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Das neue EU-Bio-Logo

EU-Siegel für alle Bio-Produkte ab 1.7.2010

 

Das neue EU-Bio-LogoNach 17 Jahre EG-Bio-Verordnung bekommen Bio-Produkte nun ein verpflichtendes, einheitliches Bio-Logo.

Seit ca. 3 Jahren wird es vorbereitet, seit ca. einem Monat gibt es endlich alle Druckvorlagen, und am 1.7.2010 geht's offiziell los (mit Übergangsfristen); richtig professionell ist anders, aber bei mindestens 27 Souverains wohl normal.

Das Logo besteht aus einem aus Sternen stilisiertem Blatt, und zwei Zusatz-Textzeilen, worin der Kontrollstellen-Code genannt wird, sowie ganz grob der Ursprung der Zutaten: EU, Nicht-EU, oder gemischt EU und Nicht-EU-Landwirtschaft.



Diese Herkunftsangaben sind leider kein echter Fortschritt, allerdings für viele Großbetriebe und die konventionellen Betriebe mit einem kleinen Bioanteil schon eine kleine Herausforderung, da diese bei ihren großen Chargen selbst bei Monoprodukten kein eindeutiges Herkunftsland angeben können/wollen. Es ist zu erwarten (so haben wir schon einige Stimmen gehört), dass sicherheitshalber die Formulierung "EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft" der Renner wird.
Bei allen Mischprodukten verständlich, denn Bio-Rohstoffe sind knapp und u.U. gibt es dieselbe Zutat schon mal aus der EU, beim nächsten Mal aus einem Nicht-EU-Land ...


Für uns, die wir gerne das genaue Land, und wo möglich, auch den konkreten Bauern angeben, eine Unterforderung des Möglichen. Keine Angst, wir geben bei allen Monogewürzen, -Kräutern und -Tees weiter Land und Leute an.


Jetzt könnte man sich fragen, was die Unterscheidung zwischen EU- und Nicht-EU-Landwirtschaft aussagen soll. Zudem sind einige europäischen Länder (noch) nicht in der EU, sodass z.B. die Schweiz, Kroatien (da kommt der größte Teil unserer Kräuter her) oder Norwegen bei den Übersee-Ländern wie China in einer Gruppe sind.
Nun gut, da es ein EU-Logo ist, muss das wohl mit der Abgrenzung sein ... (Jägerzaun ...).



Dann gibt es ja schon seit 2001 das (freiwillige) Öffnet externen Link in neuem Fensterstaatliche deutsche Bio-Siegel, auf Betreiben von der damaligen grünen Landwirtschafts- und Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast entwickelt und überaus erfolgreich eingeführt. Wir Pioniere der Naturkostbranche dachten damals - na ja, das wird ein Discountersiegel, um das Discountbio etwas salonfähiger zu machen, die anerkannten Naturkostmarken im Bioladen brauchen das nicht.
Von wegen. Mit seinem sehr guten, klaren Design und dem Signalwort "Bio" hat es sich überall in den Köpfen verankert. Es gibt sogar eine aktuelle neurologische Uni-Studie darüber: das deutsche Bio-Siegel steht in großer Breite für Gesundheit und Umweltbewusstsein und aktiviert im Gehirn das Belohnungszentrum, sich selbst etwas Gutes zu tun. Nochmal ein ausdrückliches Lob an Frau Künast ( Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.renate-kuenast.de/ )!


Theoretisch könnte jetzt auf das deutsche Siegel verzichtet werden, doch das unbekannte EU-Bio-Logo strahlt dieses Vertrauen noch nicht aus, zudem erklärt es sich nicht selbst. Deshalb werden wir weiterhin beide Siegel nebeneinander stellen.


Bei unserem Gewürz-, Kräuter- und Teesortiment finden Sie nun auf dem Rücketikett folgende drei Varianten:

Bio-Siegel auf den Heuschrecke-Rückretiketten, Variante 1Bio-Siegel auf den Heuschrecke-Rückretiketten, Variante 2Bio-Siegel auf den Heuschrecke-Rückretiketten, Variante 3


So sieht zum Beispiel jetzt das Rücketikett einer Gewürzmischung aus:

Rücketikett Gewürzmischung Curry extra, kbA, von Heuschrecke



Ganz schön viel Pflichttext, leider weniger Raum für Informationstext, und kleine - aber noch einigermaßen lesbare - Schrift.

Bei Mischungen geben wir (wo es noch draufpasst) zusätzlich zur Angabe "EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft" die Länderangabe Deutschland an, da wir die letzte wichtige Aufbereitungshandlung, nämlich Mahlen und Mischen, hier bei uns machen. Wir stellen alle Gewürz-, Kräutertee- und Teemischungen nach eigenen, selbstentwickelten Rezepten bei uns im Hause her, mahlen und mischen in kleinen Chargen zeitnah zum Verkauf, was Ihnen eine gute Frische und ein schönes Aroma garantiert.

Bei Mono-Gewürzen, -Kräutern und -Tees schreiben wir wie bisher zusätzlich das konkrete Land, und, wo es ein Lieferantenportrait auf unserer Internetseite gibt, den konkreten Anbauer und Ort hin.

Diese Lieferanten-Beschreibungen und Reiseberichte finden Sie dann hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/lieferantenportraits.htm (oder einfach in der linken blauen Leiste den Button ‚Unsere Lieferanten' anwählen).




Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

Die Frage. Nordindische Kürzestgeschichten

Anindita: Die Frage

 

In Tinas Kopf kreiste schon seit geraumer Zeit eine Frage.

Sie wünschte sich, dass sie ihr Ziel mit einem Knopfdruck erreichen könnte, mit anderen Worten, dass ihre Gedankenwellen, sobald sie den Schalter betätigte, bis in das Gehirn ihrer Mutter dringen könnten, die ein wenig weiter weg von ihr saß.
Nach einiger Überlegung machte sie dann aber doch Gebrauch von ihrer Zunge. Sie fragte:
"Mutter, was ist das Herz?"

Die Frage war heikel und auch ein wenig schwierig. Ihre Mutter lächelte zunächst und sagte dann mit einer entsprechenden Gebärde ihrer Hand:
"Das hier..."

Ohne zu lächeln oder gar zu lachen, fiel ihr Tina ins Wort:
"Oh! Das heißt also, dass das Herz der Teil des Körpers ist, wo das Blut rein ist und das unreine Blut ..."

Ihre Mutter schüttelte den Kopf und sagte schwärmerisch:
"Nein, ... wo Liebe ist, wo Zuneigung ist, wo Freude und Leid ist, wo gute und schlechte Gefühle sind ..."

Misstrauisch blickte Tina ihre Mutter an und sagte:
"Das kann doch gar nicht sein, das spielt sich doch alles im Gehirn ab."

Da dachte ihre Mutter:
‚Hat meine Tochter denn gar kein Herz?'

Tina aber sagte sich:
‚Ganz umsonst habe ich Gebrauch von meiner Zunge gemacht, wenn ich doch nur einen Knopf drücken könnte, dann ...'







Anindita: Die Frage (2001), aus: Der Schmuck einer Frau. Kürzestgeschichten aus Nordindien. Ausgewählt, aus dem Hindi übersetzt und herausgegeben: Dieter B. Kapp. Shaker Verlag Aachen 2006; S.40

Prof. Dr. Dieter B. Kapp (geb. 1941), Indologe, zuletzt Professor an der Universität Köln, Übersetzer und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Werke, aber auch zeitgenössischer Literatur aus den verschiedenen Regionen und Sprachen Indiens. Träger der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Medaille und des Rabindranath-Tagore-Kulturpreises, und Künstler (Fotografie, Digitalkunst, Komposition).


Die Kürzestgeschichten aus Nordindien, in ihrer Art zwischen Weisheits- und Schelmengeschichten, haben es uns angetan. Wir freuen uns über die Erlaubnis von Prof. Kapp, sie hier im Heuschrecke-Blog vorzustellen.

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: indien, kürzestgeschichte, anindita, herz, gehirn, zunge, schalter
Anzahl Aufrufe: 3972

Im Juni: Kaffirlimette + Wokgewürz

Im Wok, zitronig - spicy

Gewürze des Monats:    
Wokgewürz, bio, von Heuschrecke


1) Wokgewürz  sehr scharf, kbA: Zutaten: Cayenne Pfeffer, Muskatnuss, Ingwer, Zwiebelpulver, Muskatblüte, Curcuma, Knoblauchpulver, Schabzigerklee, Koriander, Paprika scharf, Meersalz#  (alle Zutaten aus kbA , außer mit # gekennzeichnete). Ein Allround-Gewürz, das in niedriger Dosierung jedem Gericht (auch der einheimischen Küche) etwas Feuer gibt. In höherer Dosierung wird es ordentlich scharf.



2) Kaffirlimettenblätter, ganz (getrocknet). Auch: Indisches Zitronenblatt, Combava. Die Blätter haben einen intensiven, warmen, Zitronengeschmack. Die werden vor allem in Thailand und INdonesien verwandt, z.B. in Suppen, Curry-, Fisch-, Hühnchen- (und was zu Hühnchen passt, passt auch prima zu Tofu) und Wokgerichten. Man kann auch gut die einheimische Küche, z.B. Eintöpfe und Schmorgerichte, damit aufpeppen. Die Blätter werden wie Lorbeerblätter mitgekocht und vor dem Servieren (oder ganz einfach beim Essen) rausgefischt.

 

 



Kaffirlimettenblätter, bio, von Heuschrecke

Hähnchen im Wok / Tofu im Wok




Zutaten*:

  • 400gr geschnetzelte Hähnchenbrust, alternativ: gewürfelter Tofu
  • 4  feingewürfelte Schalotten
  • 3 gepresste  Knoblauchzehen
  • 1 Tl frischen, geraspelten Ingwer
  • 1Tl Wokgewürz
  • 1 Tl Kreuzkümmel
  • 200 ml Kokosnussmilch
  • 100ml Gemüsebrühe
  • 10 getr. Kaffirlimettenblätter
  • Sesam/Erdnussöl
  • Pfeffer/ Salz


Zubereitung:

  • Hähnchen oder Tofuwürfel in Öl anbraten, pfeffern & salzen
  • Wokgewürz, Schalotten, Ingwer, Knoblauchzehen, Kreuzkümmel hinzufügen
  • Mit Kokosnussmilch und Gemüsebrühe ablöschen
  • Kaffirlimettenblätter dazugeben
  • 30 Minuten köcheln lassen
  • Mit Jasminreis servieren
  • Dazu passt ein frischer Salat
  • Für ganz Scharfe:     Nach Belieben mit Chili würzen



 

Guten Appetit wünscht

Maria Stübner


* alle Zutaten gibt es in gut sortierten Naturkostläden oder im Bio-Versandhandel.






Maria Stübner (Familie!) entwickelt für uns Rezepte mit unseren Gewürzen. Alle Rezepte tragen das Familiensiegel (d.h. sie haben die gnadenlose Kritik gestresster Väter, pubertärer Söhne und selbstbewusster Töchter überstanden) und sind einfach nachzukochen, natürlich gerne mit Biozutaten.

Meine  Schwester Maria weigert sich leider standhaft, die Rezepte so malerisch getextet wie z.B. bei Lea Linster in BRIGITTE aufzuschreiben ...  Sie denkt zwar 3 Wochen darüber nach, was sie kocht, und kocht die Gerichte dann auch mehrfach, bis es so richtig lecker schmeckt, aber in der Ausführung kein Wort zuviel. Das hat natürlich den Vorteil, dass Marias Rezepte so klar und einfach strukturiert sind, dass es keine Ausrede mehr gibt, sie nicht nachzukochen (oder als Grundlage für eigene Kreationen zu verwenden).


Heuschrecke
18.06.2010
09:16

Teepause - Eistee

Eiskalt, kalt, lauwarm? Still, prickelnd? Früchte rein oder raus? Experimentierfeld Eistee.

 

Milde Kräuter, Rooibusch, Minze, oder einen leichter Japan Bancha einfach abkühlen lassen - schon hat man ein preiswertes, gesundes Sommergetränk, geschmackvoller als Wasser, und erfrischender als pappige Fertig-Eistees. Fängt man einmal an zu experimentieren, gibt es unzählige Variationen bis hin zur edlen Eistee-Bowle. Hier einige Rezept-Tipps. Siehe ebenfalls unseren Blog-Beitrag zum Thema Hibiscus / Karkadeh: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2009/12/15/teepause-karkadeh.htm



Eistee, bio, selbermachen!

Klassisches Eistee-Rezept mit schwarzem Tee


Klassischer Eistee wird durch schockartiges Abkühlen zubereitet. Sie nehmen die gewohnte Menge Tee für 1 Liter und gießen nur die halbe Menge an Wasser auf, also 1/2 Liter, kräftigen, schwarzen Tee und ca. 10g Teeblätter (z. B. 58233 Assam GFBOP broken, 63243 Ostfriesische Mischung, broken, etc.); Ziehzeit: mindestens 3 Minuten!

Nur kurz abkühlen lassen - dann das Gefäß mit der fehlenden Menge Wasser in Form von Eiswürfeln auffüllen.

Durch dieses Schockkühlen bleibt das Aroma besser erhalten als beim langsamen Abkühlen (abgekühlter bzw. abgestandener Tee schmeckt ja meist bitter).

Nach Belieben kann der Tee gesüßt und/oder mit etwas Zitronensaft verfeinert werden. Eigene Eistee-Kreationen können Sie je nach Geschmack mit Fruchtsäften verwirklichen.





Grüner Wellness-Eistee


Mischung aus:
33790 Rooibusch grün, 2 TL (4g) (Alternative: 'roter' Rooibuschtee Art. nr. 33700)
64213 Vanille Grüntee, 1 TL (2g)
64223 Orange Grüntee, 1 TL (2g)
64203 Earl Grey Güntee, 1 TL (2g)

(Rezept für 1 Liter Eistee / TL = Teelöffel)

Zubereitung:
200ml Wasser kochen und dann 2 Min. abkühlen lassen; Tee aufgießen und 3 Minuten ziehen lassen- mit restl. 800ml eiskaltem Wasser oder Mineralwasser auffüllen (u. nach Geschmack mit Honig süßen). Mit diesem Eistee zaubert man eine grüne Oase in der (hoffentlich) heißen Sommerzeit. Erfrischend, leicht herb-fruchtige Note. Ideal nach der Mittagszeit zu genießen, um die Lebensgeister zu wecken.




Grüner Rooibusch - Apfel Eistee


Mischung aus:
30171 Apfeltee, 5 TL (15g)
33790 Rooibusch grün, 3 TL ( 6g)

(Rezept für 1 Liter Eistee / TL = Teelöffel)

Zubereitung: 
Tee mit 200ml kochendem Wasser übergießen, 5 - 10 Minuten ziehen lassen,
mit restl. 800 ml eiskaltem Wasser oder Mineralwasser auffüllen und nach Geschmack mit Honig süßen.
Koffeinfreier Eistee, der auch den Kindergaumen verwöhnt. Der leicht herbe Rooibusch u. der süße Apfeltee liefern ein mildes, süßes Geschmackserlebnis (mal etwas anderes als Apfelschorle). Die Bowle reicht für ca. 6 - 8 durstige Eisteegenießer - auch eine prima auf jedem Kinderfest/-geburtstag. Verfeinern mit Melonenstückchen (Tipp, kleine Kugeln mit Kugelausstecher sehen schön aus) u. Minzblättern.


Tipp am Rande:   Früchtetee-Eiswürfel
Einfach Früchtetee (z. B. extraroter Früchtetee 33330 Zimtzicke) aufbrühen, abkühlen lassen, einfrieren, fertig





Sommerliche "Kelten"-Bowle

 

  • mit Früchte-/Kräutertee, alkoholhaltig. Statt Wein kann alternativ (Trauben-) Saft genommen werden.


Mischung aus:
1 Flasche Roséwein (0,75l o. 1l...)
33650 Keltischer Früchtetee, ca. 12 TL (ca. 25g)
Eiskaltes, spritziges Mineralwasser     je nach Geschmack 1/2 bis 1 Liter

(Rezept für ca. 2 Liter; reicht für ca. 6 - 8 Personen / TL = Teelöffel)

Zubereitung:
Tee mit 500 ml kochendem Wasser übergießen, mind. 15 Minuten ziehen lassen,  mit  500 ml eiskaltem Wasser auffüllen; kaltstellen. Rosé  hinzufügen, und je nach Geschmack mit eiskaltem, spritzigem Mineralwasser in einem Bowlegefäß auffüllen.
Eine äußerst süffige und erfrischende Angelegenheit ...! Leichter, fruchtig-süßer Begleiter für warme Sommerabende . Wer so richtig feiern möchte, kann auch die Hälfte (oder mehr..) des Mineralwassers durch trockenen Sekt ersetzen. Akzente setzen mit  heimischen Brombeeren, Himbeeren o. Walderdbeeren und mit Blüten und / oder Minzblättern dekorieren.




Viel Spaß beim Ausprobieren ...

Petra Prescher

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: eistee, bio, grüntee, schwarztee, rooibusch, früchte, teebowle
Anzahl Aufrufe: 4109

Apple iPad

Wer braucht sowas?

Nun ist es auch in Deutschland auf dem Markt und als sehr zufriedener iPhone-Benutzer habe ich mir das Apple iPad natürlich sofort beim Saturn "um die Ecke"
angeschaut, mal prüfend in die Hand genommen, gewogen und bedient - und wieder weg gelegt.

Sicher, das Gerät ist schön, wie alle Apple Produkte der letzten Jahre super designed, absolut funktional und stylish, so dass allein schon dadurch dieses "haben wollen"  Gefühl entsteht. Damit verdient Apple weltweit Milliarden und stieg in die Top-5 der weltweit wertvollsten Firmen auf.
Schon der erste iMac (Sie erinnern sich: Computer im transparenten Monitor-Gehäuse, in verschiedenen frischen Farben erhältlich) war so ganz anders als die langweiligen beige-grauen PCs der damaligen Zeit. Oder das MacBook meiner Tochter: aus einem Alu-Block (Uni-Body) gefräst, super solide verarbeitet, mit cleverer Akku-Anzeige und einem Netzkabel, dass nur magnetisch am Notebook befestigt ist und einfach nachgibt, bevor man es vom Tisch reißt - anders als die langweiligen Standard-Schlepptops aus dem Windows-Lager.
Apple-Rechner sind immer etwas edler und der Zeit voraus.
Und trotzdem blieb ich immer beim PC - das bisschen besseres Design oder kluge Ideen brachten mich nicht vom gewohnten Windows weg. Und XP stürzte ja auch gar nicht mehr so viel ab wie Win95.

Mein Widerstand gegen die Apple-Fraktion wurde das erst mit dem iPhone aufgeweicht. So was gab es in meiner Computer-Welt vorher nicht.
Zwar nutzte ich seit vielen Jahren sogenannte "Smartphones" der Firma Palm - mobile Telefone mit denen man auch Mails abrufen konnte, im Internet surfen und eBooks lesen konnte.
Musik machen, Spiele spielen - kleine Taschencomputer, gute Begleiter auf langen Bahnfahrten und schöne Männerspielzeuge.

Diese Firma Apple hatte alles noch mal verbessert: das Ding war ein besserer MP3-Player als ein iPod, spielte Videos und surfen im Internet machte damit Spass!
Bücher lesen war noch nie so komfortabel, sogar malen kann man mit dem Finger auf dem berührungs-empfindlichen Bildschirm.

Und das gibt es jetzt in einer größeren Version:
Das iPad ist wie ein großer iPod-Touch oder wie ein vergrößertes iPhone mit mehr Bildschirm aber ohne Telefon und Kamera.

Das iPad ist bestimmt ein tolles Gerät für Menschen, die Inhalte konsumieren möchten: Fotos gucken, Mails abrufen, Musik hören, Youtube-Videos schauen, Internet surfen.
Das wäre was für alle Menschen, die sonst keinen Computer haben, weil sie den zu kompliziert finden. Es beginnt schon mit dem Anschliessen: Netzkabel, Mauskabel, Bildschirm-Ausgang...
Das iPad funktioniert ohne Installation oder Verkabelung sofort nach dem Einschalten.
Das wäre auch was für Menschen, die nicht lernen wollen, mit Maus oder Tastatur umzugehen. Das iPad läßt sich konsequent mit den Fingern bedienen.
Es bietet für Computer-Abstinente, was McDonalds für Restaurant-Ungeübte brachte: leicht zu bedienende Fast-Food.
Auch bei McD "arbeitet" jeder mit den Fingern - spezielle "Werkzeuge" sind verpönt. Alle Menschen sind gleich.

Das iPad wäre zum Beispiel was für meine 79-jährige Mutter: die würde sich nie an so was kompliziertes wie einen Computer herantrauen (selbst ein Nokia-Handy hat sie uns vor Jahren zurückgegeben - zu kompliziert) aber bei meinem iPhone fand sie toll, dass sie die darauf gespeicherten Familienfotos mit einem Finger-"wisch" weiterblättern konnte.
Und so würde sie auch spielerisch das iPad bedienen.
Auf YouTube kann man Videos sehen, wo 4-jährige Kinder zum ersten Mal ein iPad in die Hände gedrückt bekommen und sich spielerisch die Bedienung aneignen. (Nicht ohne Grund wurde bei den ersten iPhones auf eine Bedienungsanleitung verzichtet - Apple fand, das sei alles selbsterklärend.)
Für alle Menschen denen ein "richtiger" Computer zu kompliziert ist, wird das iPad genau richtig sein.
Wahrscheinlich werden bald in ersten Luxus-Hotels und Senioren-Residenzen die Dinger zur Zimmerausstattung gehören.

Wer aber einen "richtigen" Computer bedienen kann und mehr möchte als vorgefertigte Kost konsumieren, für den eignet sich nach wie vor ein großer Computer besser.
Mein Kollege und Freund Thomas brachte das auf den richtigen Nenner: "ich habe mich für PCs begeistert, weil ich die aufschrauben konnte und verändern konnte und Karten austauschen konnte und selber Software dafür programmieren konnte. Das war der Reiz an Computern. Und genau das hat Apple verhindert und abgeschafft."

Apple fährt eine sehr restriktive Politik und lässt nur Software (sogenannte "Apps") zu, die dem Konzern genehm ist. Kontrolle und Zensur.
Apps können nur über die Apple-eigene Software "iTunes" auf die Geräte installiert werden. Kein offener Weg für eigene Dateien.
Apple weigert sich, in iPhones und iPads einen USB-Anschluss oder ein Karten-Laufwerk einzubauen und schottet dadurch die Geräte gegen Fremd-Software oder verändernde, erweiternde Peripherie ab. Schade.

Das geniale an Lego-Bausteinen war früher, dass man mit wenigen Grundformen ALLES bauen konnte. Der eigenen Phantasie waren keine Grenzen gesetzt.
Lego starb für mich, als in den 80er Jahren vorgefertigte Baukästen mit "Spezial"-Steinen in die Spielwaren-Läden kamen, mit denen man nur das bauen konnte was der Hersteller vorgesehen und bunt auf die Packung gedruckt hatte. Wie öde, wie langweilig.

Für kreative Computer-Schaffende kann das iPad nur eine nette Maschine sein, die zum bequemen konsumieren auf der Couch einlädt, ein Praliné für zwischendurch. Nice to have.
Aber es kann nicht die Maschinen ersetzen, mit denen wir WebSites entwickeln, Bücher schreiben, Musik komponieren oder Fotos bearbeiten.

Ich habe das iPad im Saturn-Markt wieder weggelegt. Wenn ich mal 500 Euronen übrig hätte - mag sein, dass ich dieses edle Spielzeug kaufen würde.
Es würde auf dem Couchtisch liegen oder neben dem Bett und sicher auch mal benutzt werden - aber nicht den Computer ersetzten, an dem ich gerade diesen Blog-Beitrag schreibe.



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz
ist Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem    Fensterkpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.

Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein. 

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: ipad, apple, computer, pc, iphone, ipod, all
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