Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem    FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.

Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.




Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 2
Tags: cyberwar, stuxnet, sciencefiction, genferkonvention, wurm, viren, atomkraftwerke, angst
Anzahl Aufrufe: 4987
Gastbeitrag
13.10.2010
15:04

Ohrenkuss: Unsichtbar

Genauer Hinhören!

Titelseite des aktuellen Ohrenkuss-Heftes Ohrenkuss-Konzeption und Gestaltung: Maya Hässig, Köln, www.lux72.de 

Ohrenkuss ...da rein, da raus
Das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen einmal im Monat bei uns zu aktuellen Themen.

Bevor jetzt Ende Oktober schon die neue Ohrenkuss-Ausgabe erscheint (diese werden wir im November vorstellen), haben wir, die Heuschrecke, uns noch einmal die schönsten Texte aus dem aktuellen Magazin "Unsichtbar" gewünscht.

Wir haben Ohrenkuss natürlich abonniert, und dann liegt sie bei uns am Küchentisch, wo wir beim Frühstück darin schmökern. Unsere Auswahl zeigt leichte, poetische, verspielte, humorvolle, berührende, träumerische und furiose Texte der Ohrenkuss-AutorInnen.

Die Texte bleiben immer so, wie sie von den AutorInnen diktiert oder geschrieben wurden, ohne Korrekturen oder Veränderungen. Die Fotos zeigen Szenen bei der Herstellung einer Ohrenkuss-Ausgabe.








GENAUER HINHÖREN
Verena Elisabeth Turin, handgeschrieben


Bitte schließt euere Augen zu.
Und hört das Meerrauschen genauer zu.
Und auch den Wind der die Palmen herumwirbelte.
Oder ein sehr schöner Stein der von einem Menschen ins Wasser geworfen wird.
Auch wenn eine sehr große Welle von einem Stein erfasst wird und plätscherd.





Die Ohrenkuss-Redaktionssitzung findet alle 14 Tage statt. Von links nachs rechts: Angela Fritzen, Svenja Giesler und Marc Lohmann, Ohrenkuss-Autoren. Foto (c) Luke Golobitsh, Bonn
MÖGLICHKEITEN DES UNSICHTBAREN
Björn Langenfeld, diktiert

Wenn ich denke und mir was wünsche, ist es unsichtbar.
Verstecken hinter einem Vorhang.
Gas und Luft ist unsichtbar, weil man es nicht sieht.








VERSTECKEN UM ZU ÜBERLEBEN
Mandy Kammeier, am Computer geschrieben

In einem Haus in Amstadam hinter einem alten Akten Schrank zu drehen stand ich plötzlich Mitten drin in Annes versteck. 2 Jahre war sie unsichtbar für alle und die Nazies. Anne schrieb in ihren Tage buch. Sehnsüchte ihre Gefühle und ihre Ängste. Ihr Tagebuch macht sie sichtbar. Ich möchte Anne noch mal verstecken damit sie überleben kann. Der Dachboden war im Hinterhaus. Nicht gut genug sie wurde entdeckt. Und nach kz gebracht nach Bergen Belsen. Sie starb 1945 an typus. Ich bin traurig.





Michael Häger, Ohrenkuss-Teammitglied, betrachtet einen Text auf dem Bildschirm Die Vorstellung, dass die eigenen Texte auf der
DIE TRUHE
Verena Günnel, diktiert

Ich habe eine Truhe, dann mache ich den Deckel auf und das Papier an die Seite.
Dann hole ich eine Katze heraus.
Dann streichel ich meine Katze erst mal.
Dann tue ich sie wieder hinein, mache zu und dann wird die Truhe wieder versteckt.
Die darf niemand finden, nur ich.






WARTEN IM VERSTECK
Josefine Wöhler, am Computer mit Unterstützung geschrieben

HOCH TURM
VERSTECKT, GANZ KLEIN
LEISE - DANN GELACHT
GEWARTRT AUF ANNA
NICHT GEKOMMEN
GERUTSCHT UND ZU SPÄT
ZUM UNTERRICHT
GEKOMMEN






FABELHAFT UND RÄTSELHAFT
Nora Fiedler, diktiert

Die unsichtbare Göttin von mir kann tanzen.
Ohne Knochen. Ihre Bewegung fabelhaft und rätselhaft in einem gleichmäßigen Rhythmus.

 

 

 

 


Das Bildmaterial für das nächste Heft wird gemeinsam gesichtet. Die Ohrenkuss-Redakteure Angela Fritzen, Svenja Giesler und Antonio Nodal bei der Arbeit. Foto (c) Herby Sachs www.sachs-foto.de
SICHTBARE UND UNSICHTBARE GEFÜHLE
Angela Fritzen, diktiert

Du bist ernst geworden.
Die Ernst ist lila, weil es in lila ist.
Die Angst ist mit dem Herzen.
Die Angst ist mit den roten Farben: Es ist dunkelrot, wie das Blut.
Die Angst ist mit Gefühl: Finde ich scheiße, die Angst zu haben.
Ich ärgere mich da dran, ich weiß es nicht wie.
Die Farbe von Ärger ist schwarz.
Die Lust ist gelb, weil es so gelb ist.
Lust ist mit viel Power denn zu haben und auch merken zu lassen.
Die Laune ist pink. Du hast gute Laune.
Ernst: der Esel ist grau.
Der Ernst versteckt sich hinter den Buchstaben.
Die Angst ist wie die Schlange, weil die Schlange Angst hat vor der Menschen, wenn einer ärgert.
Die Angst versteckt sich hinter dem Gebüsch.
Die Schlange kriecht sich unter dem Gras im Grünen.
Ich verstecke die Ärger hinter dem Bühne.
Ärger ist wie eine Raubkatze, weil die Raubkatze so ärgerlich ist.
Die Lust hat die Affen, weil die Affen so lustig sind.
Die Lust versteckt sich hinter die Gardine.
Die Affen kraulen sich in den Haaren, hinter die Gardine.
Die Angst hängt mit dem Herzen dran, weil der Angst rot ist, wie das Blut.
Das muss laufen und das ist unsichtbar.
Ärger fühlt sich wie eingeengt in dem Körper.
Die Gefühle versteckt sich hinter dem ganzen Körper.
Die Gefühle sind groß und klein.
...hinter meinem Aussehen.
Dass wir das Down-Syndrom haben.
Das ist mein Gefühl.
Das ist über die Ärger.







Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...

Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm

Newsletter:
Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

Fotos: Der Quellennachweis ist bei jedem Fotos im Text hinterlegt (Cursor auf das Foto stellen)

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Tags: ohrenkuss, unsichtbar, down syndrom, meerrauschen, versteck, gefühle, rätselhaft unsichtbare göttin
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