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Gastbeitrag
16.07.2010
10:06

Ohrenkuss: Yo, también - ME TOO. Preisgekrönter, bezaubernder Sommerfilm aus Spanien - ab 5.8. im Kino!

Du bist ein Mensch, me too? Oder: Nicht küssen, mit den Zungen.

 

Eine Ohrenkuss - Filmbesprechung

 

  • "Ohrenkuss ...da rein, da raus" - Das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom. Ein Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft, unter Leitung der Herausgeberin Dr. Katja de Bragança.

  • " Yo, también  - ME TOO" - der bezaubernder Kinofilm aus Spanien mit HeldInnen mit und ohne Down-Syndrom.

  • Wir wünschen viel Spaß beim Lesen dieser außergewöhnlichen Besprechung eines außergewöhnlichen Kinofilms. Die Einleitung von Dr. Katja de Bragança erklärt Hintergründe des Films und der Ohrenkuss - Redaktion. Anschließend beschreiben die Ohrenkuss-AutorInnen ihre persönlichen Eindrücke zum Film.

  • Kinostart: 5.8.2010.

 

Einleitung


ME TOO, Filmplakat
Zunächst mal: ME TOO ist der Film des Jahres.
Unabhängig von der Anzahl der eigenen Chromosomen ist er lohnenswert und bewegend, alleine schon wegen (1) der Musik, (2) der grandiosen SchauspielerInnen, (3) dem intuitiven und flexiblen Drehbuch und (4)  der fast unerträglich intimen Kameraführung. Der Film ist in jeder Hinsicht ein Ohrenkuss.

Johanna von Schönfelds Filmempfehlung, die knappe und Ohrenkuss-Version:

Ich fand es gemischt, diesen Film ME TOO zu sehen.
Ich fand es sehr cool, weil ich würde dies' empfehlen.
In den verschiedenen vollständigen Szenen finde ich es korrekt.
Was ich mit korrekt finde ist der Nacktszene und vieles mehr.
Total witzig und ich musste darüber lachen.



Und hier die lange Version. Egal welche Sie lesen - die Ohrenkuss-Redaktion empfiehlt diesen Film, genau das Richtige, wenn man etwas Schönes in diesem Sommer unternehmen möchte.


Worum geht es genau? Johanna von Schönfeld ist 18 Jahre alt, eine junge und intelligente Frau mit Down-Syndrom - und es ist (aus verschiedenen Gründen) nicht immer leicht für sie damit zu leben. Es gibt Momente, da möchte sie "es" vielleicht weghaben. Und einige der KollegInnen aus der Ohrenkuss-Redaktion auch. Aber das geht nicht. Schade, denken sie - denn sie wären gerne "normal", normale Menschen. Wenigstens mal für einen Moment.
Aber: Was ist eigentlich ein Mensch? Wann ist man ein Mensch - auch in den Augen der anderen? Und: Wann fühlt man sich normal?

Svenja Giesler diktiert eine schwierige Passage - einige Szenen des Trailers sind ihr zu brutal (diese Szenen kommen in dem Film selber nicht vor)

  • Die Ohrenkuss-Redaktion beschäftigt sich zurzeit gerade auf vielen verschiedenen Ebenen mit diesen Fragen: Muss man bestimmte Dinge können um ein Mensch zu sein? Was unterscheidet eigentlich Inklusion von Integration? Was ist gute Kinderstube, wie wichtig ist sie? Was darf man und was darf man nicht in der Öffentlichkeit tun? Wann ist ein Mann charmant? Wo gibt es Grenzen der Intimität? Wie sagt man nein? Und: Wann darf man ja sagen?!
  • Mit denselben Fragen beschäftigt sich auch der spanische Film ME TOO (Originaltitel "Yo, también"). Die männliche  Hauptfigur Daniel hat (wie die Ohrenkuss-AutorInnen) auch das Down-Syndrom - daher ist es besonders spannend für die Bonner AutorInnen, über den Film zu berichten. Sie haben die Möglichkeit in dem Bonner Kino in der Brotfabrik den Film vorweg anzusehen - und danach stundenlang darüber zu schreiben.
  • Es ist eine sehr bewegende Aktion, sowohl die AutorInnen, als auch die Schreibunterstützer müssen sich erst sammeln, ein Kaffee bestellen und das Gesehene verarbeiten. Wir haben anschließend noch viele Stunden zusammen verbracht - jeder und jede hat seine Eindrücke niedergeschrieben (mit Hilfe oder ohne).

 

  • Man schaut den Film mit anderen Augen an, wenn man 46 oder 47 Chromosomen hat.



Hier nun meine ersten Gedanken, seit 13 Jahren Chefredakteurin des Ohrenkuss-Magazins, vorher Wissenschaftlerin u.a. am Institut für Humangenetik der Bonner Universität, und von 1995 bis 1999  erste Vorsitzende der Europäischen Down-Syndrom Assoziation, Deutschland:

Seit den 80-iger Jahren verfolgt mich das Down-Syndrom bei der Arbeit: "Patienten" bzw. "Probanden", die das haben oder hatten - und erst drei vier Jahre später änderte sich mein (bis dahin wissenschaftlich geprägter) Blickwinkel, und ich hatte es auf einmal mit individuellen Menschen zu tun, Menschen die u.a. auch das Down-Syndrom haben. Neben ihrem Geschlecht, ihrem Alter, ihrer Herkunft und auch ihrer sexueller Orientierung (ja, es gibt auch homo- und bisexuelle Menschen mit 47 Chromosomen!).

Ich hatte also (mit etwas Anlauf) gelernt, erst den Menschen zu erkennen und erst dann ein bestimmtes Merkmal wahrzunehmen.
"Erkannt werden":  Das führt dazu, dass Menschen sich persönlich wahrgenommen fühlen, dass sie sich als Mensch fühlen - dürfen. Und das gilt natürlich nicht nur für Menschen, die mit dem Down-Syndrom leben. Uns allen ist nicht wirklich klar, was es mit dem Gegenüber macht, wenn man sie mit dem Blick aussortiert - manche wissen, dass dieser Blick auch der "Pannwitz-Blick" genannt wird.  (Öffnet externen Link in neuem Fenster http://www.freitag.de/2007/24/07241801.php )


Den erkennenden und somit wertschätzenden Blickwinkel haben auch die beiden Regisseure Álvaro Pastor und Antonio Naharro. 2009 drehten sie den spanischen Film ME TOO - und wie so viele Filme aus diesem Land haben sie (aus deutscher Sicht) Grenzen überschritten. Grenzen, die es eigentlich nicht geben sollte.

Die Ohrenkuss-Redaktion schaute den Film an (und ich höre gerade wieder die bewegende Filmmusik, zum x-ten Mal: das ist ein Ohrwurm!) und anschließend wusste ich:

Genau, in solch einer Welt will ich leben. Unbedingt.

So ist das Leben, genauso wie der Film. Julio Medem, Vater von Alicia (16 Jahre, hat auch 47 Chromosomen) und der Koproduzent, sagt dazu: "ME TOO  zeigt uns die ganze Wirklichkeit, er berührt uns und ist voller wunderschöner Details und Situationen. Aber er zeigt uns auch die Härte des Lebens, die wir nur dann ertragen können, wenn wir Mitgefühl besitzen."
Genau so sollen die Menschen leben können, die mir wichtig sind.
Ich wusste sofort, dass dieser Film die Welt so zeigt, dass ein Mensch einfach er selber sein kann und darf - die Besonderheiten werden nicht verschwiegen, weil er sie haben darf.

Das macht die Vielfalt aus: Ein charmanter Mann darf 47 Chromosomen haben, eine Frau darf Narben aus ihrer Vergangenheit mit sich herumtragen und deswegen sprachlos mit dem Leben und der Nähe ringen, ein Paar darf sich suchen und finden - trotz uneinsichtiger Mutter. Ja, und die Mütter dürfen sagen, dass sie enttäuscht waren, sie hätten zunächst gerne ein anderes Kind gehabt. Brüder dürfen schmerzhafte Wahrheiten aussprechen.

Das alles ist menschlich.

Und jetzt kommen die Kommentare der KollegInnen mit den 47 Chromosomen.



Dr. Katja de Bragança




Ohrenkuss - Filmbesprechung "ME TOO"


ME TOO, Hauptdarsteller Pablo Pineda

Ohrenkuss US-Korrespondenten Tobias Wolf (31 Jahre) fasst zusammen, worum es im Film geht:

Bei dem Film geht es um einen Mann mit Down Syndrom und eine Frau, dass sie sich in ihn verliebt hat.
Man weiß, dass er ein Mann ist mit einem Down Syndrom, der dann Lehrer geworden ist. Genau das hat mich beeindruckt.



Der Hauptdarsteller Pablo Pineda ist im wirklichen Leben Lehrer. Er ist der erste Europäer mit Down-Syndrom und Uni-Abschluss (Lehramt Sonderpädagogik).


Nachwuchs Ohrenkuss-Autorin Marley Thelen (18) in der Diskussion mit einer AssistentinMarley Thelen (18 Jahre) ist während der Filmvorführung eingeschlafen, das wichtigste hat sie dennoch mitbekommen, sie beschreibt wie Daniel und Laura sich kennen lernen:

Der Mann war am Arbeit mit der Frau am Computer. Der schaut die Frau an, er verliebt in Frau. Die Frau und die Daniel sitzt da nur und guckt raus in die Landschaft. An Weihnachten da war die Mann und die Frau ihn geküsst. Der Mann findet total schön mit Frau schwimmen. Der Frau und der Mann schwimmt am Meer. Der Mann und die Frau die waren im Auto gefahren.



Und wer ist nun eigentlich diese schöne Frau, in die sich Daniel verliebt hat?
Wer kann das besser beschreiben als Antonio Nodal (36 Jahre), Spanier aus Sevilla und Ohrenkuss-Autor der ersten Stunde:

Laura hatte blonde Haare. Die lange Haare. Der Mann hatte kurze Haare. Komische Frau. Frau und der Mann, schade zusammen, mit mir zusammen sein. Gut küssen, auf Mund küssen. Schön sie lacht. Macht Spaß.


Lola Dueñas spielt unwiderstehlich gut - eine echte und schöne Frau, humorvoll und mit einer eigenen unverwechselbaren Geschichte. Hier die Beschreibung von Julian Göpel (27 Jahre):

Eine erwachsene Frau, sie hatte eine rote Rosentattoo. Sie glaubte an "Me too". (Julian hatte zunächst verstanden, dass Daniel "Me too" heißt). Laura lächelt ihn an.
Die Augen haben sich gefunkt an ihn.
Das blonde Haar von der Laura war hübsch an ihn.
Sie liebte die Musik über Rock!
Laura war das hübsches Mädchen an ihn.



Und es gibt noch mindestens eine weitere Geschichte in dem Film - ein echtes Hochzeitsdrama, mit Torte, Verfolgungsjagd und allen Drum und Dran.
Julian Göpel beschreibt die Situation von Luisa und Pedro, zwei Tanzschüler (beide auch mit Down-Syndrom), die sich verliebt haben:

Bei der Ballettschule sollen die sich nicht küssen, mit den Zungen.
Das hat die Tanzlehrerin gesagt.
Das war ja richtig.
Eigentlich war das Privatsphäre.
Das sollte man zuhause machen.
Und das Drama nimmt seinen Lauf:
Zwei Leute sind einfach abgehauen, ohne was zu sagen.
Sie hatte das Geld aus der Kasse genommen, die Mutter hat es nicht gemerkt.
Die Hochzeitstorte war weg.
Die beiden sollten auch heiraten.
Der Pedro wurde festgenommen von der Polizei.
Er wollte sie heiraten.



Marley Thelen nimmt auch großen Anteil und ärgert sich über die Mutter - die nicht einsehen möchte, dass ihre Tochter inzwischen eine erwachsene Frau ist:

Ich mag die Mann und die Frau, ich finde das schön.
Ich finde die Mutter nicht so gut, weil die Mädchen den Mann heiraten will.
Ich find das total schade, wenn das nicht geht, weil die verstehen sich immer so gut.



Es geht nicht nur bei den beiden Tänzern um die Liebe - auch bei Laura und Daniel. Sie kommen sich näher. Was für Wünsche stehen im Raum? Kann eine Frau wie Laura mit einem Mann wie Daniel Sex haben? Tanzen, küssen? Wie zeigt und teilen sie ihre Zuneigung?
Angela Fritzen (36 Jahre) ist sich nicht sicher (wie auch Daniels Mutter in dem Film), ob Laura Daniel an dieser Stelle ausnutzt.

Zuerst haben die Eltern gestritten wegen dem Sohn. Weil die haben 46 Chromosomen und (Daniel hat) das Down-Syndrom, wir (die Menschen mit Down-Syndrom) haben 47 Chromosomen - mehr als die anderen. Die Frau von dem Film (Laura) hat kein Down-Syndrom. Das heißt aber, der Daniel hat das Down-Syndrom 21. Der große Unterschied zwischen Frauen und Männern.

Der Daniel mit seiner Flamme, die quatschen zusammen. Die macht viel Witze.
Die behandeln sich, auch wenn der Daniel das Down-Syndrom hat, behandeln die sich wie Dreck. Sie nützt den Daniel aus, das ist in der Mitte von dem Bett.
Ruhiger Mensch, sein Körper hat sich ruhig gestellt.
Sex machen.
Der Daniel möchte mit seiner Flamme Sex haben.



Es beschäftigt Angela Fritzen auch, in welcher Form Daniel sein Down-Syndrom gegenüber Laura benennen kann:

 "Ich habe das Down-Syndrom" sagt der Daniel.
Die Frau nutzt den Daniel aus, dass er das Down-Syndrom hat.
Das ist nicht so ganz sicher.
Sie kann das nicht richtig wissen, dass er das Down-Syndrom hat.
Der Daniel sagt das in dem Gesicht.
Sie ist ab und zu mal traurig, dass der Daniel das Down-Syndrom hat.
Weil das so aussieht in dem Gesicht von dem Daniel.



ME TOO, die Darsteller Pablo Pineda und Lola Dueñas als Daniel und LauraLaura und Daniel müssen sich schmerzhaft mit ihrer Situation auseinandersetzen, sie streiten sich - es geht hoch her. Verzweiflung, Angst, Wut und Ohnmacht. Jeder von den beiden kommt an (traurige) Grenzen des eigenen Lebens. Kaylynn schreibt dazu:

Ich habe die Angst gespürt und in mir hat sich was ausgelöst in mir. Ich war auch traurig, sehr traurig. Ich spüre, dass die Wut in mir hoch kam.
Die Wut hat in mir was ausgelöst. Dass der Streit überhaupt angefangen hatte. Und warum man es nicht in einfachen Worte sagen kann, ohne dass es Gewalt und Tränen kommt.



Gleichzeitig fühlt Angela Fritzen mit Laura und spürt, dass es ihr Trost vermittelt, wenn sie mit Daniel Zeit verbringt:

Dann würde ich mit dem Daniel Sex machen in dem Film.
Ich tröste die Frau in dem Film und dann würde ich mit ihr zusammen quatschen unter vier Augen.
Dann muss sie öfters ausgehen zum Essen mit dem Daniel.
Romantisch mit den leuchtenden Kerzen.

Michael Häger läßt sich seinen Text nochmals vorlesen und verbessert einen Satz

Der Spanier Antonio Nodal fasst also zusammen:

Schöne Filme.
Super cool.
Musik. Tanzen. Menschen.
Spanische.
Spanien. Madrid. Ich liebe.



Und Tobias Wolf ergänzt, er ist einer Meinung mit Antonio, was die Musikfrage betrifft:

Die Filmmusik ist einfach lustig.
Ich finde, dass der Film einfach normal ist. Normal ist einfach normal. Für mich ist das kein Problem mit dem Normalsein.



Die Ohrenkuss-Redaktion hatte übrigens kein Problem mit dem Verständnis der untertitelten Version des Films - Bilder und Musik sprachen für sich, wir haben alles verstanden. Für das deutsche Publikum ist der Film synchronisiert worden. Daniels Sprechrolle wird lippensynchron von Sebastian Urbanski gesprochen, auch einem Mann mit Down-Syndrom. Urbanski ist seit acht Jahren Schauspieler im Berliner Ensemble des Theaters RambaZamba.

Die Ohrenkuss-Redaktion empfiehlt also unbedingt den Filmbesuch!


Me too
Ab dem 5. August in den deutschen Kinos
Spanien, 2009 - 35 mm- 1:1:85 - Dolby Digital
Länge: 103 Minuten - FSK: beantragt ab 0 Jahre

Öffnet externen Link in neuem FensterÖffnet externen Link in neuem Fensterwww.metoo-derfilm.de
Und hier der deutsche Trailer:
Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.movienetfilm.de/metoo/trailer.php

Film - Exposée   In dieser Pdf-Datei gibt es eine Inhaltsangabe sowie Statements der Regisseure



 


Einige Ohrenkuss-AutorInnen  in einem Kölner Hinterhof.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
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Ohrenkuss-Fotos: ©   Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.brittschilling.de




Gastbeitrag
14.07.2010
09:00

Ohrenkuss: Angela Merkel und ...

... Ohrenkuss glücklich im Sommerloch

Ohrenkuss ...da rein, da raus
Das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom. Ein Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen unter Leitung der Herausgeberin Dr. Katja de Bragança bloggen einmal im Monat bei uns. Weitere Infos zu Ohrenkuss, Newsletter, Abo-Möglichkeit: siehe unten. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen in einem wundervollen Sommermonat.

 

 

 

 

Keine Spur von Sommerloch beim Ohrenkuss.
Das Sommerloch - eine Zeit, in der Journalisten mühevoll versuchen, die ohnehin dünnen Ausgaben ihrer Zeitungen zu füllen. Ohrenkuss Fernkorrespondent Lars Breidenbach aus Bochum (36 Jahre alt)  diktiert seine Definition des Sommerlochs:

Sommerloch weiß ich, (heißt) auch Sommerpause
immer Sommerloch bei Fernsehen
Sommerloch bei "Wer wird Millionär",  bei Talkshows
Sommerloch bei Nachtcafe
bei andere auch, bei Stratmann sagte auch manchmal Sommerloch
also Pause, Sommerpause im Fernsehen ja und viele andere Sache auch
manchmal auch Radio, sagt auch Gleiche: Sommerloch, Sommerpause

 


Auch Anna-Maria Schomburg (28 Jahre) schreibt:

Im Sommerloch sind die Zeitungen durch die Urlaubszeit oft sehr mager, es passiert nicht so viel intensives in der Welt worüber man in der Zeitung schreiben kann!

 
Illustration Angela Merkel (von Svenja  Giesler)




Nicht so beim Ohrenkuss: Locker füllen die Redakteure  trotz Sommerlochs die Seiten und so berichtet Svenja Giesler exklusiv, wo und wie Angela Merkel ( Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.angela-merkel.de/index.htm ) ihre Ferien verbringt. Angela Merkel fährt in Ferien so lautet die Überschrift, die sich Svenja Giesler bei einem Eiskaffee in brütender Hitze im Bonner Bistro Dante erdichtet. Sie diktiert weiter:


Die Angela Frau Merkel fährt in Ferien nach Palma de Mallorca. Und in Palma de Mallorca herrscht eine Hitzewelle. Und das Klima wechselt immer häufiger.
Einmal geht sie baden und schwimmen. Sie wälzt sich auf dem Strand herum. Manchmal geht sie auch mal essen. Dann macht sie eine Touristik-Tour mit. Und sie lernt sehr schnell Wasserski.
So, jetzt noch die Garderobe: Es gibt Abendkleider, so Halbarm-T-Shirts, Parkas, dann einen knappen Bikini, luftige Röcke, High-Heels. Zum Schlafengehen zieht sie immer Boxershorts an.
In Palma de Mallorca da sind UVB-Strahlen mit dabei. Angela Merkel kriegt Sonnenbrand.






Und auch andere nutzen die Urlaubssaison zur Entspannung, wie Anna-Maria Schomburg weiß:

Viele Leute freuen sic über das Sommerloch wo sie sich vom Alltag erholen dürfen und Sachen unternehmen dürfen, die im Alltag nicht so gut gehen aus zeitlichen Gründen!
Die Sommerzeit ist eine eindrückliche, intensive und lehrreiche und wunderschöne Zeit!
Ich finde das Sommerloch auch wichtig, eindrücklich und schön und freue mich auf Ausflüge, Unternehmungen und den Urlaub!





Michaela Koenig ist langjährige Auslandskorrespondentin des Ohrenkuss, sie lebt und arbeitet in Wien. Wenn sie nicht gerade Texte ins Notizbuch oder auf dem Computer schreibt ("Schreiben ist mein Leben"),  entspannt sie sich im Freibad, am liebsten macht sie beides gleichzeitig:

Anna-Maria Schomburg entspannt sich am  Sommerloch

Wenn Menschen mit Lernschwierigkeiten und Menschen mit Down Syndrom was sie in ihrer Freizeit machen, wenn die Werkstätten geschlossen haben über den Sommer. Da gehen sie mit Freunden ins Kino, oder sie gehen ins Freibad schwimmen.
Da nehmen sie sich Geld von ihrer Kassa heraus, und fahren mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln in ein Freibad. Da nehmen sie sich vorher zwei Handtücher und Sonnencremen und ihre Sommerhütte und ihre CDs mit dem Wokmann und drei Bücher und genügend Geld mit, da bleiben sie den ganzen Tag im Freibad. Da setzen sie sich in den Schatten und schmieren sich ein, dann legen sie sich auf ihre Handtücher und entspannen sich und hören Musik. Danach springen sie vergnügt ins Wasser und genießen ihren Sommer in vollen Zügen, oder die Menschen mit Lernschwierigkeiten und die Menschen mit Down Syndrom.





Auch Veronika Hammel (34 Jahre) aus Süddeutschland hat zahlreiche Ideen, womit Müßiggänger ihre Sommermonate füllen könnten:

1. Sommer Pause
Sommer Schlussverkauf
Sommer Ferien
2. Sommer Fest
Sommer Rodelbahn
3. wie viele Menschen ins Freibad gehen
wie viele Menschen ins Stadion gehen
viele Karten verkauft werden und dauerkrten
wie viele zu sauer gehen in Tier Garten
wie viele ins Konzert gehen





Lars Breidenbach jedoch macht das Sommerloch nervös. Er duldet keinen Leerlauf und sucht sich Beschäftigung:

Und bei Zuhause, bei Arbeit auch Sommerloch
bei Sommerpause, deshalb hab ich Urlaub gemacht
bei Arbeit (in) Wattenscheid, bei Wochen mit Feiertag mit Brückentag
hab ich auch Urlaub gemacht
bei Tante, auch bisschen helfen, bisschen Geschirr, ist immer meine Arbeit
helfen auch bei Arbeit zu Hause
auch wenn wir (nach) Holland fahren muss ich auch helfen
meine Hände bleibt nicht ruhig, (wollen) gerne arbeiten, nicht ruhig bleiben
auch Auto waschen, Fahrrad waschen, ab und zu durchspritzen,
auch einseifen, aber nicht zu viel
das heißt das eigentlich: Hände unruhig
werde ich nervös (wenn) ich nix zu tun hab, muss was machen jeden Tag
nix tun, nix machen ist langweilig, macht mich nervös




Daniela Hansen nutzt die Gelegenheit und berichtet von einem Sommerloch der ganz anderen Art:

Es war einmal vorlanger Zeit dagabes ein Haus in dem wohnte das aller schönste Mädschen. mit dem schönsten Namen. da Salle kennen siehiess lara. EINES Tages wollte lara die ganze Welt kennen lernen Sie nahm die Beine in die Hand und ging sie sah sehr viele Sachen und sie hatte spass das was sie sah. Sie ging aufeiner schönen lichtung die sonne scheint und es ist auch grün. Aber lara sahein Wald wo die sonne nicht scheint sie überlegte kurz ob sie da hinein gehen will Aber sie ging in dem dunklen wald hinein.
Sie sah überhaupt nichts nur umrisse Aberals ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten konnte sie eine höhle erkennen. Sie ging hinein Aber als lara ging fiel sie in ein loch als sie wieder aufstnd sah sie Plötzlich ganz anders aus. Sie war kein Mädchen mehr sondern eine Frau lara konnte es nicht glauben. Aber als sie fiel hatte sie ein schild gesehen auf dem schild stand hast du schon gewusst dass es ein sommerloch gibt du bist in eins gefallen und es hat dich zu einer Frau gemacht suche einen Mannundwerde glücklich und zufrieden und sage dir du bist das Ende.

 

 


Es ist also nicht zu befürchten, dass das Ohrenkuss-Team von der sommerlichen Schreib-Blockade heimgesucht wird, sodass sich die Heuschrecke-Leserinnen und -Leser auch in den kommenden Wochen auf spannende und überraschende Berichterstattung freuen dürfen.

 

Dr. Katja de Bragança,  Anne Leichtfuß

 



Bilder mit Klickvergrößerung!
 



Einige Ohrenkuss-AutorInnen    in einem Kölner Hinterhof.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
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Fotos: ©Ohrenkuss


 

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 2
Tags: ohrenkuss, angela merkel, sommerloch, glücklich, schwimmen, down syndom
Gesehen: 39
Gastbeitrag
09.06.2010
09:27

Ohrenkuss: Sportreportage

Hallo meine Damen und Herren von der Heuschrecke, jetzt kommt die Sportreportage!

Ohrenkuss ...da rein, da raus
Das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom. Ein Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen unter Leitung der Herausgeberin Dr. Katja de Bragança bloggen einmal im Monat bei uns. Weitere Infos zu Ohrenkuss, Newsletter, Abo-Möglichkeit: siehe unten. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen des Sport-Beitrags, pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft.

 

 

Ohrenkuss-Sportreportage: Boxhandschuhe 

Viele Menschen mit Down-Syndrom machen sehr gerne Sport, alleine und auch mit anderen zusammen. Einige sind im Sportverein und manche gehen regelmäßig ins Fitnessstudio zu Bauch-Beine-Po. Tanzen und Fußball (selber machen oder von der Couch aus) ist natürlich auch sehr beliebt.
Passend zur bald hoffentlich sportfreundlicheren Jahreszeit lesen Sie  nun sportliche und hoffentlich auch inspirierende Beiträge der Ohrenkuss AutorInnen. Sie sehen, dass sie sich (mal wieder) eigentlich gar nicht von Menschen ohne Down-Syndrom unterscheiden...


Tobias Wolf (30 Jahre alt, der Ohrenkuss US-Korrespondent) diktiert den folgenden Text:


Hallo meine Damen und Herren von der Heuschrecke, jetzt kommt die Sportreportage!
Noch vor der Kindergartenzeit war ich im "Mutter- und Kind-Turnen" und das hat mir viel Spaß gemacht. Jetzt bin ich dort beim Tischtennis. Ich trainiere mittwochs und freitags. Ich habe gelernt wie Vorhand und Rückhand und wie man den Schläger richtig hält. Das war mir nicht anstrengend, aber ich kam ins Schwitzen, weil ich die Jacke angelassen hatte. Nächstes Mal probier ich es ohne Jacke nur mit Poloshirt. Ich habe Turnschuhe gebraucht mit heller Sohle.
Und jetzt der Sport aus der High School: dort habe ich weight lifting gemacht mit einem ganz bestimmten Gerät, wo ich mit beiden Füssen treten musste, strampeln, so ähnlich wie auf einem Fahrrad. Damit habe ich gute Figur gemacht, für mein Bauch war das sehr gut und auch zum Abnehmen.
Und in der High School hatte ich auch Golf-Unterricht gehabt. Da habe ich gelernt, wie man Golf spielt. Da braucht man verschiedene Golfschläger und Golfbälle. Ab und zu habe ich auch mit meinem Papa und mit seinen Kollegen Golf gespielt. Ganz zum Schluss, als wir fertig waren, habe ich Pommes und Hotdogs gegessen.
Jedes Jahr im Winter gehe ich immer zum Skifahren. In diesem Jahr habe ich beim Abschlussrennen den vierten Platz gekriegt mit einer Urkunde. Mir macht das Skifahren Spaß, weil ich das jedes Jahr so machen kann.
Sport ist wichtig, um gesund zu bleiben!
 Das war die Sportreportage. Tschüss bis bald.
Viele Grüße von Tobias





Die Kollegin Hermine Fraas (54 Jahre) aus Ilmenau aus Weimar hat andere sportliche Vorlieben. Sie tippt beherzt ihren Kommentar  in den Computer:

Sport ist Mord? Nee, nur Leistungssport ist Mord. Da war doch in Kanada schon einer tot ehe es losging.
Sportschau: Da war ich als Kind immer am Mittwoch bei Tante Liesel. Die hatte einen Fernseher wir noch lange nicht. Da guckte ich Fußball und schrie ganz laut Tor. Da fiel Tante Liesel fast von Sessel. Und dann gab es am Abend noch Bratkartoffeln und Quark. Das hat geschmeckt kann ich Dir sagen. Da bin ich im Winter mit dem Schlitten hingefahren und im Sommer mit dem Roller.
Was ich jetzt gern sehe? Skisport und Biatlon
Bloß kein Sport? Das sage ich nicht. Ich mache jeden Tag Hometräner. Da achten die im Haus Daniela schon drauf. Ich muss nämlich auf meine Figur achten. Das ist Mist. Aber ich will ja nicht so fett werden wie manche in der Werkstatt.
Tolle Sportart: Ich bin gern geschwommen auch im Tiefen und lange. Dann hat mich der Axel ins Wasser geschmissen. Seitdem habe ich Angst.
Wasserball habe ich gern an der See gespielt.
Fußball haben wir oft im Garten träniert.
Wenn Boccia eine Sportart ist kann ich sagen da war ich immer Klasse. Ich hatte Zielwaser.
Und bald hätte ich vergessen, dass ich bis zu meinem 40. Skigelaufen. Jetzt habe ich Angst vorm Hinfallen. Ich werde ja auch schon 55 Jahre alt. Wir sind in den Winterferien um den Ganzen Lindenberg gelaufen. Das dauert 2 Stunden. Und auf der Apfelwiese habe ich Abfahrt gelernt.

 


 
Ohrenkuss-Sportreportage: Anna-Maria Schomburg schwimmt
Anna-Maria Schomburg (28 Jahre, selbst mit der Hand geschrieben) äußert sich zu den verschiedenen Sportarten:

Es gibt unterschiedliche Sportarten und ich mache unterschiedlichen Sport sehr gerne!
Ich gehe oft auf den Crosstrainer in unserem Schlafzimmer und wir machen auch zusammen Sport wie z.B. Yoga und Sonnengruß und Übungen mit dem Theraband! Ich walke und jogge gerne um unser Viertel und viele Spaziergänge mit unserem Hund und wir gehen zum Schwimmen und üben das Streckenschwimmen, das Zeitschwimmen das tauchen und das springen und Rücken- und Bauch- und Brustschwimmen mit ektativen Schwimmbewegungen!
Wir haben zwei Ponies, mit denen gehen wir spazieren und trainieren die und putzen sie und entäppeln (gemeint ist die Weidepflege), wie es gerade kommt!
Wir machen fast jeden Tag Sport un dich bin vergnügt dabei und Sport macht mir viel Freude und bringt viel Abwechslung!
Außerdem machen wir jetzt seit kurzem Übungen auf dem Trampolin mit guten ektativen  Übungen zum Gleichgewichtssinn und Schwingen und Springen und zwischendurch etwas Gymnastik!
Ich bewege mich gerne draußen und freue mich an der Natur!

 



Lars Breidenbach (34 Jahre, Text diktiert), fühlt sich immer in jedes Thema ein. Beim Schwimmen ist er z.B. ein Delfin und mehr als 30 Liegestütze bringen ihn auch nicht um:


Erste Sache: Liegestütze.
34 mal Liegestütze machen auf Sportmatte.
Ist mein Rekord, 34 oder so ungefähr
Zweite Sache: Fahrrad fahren. Ich hab blaue Dreirad, 21 Gänge. Ich hab auch Spiegel, kann man gut sehen, links und rechts. Und ich hab zwei schelle, ist auch wichtig, eine hupe und eine schelle.
Nächste Thema heißt Schwimmen: Gibt es auch, mit tauchen, bin ein Delefin, ich tauche gerne. Kann man gut sehen mit Tauchbrille. Nächste Mal mit Badkappe für mein Ohr. Muss immer aufpassen für tauchen, mag kein Wasser im Ohr, musst du frei machen, anschließend abtrocknen und anschließend Ohr sauber machen, mache ich nicht so gerne, immer fummeln,
okay, kann man mit leben.
Andere Thema heißt laufen, joggen oder walking. Schwitzen sag ich immer, bin nass geschwitzt. Draußen  oder im urlaub, einmal mit joggen, einmal mit Fahrrad, immer Wechsel, ich bin sportlich. Und hinterher duschen, dann stink ich vom Schwitzen, muss duschen.

Bewegung iss wichtig, nächste Thema Muskel(auf)bau. Muss Muskel verbauen, brauche mehr Kraft, Energie. Erst mal Muskel verbauen, warm machen, Hantel üben, auch Schnelligkeit aber nicht so viel. Nicht Stress machen, nur ein bisschen (mit) Rhythmus, schnell heißt Rhythmus wie Musik, dann ist Energie da. Dann bin ich auch fit, (kann) auch abnehmen, geht besser.
Auch wichtig für Sportende, Sport ist vorbei, dann musst du auch ausruhen, in ruhig
ruhig bleiben, nicht mehr aufregen, locker auf Hocker. Ausruhen ist auch wichtig, dann bist du richtig fit!

 


Aber es gibt auch großes Interesse an Sportarten, die nicht so häufig ausgeübt werden, z.B. das Boxen.
Kaylynn aus Hokkaido (30 Jahre) ist davon fasziniert:


Seilspringen / Schultergymnastick / Körperdrehen / Finger und arme bewegung
Für die Musketlatur / Armkreisen (Beide) / Hüfte und Ferse bewegen
Körperdrehen / Boxkampfhaltung / Lockerrung / Rechts und Links
Seilchenmarathon
Schattenboxen und schattenmatch
Boxhandschue rausholen / Jeden mit jeden boxen
Tatsen Liegestüste / Hampelmänner
Boxerring

 


Ohrenkuss-Sportreportage: Marc Lohmann boxt
Marc Lohmann (30 Jahre) ergänzt, indem er das Boxtraining ausführlicher beschreibt:

Schwer Gewicht / Hundert Stemen (stemmen)
Schnelich keit
Mit Männer Üben
Dan Arm Bewegung Und Bauch Genalstieg (Gymnastik)
Aus Türkei 42 Jahre Kei (Der Trainer heißt Kai) / Weiter mit 20 Jahre (Er boxt seit 20 Jahren)
Eine Frau 28 Jahre (Seine Frau ist 28 Jahre alt)
Gymnastieg



Johanna von Schönfeld (18 Jahre), hat die folgenden Gedanken zur Theorie und Auswirkungen des Sports selbst aufgeschrieben:

Hier kommt der text die ich ausführlich und mühevoll und mit Gedanken gearbeitet habe.
Beim Jedem Sportler oder der geschlechtbare Typ - männlich und weiblich - muss immerhin Sport getrieben werden, weil der Typliche Körper  fit und gesund stapiel Sportlich und Schauspielerisch praktisch in form in Verbindung vorstellen kann. Denn der Sport allgemein ist beim Jedem gesund.
Plötzlich alle Sportlichen und unsportlichen Typen wollen oder müssen beim Sport Schwitzen. Weil man Schwitzen muss. Anders kennt die Autorin das nicht, weil sie das gar nicht vorstellen kann. Man kann ja kaum über schwitzen in worten zu fassen und in Schwung nehmen weil man das gar nicht gesetzlich erklären kann und erkennen kann. Jeder weiß dass man beim Schwitzen eklig und Scheiße fühlt. Schwitzen heißt für mich als text Autorin eine Sportliche intensive starke dusche. Alle Sportliche Flüssigkeit duscht den gesamten Körper ab. Alle Typen nennen das eine Stinkbombe und man Stinkt Inersiv und mega Schlecht verdammt fürchterlich.

 



Aber Theorie hin oder her, es ist nicht alles so einfach.
Michaela Koenig aus Wien (34 Jahre) schreibt über die knallharten Hintergründe zum Thema und dass es auch andere (sehr pragmatische) Gründe gibt um Sport zu betreiben:


Meine Lieblingsspeise ist Spaghetti Bolognese, sie schmeckt mir leider sehr gut, ob wohl es ein Dickmacher ist. Da nimmt man leider sehr viel zu, das sind leider sehr viele Kalorien enthalten, das ist ein großer Blödsinn, warum kann man nicht auf die Kalorien pfeifen. Scheiße auf meinen niedrigen Grundumsatz. Ich möchte gerne soviele Spaghetti Bolognese, essen können ohne zu Zunehmen, warum kann man nicht soviel essen wie man will. Aber man nimmt dabei nicht zu. Das würde ich gerne wissen, manchmal muß ich auf meine Lieblingsspeise verzichten, das ist blöd und bescheuert.
Keiner verzichtet freiwillig auf eine Lieblingsspeise, auch wenn es die Michaela Koenig ist.
Wer macht das freiwillig, da mache ich doch lieber Sport, damit ich mehr davon essen kann. Da gehe ich freiwillig laufen, damit ich mehr davon essen kann, das hört sich sicher albern an, aber ich scheiße wirklich auf meinen niedrigen Grundumsatz. Der sich niemals ändern wird, mir tut es sehr weh, daran zu denken. Spaghetti Bolognese wird immer meine Lieblingsspeise bleiben, das wird sich niemals ändern. Weil es blöder weise lecker schmeckt, es schmeckt mir so gut, das ich niemals darauf verzichten könnte.



Anna-Maria Schomburg pflichtet Michaela Koenig  bei, indem sie bestätigt, dass man aufpassen soll mit dem, was man isst.
Aber ergänzend hält sie gesundes Essen auch für angebracht:


Man soll schon was essen, aber aufpassen, dass man nicht zu viel isst. Es ist gesund, wenn man Salate, Obst, Yoghurt und Gemüse isst und ungesüßte Fruchtsäfte trinkt z. B. Multi-Vitamin-Saft. Es ist aber auch gut, wenn man z. B. Fahrrad fährt, spazieren geht und sich viel draußen bewegt.
Sie meint aber auch, dass es Situationen gibt, in denen ein Mensch mehr essen sollte:
Manchmal ist etwas Zunehmen gut:
a) für Leute, die überschlank sind und nicht darauf achten, was zu essen.
b) kleine Kinder, die nicht essen wollen.
Aber sonst ist Zunehmen auch schlecht: man wird leicht davon dick, wenn man zu viel ißt und sich danach nicht bewegt man kann sich nicht mehr gut bewegen.



Abschließen möchten wir mit dem Text von Michaela Koenig mit dem schönen Titel:
Was muss ich tun das ich attaktiv aussehe!


Was muss ich tun das ich attaktiv aussehe!
In der Früh etwas leichtes essen, zum Beispiel eine Tomate und eine Tasse kalte Milch. Das wäre das Frühstück. Zu Mittag einen Frischen Gurkensalat und ein Weckerl. Das wäre das Mittagessen, für den Kindergarten natürlich. Man muß nicht nur etwas warmes essen, es genügt auch etwas kaltes zu Essen. Am Abend ein Schinkenweckerl, oder drei Käserölchen, oder einen Tomatensalat mit Tunfisch drinnen, oder Eierspeise auf zwei Toste und daneben Tunfisch. Zwischenmahlzeit: Ein nacktes Jokurt 1% Fett oder Diat Jokurt ohne Fett, zwei Tomaten. Das wäre die Zwischenmahlzeit. Zu Trinken: Viel Mineralwasser, viel Leitungswasser kalt, einen Orangensaft oder Apfelsaft gespritzt, drei Gläser am Tag verteilt Coca Cola.
Das wäre es, viel Sport machen, schwimmen, Musik mit Turnen und Slendern gehen, mehr Fittness weniger essen. Den Körper in Trapp halten, beim fernsehen oder Video schauen in Bewegung bleiben, im Stand gehen, im Stand laufen, ein Buch auf den Kopf legen. Musik einschalten, Bauch rein Brust raus, gerade stehen und dabei gehen, so wirkst du größer.

 



Das Thema Sport wurde bereits 2002 von der Ohrenkuss-Redaktion ausführlich bearbeitet.
Hier können Sie mehr dazu nachlesen:
www.ohrenkuss.de/heft/nr08/




Dr. Katja de Bragança (Herausgeberin)




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Einige Ohrenkuss-AutorInnen   in einem Kölner Hinterhof.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
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Fotos: Katja de Bragança


 




Gastbeitrag
12.05.2010
09:46

Ohrenkuss: Menschen! Formen!

Ich bin ein Mensch - Elefantengesichter, Wolfskinder und verlorene Prinzen

Sommerblut-Theaterfestival Köln - Ohrenkuss begleitet das HORA-Theater Zürich

 

Sommerblut-Festival Köln - Ohrenkuss begleitet das HORA-Theater ZürichDie Ohrenkuss Redaktion hat mal wieder Glück.

Da plant sie das folgende Thema für die Herbstausgabe 2010: "Ich bin ein Mensch".
Und kurz darauf kommt die Anfrage, ob wir über die Theaterproduktion der Aufführung "Menschen! Formen!" ausführlich berichten möchten.

Natürlich haben wir zugesagt.

Das Theater HORA aus Zürich hat das Stück in Köln erarbeitet.

Anlass ist das legendäre Sommerblut-Festival - diesmal mit einer Theaterproduktion, an dem Schauspieler und professionell gecastete Laien mit und ohne eines intellektuellen Handicaps mit von der Partie sind.
Regie führt - Michael Elber.

Vor vielen Jahren durfte die Ohrenkuss-Redaktion im Rahmen einer Theaterprobe in Kaiserslautern mal dabei sein und ein wenig mitmachen.
Da lernten wir Demut: Was so einfach aussieht ist echt schwere Arbeit. Aber die Ohrenkuss-AutorInnen erhielten auch fassungslosen Respekt von den abgebrühten Schweizer Schauspielern: "Wie, das habe die selber geschrieben und dann auch vorgelesen?!" Es stellte sich raus, dass die einen schreiben und lesen können - und die anderen schauspielern und improvisieren. Kompetenz auf allen Seiten!
Im Juni 2007 war Ohrenkuss auf Lesungsreise in Zürich und hatte erneut Gelegenheit HORA zu erleben: Das Herz der Finsternis. Dieses Stück war gut - aber nicht vergleichbar mit der professionellen stundenlangen Dauer-Improvisation in "Der Lust am Scheitern".
Das kann man nun in Köln am Pfingstwochenende nicht erleben - wohl aber das neue Stück "Menschen! Formen!".

Premiere ist am Freitag, 21. Mai um 18:00h.
Wer da zu langsam war und keine Karten mehr bekommen hat - eine zweite und dritte Chance gibt es am 22. und 23. Mai.
Wo?!
Im Freien Werkstatt Theater in Köln.


Dr. Katja de Bragança, Herausgeberin
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom.



 

 

Und worum geht es nun in diesem Stück?
Sommerblut-Festival Köln - Ohrenkuss  begleitet das HORA-Theater Zürich
Christiane Grieb (Ohrenkuss-Autorin und gleichzeitig Schauspielerin in dem Stück) meint dazu:

Es geht um Elefantenmenschen und verlorene Prinzen und ein Wolfsjunge:
Das Thema ist, dass wir Menschen zusammen gehören und uns normalisieren: Dazu gehören.
Der Wolfsjunge wird zum Prinzen und (mit dem) Elefantenmenschen zu einer Gruppe.
Der Wolfsjung und der Elefantenmensch, beide sind Tiere.
Weil sie in der Freiheit leben.
Sie werden später auch zum Menschen, weil sie dann darüber reden, über die Normalisierung.
Dass sie zusammengehören in einer Gruppe, dass sie nicht mehr auseinander gehen.
Sie haben gemerkt, dass sie doch keine Tiere sind, dass sie Menschen sind.
Dass sie nicht nur tierisch sind, sondern auch menschlich in Gedanken.
"Ich bin kein Tier, ich bin ein menschliches Wesen."
Nein, ich bin kein Tier, weil ich ein Mensch bin: dass ich normal bin, dass ich zu der Gruppe gehöre. Der Außenseiter ist trotzdem ein Mensch, er gehört auch zu der Gruppe.



Sommerblut-Festival Köln - Ohrenkuss begleitet das HORA-Theater ZürichAngela Fritzen (selber langjährige Saxophonspielerin) äußert sich schon mal zu der Musik und dem Spiel mit den Stimmen und Sprachen:


Zwischen 18 Instrumenten: Blasinstrumente.
Zwischen Gold und Silber.
Instrumenten, die haben verschiedene Instrumenten aufgehangen auf der Leinwand.
Einmal Posaune, Trompete, Horn und Tuba.
Die Töne kann man hell und dunkel blasen.
Die Töne quietschen, die blasen sich an.
Ich finde die Stimmung traurig, von der Musik.

Die haben die Stimme mit Musik gemacht und verschiedene krumme und schiefe Töne kommen da raus.
Mit der Stimme: Die haben verschiedene Stimmen nachgemacht.
Die sprechen mit Englisch (Schweizer Deutsch!) an und das war charmant.
Es gibt verschiedene Stimme, die man Französisch sprechen kann oder Englisch.
Die Stimmen sind krass: weil die sind so laut.
Aber die müssen das machen, sonst kann man die nicht so richtig verstehen.
Die eine hat nämlich Deutsch gesprochen.
Die anderen haben auf Englisch gesprochen aber leider viel zu schnell.
Und so raue Stimme.

 



Sommerblut-Festival Köln - Ohrenkuss begleitet das HORA-Theater ZürichNachwuchs Kollegin Marley Thelen (gerade 18 Jahre alt) ist auch von dem Spiel mit den Tönen und Sprachen fasziniert:


Ich finde dieses Theaterstück spannend. Wegen der Ton.
Der Mensch sprechen einmal Englisch und einmal Deutsch.



Julian Göpel erinnerte sich, als er das Stück sah, daran dass er in einer Ohrenkuss-Redaktions-Konferenz den Film "Der Wolfsjunge" gesehen und besprochen hat.


Am Anfang war es laut. Da haben wir die Ohren zugemacht. Christiane Grieb hat es toll gemacht bei dem Theater. Die anderen auch. Sie sollten das Stück nachspielen über den Wolfsmensch. Danach wurde viel geredet und diktiert.
Die Geräusche finde ich toll. Die anderen haben eine andere Behinderung. Das habe ich gesehen. Sie oder er muss den Doktor spielen. Beim Wolfsmensch. Wir haben zugeguckt. Wir haben geklatscht. Heute sitzen wir hier zum Schreiben. Michael Bause hat Fotos gemacht über diese Leute. Das finde ich auch toll.
Die Jungs haben es auch toll gemacht. Die Assistenten mussten aufpassen, weil dass sie hinten gehen müssen und nicht nach vorne gehen. Die Assistenten haben viel geschrieben. Das habe ich gesehen. Heute war ein ernstes Thema. Ich habe gesehen auf dem Bildschirm unsere Titelseite: Der Mensch.

 




Sommerblut-Festival Köln - Ohrenkuss begleitet das HORA-Theater ZürichDas laute und eindringliche Zitat "Ich bin kein Tier. Ich bin ein menschliches Wesen." hat Julian Göpel bewegt. Wann ist man Mensch und wann ist ein Tier ein Tier?


Eigentlich ist der ein normaler erwachsener Mann. Er ist kein Tier. Er ist kein Doktor. Er ist kein Ausreißer. Er ist kein Dieb. Er belügt sich selbst, dass er kein Tier ist. Er ist ein menschliches Wesen in einem spannenden Abenteuerfilm. Er wurde verfolgt von den Kindern und kommt ins Heim. Die Kinder haben behauptet, er ist ein Tier. Der Doktor sagt: Der Wolfsjunge ist ein menschliches Wesen. Der Wolfsjunge belügt den Doktor, weil er nicht reden kann. Weil er auch im Schrank gefangen hält. Weil er ausbüchst. Der Doktor will ihn helfen mit Werkzeugen umzugehen und bringt auch das Schreiben bei. Der Wolfsjunge muss auch was lernen: Wie man Tische deckt. Der Doktor muss den Wolfsjunge abhören, wie es ihm geht. Er liebt Spaziergänge und Kutschfahrten und Schubkarre fahren. Der Wolfsjunge liebt das Wetter, wenn die Sonne scheint und der Regen kommt.

 



Die Frage "Wann ist man eigentlich Mensch oder Tier?!" bewegt auch Veronika Hammel. Sie schreibt dazu:


Die Tiere können tagsüber schlafen und abends können dann auf die Jagd gehen. Und  der Mensch, der kann sich bewegen. Der kann sich selber zum Essen kochen. Der kann Fernsehen gucken. Der kann einkaufen. Der kann arbeiten. Und der kann die Freizeit selber gestalten.
Die Tiere die können auch, also es kommt drauf an, ob die Haustiere sind. Die können auch im Bett schlafen. Und danach kriegen sie dann ihr Futter von den Menschen. Ob es Hund oder Katze ist. Hunde kann man gassi führen, Katzen kann man dann rausschmeißen oder die gehen selber raus. Die können sich dann Mäuse fangen, Ratten fangen.

 



Sommerblut-Festival Köln - Ohrenkuss begleitet das HORA-Theater ZürichNun zu dem eindringlichen Bühnenbild, da schreibt Julian Göpel weiter:


Die Bühne war schwarz. Es wurden Stühle gestellt, auch schwarz. Das Holzbrett ist auch schwarz, hab ich ja gesehen. Die haben schwarze Anzüge an und weiß. Die Instrumente sind Blechinstrumente. Die haben alles bis zum Ende noch geschafft.

 


Zum Abschluss nun Marley Thelens Gedicht über die Musiker:


Die Musiker
Der Ton klingt schön, weil er klingt.
Weil er klingt, ich so schöne Gefühle habe und im Herzen poppts wieder.
Vorher war mein Herz stehen geblieben ist, weil ich jetzt Angst habe.
Die Geschrei sind sehr gut gemacht, aber nicht so sicher, wegen die Mikrofon laut war.
Dann platz meine Ohren.

 

 

 


Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.hora.ch

Im Freien Werkstatt Theater in Köln.
FWT, Zugweg 10, 50677 Köln
Eintritt: 14 Euro / Ermäßigt: 9 Euro
VVK: Köln Ticket und im FWT unter Tel. 0221 - 32 78 17 und email: Öffnet externen Link in neuem Fensterkartenreservierung@fwt-koeln.de

Weitere Informationen zu dem Stück und weitere Termine:
Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.sommerblut.net/?page_id=1778&event_id=82



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Einige Ohrenkuss-AutorInnen  in einem Kölner Hinterhof.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
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Fotos: Michael Bause, Köln   Öffnet externen Link in neuem  Fensterwww.michael-bause.de


 







Gastbeitrag
23.04.2010
15:30

Ohrenkuss: Ich warte auf Veränderung

Interview mit Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen

Svenja Giesler (Jahrgang 1980) ist Gründungsmitglied von Ohrenkuss ...da rein, da raus, dem Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom.
Diesen Text schrieb sie, als die Ohrenkuss-Redaktion die Fragen für das Interview mit Hubert Hüppe vorbereitete. Zunächst einmal war Svenja Giesler der Meinung, dass es ohnehin eine Scheißsituation sei, in der sie lebt: Das Spüren der Ohnmacht.
Von ihr stammt ja auch das Zitat: "Ich habe Down-Syndrom, aber ich stehe dazu. Ich bin kein Alien, denn ich bin so wie ich bin. Jeder soll es verstehen und mich respektieren."
Wir regten an, dass sie sich nicht der Ohmacht und dem Jammern ergeben solle: "Svenja, nutze deine Stärke. Das ist das Schreiben. Verfasse einen Text, der all das ausdrückt, was dich stört, was dich bewegt, was dich verletzt. Bleibe dann aber nicht beim Jammern, sondern sag auch, was du ändern möchtest, was deine Vision ist. Trage diesen Text dem Hüppe vor, er soll verstehen um was es dir geht, überzeuge ihn. Er soll sich immer daran erinnern. Und dann wird er sich darum kümmern, dass sich die Dinge ändern - das ist seine Arbeit, er ist der Politiker. Du bist die Schriftstellerin." Jeder kämpft mit seinen eigenen starken Waffen.
Svenja Giesler hat den Text während des Interviews zur Einstimmung vorgetragen - nachdem die Begriffe "Inklusion und Integration" besprochen wurden und bevor man ans Eingemachte, das Politische ging.
In den mehr als zwölf Jahren unserer Zusammenarbeit habe ich viele bewegende Momente erlebt. Zu erleben, wie Svenja Giesler den Text schrieb und später vortrug, gehört sicherlich dazu.

Dr. Katja de Bragança, Herausgeberin







Ohrenkussredakteurin Svenja Giesler, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Hubert Hüppe

Ich warte auf Veränderung

 


Man fühlt sich (darf ich ruhig sagen) scheiße und allein gelassen.
Ausgegrenzt.
Man fühlt sich mies.
Man fühlt sich auch in Stich gelassen.
Man möchte anerkannt werden.
Ich möchte, dass die Menschen mich respektieren.
Dass sie Respekt vor mir haben.
Die sehen nicht an mir, wie ich mich fühle.
Dass es mir Angst einjagt und dass es sehr erschreckend für mich ist.
Die sehen die Menschen nicht.
Nur ein Beispiel:
Ich fahre mit meiner Mami in einem Bus.
Es sind mehrere Leute drin, teils stehend, teils sitzend.
Dann fangen die auf einmal an, mich anzustarren und denken folgendes:
"Wie sieht die denn aus? Ich habe noch nie im Leben eine Behinderte gesehen. Wie sieht die denn aus?"
Und dann fühle ich mich scheiße und ich bin auch sehr traurig und in meinen Gefühlen verletzt.
Ich möchte, dass es aufhört mit dieser Anstarrerei.
Wirklich!
Ich möchte respektiert werden - wie ich bin.



    Svenja Giesler   Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de/projekt/portraits/giesler/



 




Ohrenkussredakteure Julian Göpel, Angela Fritzen, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Hubert Hüppe
Der neue Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, stellte sich im Interview den Fragen der Bonner Ohrenkuss Redaktion zum Thema Integration/Inklusion.
Die Fragen stellten Angela Fritzen, Svenja Giesler, Johanna von Schönfeld, Julian Göpel und der Ohrenkuss Außenkorrespondent Tobias Wolf (am Telefon). Ohrenkuss Außenkorrespondentin Anna Maria Schomburg schickte ihre Fragen per eMail.
Die Begriffe Inklusion und Integration wurden während des Interviews ausführlich mit Hilfe verschiedenfarbiger Gummibärchen erklärt.



Svenja Giesler: "Herr Hüppe, was ist denn der Unterschied zwischen Integration und Inklusion? Wissen Sie, was hilft? Nicht so schnell reden. Deutlich reden. Man muss auch Geduld haben mit mir. Das habt Ihr nicht so alle."

Hubert Hüppe: "Ich würde sagen, bei der Inklusion, da sind von vornherein alle dabei. Da sagen alle: Ist ok, wie du bist, du bist bei uns. Du gehörst zu uns.
Und jetzt Integration: Da wurden Menschen vorher erst mal rausgetan (sortiert verschiedene Gummibärchen raus). Die einen sagen: Du bist anders. Wir tun dir ja nur Gutes. Da gibt's bestimmt sonst welche, die sagen böse Worte oder starren dich an, und das ist ja auch nicht gut. Geh auf eine Sonderschule, da fühlst du dich dann auch wohl. Da ärgert Dich auch keiner, die sind auch alle so wie du.
Dann wird eine Tür aufgemacht und gesagt: So, jetzt kannst du (doch) wieder rein. Das ist die Integration.
Das ist ja immer noch besser, als wenn man sie (die Ausgeschlossenen) da draußen lässt. Es ist aber schwierig, weil man sich ja nie kennen gelernt hat."

Angela Fritzen: "Die Ohnmacht fühlt sich scheiße an, Herr Hüppe. Wie können Down-Syndrom Leute in der Politik mitarbeiten. Ich kenn mich nicht aus mit der Politik.
Wie können wir mitmachen, obwohl wir langsam sind?"

Hubert Hüppe: "Informationen müssen verständlich sein: Ich habe zum Beispiel gefordert, dass im Fernsehen und im Radio einmal am Tag die Nachrichten in einfacher Sprache gesendet werden sollen, damit man auch gucken kann, was passiert im Bundestag, was wird da überhaupt beschlossen? Was machen die da den ganzen Tag?
Sie können mehr über Politik lernen: Sie könnten zum Beispiel Fortbildungen machen. Es gibt politische Stiftungen.
Das sind Einrichtungen, wo man politische Bildung anbietet: Wie und wo Politik gemacht wird. Jetzt gibt's demnächst ein Seminar, wo sich Leute mit und ohne Behinderung treffen und über das, was sie interessiert, reden. Zum Beispiel: Ich will nicht in die Werkstatt, ich will woanders arbeiten. Oder wenn ich in der Werkstatt arbeite, dann will ich mehr Geld haben. Dafür kann man sich auch einsetzen. Man kann auch politisch arbeiten: Es gibt Werkstatträte. Es gibt Menschen, die ihre Interessen in einer Wohneinrichtung - es heißt ja Wohnheim - vertreten. Da könnte man auch mitmachen."
Ohrenkussredakteurin Johanna v. Schönfeld, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Hubert Hüppe
Johanna von Schönfeld: "Herr Hüppe, ich bin eine Schülerin. Ich bin 18 Jahre alt. In meiner alten Schule - das war eine integrative Realschule - gab es mehr Unterricht und mehr strenges, ernstes Schulleben. Es wird dort die Schuljahre durchgezogen. Jetzt in der Förderschule (seit 2 Jahren) dreht sich alles rum: Es wird kaum richtiger Unterricht gemacht. Ich meine damit: Es gibt keine Stundenpläne. Meine Fächer ändern sich immer. Können Sie sich vielleicht darum kümmern, dass es viele Schulen mit ordentlichem Unterricht Stundenpläne gibt? Wir möchten etwas lernen."

Hubert Hüppe: "Ich will mich drum kümmern, und ich sag das auch an jeder Stelle, wo ich es sagen kann, und ich hoffe auch, etwas zu erreichen. Nächste Woche bin ich auf einem Kongress - ‚Eine Schule für alle' - der sich auch dafür einsetzt, dass Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, auf eine Schule gehen können, und dass jeder soviel lernt, wie er auch lernen kann. Viele Lehrer gucken ja erst immer, was jemand nicht kann, anstatt mal zu gucken, was kann der. Ich möchte, dass jeder soviel lernt, wie er auch lernen kann, und jeder so, wie er ist. Der Eine kann halt gut rechnen, und der Andere kann eben nicht so gut rechnen, aber ich möchte, dass jeder in seinem Bereich soviel lernt, wie er eben lernen kann. Und dafür braucht er auch einen vernünftigen Stundenplan, und dafür braucht er auch vernünftige Lehrer, die auch nicht sagen: ‚Der kann das eh nicht!', sondern die dann eben soviel beibringen, wie man beibringen kann. Und da ist jeder Mensch gleich viel wert."

Johanna von Schönfeld: "Ich habe schon viele Schulbetriebspraktika gemacht. Auch in der öffentlichen Werkstatt.
Das stelle ich mir für mein Leben nicht so vor. Ich würde gerne in einer Kindereinrichtung arbeiten. Da würde ich gerne mitzupacken und zeigen, was ich kann.
Können Sie unterstützen, dass so was an Arbeitsplätzen sinnvoll klappen kann?"

Hubert Hüppe: "Ich will es auf jeden Fall unterstützen, wo es immer geht. Ich möchte natürlich, dass viele, viele Menschen nicht nur zusammen zur Schule gehen, sondern auch zusammen arbeiten. Ich glaube, wenn mehr Leute miteinander schon gelernt haben, in der Schule, im Kindergarten, dann weiß man (irgendwann) überall, wie man miteinander umgeht. Dann glaube ich, dass auch viel mehr (Menschen) eine Chance haben auf dem ersten Arbeitsmarkt und nicht in einer besonderen Werkstatt.
Wenn jemand in die Werkstatt geht, kostet das ja auch Geld. Das nennt man Eingliederungshilfe. Dafür wird Geld bezahlt, das bekommt diese Einrichtung. Ich stelle mir vor, dass Sie zum Beispiel sagen: Ich will lieber woanders arbeiten, gebt mir doch das Geld. Dann gehe ich mit diesem Geld zu einem anderen Arbeitgeber. Meinetwegen zu einem Kinderheim oder einem Kindergarten und sage: Hier, ich habe auch ein bisschen Geld mitgebracht, ihr tut noch was für meine Arbeit drauf, und davon kann ich leben. Dann geht das. Ich hoffe, dass man dadurch noch viele  Arbeitsplätze schaffen kann und dadurch, dass Sie (zeigt auf Johanna von Schönfeld) dann vielleicht auch ihren Traum wahrnehmen können, dort zu arbeiten. Oder ich weiß ja nicht, wo Sie arbeiten wollen, in einer Jugendherberge oder anderswo."

Johanna von Schönfeld: "Später in der Zukunft möchte ich mit einem Partner zusammenleben und es sollte dafür Wohnunterstützer geben, z. B. verschiedene Einrichtungen, die da beruflich arbeiten. Können Sie dafür sorgen, dass es so etwas gibt?"

Hubert Hüppe: "Ich persönlich kann das nicht, ich kann so was immer nur fordern. Ich bin ja Behindertenbeauftragter.
Das heißt, ich muss mich für das einsetzen, was Menschen mit Behinderung betrifft. Ich kann jetzt zum Beispiel sagen: Die meisten Leute wollen jetzt vielleicht alleine leben. Die wollen nicht mit 30 anderen zusammen leben. Das würde ich auch nicht wollen, ich persönlich. Es gibt Menschen, die können alleine leben, ich glaube auch mehr, als es bisher tun. Und es gibt welche, die brauchen Unterstützer. Und das muss auch sein. Man muss das üben und lernen, das Alleine-Leben. Dafür müssen wir dann natürlich auch Leute haben. Das heißt, die arbeiten dann nicht mehr in dem Wohnheim, sondern die unterstützen Sie (zeigt auf Johanna von Schönfeld) und dann möglicherweise auch Ihren Partner, wenn Sie einen haben und sagen: Ok, aber nur soweit wie nötig. Also nicht, dass man sagt: Ich hab keine Lust, ich will nicht mehr kochen. Sondern dass man für die Dinge, die man wirklich selber nicht kann und die man auch nicht lernen kann, dass man da jemanden hat, der einen unterstützt.
So kann jeder unabhängig arbeiten. Das wird auch nicht teurer, die Heime sind ja auch sehr teuer. Und Sie werden viel selbstständiger und könnten dahin gehen, wo Sie wollten und müssen nicht um 10 Uhr zu Hause sein. Und vielleicht gehen Sie mal nach Hause, und vielleicht aber auch nicht nach Hause. Mal wollen Sie vielleicht auch die Verwandten besuchen, und mal sagen Sie auch: Nö, da habe ich jetzt aber keine Lust zu. Ich will jetzt zum Fußball oder tanzen oder sonst was."

Julian Göpel: "Herr Hüppe, was möchten Sie in den nächsten vier Jahren genau erreichen?"


Hubert Hüppe
: "Ich möchte erreichen, dass eben tatsächlich mehr Menschen eine gemeinsame Lebenswelt haben. Dass man in einer Welt lebt, dass mehr Menschen zusammen arbeiten, lernen, spielen. Das ist schon eine ganze Menge! Und dann gibt es das Thema noch mit den Ansprüchen ..."

Julian Göpel: "Ja, wir brauchen manchmal Unterstützung, wir haben auch Ansprüche."

Hubert Hüppe: "Das Problem ist eigentlich nicht der Anspruch. Den hat man, der steht auch so im Gesetz. Aber wenn man dann zur Behörde kommt und sagt: Hier, ich habe im Gesetz gelesen, ich kriege das und das, dann sagen die: Moment mal, Sie sind hier gar nicht richtig. Ich schick Sie mal woanders hin. Und wenn Sie dahin kommen, dann sagt der: Ne, ne, hier sind Sie nicht richtig. Ich schick Sie woanders hin. Dann kommt man von einem zu anderen und jeder sagt, er sei gar nicht der Richtige, er sei gar nicht zuständig. Und oft wird das solange gemacht, bis man irgendwann aufgibt. Deswegen möchte ich, dass man eine Stelle schafft, die einem hilft und berät, und einem erklärt, was man für Ansprüche hat. Eine Stelle, die einen nicht sofort wieder wegschickt. Die hilft, dass man das, was man braucht auch bekommt. Das ist eins meiner Hauptziele. "

Hubert Hüppe: "War das heute so in Ordnung, was ich gesagt habe? War das zu schwierig? Konnten Sie das verstehen?"

Johanna von Schönfeld: "Ich hab das gut verstanden, was Sie gesagt haben. Und ich bin damit einverstanden."

Svenja Giesler: "Es geht mir schon jedenfalls viel besser. Mir geht's jedenfalls besser, auf jeden Fall. Ich hoffe auf Veränderung!

Angela Fritzen: "Wir bedanken uns für das Gespräch."

Hubert Hüppe: "Mir hat's Spaß gemacht, danke auch."

Tobias Wolf: "Thank you, Mr. Hüppe, for coming."


Einen Bericht über das Interview im Bonner General Anzeiger und die komplette Version des zweistündigen Gesprächs finden Sie hier:  Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-interview.de




 

 


Einige Ohrenkuss-AutorInnen  in einem Kölner Hinterhof.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
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Fotos: Peri de Bragança

 

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Tags: hubert hüppe, behindertenbeauftragter, integration, inklusion, ohnrenkuss
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