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Gastbeitrag
28.04.2010
12:30

Mikrokosmos: Cyber - Trüffel

Ornamente im Mikrokosmos

Tuber aestivum Sporenkomet

Als wir diese unglaublichen mikroskopischen Bilder von Trüffelsporen  sahen, waren wir begeistert  und entschieden sofort, uns von den Autoren die Erlaubnis zu holen, sie im Mikrokosmos veröffentlichen zu dürfen.












Tuber mesentericum Sporen
Frank Krajewski, Pilzsachverständiger wie wir und tragendes Mitglied des Ahrtrüffel e.V. und Karin Lühr haben  mehrere Bilder vom Lichtmikroskop übereinander gestapelt (so wird die Plastizität erreicht) und bearbeitet.

 

 

 

 


Tuber mesentericum
Deutlich ist zu sehen, dass die Sporen beider Trüffelarten rundlich sind und von einem netzig-gratigen, fast wabenartigem Ornament überzogen sind.


Aktuelle Informationen und die Gründungsgeschichte des Vereins Ahrtrüffel e.V. zur Erhaltung und Förderung der Trüffel in Deutschland kann man über die Homepage Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ahrtrueffel.com und im Trüffelblog  (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://ahrtrueffel.blogspot.com)  erhalten.


Bei über kulinarische Aspekte hinausgehendem Interesse an diesen eigenartigen Schlauchpilzen ist die Teilnahme am jährlich  in Sinzig abgehaltenen Trüffelsymposium sehr zu empfehlen.






Also, gebt Euch dem Genuss dieser optischen Preziosen hin!!




Eva Wandelt, Lothar Claußnitzer






Bilder mit Klickvergrößerung





Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos ©  Frank Krajewski,  Karin Lühr  

  



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Tags: trüffel, pilze, mikrokosmos
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Südafrikareise (4): Vom Rheinland nach Wupperthal

Lieferantenbesuche in Südafrika

Reisebericht in Fortsetzungen ... hier der 4. Teil.

(1. Teil: Öffnet externen Link in neuem   Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/15/vom-rheinland-nach-wupperthal-1.htm )
(2. Teil: Öffnet externen Link in neuem  Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/19/vom-rheinland-nach-wupperthal-2.htm  )
(3. Teil: Öffnet externen Link in neuem Fenster http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/20/vom-rheinland-nach-wupperthal-3.htm  )


Am 25.3.2010, in der Osterzeit, machten wir uns vom Rheinland aus auf den Weg nach Wupperthal, Südafrika.
Wupperthal (ca. 10.000km von Köln entfernt) in der Provinz Western Cape in Südafrika wurde 1829 als Station der Rheinischen Mission gegründet und ist heute ein schmuckes Dorf in einem lieblichen Tal, mit durchfließendem Flüsschen und schattigen Bäumen. In dieser Region am Fuße der Cederberge leben die Nachfahren der Khoi-San People. Von dort stammt unser Bio-Rooibusch Tee, von der Wupperthal Original Rooibusch Cooperative, einem Kleinbauern-Zusammenschluss und unsere Partner, die wir besuchen wollten. Unsere erste Station war noch weiter im Norden gelegen die Bio-Rooibusch-Cooperative Heiveld nahe Nieuwoudtville. Unser letzer Besuch ging zum Honeybuschprojekt Ericaville/Kurland, eine Township nahe Knysa/Plettenberg im Eastern Cape. Da kommt unser Bio-Honeybusch Tee her.
Unsere 8-köpfige Reisegruppe bestand aus: uns beiden, Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner von der Heuschrecke GmbH, Dr. Benedikt Kaukler - Koordinator und Importeur für die Ware unserer Bio-Kleinbauernprojekte, Ton Vink - Gründer der Bio-Kräuter- und Gewürzfirma Herbier du Diois in der Drôme in Frankreich (er ist Amsterdamer, lebt seit den 80ern in Frankreich und war damals einer der ersten Heuschrecke-Lieferanten), sowie Dr. Sarath Ranaweera - Teewissenschaftler und Gründer des Bio-Kleinbauernprojekts SOFA und der Firma Biofoods in Sri Lanka. In Kapstadt stieß Sönke Hobbensiefken zu uns, unser Export-Partner in Südafrika, in Windhuk in Namibia geboren, in Hannover aufgewachsen und als studierter Demeter-Landwirt nach Südafrika ausgewandert. Einen Tag später wurde unsere Achter-Gruppe komplett mit Arlette Rohmer, Gründerin des Bio-Tee-Herstellers Jardins de Gaia im Elsaß in Frankreich, und Christine Nachmann, professionelle Fotografin, Deutsche, seit über 10 Jahren in Kapstadt lebend.

 





Südafrika, Cederberg-Region mit  Wupperthal

Südafrika, Western Capeland

Von Nieuwoudtville ging unsere Reise wieder 200 km in den Süden, nach Wupperthal, unserem eigentlichen Hauptziel. Hier besuchten wir unsere Bio-Rooibusch-Lieferanten, die Wupperthal Original Rooibusch Cooperative, eine Gemeinschaft von 80 Kleinbauernfamilien.



 

 

 

 

 


 

Cederberg-Region um WupperthalReifenpanne

Wupperthal liegt im malerischen Tra-Tra River Tal in den Cederbergen, insgesamt eine unwegsame, karge Region zwischen 600 und 1100 m Höhe, eine wunderschöne Halbwüsten-Landschaft.



Nur Schotterstraßen, jedes Auto einen Reifen gehimmelt, unser Wechsel wurde von Baboons (Pavianen) beobachtet, sonst menschenleer, auf hunderten Kilometer 2 entgegenkommende Autos.









Cederberg-Region um Wupperthal, StraßeCederberg-Region um Wupperthal
Bevor wir jetzt von unseren Rooibusch-Bauern erzählen: erst eine Erklärung zu Wupperthal, die sehr ausführlich geraten ist, und uns fasziniert hat, weil so eine Art Zeitraffer zwischen Eisenzeit und heute in kaum 200 Jahren abgelaufen ist, und die auch infolge der Missionsaufzeichnungen und einer Dissertation an der Uni Kapstadt so schön dokumentiert ist.















Cederberg-Region um WupperthalCederberg-Region um Wupperthal ( das Grüne ist Wupperthal)
Die Gemeinde Wupperthal wurde 1829/1830 von den Rheinischen Missionaren Gottlieb Leiboldt und Von Wurmb als Missionsstation gegründet, auf Farmland, das sie erwerben konnten.










Die koloniale Situation und ihre rauen Folgen - ab ca. 1650 drängten weiße Abenteurer, oft in der Heimat straffällig gewordene Flüchtlinge, sowie weiße Siedler (trekboer, Buren) tiefer ins Kap-Hinterland hinein - ereichte die unzugängliche und landwirtschaftlich unattraktive Cederbergregion später und in etwas "abgemilderter" Form.

 

 

 

Cederberg-Region um Wupperthal
Zur Zeit der Missionsgründung war das Gebiet besiedelt von Khoikhoi (nomadisierenden Viehzüchtern, auch Hottentotten genannt, und auch bekannt aus dem dt.-südwestafrik. Namibia), San (Jäger und Sammler, auch Khoisan oder Buschmänner (bushmen) genannt), und diversen Mischlingen (Bastaards, mit weißen, Khoikhoi-, Khoisan- oder malayischen (Ex-Sklaven) Vorfahren). Vereinzelt gab es weiße Farmen.








 Cederberg-Region um Wupperthal

Die San waren die stärksten Verlierer der Kolonialisierung. Seit mindestens 8000 Jahren für das Kapland belegt, sind sie praktisch innerhalb von 250 Jahren so gut wie verschwunden. Die archaische Lebensweise passte am wenigsten zur sesshaften Lebensform mit individuellem Landbesitz der weißen Siedler. Common Land wurde zu Crown Land, was Enteignung bedeutete. Sie waren "unangepasst", nicht bereit, lohnabhängig zu arbeiten, und wehrten sich mit Überfällen und Raub. Sie wurden vertrieben, dezimiert, und ihre Kinder organisiert für Zwangsarbeit verschleppt. In der späteren Missionsstation waren sie an eher schwächster Position, anfällig für Gewalt und Alkoholismus.

 

 

 

 

 Wupperthal liegt vor uns im Tal (das Grüne)Straßenschild Wupperthal

Die Khoikhoi waren als Viehzüchter mit traditionellem Wissen um die schwierige Halbwüstenregion schon interessanter für die Siedler - was sie einerseits nicht vor Enteignung und Verarmung schützte, andererseits schafften es einige Clans, offizielle Landtitel und damit einen gewissen Wohlstand und Respekt zu bekommen. Sie bildeten die rurale Elite.






Im Klima der Verrohung zwischen weißen Besetzern und Einheimischen, des Verlusts der alten sozialen Gefüge, und der Zunahme "illegitimer" Beziehungen mit ihren Bastaardkindern wurde nach Missionen gerufen, zur "spirituellen Erziehung". Ab ca. 1800 waren englische, niederländische, die deutsche Herrnhuter (Moravian), und schließlich die Rheinische Mission vor Ort.

 

 

Ankunft in Wupperthal - wie vor 150 Jahren  ...

Ankunft in Wupperthal - wie vor 150 Jahren ... - fast ...
Die ersten 10 Jahre der Mission in Wupperthal waren ein Fiasko. Bis auf wenige Clans, die aus dem Getauft-Sein Reputation bezogen, wurde der christliche Glaube nicht angenommen, und obwohl Missionsstationen einen gewissen Schutz vor den kolonialen Ungerechtigkeiten boten, gab es eine hohe Fluktuation.









Wupperthal: das Leipoldt-Haus ist jetzt ein CaféWupperthal: Mission Store
Erst 1840 änderte sich die Situation: eine Anzahl bereits christianisierter Familien von Ex-Sklaven zog hinzu (etwas verzögert nach dem Verbot der Sklaverei 1833), die über Bildung und handwerklicher Ausbildung verfügten. Gleichzeitig beschloss Leipoldt, konzentriert eine lokale Industrie zu entwickeln und ließ Fachleute aus Deutschland anreisen.







Wupperthal: Mission StoreWupperthal: Mission Store


In den nächsten 10 Jahren wurde eine Gerberei, Schuhfabrik, Hutfabrik, Schreinereien, Karrenbauerei und eine Mühle aufgebaut, und die Landwirtschaft und Viehzucht verbessert. Die Clans der Ex-Sklaven-Familien bildeten als Handwerker nun die Missionselite.










Wupperthal Schuhfabrik: in der besten Zeit gab es 40 Angestellte, heute 5Wupperthal Schuhfabrik: in der besten Zeit gab es 40 Angestellte, heute 5















Wupperthal Schuhfabrik: die LeistenWupperthal Schuhfabrik: in der besten Zeit gab es 40 Angestellte, heute 5
















Wupperthal Schuhfabrik: früher wurde das Leder selber gegerbt, heute kommt es aus Cape TownWupperthal Schuhfabrik: ganz weiches Leder, ganz schöne Modelle ...
















Wupperthal: erste Missionshäuser, hier sieht man den MaterialaufbauWupperthal: erste Missionshäuser
Es folgte eine Phase bescheidenen Wohlstands, es gab eine Grundabsicherung für Arme und Kranke, und man begann, mit festen, weißen Steinhäuser mit Reetdach die alten Hütten zu ersetzen. Ebenfalls wurden neue Teacher Training Programs für schwarze/farbige LehrerInnen eingerichtet.









Wupperthal: MissionshäuserWupperthal: Missionshäuser














Bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es zwei Wirtschafts- bzw. Spekulationskrisen, den südafrikanischen Burenkrieg, und immer wieder Dürreperioden, die die Mission überforderten. Es konnten nicht mehr alle versorgt werden, viele zogen in die Städte wie Clanwilliam, Tulagh, bis Capetown, um ihr Glück zu versuchen, ungewollte und sehr frühe Schwangerschaften, (sexuelle) Gewalt und Alkoholismus bereiteten regelmäßig große Probleme. Die alteingesessenen Khoikhoi-Bauern verarmten (sie hatten ihr Land an die Mission verkauft, und hatten nun Schwierigkeiten, ihre Pacht zu bezahlen) und rebellierten gegen die Missionare aus Angst vor Landverlust. Die Missionare regierten phasenweise mit einem harten, autoritärem System von Kontrolle und Strafe.




Wupperthal: PostWupperthal: Weg zum Teacourt an der Kirche vorbei
















Auf der anderen Seite bildete sich so etwas wie eine neue, verantwortungsbewusste, bürgerliche Elite, die an der Gemeindeverwaltung aktiv teilnahm. Die vielfältigen ethnischen Herkünfte verschmolzen anfangs des 20. Jahrhunderts zu einer neuen Identität von farbigen, politisch empfindenden Bürgern.
Ein erstes Bild der Rainbow Nation Mandelas. Dieser Geist war auf unserer Reise trotz aller aktuellen Probleme immer spürbar und hat uns in den Bann gezogen.

Es war auch eine Initiative der Bauern Anfang des 20. Jahrhunderts, den "Rother Buschtee" (Rooibuschtee) mit gutem Erfolg zu vermarkten, ein Getränk, was immer schon bei Einheimischen bekannt war. 




Wupperthal: Friedhof, Gräber bestehen traditionell aus 2 SteinenWupperthal: Kirche

Die Mission mit ihren umliegenden Außenstationen zählte zu ihren stärksten Zeiten über 2000 Einwohner. Das Land reichte trotz Zukäufe nicht, um die Bauernfamilien mit Pachtland zu versorgen.

Es organisierte sich ein Zyklus, in dem die ältesten Kinder jeweils in die Stadt für einen Zuverdienst arbeiten gingen, und zurückkehrten, wenn die Jüngeren soweit waren, um dann selber eine Familie zu gründen. In kurzen Perioden lief es rund, zumal auch, wenn die örtliche Industrie gute Aufträge bekam. Über die ganze Zeit betrachtet sieht man jedoch den ständigen Kampf gegen Armut, Hunger und soziale Probleme.





Wupperthal: auf dem Weg zum Teacourt. Die   heutige Teehalle war früher die Gerberei.

Wupperthal: Herzlicher Empfang (Barend  Salomo, Heinz-Dieter Gasper, Ben Kaukler)
Im 20. Jahrhundert setzte eine massive Ökonomisierung des Lebens ein. Farbige Menschen wurden im Arbeitsleben schlechter behandelt und bezahlt als zuvor - hier gab es in der Mission zumindest eine schützende Hand vor der schlimmsten Ausbeutung. Alles Land war jetzt in Besitz von weißen Farmern oder der (weißen) Mission.








Wupperthal: heute geernteter Rooibusch zur WeiterverarbeitungWupperthal: heute geernteter Rooibusch zur Weiterverarbeitung













Die zwei Weltkriege ließen das Schicksal der deutschen Mission ungewiss werden, da auf jeden Fall ein Teil mit den Nationalsozialisten Hitler-Deutschlands symphatisiert hatte. Ab dem Ende des 2. Weltkriegs bereitete sich der Rückzug der Mission vor, es gab eine Phase der Rebellion der jungen Männer gegen ihre schlechten Zukunftschancen, und auch Misswirtschaft/Veruntreuung seitens der Missionsleitung. Die Alten, die im Krieg gegen Deutschland gekämpft hatten, begannen, offen gegen die Leitung zu opponieren.






Wupperthal: Pause vor der TeehalleWupperthal Teehalle: Liste, wer das Tagesgebet spricht. Die Namen sind dieselben wie schon vor 170 Jahren
In einem Klüngel sollte die Station an die apartheidnahe "holländische" Landeskirche übergeben werden. Nach starken Protesten der Bürger konnte das verhindert werden, sodass die Mission schließlich unter der letzten friedlichen und produktiven Leitung 1965 an die gemäßigtere Moravian Church ging. Die weißen Missionsfamilien und einige Familien aus der farbigen Elite zogen dann weg, mit dem Nachteil, dass auch handwerkliches und industrielles Wissen abgezogen wurde.









Wupperthal: der halbe Vorstand der Wupperthal Original Rooibusch Cooperative: Barend, Piet (sein Bruder), Sofia. Im Dorf redet man sich mit Vornamen und aunt (Tante) bzw. uncle (Onkel) an.
Zurück zur Gegenwart: mit fast einem Déjà-Vu-Gefühl kamen wir an in diesem schmucken Dorf mit Häusern, die in einem deutschen Freilichtmuseum hätten stehen können. Barend Salomo, Vizepräsident der Cooperative hatte uns erwartet - nach einem familiären und herzlichen Empfang wendeten wir uns sofort dem Thema Rooibusch zu ...




... hier gehts weiter: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/05/11/suedafrika-reise-5-vom-rheinland-nach-wupperthal.htm








Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner


Fotos: © Heuschrecke Naturkost GmbH
Fotos mit "cn" im Dateinamen: © Christine Nachmann, Fotografin aus Scarborough, Südafrika



Literatur: Mark Ch. Bilbe: Wupperthal. The Formation of a Community in South Africa 1830-1965. Köln 2009. Diese englische Dissertation (aus Kapstadt) ist weitgehend mit Material aus dem Archiv der Rheinischen Mission entstanden. Es wird auch im Herbst 2010 in einer deutschen Übersetzung veröffentlicht werden.
Die Archiv und Museumsstiftung der VEM (Vereinte Evangelischen Mission) hatte uns dieses Buch freundlicherweise zugesandt.


Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass die Fotos nicht original alt sind - obwohl natürlich viele der dargestellten Sujets aus der Originalzeit stammen.

Wer also die alten Geschichten nicht lesen will, kann sich zumindest über neue Fotos freuen - dahinter verbergen sich Erklärungen (mit dem Cursor auf das Bild gehen). Bilder können mit Doppelklick vergrößert werden. Über unsere Bauern, und wie Rooibusch geerntet und verarbeitet wird, erzählen wir das nächste Mal.




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Tags: südafrika, rooibos, wupperthal, kleinbauern, rheinische mission, kolonialismus, schuhfabrik
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Gastbeitrag
23.04.2010
15:30

Ohrenkuss: Ich warte auf Veränderung

Interview mit Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen

Svenja Giesler (Jahrgang 1980) ist Gründungsmitglied von Ohrenkuss ...da rein, da raus, dem Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom.
Diesen Text schrieb sie, als die Ohrenkuss-Redaktion die Fragen für das Interview mit Hubert Hüppe vorbereitete. Zunächst einmal war Svenja Giesler der Meinung, dass es ohnehin eine Scheißsituation sei, in der sie lebt: Das Spüren der Ohnmacht.
Von ihr stammt ja auch das Zitat: "Ich habe Down-Syndrom, aber ich stehe dazu. Ich bin kein Alien, denn ich bin so wie ich bin. Jeder soll es verstehen und mich respektieren."
Wir regten an, dass sie sich nicht der Ohmacht und dem Jammern ergeben solle: "Svenja, nutze deine Stärke. Das ist das Schreiben. Verfasse einen Text, der all das ausdrückt, was dich stört, was dich bewegt, was dich verletzt. Bleibe dann aber nicht beim Jammern, sondern sag auch, was du ändern möchtest, was deine Vision ist. Trage diesen Text dem Hüppe vor, er soll verstehen um was es dir geht, überzeuge ihn. Er soll sich immer daran erinnern. Und dann wird er sich darum kümmern, dass sich die Dinge ändern - das ist seine Arbeit, er ist der Politiker. Du bist die Schriftstellerin." Jeder kämpft mit seinen eigenen starken Waffen.
Svenja Giesler hat den Text während des Interviews zur Einstimmung vorgetragen - nachdem die Begriffe "Inklusion und Integration" besprochen wurden und bevor man ans Eingemachte, das Politische ging.
In den mehr als zwölf Jahren unserer Zusammenarbeit habe ich viele bewegende Momente erlebt. Zu erleben, wie Svenja Giesler den Text schrieb und später vortrug, gehört sicherlich dazu.

Dr. Katja de Bragança, Herausgeberin







Ohrenkussredakteurin Svenja Giesler, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Hubert Hüppe

Ich warte auf Veränderung

 


Man fühlt sich (darf ich ruhig sagen) scheiße und allein gelassen.
Ausgegrenzt.
Man fühlt sich mies.
Man fühlt sich auch in Stich gelassen.
Man möchte anerkannt werden.
Ich möchte, dass die Menschen mich respektieren.
Dass sie Respekt vor mir haben.
Die sehen nicht an mir, wie ich mich fühle.
Dass es mir Angst einjagt und dass es sehr erschreckend für mich ist.
Die sehen die Menschen nicht.
Nur ein Beispiel:
Ich fahre mit meiner Mami in einem Bus.
Es sind mehrere Leute drin, teils stehend, teils sitzend.
Dann fangen die auf einmal an, mich anzustarren und denken folgendes:
"Wie sieht die denn aus? Ich habe noch nie im Leben eine Behinderte gesehen. Wie sieht die denn aus?"
Und dann fühle ich mich scheiße und ich bin auch sehr traurig und in meinen Gefühlen verletzt.
Ich möchte, dass es aufhört mit dieser Anstarrerei.
Wirklich!
Ich möchte respektiert werden - wie ich bin.



    Svenja Giesler   Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de/projekt/portraits/giesler/



 




Ohrenkussredakteure Julian Göpel, Angela Fritzen, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Hubert Hüppe
Der neue Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, stellte sich im Interview den Fragen der Bonner Ohrenkuss Redaktion zum Thema Integration/Inklusion.
Die Fragen stellten Angela Fritzen, Svenja Giesler, Johanna von Schönfeld, Julian Göpel und der Ohrenkuss Außenkorrespondent Tobias Wolf (am Telefon). Ohrenkuss Außenkorrespondentin Anna Maria Schomburg schickte ihre Fragen per eMail.
Die Begriffe Inklusion und Integration wurden während des Interviews ausführlich mit Hilfe verschiedenfarbiger Gummibärchen erklärt.



Svenja Giesler: "Herr Hüppe, was ist denn der Unterschied zwischen Integration und Inklusion? Wissen Sie, was hilft? Nicht so schnell reden. Deutlich reden. Man muss auch Geduld haben mit mir. Das habt Ihr nicht so alle."

Hubert Hüppe: "Ich würde sagen, bei der Inklusion, da sind von vornherein alle dabei. Da sagen alle: Ist ok, wie du bist, du bist bei uns. Du gehörst zu uns.
Und jetzt Integration: Da wurden Menschen vorher erst mal rausgetan (sortiert verschiedene Gummibärchen raus). Die einen sagen: Du bist anders. Wir tun dir ja nur Gutes. Da gibt's bestimmt sonst welche, die sagen böse Worte oder starren dich an, und das ist ja auch nicht gut. Geh auf eine Sonderschule, da fühlst du dich dann auch wohl. Da ärgert Dich auch keiner, die sind auch alle so wie du.
Dann wird eine Tür aufgemacht und gesagt: So, jetzt kannst du (doch) wieder rein. Das ist die Integration.
Das ist ja immer noch besser, als wenn man sie (die Ausgeschlossenen) da draußen lässt. Es ist aber schwierig, weil man sich ja nie kennen gelernt hat."

Angela Fritzen: "Die Ohnmacht fühlt sich scheiße an, Herr Hüppe. Wie können Down-Syndrom Leute in der Politik mitarbeiten. Ich kenn mich nicht aus mit der Politik.
Wie können wir mitmachen, obwohl wir langsam sind?"

Hubert Hüppe: "Informationen müssen verständlich sein: Ich habe zum Beispiel gefordert, dass im Fernsehen und im Radio einmal am Tag die Nachrichten in einfacher Sprache gesendet werden sollen, damit man auch gucken kann, was passiert im Bundestag, was wird da überhaupt beschlossen? Was machen die da den ganzen Tag?
Sie können mehr über Politik lernen: Sie könnten zum Beispiel Fortbildungen machen. Es gibt politische Stiftungen.
Das sind Einrichtungen, wo man politische Bildung anbietet: Wie und wo Politik gemacht wird. Jetzt gibt's demnächst ein Seminar, wo sich Leute mit und ohne Behinderung treffen und über das, was sie interessiert, reden. Zum Beispiel: Ich will nicht in die Werkstatt, ich will woanders arbeiten. Oder wenn ich in der Werkstatt arbeite, dann will ich mehr Geld haben. Dafür kann man sich auch einsetzen. Man kann auch politisch arbeiten: Es gibt Werkstatträte. Es gibt Menschen, die ihre Interessen in einer Wohneinrichtung - es heißt ja Wohnheim - vertreten. Da könnte man auch mitmachen."
Ohrenkussredakteurin Johanna v. Schönfeld, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Hubert Hüppe
Johanna von Schönfeld: "Herr Hüppe, ich bin eine Schülerin. Ich bin 18 Jahre alt. In meiner alten Schule - das war eine integrative Realschule - gab es mehr Unterricht und mehr strenges, ernstes Schulleben. Es wird dort die Schuljahre durchgezogen. Jetzt in der Förderschule (seit 2 Jahren) dreht sich alles rum: Es wird kaum richtiger Unterricht gemacht. Ich meine damit: Es gibt keine Stundenpläne. Meine Fächer ändern sich immer. Können Sie sich vielleicht darum kümmern, dass es viele Schulen mit ordentlichem Unterricht Stundenpläne gibt? Wir möchten etwas lernen."

Hubert Hüppe: "Ich will mich drum kümmern, und ich sag das auch an jeder Stelle, wo ich es sagen kann, und ich hoffe auch, etwas zu erreichen. Nächste Woche bin ich auf einem Kongress - ‚Eine Schule für alle' - der sich auch dafür einsetzt, dass Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, auf eine Schule gehen können, und dass jeder soviel lernt, wie er auch lernen kann. Viele Lehrer gucken ja erst immer, was jemand nicht kann, anstatt mal zu gucken, was kann der. Ich möchte, dass jeder soviel lernt, wie er auch lernen kann, und jeder so, wie er ist. Der Eine kann halt gut rechnen, und der Andere kann eben nicht so gut rechnen, aber ich möchte, dass jeder in seinem Bereich soviel lernt, wie er eben lernen kann. Und dafür braucht er auch einen vernünftigen Stundenplan, und dafür braucht er auch vernünftige Lehrer, die auch nicht sagen: ‚Der kann das eh nicht!', sondern die dann eben soviel beibringen, wie man beibringen kann. Und da ist jeder Mensch gleich viel wert."

Johanna von Schönfeld: "Ich habe schon viele Schulbetriebspraktika gemacht. Auch in der öffentlichen Werkstatt.
Das stelle ich mir für mein Leben nicht so vor. Ich würde gerne in einer Kindereinrichtung arbeiten. Da würde ich gerne mitzupacken und zeigen, was ich kann.
Können Sie unterstützen, dass so was an Arbeitsplätzen sinnvoll klappen kann?"

Hubert Hüppe: "Ich will es auf jeden Fall unterstützen, wo es immer geht. Ich möchte natürlich, dass viele, viele Menschen nicht nur zusammen zur Schule gehen, sondern auch zusammen arbeiten. Ich glaube, wenn mehr Leute miteinander schon gelernt haben, in der Schule, im Kindergarten, dann weiß man (irgendwann) überall, wie man miteinander umgeht. Dann glaube ich, dass auch viel mehr (Menschen) eine Chance haben auf dem ersten Arbeitsmarkt und nicht in einer besonderen Werkstatt.
Wenn jemand in die Werkstatt geht, kostet das ja auch Geld. Das nennt man Eingliederungshilfe. Dafür wird Geld bezahlt, das bekommt diese Einrichtung. Ich stelle mir vor, dass Sie zum Beispiel sagen: Ich will lieber woanders arbeiten, gebt mir doch das Geld. Dann gehe ich mit diesem Geld zu einem anderen Arbeitgeber. Meinetwegen zu einem Kinderheim oder einem Kindergarten und sage: Hier, ich habe auch ein bisschen Geld mitgebracht, ihr tut noch was für meine Arbeit drauf, und davon kann ich leben. Dann geht das. Ich hoffe, dass man dadurch noch viele  Arbeitsplätze schaffen kann und dadurch, dass Sie (zeigt auf Johanna von Schönfeld) dann vielleicht auch ihren Traum wahrnehmen können, dort zu arbeiten. Oder ich weiß ja nicht, wo Sie arbeiten wollen, in einer Jugendherberge oder anderswo."

Johanna von Schönfeld: "Später in der Zukunft möchte ich mit einem Partner zusammenleben und es sollte dafür Wohnunterstützer geben, z. B. verschiedene Einrichtungen, die da beruflich arbeiten. Können Sie dafür sorgen, dass es so etwas gibt?"

Hubert Hüppe: "Ich persönlich kann das nicht, ich kann so was immer nur fordern. Ich bin ja Behindertenbeauftragter.
Das heißt, ich muss mich für das einsetzen, was Menschen mit Behinderung betrifft. Ich kann jetzt zum Beispiel sagen: Die meisten Leute wollen jetzt vielleicht alleine leben. Die wollen nicht mit 30 anderen zusammen leben. Das würde ich auch nicht wollen, ich persönlich. Es gibt Menschen, die können alleine leben, ich glaube auch mehr, als es bisher tun. Und es gibt welche, die brauchen Unterstützer. Und das muss auch sein. Man muss das üben und lernen, das Alleine-Leben. Dafür müssen wir dann natürlich auch Leute haben. Das heißt, die arbeiten dann nicht mehr in dem Wohnheim, sondern die unterstützen Sie (zeigt auf Johanna von Schönfeld) und dann möglicherweise auch Ihren Partner, wenn Sie einen haben und sagen: Ok, aber nur soweit wie nötig. Also nicht, dass man sagt: Ich hab keine Lust, ich will nicht mehr kochen. Sondern dass man für die Dinge, die man wirklich selber nicht kann und die man auch nicht lernen kann, dass man da jemanden hat, der einen unterstützt.
So kann jeder unabhängig arbeiten. Das wird auch nicht teurer, die Heime sind ja auch sehr teuer. Und Sie werden viel selbstständiger und könnten dahin gehen, wo Sie wollten und müssen nicht um 10 Uhr zu Hause sein. Und vielleicht gehen Sie mal nach Hause, und vielleicht aber auch nicht nach Hause. Mal wollen Sie vielleicht auch die Verwandten besuchen, und mal sagen Sie auch: Nö, da habe ich jetzt aber keine Lust zu. Ich will jetzt zum Fußball oder tanzen oder sonst was."

Julian Göpel: "Herr Hüppe, was möchten Sie in den nächsten vier Jahren genau erreichen?"


Hubert Hüppe
: "Ich möchte erreichen, dass eben tatsächlich mehr Menschen eine gemeinsame Lebenswelt haben. Dass man in einer Welt lebt, dass mehr Menschen zusammen arbeiten, lernen, spielen. Das ist schon eine ganze Menge! Und dann gibt es das Thema noch mit den Ansprüchen ..."

Julian Göpel: "Ja, wir brauchen manchmal Unterstützung, wir haben auch Ansprüche."

Hubert Hüppe: "Das Problem ist eigentlich nicht der Anspruch. Den hat man, der steht auch so im Gesetz. Aber wenn man dann zur Behörde kommt und sagt: Hier, ich habe im Gesetz gelesen, ich kriege das und das, dann sagen die: Moment mal, Sie sind hier gar nicht richtig. Ich schick Sie mal woanders hin. Und wenn Sie dahin kommen, dann sagt der: Ne, ne, hier sind Sie nicht richtig. Ich schick Sie woanders hin. Dann kommt man von einem zu anderen und jeder sagt, er sei gar nicht der Richtige, er sei gar nicht zuständig. Und oft wird das solange gemacht, bis man irgendwann aufgibt. Deswegen möchte ich, dass man eine Stelle schafft, die einem hilft und berät, und einem erklärt, was man für Ansprüche hat. Eine Stelle, die einen nicht sofort wieder wegschickt. Die hilft, dass man das, was man braucht auch bekommt. Das ist eins meiner Hauptziele. "

Hubert Hüppe: "War das heute so in Ordnung, was ich gesagt habe? War das zu schwierig? Konnten Sie das verstehen?"

Johanna von Schönfeld: "Ich hab das gut verstanden, was Sie gesagt haben. Und ich bin damit einverstanden."

Svenja Giesler: "Es geht mir schon jedenfalls viel besser. Mir geht's jedenfalls besser, auf jeden Fall. Ich hoffe auf Veränderung!

Angela Fritzen: "Wir bedanken uns für das Gespräch."

Hubert Hüppe: "Mir hat's Spaß gemacht, danke auch."

Tobias Wolf: "Thank you, Mr. Hüppe, for coming."


Einen Bericht über das Interview im Bonner General Anzeiger und die komplette Version des zweistündigen Gesprächs finden Sie hier:  Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-interview.de




 

 


Einige Ohrenkuss-AutorInnen  in einem Kölner Hinterhof.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
Öffnet externen Link in neuem  Fensterwww.ohrenkuss.de


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Fotos: Peri de Bragança

 

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Tags: hubert hüppe, behindertenbeauftragter, integration, inklusion, ohnrenkuss
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way-back-machine

Take me back...

Logo der WayBackMachineIm Internet gibt es mythische Orte.

So wie wir über Kindheitsfotos in alten Fotoalben staunen,
ein wohliger Schauer uns bei Funden auf dem Dachboden durchrieselt
oder wir uns in Museen über alte Schätze und Kunstwerke freuen, so gibt es mittlerweile auch digitale Schatzkisten im weltweiten Netz.

Die WayBackMachine ist ein gemeinnütziges Projekt, das seit 1996 Momentaufnahmen von Webseiten speichert und öffentlich zugänglich archiviert.

Startseite der WayBackMachine
Jeder kann unter der Adresse Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.archive.org/
eine beliebige Internet-Adresse (URL) eingeben - und sieht Schnappschüsse dieser WebSites aus den vergangenen Jahren.

heuschrecke.com im Archiv der WayBackMachineSo sind für die WebSite www.heuschrecke.com zum Beispiel 223 Zustände seit dem 04. Februar 1998 gespeichert -
12 Jahre alte Internet-Seiten, die uns eine kleine Zeitreise in die Anfänge deutschen Webdesigns machen lassen.
Und nicht nur die Texte sind für die Ewigkeit archiviert, wenn man ein wenig länger wartet, kommen auch die Bilder, Buttons  und Hintergründe der Seiten.

Das wird auf Anforderung von den gigantischen Speichern des Archivs in San Francisco geholt, wo mittlerweile mehr als 150 Milliarden Seiten gesichert sind.
Unglaubliche Schätze oft längst versunkener Königreiche...


heuschrecke.com im Jahre 1996Versuchen Sie es doch mal mit Ihrer Internet-Adresse!


Eine Sammlung der ältesten Websites findet man unter: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://web.archive.org/collections/pioneers.html

Die WayBackMachine wird durchschnittlich täglich von 150.000 Nutzern besucht und wächst seit 1996 um monatlich geschätzte 100 Terabyte an.

Seit dem Sommer 2008 sind leider keine neuen Momentaufnahmen mehr dazugekommen - niemand weiß warum.
Mythen oder doch Mysterien des Internets...



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz
ist Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem  Fensterkpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.

Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein. 

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Tags: waybackmachine, internet, geschichte, heuschrecke, website, nachrichten, all
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Vom Rheinland nach Wupperthal (3)

Unsere Lieferanten in Südafrika. Ein Reisebericht

Reisebericht in Fortsetzungen ... hier der 3. Teil.
(1. Teil: Öffnet externen Link in neuem  Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/15/vom-rheinland-nach-wupperthal-1.htm )
(2. Teil: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/19/vom-rheinland-nach-wupperthal-2.htm   )


Am 25.3.2010, in der Osterzeit, machten wir uns vom Rheinland aus auf den Weg nach Wupperthal, Südafrika.
Wupperthal (ca. 10.000km von Köln entfernt) in der Provinz Western Cape in Südafrika wurde 1829 als Station der Rheinischen Mission gegründet und ist heute ein schmuckes Dorf in einem lieblichen Tal, mit durchfließendem Flüsschen und schattigen Bäumen. In dieser Region am Fuße der Cederberge leben die Nachfahren der Khoi-San People. Von dort stammt unser Bio-Rooibusch Tee, von der Wupperthal Original Rooibusch Cooperative, einem Kleinbauern-Zusammenschluss und unsere Partner, die wir besuchen wollten. Unsere erste Station war noch weiter im Norden gelegen die Bio-Rooibusch-Cooperative Heiveld nahe Nieuwoudtville. Unser letzer Besuch ging zum Honeybuschprojekt Ericaville/Kurland, eine Township nahe Knysa/Plettenberg im Eastern Cape. Da kommt unser Bio-Honeybusch Tee her.
Unsere 8-köpfige Reisegruppe bestand aus: uns beiden, Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner von der Heuschrecke GmbH, Dr. Benedikt Kaukler - Koordinator und Importeur für die Ware unserer Bio-Kleinbauernprojekte, Ton Vink - Gründer der Bio-Kräuter- und Gewürzfirma Herbier du Diois in der Drôme in Frankreich (er ist Amsterdamer, lebt seit den 80ern in Frankreich und war damals einer der ersten Heuschrecke-Lieferanten), sowie Dr. Sarath Ranaweera - Teewissenschaftler und Gründer des Bio-Kleinbauernprojekts SOFA und der Firma Biofoods in Sri Lanka. In Kapstadt stieß Sönke Hobbensiefken zu uns, unser Export-Partner in Südafrika, in Windhuk in Namibia geboren, in Hannover aufgewachsen und als studierter Demeter-Landwirt nach Südafrika ausgewandert. Einen Tag später wurde unsere Achter-Gruppe komplett mit Arlette Rohmer, Gründerin des Bio-Tee-Herstellers Jardins de Gaia im Elsaß in Frankreich, und Christine Nachmann, professionelle Fotografin, Deutsche, seit über 10 Jahren in Kapstadt lebend.








Karte: Kap Provinz, Nieuwoudtville, Heiveld

Was uns wunderte: obwohl diese Klassifizierung mit dem Ende der Apartheid abgeschafft wurde, wird im Alltag noch exakt zwischen "Black People" und "Brown" oder "Coloured People" (hellere Hautfarbe), und daneben natürlich noch Weißen und Asiaten, unterschieden. 80% der Bevölkerung gehören zur schwarzen Urbevölkerung (Bantu-Völkerfamilie). In der Kap-Provinz, wo die von uns besuchten Rooibusch-Cooperativen Heiveld und Wupperthal sind, gehört der größere Anteil der Bevölkerung jedoch zu den Brown People. Warum?


Die Kap-Spitze mit dem Tafelberg war Ausgangspunkt der aktiven Okkupation durch Europäer. 1653 gründete hier die niederländische Ostindien-Gesellschaft einen Hafen und achtete sorgfältig auf ihre Monopolstellung im Handel. (Ca. 100 Jahre zuvor waren die Portugiesen dort, nahmen Südafrika allerdings nach Niederlagen nicht als Kolonie ein.)


Europäische Siedler drängten wie überall auf der Welt in Konkurrenz untereinander und zu Monopolisten recht aggressiv als Farmer und Lebensmittelproduzenten weiter ins Hinterland der heutigen Kap-Provinz hinein.

Die benötigten Arbeitskräfte wurden mit Sklaven aus anderen afrikanischen und asiatischen Ländern gedeckt, wofür Kapstadt ein aktiver Umschlagplatz war.


Die einheimischen Khoi San und Khoikhoi, traditionell Jäger-Sammler und Viehzüchter, weigerten sich, in abhängige Lohnarbeit (unter schlechten Bedingungen) auf die Farmen zu gehen. Die Stämme lehnten abhängige Arbeitsverhältnisse tief aus ihrem Selbstverständnis heraus ab, durch die Geschichte hindurch. Parallel zur Sklavenhaltung kam es aber schon zu einem kleineren System der Zwangsverknechtung von Khoi San und Khoikhoi.


In der Regel handelte es sich um kleine oder mittlere Farmbetriebe, sodass es zwar offiziell Rassentrennung gab, aber im Alltag unterlaufen wurde. Durch das Problem Frauenmangel unter den weißen Siedlern fand eine Durchmischung mit der schwarzen und asiatischen Bevölkerung von Anfang an statt. Ehen zwischen Weißen und Mischlingen waren mehr oder weniger offiziell.


Anfang des 19. Jahrhunderts gingen die neuen britischen Besatzer im Kapland aus humanitären Gründen gegen die Sklaverei an. Da auf die Arbeitskräfte nicht verzichtet werden konnte, und Sklaven teurer und rarer wurden, begann ein organisiertes "Kidnapping", eine brutale Jagd mit Zügen eines Genozids auf die Khoi San und Khoikhoi, besonders auf Kinder, um sie zu verknechten - dieses Zwangsarbeiterverhältnis war auch rechtlich schlechter gestellt als die Sklaverei.


1833 wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft. Zurück blieben im Kapland eine durchmischte, landenteignete Bevölkerung, die Brown People, und ein perfektioniertes System an Arbeitskontrolle und Zwangsarbeit. Im Laufe des 19. Jahrhunderts bis ins 20. entwickelten die Brown People mit der Muttersprache Afrikaans eine neue Identität. Im Kapland leben heute nur noch wenige Menschen der ursprünglich schwarzen Völker, während ihr Bevölkerungsanteil im Osten und Nordosten Südafrikas fast 100% beträgt.

 




Unsere Südafrika-Reisegruppe auf der Landskloof-Farm von Koos KoopmannKoos Koopmann, Bio-Rooibusch-Farmer der Cooperative Heiveld

Doch zurück zu unserer Reise.


Am folgenden Tag besuchten wir Koos Koopman, Rooibusch-Farmer der bio- und Transfair-zertfizierten Cooperative Heiveld in Landskloof.


Seine Geschichte: früher hatte er auf der Landskloof-Farm für 15 Rand am Tag (ca. 1,50 EUR) als Tagelöhner gearbeitet. Nach dem Ende der Apartheid war es möglich, gute Regierungskredite für z.B. Landkauf zu bekommen. So hat er eisern darauf hingearbeitet, genau jene Farm zu kaufen, und er hat es geschafft!

Seine Frau stammt aus Wupperthal, hat dort noch ein Stück Rooibusch-Land und ist Mitglied der Wupperthal-Cooperative. Für beide ist es wichtig, die Hoheit über alle Produktionsprozesse vom "Feld bis zur Tasse" zu haben.



Koos zeigt uns die Pläne seiner Farm

 

Der starke Wunsch nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit, der uns nicht nur bei Koos begegnet ist, erfordert die ständige Suche nach Balance: eine gute Zusammenarbeit in der Kooperative ist unabdingbar, um gesund wirtschaften zu können, aber den entwicklungspolitischen Regierungs- und Nichtregierungs-Organisationen wird mit skeptischer Distanz begegnet, wenn sie sich zu sehr in die Abläufe der Kooperative einmischen. Der Grat zwischen Unterstützung und Bevormundung ist den Kleinbauern fast schon allergisch bewusst, aus der Geschichte. Das Ende der Apartheid und die Entwicklung ist noch sehr präsent.

 

 

 

 

 

Farm Koos Koopmann, Brachland

Wenn man von Kleinbauern spricht: in Sri Lanka und Indien ist die typische Größe eines Kleinbauernbetriebs 1 ha, oft Steillage im Dschungel. Hier in Südafrika sieht es etwas anders aus. Die Größe von Landskloof beträgt 3000 ha. Vieles ist Brachland, doch Koos bepflanzt systematisch. Aber die Gegend ist mehr Wüste als Ackerland.



 

 

 

 

 

 

 

Farm Koos Koopmann, Wildstreifen zwischen Rooibusch-FeldernFarm Koos Koopmann, Wildstreifen zwischen Rooibusch-Feldern



Zum Schutz gegen Erosion und Erhalt der ökologischen Zusammenhänge (Insekten-, Tierwelt) pflanzt er extensiv:
80 Reihen Rooibusch, dann folgt jeweils 20m Brache mit Wildbewuchs.







Farm Koos Koopmann: SchafeFarm Koos Koopmann, Rooibusch Feld

 


Im Brachland weiden auch die Schafe.







 






Farm Koos Koopmann, SetzlingeFarm Koos Koopmann, Setzlinge
Koos ist Spezialist für das Ziehen von Bio-Rooibusch-Setzlingen. Etwas Besonderes, da auf dem Markt keine biozertifierten Setzlinge erhältlich sind.










 


Koos Koopmann, Bio-Rooibusch-Farmer der Cooperative Heiveld: from plant to cupKoos Koopmann, Bio-Rooibusch-Farmer der Cooperative Heiveld: from plant to cup
Er erklärt uns seine Philosophie "from plant to cup".


Neben dem angepflanzten Rooibusch gibt es übrigens überall noch wilde Rooibusch-Pflanzen. Der Tee davon ist feiner mit einem fast blumigen Aroma.

Leider kam es in den letzten 10 Jahren bei uns zu einem Rückgang des Rooibusch-Konsums, was auch in Südafrika zur Rooibusch-Krise geführt hat. Unseren Bio-Kooperativen hat dies Probleme bereitet - also unser Appell: bitte weiter Rooibusch-Tee trinken.

Rooibusch Tee ist am Morgen z.B. eine schöne Alternative zu Schwarztee und schmeckt auch mit Milch (Kinder mögen das).








Später am Abend: unsere kleine Reisegruppe war ja sehr multikulturell, in einem Regenbogenland und der Wiege der Menschheit. Bevor Arlette und Christine zu uns stießen, hatten sie sich fürchterlich verfahren, da es mehrere Orte des gleichen Namens gibt, und man niemanden trifft (auch keine Schilder), der einem weiterhilft.

Sarath, Wissenschaftler aus Sri Lanka, erklärt, wie man aus einem Zweig selber ein Orakel herstellt, um den richtigen Weg herauszufinden. So wird bei Verirren in Sri Lanka heute noch der Gott befragt, der "die Wege kontrolliert."



... hier gehts weiter ...  Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/27/suedafrikareise-4-vom-rheinland-nach-wupperthal.htm 


Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

Alle Fotos mit Klickvergrößerung.
Fotos: © Heuschrecke Naturkost GmbH
Fotos mit "cn" im Dateinamen: © Christine Nachmann, Fotografin aus Scarborough, Südafrika

 

 

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Tags: südafrika, rooibusch, wupperthal, ericaville, heiveld, kleinbauern, bio, fairtrade
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