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Alte Meister
Drei weise Kräuterheilige
Die TAZ (tageszeitung) hatte aktuell eine kleine Serie "Alte Meister": moderne Pressefotos von Politikern wurden kunstgeschichtlich wie Alte Meister - Gemälde besprochen, was zu interessanten Ansichten führte.
Hier haben wir drei echte alte Meister.
Links im Bild sehen wir Ton Vink, einen Amsterdamer, der Ende 70er / Anfang der 80er mit seiner Familie nach Frankreich in ein kleines Paradies auswanderte: Drôme, das Alpengebiet nordöstlich der Provence. In Die (berühmt durch den Sekt Clairette de Die und den Honig-Nougat) baute er die Kräuterfirma l'Herbier du Diois auf, die mit regionalen Bio-Kräuterbauern kooperierte. Daneben organisierte er als Kulturliebhaber Jazzfestivals und als Sportler Bergläufer-Worldcups und begründete in dem Zusammenhang Partnerschaften mit osteuropäischen Ländern.
Die Person in der Mitte, die Ton Vink freundschaftlich an den Schultern fasst, ohne dabei die Kontrolle zu übernehmen, ist Heinz-Dieter Gasper. Er gründete zur gleichen Zeit den Naturkostgroßhandel Heuschrecke in Köln, spezialisiert auf Bio-Wein, -Tee- und -Kräuter. Er war einer der Ersten in Deutschland, der systematisch und mit einem Hang zum Hedonismus ein professionelles Bio- Weinprogramm und -Teeprogramm mit tiefen Sortimenten aufbaute. Die Kräuter und Gewürze kamen etwas später hinzu. Bei dieser Gelegenheit begegneten sich diese drei Personen.
Der dritte alte Meister rechts im Bild, leicht amüsiert, ist Jan-Kees Luijerink, ebenfalls ein alter Niederländer. Ebenfalls zur gleichen Zeit gründete er mit der Kräuterbäuerin Trees Boeke den Demeter-Kräuterhof Het Blauwe Huis in Drente und baute, ähnlich wie Heuschrecke, einen Großhandel mit Kräutern und Gewürzen für Naturkostläden auf. In Drente darf die Zeit langsamer vergehen als im Rest der Welt. Es muss nicht mit dem Traktor sondern darf mit Pferden gearbeitet werden.
Die drei Männer sind sich Anfang der 80er Jahre zum ersten Mal begegnet und kooperieren bis heute, freundschaftlich verbunden, zusammen. Das Bild entstand am Rande der BioFach Messe 2009 in Nürnberg in festlich - freudiger Atmosphäre. Nur gerade in diesem Moment, den die Kamera eingefangen hat, schauen die drei mit ernstem Gesichtsausdruck auf die fotografierende Person (der Sohn von Ton Vink) und auf etwas, das gerade auf der anderen Seite des Tisches passiert.
Die Farbgebung ist dem festlichen Anlass entsprechend warm, dunkel, mit einer leuchtenden Zone in der Mitte. Unten am Bildrand symbolisieren ein angedeutetes Glas Wasser und Wein Klarheit und Weisheit.
Bildbesprechung: Ursula Stübner. Bild mit Klickvergrößerung
Mikrokosmos: Zufallsereigniskette
Eine der vielen Geschichten über Terra Magnifica
Vor einigen Tagen ging ich zum Zahnarzt in die Stadt. Zuerst musste ich eine Röntgen-Aufnahme der Zähne machen und die Ambulanz liegt in der Nähe meiner Volksschule. Die Kastanienbäume stehen zwar immer noch dort, diese sind aber (wie die Ziege aus der indischen Geschichte) nur als Begriff die Gleiche, nicht als Individuen. In jedem Fall, es gab fast keine Blätter am Boden, die ich damals vor über 30 Jahren so fleissig mit den Füssen den Boden reibend vor mir geschoben habe.
Der Weg führte mich weiter neben der Mittelschule, vor welcher jetzt massivst ausgegraben wird und die Erinnerungen sprangen eine nach der anderen, wie die Erde bei der Schule.
Auch das sonnige milde Wetter hat meiner mälankonischen Stimmung stark beigetragen.
Gute Zahnärzte muss man trotz der sog. Sozialversicherung selber zahlen, also stand ich anschliessend vor dem Bankomaten und sah meinen Universitäts-Professor auch vor der Bank stehen. Er hat sich nach 20 Jahren nur nebelig auf mich erinnern können, verständlich, mein Aussehen hat sich in diesem Zeitraum mehr als sein verändert.
Er hat jetzt 20 anstatt 150 Stundenten und war damit etwas enttäuscht, daß ich nach dem Studium vom Maschinenbau mich für die Kräuterbransche entschieden habe.
Dann taucht ein Mann auf welchen der Professor gewartet hat auf - er stellt mir Hrn. Blagus vor, den Mann mit welchem ich meine oben erwähnte Mittelschule und zwar die Kunstgewerbeschule, Abteilung für Möbel und Innenarchitektur, in der Klasse mit insgesamt 13 Leute abgeschlossen habe.
Wir tauschen die Telefonnummer aus und ich erkläre dem Professor, dass ausgerechnet eine Bemerkung von Hrn. Blagus ("Blagi") in einen Umgangsgespräch damals vor 25 Jahren mich zum Kurswechel gebracht hat - er hat mich nämlich gefragt, warum ich nicht Maschinenbau studieren wolle. Denn von uns 13, es sind 9 in Architektur geblieben und ich habe irgendwie (richtig) gespürt, daß das nicht der ideale Beruf für mich wäre. Vom Maschinenbau habe ich wirklich erst vom Blagi gehört und nach einem Monat Vorbereitungen die Einganfsprüfung bestanden.Ohne Maschinenbau hätte ich dann keine Arbeit gefunden und keine Zeit und Geld für das Kräuterln gehabt, usw, usw....
Die Zufall - Ereigniss - Kette meines Lebens setzt sich in beide Richtungen von dieser substantieller Frage von Blagi fort, nur die Zusammenhänge werden erst nach einer gewissen Zeit, als eine Richtung sich etablieren konnte, erkennbar.
Ansonsten hatte Blagi so gut wie keine Einflüsse auf meinen Lebensweg.
Wie sind die Chancen für so ein Treffen, wie ich es vor ein Paar Tage hatte? Sehr genau Null.
Wie wird die sog. Realität erschaffen? Emotionen spielen offensichtlich eine grosse Rolle dabei.
Wir können uns die Welt einfach ausdenken. Punkt.
Grüsse
Roman
Bilder - Klickvergrößerung. Erklärungen: mit dem Cursor auf das Bild gehen.
Roman Turk, Gründer von Terra Magnifica (Freund und Lieblingslieferant von Heuschrecke), ein biozertifiziertes Anbau- und Wildsammlungsprojekt für Kräuter, mittlerweile eines der größeren Kräuterexport-Unternehmen in Kroatien. Nach dem Krieg wurden die alten Sammlerstrukturen von Roman Turk wieder aufgebaut - dies die soziale Komponente: Terra Magnifica ist eine wichtige Verdienstmöglichkeit in der Nachkriegszeit für die verschiedensten Gruppen von Bauern, Flüchtlingen bis zu Kriegsversehrten, für junge und ganz alte Menschen.
Siehe auch unser Lieferantenportrait
Terra Magnifica
Bio-Kreuzkümmel aus der Türkei
Eine Geschichte aus dem Leben
Der beste Kreuzkümmel kommt aus der Türkei: intensiv aromatisch, kräftig und leicht bitter.
Seit vielen Jahren organisiert ein ausgewanderter Niederländer, Jan, dort die Umstellung auf Bio-Landbau, und seit etlichen Jahren gibt es ein komplettes Bio-Dorf, woher auch wir unseren Kreuzkümmel bekommen haben.
Zuletzt rief uns Jan an, und erzählte, dass er ein neues Bio-Dorf für Kreuzkümmel aufbauen müsse.
In seinem Dorf war vor zwei Jahren ein Mord, genauer "ein Ehrenmord" geschehen.
Ein junger Mann war dafür von der örtlichen Justiz zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Jetzt stand die Entlassung an, was das Dorf nun spaltete. Der eine Familienclan musste die Rache des anderen befürchten. Das Dorf war wie gelähmt, es gab Angst vor Sabotage, sichere Bio-Landwirtschaft war nicht mehr gewährleistet.
Durch den tragischen Konflikt hat das Dorf sich neben der sozialen auch die wirtschaftliche Existenzgrundlage zerstört. Was wir in der schönen Bio-Warenwelt leicht vergessen können: vor der Ware stehen die Menschen, und: Bio allein bessert nicht die Welt.
Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner










