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Lichtverschmutzung stoppt Nachrichten aus dem All

Lichtverschmutzung

Die MilchstrasseEins der beeindruckensten Erlebnisse meiner Kindheit war, in einer lauen Sommernacht auf der Wiese vor dem Haus meiner Eltern zu liegen und in den Sternenhimmel zu schauen.

Millionen und Milliarden von Lichtpunkten, von denen ich als begeisterter 14-jähriger Science-Fiction Leser wusste, dass es sich bei jedem "Stern" um eine Sonne mit eigener Farbe, Größe und Alter handelte. Die Vorstellung, viele dieser Fixsterne könnten eigene Planetensysteme haben und auf einigen dieser Planeten sei vielleicht intelligentes Leben (im Gegensatz zur Erde) entstanden, war immer erhebend und brachte meine Phantasie auf Touren.

Der Anblick der funkelnden Sterne verband mich mit den alten Griechen, die viele der Sternbilder mit magischen Namen wie "Plejaden" oder "Orion" benannt hatten und den arabischen Völkern, von denen so schöne Sternen-Namen wie "Aldebaran" oder "Algol" stammten.
Wenn ich lange genug auf der duftenden Erde lag und in die Sterne schaute, hatte ich das Gefühl, ich könnte von der Oberfläche unseres Planeten in das Meer der Sterne fallen.
Der Blick ins All stellte auch die wahren Relationen klar: wie klein und nichtig unsere irdischen Sorgen waren.
Und wie überheblich wir Menschen uns ins Zentrum stellten.

Mit 19 Jahren reiste ich mit Freunden im VW-Bus durch Griechenland.
Auf dem Peloponnes konnten wir abends die griechischen Landschildkröten durch den Sumpf kriechen hören und nachts in den Schlafsäcken sahen wir eine Myriade funkelnder Sterne auf tiefschwarzer Ewigkeit und das Band der Milchstraße, unserer Galaxis. Ich konnte mich kaum sattsehen und schlief entrückt mit dem Blick auf die Sterne ein.
Nächsten Monat werde ich 53 Jahre alt (unglaublich...) und seit 30 Jahren habe ich keinen so beeindruckenden Sternenhimmel mehr gesehen. Ein Leben in der Großstadt Köln und Urlaube an Hollands Stränden verhinderten den
Blick auf die Sterne.
Öffnet externen Link in neuem FensterLichtverschmutzungIn unseren modernen Ballungsgebieten wird es nicht mehr dunkel genug um viele Sterne sehen können. Straßen werden beleuchtet, Autobahnen werden nachts erhellt. Das ist zwar gut für das Sicherheitsgefühl der Bürger - aber der Bezug der Menschen zum All geht verloren.
Das Problem nennt sich "Lichtverschmutzung" und ist seit Jahren Thema unter Astronomen. Die größten Verursacher sind Großstädte und Industrieanlagen, aber auch angestrahlte Gebäude oder Scheinwerfer für Werbezwecke. The City never sleeps...
Hier ein Vergleichsbild zwischen dem Sternenhimmel auf dem Lande und in einer Stadt mit einer halben Million Einwohner (Autor: Jeremy Stanley)    Bitte klicken:

Es wurden Karten erstellt, die zeigen, dass es in den Industrie-Nationen kaum noch dunkel wird.

Hier ein Link zu einer Licht-Karte Deutschlands Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.ajoma.de/assets/images/Lichtverschutzung%20Deutschland.jpg

Öffnet externen Link in neuem FensterWeltkarte LichtverschmutzungHier eine Karte. die die Lichtverschmutzung der gesamten Erde zeigt: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/61/Flat_earth_night.png

Beim Betrachten der Karten wird klar, dass in wenigen Jahren den Menschen in den Städten der Blick zu den Sternen verloren gehen wird. Wir schauen nicht mehr nach oben.
Kinder werden Begriffe wie "Milchstraße" nur noch aus Erzählungen kennen...

Dabei gibt es einige Ansätze, die Situation zu verändern: es werden Straßenbeleuchtungen entwickelt, die das Licht nur nach unten abstrahlen. Beleuchtete Autobahnen werden in der Wirtschaftskrise eh als zu teuer abgeschafft und es gibt erste Projekte, dass Strassenlaternen sich nur bei Annäherung, quasi nur bei Bedarf, einschalten. Dann würde hinter uns nachts automatisch wieder das Licht ausgemacht.

Ich habe mir für diesen Sommer schon den Ort ausgeguckt, an dem es in meiner Nähe am Dunkelsten ist und mir vorgenommen, mit Schlafsack und Astronomie-Software auf meinem Smartphone dort hin zu fahren. Und mal wieder das leuchtende Band der Milchstraße zu sehen.



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz
ist Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem Fensterkpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.

Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein. 

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Buchbesprechung "Limit"

Über Limit

Buchcover So, jetzt hab ich ihn endlich durchgelesen: den neuen "Schätzing", das Buch "Limit" des Kölner Autors Frank Schätzing.
Auf die 1300 Seiten hatte ich mich schon  gefreut, weil sein letztes Buch "Der Schwarm"  leicht lesbare Unterhaltung mit Öko-Touch bot. Interessant recherchierte Infos zu Ölbohrungen und Wal-Tourismus.

Und weil "Limit" ein Science-Fiction Roman ist. Mit einer Reise zum Mond, wo im Jahr 2025 das wertvolle Helium-3 abgebaut wird, welches alle Energie-Probleme der alten Erde lösen kann.

Aber der Autor hat's in meinen Augen leider vergeigt.
Er hat nach den Sternen gegriffen und ist auf der Nase gelandet:
1300 Seiten für eine Story, für die 400 Seiten völlig ausgereicht hätten.
Schätzing hat emsig Wissen gesammelt - und doziert seitenlang über afrikanische Kolonialgeschichte und prahlt mit seinen wissenschaftlichen Kontakten.
Da wird einem dann zwischendurch die Zeit lang und man ist versucht, viele Seiten "zu überfliegen". Im Buch kommen 72 Protagonisten vor, deren Zeichnung man sich nicht merken kann und mit denen man sich dadurch auch nicht verbunden fühlt. Schätzing gab mir das Gefühl, so zu schreiben, dass der Stoff leicht verfilmt werden kann. Alles wirkt zu filmisch und konstruiert, ich hatte das Gefühl, einige Ansichten schon in anderen SF-Filmen gesehen zu haben. Warum dann das Buch lesen?

Schätzing hat selbst mal zum "Schwarm" gesagt, er schreibe Bücher, weil er keine Filme drehen kann, und wurde der "Roland Emmerich der deutschen Literatur" genannt.
Das passt um so besser, da Roland Emmerich auch mit seinem aktuellen Film "2012" wieder eine weitere Fassung der immer gleichen Geschichte ablieferte: ich kann diese Szenen von riesigen Wellen, die nach New York herein fluten und einstürzenden Hochhäusern nicht mehr sehen.
Emmerich kommt mir ideenlos vor, da er auf der sicheren Seite des einmal erreichten Erfolges bleibt und nicht mutig Neues entwickelt, wie zum Beispiel James Cameron, der mit seinem epochalen "Avatar" gerade das Kino auf ein neues Level hebt. Roland Emmerich hat seinen schöpferische Zenit überschritten.

Auch Schätzing bleibt beim einmal erfolgreichen Konzept, erweitert nur den Umfang an Seiten, die Menge der Darsteller und die zurückgelegten Entfernungen, und kommt dabei an sein persönliches "Limit".
Sicher, er hat eine Menge Spass dabei, seine Liebe zur Science Fiction durch Benennung von Raumschiffen mit SF-Autoren-Namen zu zeigen. Oder einen Hauptakteur als Star in einem "Perry-Rhodan"-Kinofilm zu beschreiben (und damit zuzugeben, dass auch er, gleichaltrig mit mir, diese Groschenheft-SF als Jugendlicher verschlungen hat). Witzig fand ich auch, dass David Bowie als Rock-Greis im Roman auftritt und die Teenie-Band "Tokio Hotel" als gereifter Teil einer möglichen (brrr...) Zukunft beschrieben wird.
Gute Beschreibungen wie etwa der Aufzug zur Raumstation oder der Helium-3-Abbau auf dem Mond werden dozierend und lehrerhaft vorgetragen. Da hat jemand 2 Jahre lang allzu fleissig Informationen gesammelt und muss mir diesen Wust 1300 Seiten lang vortragen. Richtig ärgerlich bei all dem Dozententum sind dann sprachliche Mängel (wenn etwa der Bezug in einem Relativ-Satz nicht stimmt) oder flache Formulierungen, sprachliche Tiefflüge in den Dialogen.

Ich war froh, als ich durch war und bin jetzt wieder frei für wirklich gute Bücher.
Schätzing hat diesmal den Bogen überspannt. Und mich als geneigten Leser verloren.



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz
ist Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem Fensterkpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

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Dystopie

Ich lebe in einer Dystopie

Eine Dystopie ist laut Wikipedia die Geschichte einer Gesellschaft, die sich zum Negativen entwickelt hat.
Also ganz das Gegenteil der "schöner, schneller, weiter" Utopien meiner Jugend.
Als ich 14 war, träumte ich davon, später lichtschnell durch Sonnensystem zu reisen oder zumindest mit fliegenden Autos über kühn geschwungene Rampen zu fahren wie in Fritz Langs Film "Metropolis".

S-BahnReal fahre ich jetzt morgens mit der S-Bahn S11 von Köln-Holweide nach Köln-Hansaring zur Arbeit.
Und das Bahn-Erlebnis wird von Jahr zu Jahr schlimmer.
Letzten Mittwoch hatte ich einen Arzttermin um 8 Uhr morgens.
Schon durch Erfahrung mit unpünktlichen Bahnen klug, nahm ich die Bahn um 7:40 Uhr, die mich in 20 Minuten zum Hansaring bringen sollte. Sollte.
Auf dem Gleis gegenüber stand ein Güterzug, weshalb meine Bahn S11 ausfiel. Dafür kam 10 Minuten später eine Bahn, die in keinem Fahrplan stand. "OK - besser als keine", dachte ich und stieg ein. Diese Bahn fuhr allerdings sehr langsam und auf Umwegen nur bis Köln-Haupbahnhof - wo ich dann von Gleis 6 hinunterlaufen mußte und auf Gleis 11 wieder hinauf, um die verspätete nächste S11 zu erwischen.
Beim Arzt war ich 10 Minuten zu spät und hatte dadurch 12 andere Patienten vor mir und eine Wartezeit von einer Stunde. Bis ich dann zur Arbeit kam, war ich schon 3 Stunden mit den Auswirkungen einer immer schlechter funktionierenden Gesellschaft beschäftigt.
Dystopie.

Mein Vater war Beamter bei der "Deutschen Bundesbahn" wie die Bahn AG früher hieß und es war selbstverständlich, dass die Züge pünktlich fuhren.
Wenn eine Verspätung eintrat, dann selten im regulären Ablauf, eher bei Fernverbindungen oder wenn ein Unfall passiert war. Mein Vater starb vor 9 Jahren und würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, dass heute Verspätungen an der Tagesordnung sind und unter 5 Minuten gar nicht mehr genannt werden.

Immer wieder erfrischend sind die Ausreden, die in der Bahn angesagt werden, wenn der Fahrplan durcheinanderkommt: "wegen eines Oberleitungsschadens", "wegen Laub auf den Schienen" oder "wegen einer defekten Aussenscheibe" verzögert sich dann die Fahrt "um wenige Minuten". Manchmal hege ich die Vermutung, dass jeder Zugführer ein kleines rotes Heftchen mit Ausreden bei sich trägt. Dabei könnte man die meisten Gründe durch mehr Mitarbeiter und dadurch bessere Wartung von Fahrzeugen und Anlagen in den Griff bekommen. Hätte man doch nicht so viele Mitarbeiter entlassen...

Ich fahre 40 mal im Monat dieselbe Strecke - und im letzten Monat lag die Zahl der verspäteten S-Bahnen bei 80 Prozent. So habe ich mir die Zukunft nicht vorgestellt.

Was kann ich mit meiner Enttäuschung und Wut tun?
Bei der Beschwerde-Hotline der Bahn anrufen? Ich habe gehört, die Telefon-Nummer sei kostenpflichtig. Hallo? Ich soll auch noch bezahlen, um mich beschweren zu können?
Als aufgeklärter Konsument kann ich ja das Produkt liegenlassen und von der Konkurrenz kaufen. Hallo? Die Bahn ist de fakto immer noch Monopolist - da fährt niemand anders meine Strecke.
Was taten die Matrosen des Panzerkreuzers Potemkin, als sie verschimmeltes Brot zu essen bekamen: zettelten die russische Revolution an. Was geschah in Berlin im Februar 1968 aus Protest gegen den Vietnamkrieg: der SDS  veranstaltete einen Kongress und fortan gingen die Studenten auf die Barrikaden. Was geschah aus Protest gegen die Apartheid in Südafrika? Südafrikanische Agrar-Produkte wurden in den 1980ern boykottiert, was zu einem Umsatzrückgang von ca. 13 Prozent führte und mit half, den Untergang des Regimes zu beschleunigen.

Wie könnten wir der Bahn klarmachen, dass das so nicht läuft?
Was wäre ein angemessenes Zeichen? Dem Zugführer mit dem Finger drohen? Mit einem selbst gemalten Transparent am Kopfende des Zuges stehen? Das Gespräch mit den Leidensgenossen suchen? Würden andere frustrierte Reisende sich solidarisieren? Oder muss ich zum alten Spinner mutieren, der monoton vor sich hinbrabbelt: "früher war alles besser..."

Alle Ideen sind willkommen.



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz
ist Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem Fensterkpunkt.

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die ebooks kommen

Schönes neues Lesen

Als 14-jähriger las ich viel Science-Fiction und war überzeugt, dass die Zukunft grandiose technische Wunder für die Menschheit bereithielt.

Viele Jahre später habe ich eingesehen, dass Atomkraft nicht nur Energieprobleme lösen kann sondern auch einen ganzen Sack neuer Probleme schafft.
Fliegende Autos, Kunstdünger oder Turbo-Gemüse halte ich nun nicht mehr für wünschenswert.

Aber einige meiner Science-Fiction-Träume sind Wirklichkeit geworden und haben unsere Welt grundlegend verändert:
Aus Mister Spocks "Kommunikator" wurde das Klapp-Handy. Endlich sind alle Menschen ständig miteinander verbunden, sogar unterwegs summt es bedeutungsvoll "bin grad in der Bahn..." und Beziehungsklärungen müssen nicht warten bis man sich sieht.
Eine andere Zukunftsidee war ein weltweites Netzwerk von Bildschirmen, über die man Angebot und Nachfrage optimal verteilen kann. Zuviele Äpfel im Garten? Kurze Nachricht und schon tauscht man die Äpfel gegen Birnen oder Ähnliches. Irgend etwas fehlt Dir? Tippe es ein und suche weltweit nach dem Anbieter.
Die rasante Entwicklung der Computertechnik und des Internet verwirklichte diese Utopie: bei ebay habe ich in den letzten Jahren ersteigert, was mir meine Eltern nie kauften und besitze jetzt eine ansehnliche Sammlung von "View Master"-3D-Scheiben oder die Carrera-Bahn, die ich nie bekam weil wir Kinder ja schon eine Märklin-Eisenbahn hatten. Das Internet als Tauschbörse funktioniert wunderbar - für die Musikindustrie sogar zu gut.
Durch intensiver tauschen von MP3-Dateien wurden die Musikkonzerne zum umdenken gezwungen - die alten Geschäftsmodelle funktionierten durch Peer2Peer-Netzwerke und iPods nicht mehr.

verschiedene eBook ReaderÄhnliches steht jetzt auch der Buchbranche bevor und damit sind wir bei einer weiteren Science-Fiction Erfindung:
So wie Captain Kirk in den "Star Trek" Fernseh-Folgen mit einem flachen Gerät in der Hand Baupläne der Enterprise oder Berichte des Schiffsarztes lesen konnte, so können wir Bücher digital lesen, als sogenannte eBooks. Die Entwicklung geht jetzt schon einige Jahre, vor allem auf den mobilen Computern beginnend mit dem Apple Newton über den Palm bis zum heutigen iPhone und auch auf größeren sehr flachen und leichten Lesegeräten, den eBook-Readern. Damit lassen sich digitalisierte Bücher mehr oder weniger komfortabel lesen - ein Vorteil ist, dass man hunderte von Büchern jederzeit bei sich hat und zum Beispiel beim Warten in der Schlange vor dem Postschalter lesen kann. In der Bahn und im Urlaub sowieso. Und im Bett mit dezenter Hintergrundbeleuchtung. Lesen! Überall! Sogar in verschiedenen Schriftgrößen, wenn das Auge nachläßt. Schöne neue Technik-Welt.
 
Auf der letzten Buchmesse wurden in Frankfurt wieder neue Reader vorgestellt, der Online-Händler Amazon hat den "Kindle" im Angebot, Thalia vermarktet den "Sony Reader" und die amerikanische Buchhandelskette Barnes & Noble plant ein eigenes Gerät.
Interessant ist eine bei Philips in Holland entwickelte Technik, mit der winzig klein schwarz-weisse Kügelchen in einer Bildschirm-Schicht durch elektrische Impulse ausgerichtet werden: dreht man die schwarze Hälfte nach oben, kann man aus vielen Kügelchen Buchstaben zusammensetzen, die sich gut von der weissen Umgebung abheben. Ein Leseerlebnis, dass ähnlich dem gedruckten Buch ist und nicht flimmert wie ein Bildschirm.
Ausserdem erfordert dieses Verfahren der "Elektrophorese" sehr wenig Strom, so dass man über 6000 Seiten lesen kann ohne den Akku des Gerätes laden zu müssen.

Alle großen Buchverlage haben mittlerweile digitales Lesefutter im Programm und haben auf der Buchmesse 2009 stolz von den geplanten Entwicklungen erzählt.
Allerdings werde ich den Eindruck nicht los, dass hier Bekenntnisse von Lippen kommen, die nicht gerne in den digitalen Apfel beissen. Haben die Verlagsmanager Sorge, dass es den Buchverlagen ähnlich gehen könnte wie den Musiklabels? Computer sind nichts anderes als Kopiermaschinen. Und so wie mit der Digitalisierung von Musik in MP3-Dateien auch der illegale Tausch und das kopieren der Daten möglich wurde, so könnte es auch den digitalen Büchern ergehen. Sammlungen von tausenden eingescannter Bücher könnten problemlos und rasend schnell als PDF oder im ePub-Format übers Netz verteilt werden ohne dass Verlage und Urheber daran verdienen.
Die Musiklabels haben diese Entwicklung schon hinter sich und darauf reagiert, indem die Produkte besser ausgestattet werden, Zusatznutzen enthalten und online günstiger erhältlich geworden sind.
Apple macht Millionen mit dem iTunes-Store, wo jeder Song im MP3-Format um 1 Euro kostet, ein Album meist 9,99 Euro.

Da ist der deutsche Buchhandel weit von entfernt:
das Angebot der eBooks, die man kaufen und herunterladen kann ist noch sehr begrenzt.
Keine aktuellen Verkaufshits wie der neue Schätzing oder Dan Brown. Keine Bestseller aus der Spiegel-Liste. Eher angestaubte Ware in einem schnell überschaubaren Sortiment.
Und: obwohl Druckkosten, Papierkosten und Lagerung bei den eBooks entfallen ist der Preis kaum günstiger. "Preisbindung" sagen einige deutsche Verleger und verstecken sich vor attraktiven Angeboten.
Schaut man sich das Sortiment der Online-Shops für deutschsprachige eBooks an, findet man zum Beispiel in meiner geliebten Kategorie "Science Fiction" wenig bekannte Namen und ab Seite 5 im Angebot fehlen dann die Cover-Bilder oder der Vorschautext. Es entsteht der Eindruck der schlechten Sortiments-Pflege, des Feigenblatt-Angebotes.

So verkauft man keine Bücher. Leser sind Augenmenschen und wollen das Cover des Buches sehen und Leseproben testen können, bevor sie kaufen. Und ein eBook darf auch nicht 20 Euro kosten sondern sollte deutlich unter dem Preis eines Taschenbuches liegen.

Ein engagiertes Einsetzen fürs eBook wäre auch den Schulbuchverlagen ans Herz zu legen. Mit digitalisierten Schulbüchern auf einem robusten Lesegerät würden die Schulranzen unserer Kinder ihr Rücken gefährdendes Gewicht verlieren.
Auch Jura- und BWL-Studenten die in meiner Studienzeit immer die Buch-Beladensten waren, könnten um viele Kilos erleichtert durchs Studium schlittern.
Und viele Wälder, die wegen Massen-Produkten wie japanischen Manga-Comics oder deutschen Herz-Schmerz-Romanen abgeholzt werden, könnten geschont werden.  
Dann wird ein weiterer Zukunftstraum erfüllt und wir lesen bis unser Akku leer ist.



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz
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Blogst Du hier!

Wie Alles anfing...

Im Sommer 2009 erhielt ich eine kurze E-Mail von Ursula Stübner von der Firma Heuschrecke: "Was ist ein Blog?"

Als aufgeschlossener Internet-Teilnehmer hatte ich eine diffuse Vorstellung von modern aussehenden Wordpress-Seiten mit Schlagwortwolken und launigen Beiträgen zu aktuellen Themen - um aber Ursula eine korrekte Antwort geben zu können, mußte ich Wikipedia bemühen:
"Ein Blog oder auch Weblog, Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch, ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal."

Aus meiner Antwort-Mail ergab sich ein Telefonat und Ursula erzählte, dass sie gemeinsam mit Heinz-Dieter Gasper (dem Gründer der Heuschrecke GmbH) einen Blog schreiben wollte. Es gäbe so viele Geschichten zu erzählen, Hintergründe und Hintersinniges zu ihren Produkten und weit darüber hinaus.
Sie hätten sich zusammengesetzt und eine Liste gemacht, was sie in ihrem fortgeschrittenen Alter noch alles machen wollten. Neben der Himalaya-Besteigung und der Teilnahme am Kölner Rosenmontagszug hätte da auch "bloggen" gestanden.
Was ja auch viel leichter zu verwirklichen sei.

Da kam das kpunkt-team ins Spiel und sollte den schönen Internet-Auftritt heuschrecke.com umbauen zu einem veritablen Blog-System.
Wir hätten das bekannteste Blog-System "Wordpress" verwenden können. Aber da die Heuschrecke schon über 80 Seiten mit Reiseberichten und Lieferanten-Portraits hatte und das gelungene Design erhalten bleiben sollte, entschieden wir uns, ein bewährtes Typo3-CMS "aufzubohren" und mit einer Blog-Erweiterung zu versehen.

Typo3 ist ein OpenSource-Redaktionssystem, freie Software, die keinem Konzern gehört sondern von jedem verwendet und erweitert werden darf. Ähnlich wie Linux, der Firefox-Browser oder das OpenOffice-Paket ist es kostenlos und wird von einer aktiven Entwickler-Gemeinde gepflegt und weiterentwickelt.

Typo3-BackendDer Vorteil für die Heuschrecken würde sein, dass sie ihre Internet-Seiten online schreiben, da alle Bestandteile des CMS auf einem Server liegen. Keine zusätzliche Editier- oder FTP-Software muss installiert werden und Änderungen sind von jedem Rechner mit Internet-Zugang komfortabel möglich.
Die Texte und Bilder werden im sogenannten "Backend" eingegeben.
Und mit einer Blog-Erweiterung könnte Ursula sogar von einer Messe aus berichten oder im Urlaub oder vom Internet-Café aus schreiben.

In den folgenden Wochen installierten wir das Typo3-System auf einem unserer Server, bauten die Gestaltung für Typo3 nach (wobei wir Form und Inhalt trennten und dadurch den Auftritt "barriere-arm" auch für gehandicapte Menschen besser lesbar machten) und lernten sehr viel Neues zum Thema Blog.
Was ist ein RSS-Fead? Was ist ein Trackback? Sollen alle Beiträge kommentierbar sein? Wie können wir die TagCloud hübsch gestalten? Wie halten wir Spammer davon ab, über Nacht 1000 blöde Kommentare zu schreiben?
Auch für uns war Bloggen etwas Neues - und einige Male liefen wir in die falsche Richtung und mußten zurück auf Los. Anfangs hatte ich die Extension "TimTab" favorisiert, da sie oft eingesetzt wurde. Bis Kollege Ulli dann entdeckte, dass viele "lose Enden" enthalten waren und die Extension seit 2006 nicht mehr aktualisiert worden war.
Wir stoppten diese Entwicklung und installierten die neuere Extension "T3Blog" eines schweizerischen Entwicklerteams. Die Zeit wurde uns knapp. Die Extension war schön und für den späteren Anwender übersichtlich, aber wir mussten viele Texte anpassen, teilweise übersetzen und wollte ja auch den Blog optisch in den Heuschrecken-Auftritt gut einpaßen. Unser Programmierer Thomas hatte einige Probleme zu lösen - und war meist siegreich. Wir lernten die Grenzen der Software kennen, mussten uns bei einigen Teilen beschränken und gelangten zu einer Lösung, die punktgenau am 30. September um 17:15 Uhr funktionierte.
Am nächsten Tag wurde der Blog eröffnet.

Neue Beiträge schreiben können die Heuschrecken oder sogenannte "Gastschreiber", die ihre Beiträge vorbereiten und an Ursula schicken. So einer bin ich jetzt auch :-)
Die Schreiber der Beiträge können für jeden Beitrag definieren, ob kommentiert werden darf oder nicht.
Die Beiträge werden einer Kategorie zugeordnet und mit Schlagworten versehen, die dann in der Schlagwortwolke (oder neudeutsch "TagCloud") auftauchen. Jeder darf kommentieren - muss aber einen Captcha-Test bestehen: verzerrte Buchstaben in ein Feld abtippen. Das können nur Menschen - keine Spam-Programme.
Leser können flexibel und komfortabel suchen: nach allen Worten in den Beiträgen, nach Schlagworten und nach Zeit, im Archiv.

Wir sind auch nach der Veröffentlichung dabei, Details zu verbessern und beobachten, wie das System wächst und sich entwickelt.
Spannend!

Ach ja: und RSS (falls Sie es noch nicht wussten) liefert Ihnen die neuesten Beiträge automatisch als Nachrichten in einem geeigneten Newsreader oder in modernen Browsern wie dem Mozilla Firefox. Der schaut dann beim Starten, ob neue Nachrichten vorhanden sind und zeigt die Überschriften an. Damit verpassen Sie in Zukunft keine interessante Geschichte aus dem Heuschrecken-Universum...  




Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz

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