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Die spirituelle Dimension der Pflanzen

Wirkungsnachweise der Pharmaindustrie oder tradiertes Wissen über Jahrtausende

 

Feld mit Bio-OrangenminzeViele Berichte und gesundheitspolitische Verlautbarungen der jüngsten Zeit erwecken den Eindruck einer neuen "Aufklärung", die das alte Erfahrungs-, z.T. visionäre und schamanische Pflanzenwissen endgültig in einen spirituellen, eso-schamanischen Sumpf verweisen will, und als Scharlatanerie und dubiose Geschäftemacherei "entlarvt".

Aktuelle Diskussion, von SPD-MdB Lauterbach gestartet (um Wählerresonanz zu testen oder die Pharma-Lobby zu beruhigen?): homöopathische Heilmittel aus der Erstattungspflicht der Krankenkassen herauszunehmen, da mit den derzeitigen Methoden nicht wissenschaftlich eine Wirksamkeit nachzuweisen sei. Dabei ist der Kostenanteil im Gesundheitsetat verschwindend gering, und sowohl die Nachfragen der Patienten als auch die Fortbildungsrate bei den Ärzten nimmt zu.

Die Medien stricken eifrig an der Pseudo-Postaufklärung mit, selbst Medien, wo man es nicht von erwartet, die TAZ, die c't, und selbst die nicht hexenverfolgungsverdächtige Brigitte:

In der aktuellen Zeitschrift Brigitte Woman 9/10 für Frauen über 40 gibt es eine Kolumne über Spiritualität und Esoterik kontra Naturwissenschaften und Vernunft. Die Autorin "entdeckt" mit demonstrativem Unverständnis, dass es Phänomene wie Schamanismus, den Glauben an Engel, die Fähigkeit zu Pendeln, Tarot, Enneagramme und Astrologie gibt - hunderte bis tausende Jahre alte Techniken, die in die europäische Kultur gehören - die sie forsch ins Reich der Spinnerei verweist. Sie vergisst, dass die Art der Naturwissenschaft, auf die sie sich beruft, mit ihren Messtechniken erst ca. 200 Jahre alt ist.

Als Bio-Firma und als gesundheitsbewusste, kapitalismus-lobbyismus-kritische Menschen fragen wir uns natürlich - wem nützt es? Und befürchten ein weiteres Roll-Back Richtung Monopolisierung (eigentlich Oligopolisierung) des Gesundheitsmarktes, ohne dass es den betroffenen kranken Patienten etwas nutzt - nur dem pharma-industriellen Komplex.

Wir möchten nicht missverstanden werden - die Aufklärung des 18.Jh. hat uns die Freiheit von Absolutismus, selbstherrlichen Kirchen, Fürsten und anderen "gottgegebenen" Verhältnissen ermöglicht. Aber es kann doch nicht sinnig sein, aufgeklärt die Interessen der Gesundheitsindustrie und ihrer selektiven Forschungen zu vertreten, die auf der Suche nach Patentierbarem ist. (Bei gentechnischer Unbedenklichkeitsforschung gibt es doch auch einen gesunden Skeptizismus.)

Auch der Hebammenstreit geht in diese Richtung, eine uralte Tradition der „weisen Frauen“ wird verloren gehen. Der Konflikt zwischen schamanischem, Volks- und Erfahrungswissen auf der einen Seite, und der standardisierten Gläubigkeit an die Ergebnisse einer erst 200 Jahre alten wissenschaftlichen Disziplin mit Blackbox-Versuchen, Trial and Error, könnte zum Schaden unserer traditionellen Schätze ausgehen. Der Verlust an traditionellem Wissen ist deshalb so bedenklich, da er immer auch mit dem Verlust der Fähigkeit zur Selbsthilfe einhergeht. Interessanterweise sind die Dinge, die verboten werden, oder verloren gehen, immer die preisgünstigeren und einfacher zugänglichen Dinge ...


Bio-dynamischer KräutergartenWer intensiv mit Kräutern arbeitet, wie wir als hochspezialisierter Hersteller, kommt automatisch mit der spirituellen Dimension der Pflanzen in Berührung. Wir haben im deutschsprachigem Raum eine reiche Tradition an hochentwickelten Persönlichkeiten, die in der Heilarbeit mit Pflanzen diese in ihrer Ganzheit betrachten, neben dem physischem mit ihren geistig-spirituellem Anteil: Hildegard von Bingen, Paracelsus und Rudolf Steiner sind einige Beispiele.
Auch heute gibt es in Deutschland Kräuterheiler und -wissenschaftler, die mit schamanischen Komponenten arbeiten. Unter unseren Kräuterbauern gibt es charismatische Persönlichkeiten, die eine Pflanze mit ihrer ganzen Wesenheit erfassen.


Die einfachste Technik hierzu ist die Meditation. Jemand, der ein wenig meditationserfahren ist, setzt sich vor eine Pflanze, oder hält etwas der (frischen oder getrockneten) Pflanze in den Händen, um sie auf sich wirken zu lassen. Man kann Reaktionen im Körper spüren, Wärme, Energieströme, verkrampfte Körperstellen, die sich öffnen, auch schon mal zunächst Gegenwehr - hier hilft nur Geduld. Manchmal erhascht man neue Gedanken, die etwas über das Leben erklären.

Aus ethnologischen und ethnomedizinischen Berichten wissen wir, dass die alten, aber auch die heutigen Schamanen (z.B. in Mittel- und Südamerika) in Trance mit dem Geistwesen der Pflanzen in Kontakt treten und die benötigten Informationen empfangen, z.B. über biologische Prozesse oder zu Krankheitsfällen. Begriffe für den geistig- spirituellen Anteil der Pflanze sind z.B. Pflanzenengel, oder Pflanzendeva (jede Kultur hat da ihren eigenen Begriff). Paracelsus drückt es so aus - also auch eine Aufforderung zur Meditation und Kontaktaufnahme mit der spirituellen Welt: "Gib daher auf deinen inwendigen Garten acht, denn wie der innere Mensch geschaffen ist, er horche nur mit dem äußeren auf sich selbst, dann wird er lernen, was ihn niemand lehren kann (...). Wir haben keinen Menschen, der uns lehrt und keinen Menschen, der die Kräuter von selbst weiß und kennt. Er muss es von anderen haben, die mehr oder anders als Menschen sind." (Iwailo Schmidt, in: Wir Heilpraktiker 1/2010, S.15)
Auch moderne Wissenschaftler sprechen vom Familiengeist der Pflanzen.
Sammlerin von biozertifizierten Wildkräutern

Für diejenigen, die nun neugierig sind, hier  zwei spannende Buchtipps:

Narby, Jeremy: Die kosmische Schlange. Klett-Cotta, Stuttgart 2001

Narby ist ein Schweizer Anthropologe, der hier über eine lange Feldforschung bei indianischen Schamanen in Südamerika berichtet. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern zieht er Parallelen zwischen den visionären Erkenntnissen in der uralten schamanischen Tradition und modernen neurologischen und molekularbiologischen Erkenntnissen. Lebendig und spannend zu lesen.


Von Dr. Wolf-Dieter Storl, Ethnobotaniker und Kulturanthropologe, möchten wir am liebsten alle Bücher empfehlen. Er ist Wissenschaftler, der auch bei Schamanen, Kräuterkundigen und Medizinleuten in Amerika Südasien und im Allgäu (hier leben einige alte Begbauern/-bäuerinnen mit tiefem, "schamanischem" Naturwissen) gelernt hat. Storl lebt heute selbst im Allgäu und gibt dort auch Kurse zum Thema Kräuterkunde. Er schreibt erzählerisch - leicht und anschaulich zu lesen. Hier zwei Titel als Beispiel:

Storl, Wolf-Dieter: Pflanzendevas - Die Göttin und ihre Pflanzenengel, Heilkunde, Kulturgeschichte, Mythologie und Religion der Völker. AT-Verlag, Aarau/Schweiz 1997

Storl, Wolf-Dieter: Pflanzen der Kelten. AT-Verlag, Aarau/Schweiz 2000 Weitere Informationen zu Storl auf Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.storl.de





Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

Heuschrecke
24.08.2010
17:07

Ohrenkuss: Verdienstkreuz am Bande

Bundesverdienstkreuz für Ohrenkuss-Gründerin Katja de Bragança

 

Freudestrahlend: Katja de Bragança mit Bundesverdienstkreuz

  • "Ohrenkuss ...da rein, da raus" - ein künstlerisch-literarisches Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom. Ein einzigartiges Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft, vor über 10 Jahren gegründet und seither herausgegeben von Dr. Katja de Bragança. Wie es dazu kam, und warum, erzählt die Laudatio zur Ordensübergabe.

  • Gestern, am Montag, dem 23.8.10 war die Übergabe des "Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" an Dr Katja de Bragança, für ihre innovative Arbeit und langjähriges Engagement im sozialen Bereich. Noch nominiert von Horst Köhler - wurde die Verleihung des Ordens vom Oberbürgermeister der Stadt Bann vorgenommen.

  • Hier nun die vollständige, offizielle Laudatio, gehalten von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, darunter folgen Fotos des festlichen Nachmittags im Bonner Kapitelsaal. Wir freuen uns !  Herzlichen Glückwunsch, liebe Katja !!








Laudatio anläßlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes


"Frau Dr. Katja de Bragança hat durch ihr langjähriges Engagement im sozialen Bereich auszeichnungswürdige Verdienste erworben.

Frau Dr. Katja de Bragança ist Mutter von vier Kindern im Alter zwischen 16 und 28 Jahren. Während ihres Studiums der Biologie an der Universität Bonn wurde 1982 ihr erstes Kind geboren. Zur Zeit ihrer Dissertation arbeitete sie halbtags als wissenschaftliche Angestellte am Humangenetischen Institut der Universität Bonn und hatte bereits zwei Kinder. Kurz vor der Geburt ihres dritten Kindes 1991 beendete sie ihre Dissertation zum Thema "Fingerabdrücke und das Down-Syndrom". 1994 brachte sie ihr viertes Kind zur Welt.

Während Frau Dr. Katja de Bragança von 1995 bis 1997 am Institut für Parasitologie der Universität Bonn mit einer halben Stelle als wissenschaftliche Angestellte arbeitete, knüpfte sie Kontakte zu Down-Syndrom Selbsthilfegruppen und zu dem Netzwerk gegen Selektion durch vorgeburtliche Diagnostik. Sie beschäftigte sich weiterhin mit den gesellschaftlichen Konsequenzen der vorgeburtlichen Diagnostik und der Lebensqualität von Personen mit dem Down-Syndrom.
Mit der Hilfe der zwei Bonner Künstler Gabriele Lutterbeck und Peter Kurenbach wurde ein wanderndes Atelier von Künstlern mit und ohne Down-Syndrom gegründet. Die Ergebnisse wurden unter ihrer Leitung auf einer fünfzigtägigen Wanderausstellung in Deutschland und Österreich der Öffentlichkeit präsentiert. Der Arbeitsaufwand in dieser Zeit ging vom frühen Morgen bis zum späten Abend und umfasste die logistische Planung, den Auf- und Abbau der Zelte sowie das Verpacken der Kunstwerke und die Öffentlichkeitsarbeit. Während der Ausstellungstage stellte sich Frau Dr. Katja de Bragança vielen Gesprächen mit Besuchern und Pressevertretern, um das Anliegen des Projektes zu erläutern. Sie bot gemeinsame kreative Workshops an und führte mit den begleitenden Künstlern mit und ohne Down-Syndrom ein ausführliches Logbuch über die Reise. Das Projekt "Arche Noah" wurde von der Aktion Mensch finanziert und nahm an der "Aktion Grundgesetz für Gleichstellung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung" im Jahre 1997 teil.

Neben Beruf und Familie begann Frau Dr. Katja de Bragança jede freie Minute in die Erarbeitung eines Forschungsprojektes zu investieren. Das Projekt mit dem Titel "Wie erleben Menschen mit Down-Syndrom die Welt - wie sieht die Welt Menschen mit Down-Syndrom? Eine Gegenüberstellung." wurde von 1998 bis 2000 von der Volkswagenstiftung gefördert und am Medizinhistorischen Institut der Universität Bonn durchgeführt. Dabei gelang es Frau Dr. Katja de Bragança zu belegen, dass Menschen mit Down-Syndrom durchaus schreiben und lesen lernen können, denn im Zusammenhang mit diesem Projekt entstand 1998 auf ihre Veranlassung ein weltweit einzigartiges Magazin, genannt "Ohrenkuss", dessen AutorInnen alle vom Down-Syndrom betroffen sind.

Das inzwischen vielfach prämierte Ohrenkuss Magazin (u.a. 2005 Der Deutsche PR-Preis und "Ausgewählter Ort 2006" im "Land der Ideen") erscheint zwei Mal im Jahr mit professionellen Fotos und einem zeitgemäßen Layout, das in seiner Ästhetik an Kunst- oder Musikmagazine erinnert.
Die Redaktionsmitglieder legen das jeweilige Schwerpunktthema selbst fest und präsentieren in ihren Texten ihre zum Teil andere Sicht zu Alltagsthemen. Dabei werden ihre Texte weder in Rechtschreibung noch in Satzstellung korrigiert. Neben den zweiwöchig stattfindenden Redaktionssitzungen in Bonn gibt es auch viele Termine am Wochenende, um mit den Redaktionsmitgliedern Recherchen durchzuführen und Lesungen der eigenen Texte in der Öffentlichkeit abzuhalten. Diese Recherchetouren führten das Team an die verschiedensten Orte: zum Beispiel in die Mongolei, in das historische Grüne Gewölbe in Dresden, in die Lutherstube auf der Wartburg und in den Schießkeller der Bonner Polizei.
Der Arbeitseinsatz von Frau Dr. Katja de Bragança ging in der Zeit des Forschungsprojektes weit über die bezahlte Stelle hinaus.
Die Auflage des Magazins, die von Angehörigen, Fachleuten wie Kinderärzten, Gynäkologen, Humangenetiker, Therapeuten, Germanisten, Fotografen und Designern abonniert und gelesen wird, stieg von anfänglich 150 auf mittlerweile 3000.

Dank der Zuversicht, dass Wissenschaft und Kultur in einer Gesellschaft sich nicht ausschließen, sondern sogar gegenseitig inspirieren können und dank des Mutes, des Ideenreichtums, der Kompetenz und der Zuversicht von Frau Dr. Katja de Bragança sowie durch ihren Verzicht auf eigene Bezahlung war das Ohrenkuss-Projekt mit Auslaufen der Finanzierung im Jahr 2000 nicht zu Ende. Trotz der noch nicht ausreichenden Abonnentenzahlen wurde die fünfte Ausgabe des Magazins geplant und durchgeführt. Zusammen mit ihrer Partnerin Dr. Bärbel Peschka gründete sie die Firma "Downtown Werkstatt für Kultur und Wissenschaft", die fortan das Magazin Ohrenkuss herausgab.

Da die Ohrenkuss-Redaktion durch inhaltliche und gestalterische Qualität über-zeugen möchte und nicht aus Wohltätigkeitsgründen Unterstützung sucht, ver-zichtete man bewusst auf die Gründung der gemeinnützigen Vereinsform für das Ohrenkuss-Projekt: Interessierte Menschen sollten den Ohrenkuss "kaufen" und eine Rechnung bezahlen - und nicht eine Spendenquittung erhalten. Ohrenkuss möchte Respekt und kein Mitleid. Weiterhin wurde, um die künstlerische Qualität zu erhalten, auf die Einnahmequelle "Werbung" in dem Magazin verzichtet. Neben der Erstellung von zwei Ausgaben pro Jahr sind in der Downtown Werkstatt viele Ohrenkuss-Kalender und - zum zehnjährigen Bestehen 2008 - das Ohrenkuss Wörterbuch entstanden, das für den Designpreis Deutschland 2011 nominiert wurde.

Neben der umfangreichen Arbeit für die jeweilige Ausgabe bietet die Ohrenkuss-Redaktion immer wieder Lesungen in ganz Deutschland an, u.a. im Literaturhaus Köln, in der Gedenkstätte Buchenwald und im Arpmuseum Rolandseck. Bis heute fanden viele so genannte "Schreibwerkstätten" statt, bei denen Menschen mit und ohne Down-Syndrom die Gelegenheit haben, über die gemeinsame kreative Arbeit Vorurteile abzubauen und voneinander zu profitieren".

 

 

Vor der Verleihung im Bonner Kapitelsaal: Aufregung. Links: Katja de BragançaVor der Verleihung im Bonner Kapitelsaal: Aufregung.Beginn des Festakts: Oberbürgermeister Nimptsch ehrt heute 2 NominierteOberbürgermeister Nimptsch hält die Laudatio für Katja de BragançaBewegte ZuhörerInnenDie Ordens-Übergabe an Katja de BragançaDie Ordens-Übergabe an Katja de BragançaDie Ordens-Übergabe an Katja de BragançaDie Ordens-Übergabe an Katja de BragançaSpontane Dankesrede... und Applausfrischgebackene BundesverdienstkreuzträgerinDie beiden Geehrten mit Oberbürgermeister für das PressefotoDie Presse... und hier kommt die Ohrenkuss-Redaktion mit einem Blumenmeer ...... und hier kommt die Ohrenkuss-Redaktion mit einem Blumenmeer ...... und hier kommt die Ohrenkuss-Redaktion mit einem Blumenmeer ...... und hier kommt die Ohrenkuss-Redaktion mit einem Blumenmeer ...... und hier kommt die Ohrenkuss-Redaktion mit einem Blumenmeer ...... und hier kommt die Ohrenkuss-Redaktion mit einem Blumenmeer ...Große Freude: Ohrenkuss-Autoren mit HerausgeberinGroße Freude: Ohrenkuss-Autoren mit HerausgeberinGroße Freude: Ohrenkuss-Autoren mit Herausgeberin

 

 

 

 


 Fotos (mit Klickvergrößerung): Heuschrecke






Einige Ohrenkuss-AutorInnen  in einem Kölner Hinterhof.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
Öffnet externen Link in neuem  Fensterwww.ohrenkuss.de


Newsletter
Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem  Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.
Ohrenkuss bloggt einmal im Monat hier auf www.heuschrecke.com zu einem aktuellen Thema.

 




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Tags: bundesverdienstkreuz, auszeichnung, downtown werkstatt, down syndrom, ohrenkuss, kultur, wissenschaft
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Erntebericht 2010

Bauern und Bäuerinnen: Helden des Alltags

 

Im Moment ist die Zeit, wo die alten Ernten zur Neige gehen, u.U. mit Lieferlücken, und dem Warten auf die neuen Ernten.

Bioland-Kräuterbetrieb Alfred Hammann: Blühendes Korianderfeld am Mittelrhein

Bei Kräutern passen unsere Bauern gerade die niederschlagsfreien Zeiten ab, und ernten dann, soviel wie geht. Die frischgeerntete Ware wird erst mal so getrocknet, wie sie vom Feld kommt, eingelagert, und erst, wenn alle Ernten abgeschlossen sind, weiterverarbeitet: gereinigt, geschnitten, gesiebt usw.. Daher werden viele Kräuter und Gewürze der Ernten 2010 erst im Oktober oder sogar November eintreffen. In Deutschland werden Kräuter bei mildem Herbst sogar bis in den Oktober hinein geerntet.


Auch Grün- und Schwarztees sind zwar jetzt schon zum größten Teil geerntet, aber wir müssen noch etwas warten. Außer den Flugtees, die Anfang Mai als Vorboten in kleiner Menge per Flugzeug kommen (ein Kult - die allerersten Pflückungen der hochwertigsten Tees wecken die Vorfreude auf den neuen Jahrgang) werden alle anderen Pflückungen zwar bis fast zuende verarbeitet, aber dann erst mal kühl gelagert, bis die Containerschiffe ihre Reise antreten, ab Mitte Juli / August nach und nach eintreffen und die Tees dann im Herbst in den Handel kommen.


Das Klima bestimmt Menge und Qualität der Ernte. Ab Frühjahr immer ein beliebtes und wichtiges Small-Talk-Thema in Telefonaten mit unseren Bauern oder Importeuren.


Im europäischen Raum verzögerten sehr nasse Perioden im Frühjahr und Sommer die Reifung und die Ernte, wie jetzt z.B. der Koriander noch auf dem Feld warten muss. Normalerweise wäre er schon bei uns. Ein größeres Problem gibt es bei den empfindlicheren Blüten. Ein Großteil unserer Blüten wie Kamille, Kornblume und Ringelblume kommt aus Kroatien. Hier haben starke Regenfälle einen Teil der Blüten zerstört, und wir wissen noch nicht, welche Mengen es tatsächlich geben wird.


Anis aus Italien ist sehr knapp bei gleichzeitig riesiger Nachfrage, sodass der Preis sich fast verdoppelt hat. Knapp auch deshalb, weil die Alternative Bio-Anis aus der Türkei weggefallen ist wegen immer wieder nachgewiesener Pestizidbelastungen.


Indien, PDS: Bio-Curcuma, TrocknungsflächePreissteigerungen wird es bei Überseeware geben. In Indien gab es flutartige Regenfälle, die einen Teil der Pflanzen zerstört haben, und einige Gewürze werden knapper und/oder teurer, z.B. Curcuma und Pfeffer.
In Guatemala gab es starke Ernteausfälle bei Cardamom, und Muskatnüsse aus Sri Lanka werden ebenfalls sehr knapp, weil dieses Jahr einige Chargen herausfallen wegen zu hoher Mykotoxinbelastung.


Tee wird teurer: Fluten und Trockenheit in Darjeeling und Assam haben als Folge sehr knappe Ernten ergeben. China verbraucht immer mehr Tee selber, zudem hat unser Teemakler bei seinen Partner-Teefarmen die sozialen Bedingungen und das Qualitätsmanagement sehr stark verbessert (hierüber werden wir noch einmal gesondert berichten), daher auch hier Preissteigerungen.


Südafrika leidet unter Trockenheit, allerdings sind generell die Läger noch voll, da die Nachfrage in Europa. In den letzten Jahren gesunken ist. Eigentlich sind die Preise im Keller, eine schwierige Situation für unsere Wupperthaler Cooperative, die tatsächlich weniger ernten konnten und nicht auf Vorräte zurückgreifen können (siehe auch unser Südafrika-Reisebericht). Höhere Preise entstehen auch durch die Währungskurse.


Neben normalen Jahrgangsunterschieden schwebt über allem der Klimawandel. Die Wetterlagen sind oft etwas heftiger, Fluten oder Dürren stärker. Alle Bauern stellen fest, dass es insgesamt wärmer wird.


Es gibt natürlich noch andere Gründe, weshalb Agrarprodukte knapper oder teurer werden. In Schwellenländern wie Indien und China, auch in einigen afrikanischen Ländern (aktuell Lohnkämpfe in Südafrika), erwarten die Menschen zu Recht nun auch ein besseres Einkommen. Dabei gehören Bauern leider zu der Gruppe Selbstständiger, die nur schwierig ihren Verdienst erhöhen können, daher geben viele jungen Menschen das Land auf und suchen sich lieber einen Job in der Stadt.
Arbeitskraft wird teurer, zudem werden einfach mehr Nahrungsmittel im Inland verbraucht. Das ist eigentlich positiv, und die westliche Welt muss sich damit auseinandersetzen, dass die Zeiten extrem günstiger Rohwaren aus Entwicklungsländern zuende gehen.


Die hohen Getreidepreise aufgrund der Biospritentwicklung (und Rohstoffspekulationen) haben zur Folge, dass viele mittel- und nordeuropäische Kräuter teurer werden. Der Hektarerlös ist entscheidend, der bei den arbeitsintensiven Kräutern im Verhältnis zu niedrig ist, sodass die Gefahr besteht, dass zu viele Kräuterbetriebe aufgeben und nur noch Getreide "gemacht" wird.


Bis vor Kurzem war der Trend, für billige Rohware einfach immer weiter in den Osten zu gehen, nun ist es interessant, was in Russland geschieht, nach den Bränden und Missernten dort - es wird schon spekuliert. Der Kreis schließt sich, und Bauern werden wie Lehrer und Ärzte eine Berufsgruppe werden, die großen Respekt verdient.

 


Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

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Tags: ernte, preissteigerungen, klimawandel, fluten, dürren, biosprit, bio-gewürze, bio-kräuter, bio-tee, bauern sind helden
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Bilderrätsel

Auf die Perspektive kommt es an...

Bitte schauen Sie sich die nachfolgenden Bilder an.
Sie können mit einem Mausklick auf das Bild auch die Inhalte vergrößern.
("PopUps" dürfen dafür in Ihrem Browser nicht blockiert werden.)

Erkennen Sie, was hier dargestellt ist?

Fotos: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0

Fotos: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0

Auf den nächsten Bildern wird es immer klarer -

Fotos: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0

Lastschiffe auf dem Rhein aus einer ungewöhnlichen Perspektive fotografiert.
Mit ein wenig Glück erwischt man fast abstrakte Motive.

Foto: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0

Von der Kölner Hohenzollern-Brücke (der Eisenbahnbrücke zwischen Hauptbahnhof und dem rechtsrheinischen Stadtteil Deutz) um die Mittagszeit, wenn die Sonne fast senkrecht steht, möglichst grade nach unten fotografiert.
Oder erkennbare Strukturen wie Ladung, Container oder Bewohner dieser Schiffs-Welten.
Bei uns auf dem Rhein sind es oft holländische Schiffe mit blankgeputzten Autos an Bord (obwohl Autos auf dem Wasser gar nicht fahren können :-)

Foto: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0

Das Spannende bei diesen Motiven ist, die Position und Geschwindigkeit des Schiffes unter der Brücke richtig einzuschätzen bevor das Schiff unter der Brücke verschwindet, dann im Moment des Auftauchens unter der Brücke
an der richtigen Stelle auf der Brücke zu stehen (oder dort hin zu rennen) und möglichst schnell im möglichst verzerrungs-freien Winkel zu fotografieren.

Foto: Wolfgang Kurtz, CC-BY-SA-3.0

Das gelingt nicht immer, aber mit wachsender Erfahrung immer öfter.
Gute Photos zeigen die Welt aus einer ungewohnten Perspektive...



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz

ist Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.

Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein. 

 

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Tags: fotografie, schiff, rhein, perspektive, rheinschiffahrt
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Heiliger des Monats August: Friedrich Spee

7. August: Friedrich Spee

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).  

 


Festtag: 07. August

Patron der Dichter, der politischen Journalisten und Sachbuchautoren, der unschuldig Verfolgten, der Gefangenen, von Amnesty International


Nun, es sei gleich zu Beginn gestanden, das obige ist alles pures Wunschdenken - zu schön um wahr zu sein. Man hat manchmal das Gefühl, unsere liebe Mutter Kirche ernenne an prominenten Ordensgeistlichen alles zu Heiligen oder Seligen, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist: aber des Jesuitenpaters Friedrich Spee hat sie sich bisher nicht angenommen. Also tun wir es hier und jetzt !



Man verbindet den Begriff "Hexe" gern mit "finsterem Mittelalter", aber im Mittelalter gab es weder "Hexenwahn" noch Folter als "Instrument der Rechtspflege". Standpunkt der Kirche war, dass es Zauberei gar nicht gäbe, dass das alles nur Einbildung und Aberglaube sei, man eingebildete Sachen aber schlecht bestrafen könne.
Die bekannten "Hexenverfolgungen" gehen erst nach dem Ende des gar nicht so finsteren Mittelalters los - für den echten Horror braucht es offenbar modernere Zeiten. Der sich von etwa 1550 bis 1700 austobende Hexenwahn hatte viele Väter. Im Kern ist er eine Volksbewegung, die sich in ihren Mechanismen gut mit dem Faschismus des 20. Jahrhunderts vergleichen lässt. Von Sozialneid und blinder Aggression gespeist, denunziert ein Nachbar den anderen - auch die Gestapo des 3. Reichs konnte ja nur einen Bruchteil der pausenlos eingehenden Petzereien bearbeiten, konnte sich vor mordlustigen Normalbürgern kaum retten.
Regelrechte Verbrecher sehen und nutzen da ihre Chance: die Oberschichten ganzer Städte (nicht nur die Frauen) werden ausgerottet, das Vermögen eingezogen und unter die Kumpane in Politik und Justiz verteilt - und die Unis nicht zu vergessen ! Denn dort verdienen sich die Herren Professoren eine goldene Nase an unsinnigen Rechtgutachten zu den abgekarteten Prozessen.
In diesem Sinne treibt es Anfang des 17. Jahrhunderts auch der Würzburger Bischof als weltlicher Herr seines Ländchens - und hier kommt Pater Friedrich ins Spiel.

 


Friedrich Spee ist ein Rheinländer aus der Düsseldorfer Umgebung, 1591 in eine durchaus betuchte Adelsfamilie hineingeboren. Gegen den Willen der Eltern wird er mit 19 Jahren Jesuit (statt Beamter oder Militär), er hat Ideale, träumt davon in Indien die Botschaft der Liebe zu verbreiten und ist zudem einer der besten Dichter seines Jahrhunderts (viele seiner Lieder werden heute noch gesungen).



Wohl in Würzburg ist es, wo der junge, hochtalentierte Pater verurteilten "Hexen" die Beichte abzunehmen hat - und dabei zu der klaren Überzeugung kommt, dass hier Unschuldige hingerichtet werden, denen man mit Hilfe der Folter völlig irre Geständnisse abgerungen hat. Er ist entsetzt und schreibt sich sein Entsetzen von der Seele: "Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse - Cautio Criminalis", nennt er sein Buch, das 1631 erscheint und die Praxis der erfolterten Geständnisse ad absurdum führt.


Diese Breitseite nehmen ihm insbesondere die hochgestellten Nutznießer dieser sehr einträglichen, reichsweit wohlorganisierten Kriminalität übel. Man will ihn so schnell wie möglich tot sehen, trotz anonymen Erscheinens des Buches kennt und hetzt man ihn bald, das Netz zieht sich zu. Der Orden "versteckt" seinen mutigsten Priester im Kriegsgebiet, im umkämpften Trier (30jähriger Krieg ...) - wo er sich bei der Pflege verwundeter Soldaten die Pest holt und am 07. August 1635 stirbt, erst 44 Jahre alt.



Sein Grab wurde vor wenigen Jahren wiedergefunden, man kann es in Trier in der Jesuitenkirche besuchen und einem Vorbild aller Aufrechten seine Referenz erweisen: einem Streiter für die Menschlichkeit, für die Schwachen und Verratenen, einem echten Helden - und ganz ganz sicher einem Heiligen, auch wenn Rom ( Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.vatican.va/roman_curia/congregations/csaints/index_ge.htm ) das noch nicht bemerkt hat.

 

 




Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.



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Tags: heiliger des monats, friedrich spee, jesuiten, amnesty international, inquisition, hexenverfolgung
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