BLOG | Neueste Nachrichten

Biobauern versus Agroindustrie
17.07.2017 12:25
Ohrenkuss: Zukunft
22.06.2017 18:02
Qualität bei Kräutern und Gewürzen
18.05.2017 19:07
Im Frühling
18.04.2017 16:48
BioFach 2017
21.02.2017 14:53
Herzklopfentropfen
03.02.2017 19:42

Blog-Text-Suche

Meist gelesene Posts

Trocknungsverfahren für Kräuter und Gewürze
95479 mal gesehen   21.03.2014
Heiliger des Monats März: Oscar Romero
94420 mal gesehen   24.03.2014
Verschwörungstheorien
74963 mal gesehen   19.05.2010
Blogst Du hier!
71975 mal gesehen   21.10.2009

Archiv

Abonnieren für RSS-Reader

RSS 0.91Nachrichten
RSS 2.0Nachrichten

Zur Zeit wird gefiltert nach: Mikrokosmos
Filter zurücksetzen

Gastbeitrag
05.08.2016
14:47

Mikrokosmos: Holz-Schildborstlinge

Kleine Pilze im regnerischen Sommer ...

Foto 1 Hochwasser am Hellenbach, Klumpenmühle
Foto 1 Hochwasser am Hellenbach, Klumpenmühle
Foto 2 Holz-Schildborstlinge, scheinbar auf nacktem Boden
Foto 2 Holz-Schildborstlinge, scheinbar auf nacktem Boden
Foto 3 Randhaare von Scutellinia scutellata, bis 2mm lang
Foto 3 Randhaare von Scutellinia scutellata, bis 2mm lang
Foto 4 Borsten von Scutellinia scutellata, 1000 Mikrometer
Foto 4 Scutellinia scutellata, Borsten von 1-2000 Mikrometern
Foto 5 Scutellinia scutellata, Asci / Paraphysen (schlauchförmige Fortpflanzungsorgan der Pilze)
Foto 5 Scutellinia scutellata, Asci (schlauchförmige, 8 Sporen enthaltende Fortpflanzungszellen), dazwischen Paraphysen (keulenköpfige, sterile Zellen)
Foto 6 Scutellinia scutellata, Sporen im Schlauch
Foto 6 Scutellinia scutellata, Sporen im Ascus
Foto 7 Scutellinia scutellata, feinwarzige Sporen
Foto 7 Scutellinia scutellata, feinwarzige Sporen
Foto 8 Scutellinia scutellata, wie ein Feuerwerk wirken die angefärbten Asci / Paraphysen
Foto 8 Scutellinia scutellata, wie ein Feuerwerk wirken die angefärbten Asci / Paraphysen

 

Am 25. Juni kam er bereits zum 2. Mal den normalerweise im Sommer winzigen Hellenbach  - meist führt er gerade mal 2 Liter /Sekunde - heruntergetost: der Starkregen.

 

 

 

Er überschwemmte das Tal an der Klumpenmühle bei Riegenroth im Hunsrück weitläufig (Foto 1).

 

 

 

Ideales Klima für’s Pilzwachstum, sollte man meinen. Aber dem war nicht so! Bei Inspektion der Hochwasserschäden erfreute uns also umso mehr der Fund eines ganzen Haufens Holz-Schildborstlinge  (Scutellinia scutellata), die wir auf dem Waldweg fast zertreten hätten, wenn uns das orangerote Leuchten der flachen, kleinen Becherlinge von 0,3 bis ca. 1 cm im Durchmesser nicht rechtzeitig aufgefallen wäre (Foto 2).

 

 

 

Die Becherchen wuchsen scheinbar auf nacktem Waldboden, aber, wie der Name “HOLZ-Schildborstling” schon sagt, ist bei seinem Wirt immer Holz im Spiel und seien es auch nur kleine im feuchten Boden versteckte tote Ästchen, auf denen die stiellosen Fruchtkörper sich entwickeln.

 

 

 

Je näher man die schildartigen Becher unter die Lupe nimmt, desto einleuchtender wird der Name Borstling: das orangerote Hymenium ist von einem Becherrand umgeben, der mit bis zu 2 mm langen, spitzen, borstigen, braunen Haaren besetzt ist, dunkler, als die Aussenseite der tellerförmigen Becher (Foto 3).

 

 

 


In Deutschland gibt es mehr als 10 verschiedene Schildborstlinge, die sich alle rein äusserlich und ihren Biotopansprüchen sehr ähneln, deshalb ist es unerlässlich, sich bei der Artbestimmung unbedingt an den mikroskopischen Merkmalen dieser kleinen Schlauchpilze zu orientieren.

 

 

 


Die Länge der unten  häufig gegabelten Haare bis zu 1000 manchmal gar 2000 Mikrometern (Foto 4), die Jod-negativen Schläuche, mit einem Deckel (auf unserem Foto 5 allerdings nicht sichtbar) zur Entlassung der breitelliptischen, ganz, ganz schwach warzig ornamentierten 8 Sporen (ca. 19-21 Mikrometer lang, ca. 12-14 Mikrometer breit, Foto 6, Foto 7) versehen, die oben keulig verdickten (bis ca. 10 Mikrometer) sterilen Zellen (Paraphysen, auch Foto 5) zwischen den Schläuchen  --- all’ das führte uns zur Festlegung auf den in unseren Breiten häufigsten Schildborstling:

 

 

 


Scutellinia scutellata – einfach: Holz-Schildborstling, so (wider)borstig wie der diesjährige Sommeranfang! Darauf ein Feuerwerk! (Foto 8).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einen schönen Sommer noch wünschen die PSV



Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer









Bilder mit Klickvergrößerung

 


Evi und Lothar Claußnitzer-Wandelt, Pilzsachverständige
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt und Wiesenmeister).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer

 

 

 

 

 

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: mikrokosmos, pilze, holz-schildborstling, scutellinia scutellata
Anzahl Aufrufe: 937
Gastbeitrag
06.01.2016
00:00

... und mit (Wetter-)Sternen-Staub in's neue Jahr 2016

Klimabote: Astraeus hygrometricus, Gemeiner Wetterstern

Gemeiner Wetterstern (Astraeus hygrometricus), geschlossen
Gemeiner Wetterstern (Astraeus hygrometricus), geschlossen
Gemeiner Wetterstern (Astraeus hygrometricus), sich öffnend
Gemeiner Wetterstern (Astraeus hygrometricus), sich öffnend
Gemeiner Wetterstern (Astraeus hygrometricus), geöffnet
Gemeiner Wetterstern (Astraeus hygrometricus), geöffnet
Gemeiner Wetterstern (Astraeus hygrometricus), 500-fache Vergrößerung der Sporen
Gemeiner Wetterstern (Astraeus hygrometricus), 500-fache Vergrößerung der Sporen
Gemeiner Wetterstern (Astraeus hygrometricus), 1000-fache Vergrößerung der Sporen
Gemeiner Wetterstern (Astraeus hygrometricus), 1000-fache Vergrößerung der Sporen

 


Ende Dezember haben wir ihn in unseren Breiten noch nie gesehen: den Gemeinen Wetterstern (Astraeus hygrometricus).


Doch in diesem Jahr ist alles anders: wegen der warm-feuchten Witterung im November-Dezember, der (bislang) wärmsten Monate in Deutschland seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen, hat sich das Pilzaufkommen nach den hypertrockenen Sommermonaten generell auf das Jahresende verschoben. Am 26.Dezember konnten wir auf unserer Exkursion um Steeg-Bacharach im Mittelrheintal, außer unseren besonderen Sternfunden am Rande eines mit krüppeligen Eichen und Hainbuchen bewachsenen mageren Trockenhangs über der Ruine Stahlberg, noch über 30 weitere frisch gewachsene Großpilze registrieren.



Gegenüber fast allen anderen Erdsternen zeigen die Fruchtkörper der Wettersterne ein eigentümliches Verhalten: wenn sie unterirdisch kugelig herangewachsen sind, klappen sie unter günstigen Verbreitungsbedingungen im Feucht-Warmen ihre ledrige Aussenhaut, die sogenannte Exoperidie, sternförmig auf (Foto 1 und 2), so dass die reifen, rundlich-warzigen Sporen (Mikrobilder 1 und 2) aus der kugelförmigen Endoperidie über eine ausgefranste mittige Öffnung leicht ausstäuben können.
In diesem Zustand trafen wir die Wettersterne an, sonst hätten wir sie glatt übersehen, denn sie sind hygroskopisch und biegen ihre Sternzacken bei Trockenheit schützend um die Endoperidie zurück und sind dann im schütteren graubraunen Herbstbewuchs auf sandigem Boden von kleinen Strohballen (Foto 3) kaum zu unterscheiden.



Im Mittelmeerraum trifft man den Gemeinen Wetterstern häufiger an und im warmen Rheintal offenbar immer öfter...




Gut-Wetter für’s Neue Jahr 2016 wünschen die PSV



Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer









Bilder mit Klickvergrößerung

 


Evi und Lothar Claußnitzer-Wandelt, Pilzsachverständige
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt und Wiesenmeister).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer

 

 

 

 

 

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: mirkokosmos, pilze, wetterstern, astraeus hygrometricus, klimawandel
Anzahl Aufrufe: 1681
Gastbeitrag
09.07.2015
16:49

Mikrokosmos: Boletus petraeus giganteus und Co

Makrokosmische Stein- Pilzzuchtanlagen

Foto 1: Mesa Arch (Island in the Sky), Canyonlands-Overlook
Foto 1: Mesa Arch (Island in the Sky), Canyonlands-Overlook
Foto 2: The Needles District (Overlook)
Foto 2: The Needles District (Overlook)
Foto 3: Echinocereus triglochidiatus (Claret-cup Cactus) Arroyo Salado, Santa Fe (New Mexico, USA) 09.06.2015
Foto 3: Echinocereus triglochidiatus (Claret-cup Cactus) Arroyo Salado, Santa Fe (New Mexico, USA) 09.06.2015
Foto 4: Opuntia polyacantha (Plains Prickly Pear) Island in the Sky, Canyonlands, Moab (Utah, USA) 30.05.2015
Foto 4: Opuntia polyacantha (Plains Prickly Pear) Island in the Sky, Canyonlands, Moab (Utah, USA) 30.05.2015
Foto 5: Elefantenfüße und Apokalytische Reiter
Foto 5: Elefantenfüße und Apokalytische Reiter
Foto 6: Stein-Pilz-Zuchtanlage, Needles District, Canyonlands NP
Foto 6: Stein-Pilz-Zuchtanlage, Needles District, Canyonlands NP
Foto 7: Boletus petraeus-giganteus (Riesen-Steinpilz) I Needles District,Canyonlands NP.
Foto 7: Boletus petraeus-giganteus (Riesen-Steinpilz) I Needles District,Canyonlands NP.
Foto 8 Boletus petraeus-giganteus (Riesen-Steinpilz) II Needles District, Canyonlands NP.JPG
Foto 8 Boletus petraeus-giganteus (Riesen-Steinpilz) II Needles District, Canyonlands NP.JPG
Foto 8: Boletus petraeus-giganteus (Riesen-Steinpilz) II Needles District, Canyonlands NP
Foto 9 Amanita petraea-gigantea (Riesen-Stein-Wulstling)
Foto 10: Gambelia wislizenii (Long-nosed Leopard Lizard) (Canyonlands NP)
Foto 10: Gambelia wislizenii (Long-nosed Leopard Lizard) (Canyonlands NP)
Foto 11: 2.v.links, Macrolepiota petraea-gigantea (Riesen-Steinschirmpilz) alias Balanced Rock , Arches NP
Foto 11: 2.v.links, Macrolepiota petraea-gigantea (Riesen-Steinschirmpilz) alias Balanced Rock , Arches NP
Foto 12 Geastrum minimum (Zwerg-Erdstern) Santa Fe, Arroyo Salado b.Ponderosa Pine 06.06.2015
Foto 12 Geastrum minimum (Zwerg-Erdstern) Santa Fe, Arroyo Salado b.Ponderosa Pine 06.06.2015

Langgestreckte Tafelberge, tiefe Schluchten, Sandsteinskulpturen aller Art -, wir befinden uns im Nationalpark Canyonlands (Utah, USA), einem kleinen Teil des Coloradoplateaus, das sich über 110.000 km² zwischen den Rocky Mountains im Norden und den wüstenartigen Ebenen im Südwesten der USA erstreckt.

Erst seit den letzten 20-30 Millionen Jahren im späten Tertiär, als mit der Auffaltung der Rocky Mountains auch das im erdaltzeitlichen Oberkarbon  vor über 290 Millionen Jahren ein Binnenmeer bildende Plateau angehoben wurde (der NP Canyonlands liegt heute auf einer Höhe von durchschnittlich 5000 Feet (ca.  1500 m)) gaben die von da an besonders unerbittlich wirkenden  Erosionskräfte, -  fließendes und tropfendes Wasser, Wind, springende Hitze und Kälte, sowie die absprengenden Kräfte von Eis und Pflanzenwurzeln - , dem Plateau seine gerade herrschende Gestalt.

Die jüngsten Schichten der geologischen Schichttorte sind im Canyonland NP heute bereits gänzlich abgetragen, Reste dieser jüngsten Ablagerungen sind im nur wenige Meilen nördlich von Canyonlands NP gelegenen Arches NP als kolossale Steinbögen, Riesenkugeln, gigantischen Burgmauern... zu bewundern.

Der Canyonlands NP ist besonders durch zwei verschiedene Erosionslandschaften gekennzeichnet:

Durch Canyons, die von Green River und Colorado River (nebst Zuflüssen) in Jahrmillionen ständig vertieft  und verbreitert wurden, wie sie im nördlichen Teil des Nationalparks, Island oft the Sky   eingesehen werden können  (siehe Foto 1),

- oder durch Wettererosion vertikal auseinandergesprengte, einstmals mächtige zusammenhängende Gesteinsschilde der Plateaus und Ebenen, wie sie im südlichen Teil des NP, im sogenannten Needles District dominieren (siehe Foto 2).

Bis auf die grünen Flussoasen an z.B. Colorado- und Green River fehlt es an Wasser im Land: mit nur ca. 10 Inches (ca.254 mm)  jährlichem Niederschlag befinden wir uns in einer baumarmen Halbwüste; entsprechend häufig wachsen Sukkulenten wie Yuccas, Opuntien oder andere Kakteen (siehe Fotos 3+4).


Da fragt man sich: Wo soll es hier Pilze geben?


Wir fanden die Pilzzuchtanlagen tief drin im Needles District. Seit Jahrmillionen wird hier nach diesem Schema gearbeitet:

Im Canyonlands-NP bestehen die Erdschichten aus grob 12 Gesteinsformationen, deren Alter vom bereits erwähnten Oberkarbon bis in die Oberkreidezeit (vor ca. 69 Millionen Jahren)  reicht.

Die älteste Schicht entstand durch Verdunstung eines riesigen Meeres und hinterließ Anhydrid und Gips, später Steinsalz und Sylvin. Diese sogenannte Paradox-Formation  ist nur teilweise an den tief eingeschnittenen Flussbetten sichtbar.  Über die Erdzeitalter entstanden darauf immer wieder warme Flachmeere und hinterließen fossilreiche Kalke, Sandsteine, Schiefer, die manchmal in Zwischenerosionszeiten wieder völlig abgetragen wurden.

Im Perm (vor 285-230 Millionen Jahren) kamen rote Sedimente aus den nord-östlich gelegenen Bergen (Uncomprahage Mountains) der Grand Junction Area, im Wechsel mit weißen Flugdünen dazu und wurden zum rot-weiß geschichteten Cedar Mesa Sandstone komprimiert.

Hunderte Meter aufliegender Schichten aus jüngerer Zeit wurden seit der Hebung der Rocky Mountains (vor ca. 30-20 Millionen Jahren )abgetragen, um den Cedar Mesa Sandstone  freizulegen. Diese Schicht wurde zur eigentlichen Stein- Pilzbrutstätte – aber wie?

  • Drei geologische Phänomene ermöglichten die Entstehung von wirklichen Stein-Pilzen:


1.       Eine lokale Hebung, der Monument Uplift, ließ den Cedar Mesa Sandstone bei der Aufwölbung krachen, es entstand eine Serie von Spalten, die von Ost nach West verliefen.

2.       Eine dicke Schicht Salz aus der unterliegenden ältesten Paradox Formation fließt unaufhaltsam in Richtung Colorado River und nimmt die aufliegenden Schichten mit, und zwar genau gegen den Monument Uplift in Nord-Süd-Richtung. Es kracht wiederum um 90° versetzt und die beiden gegenläufigen Spaltenserien formen quadratische Blöcke.

3.       Nun konnten die Giacometti-haften  Elemente ihr Erosionswerkzeug auspacken und skulpturierten unaufhaltsam den Cedar Mesa Sandstone Schicht um Schicht und rundherum von Blöcken zu Apokalytischen Reitern,  Elefantenfüßen oder eben zu diversen Stein-Pilz-Arten:

(siehe:

  • Fotos 5 und 6: Die Zuchtwerkstatt,
  • Fotos 7 und 8: Riesen-Steinpilze (Boletus petraeus-giganteus),
  • Foto 9: Riesen-Steinwulstling  (Jugendstadium) (Amanita petraea-gigantea))


Leoparden-Lizards  Foto 10  fühlen sich auf und unter diesen Stein-Pilzen  besonders wohl.

Einen Stein-Pilz ganz anderer Herkunft zeigt  Foto 11: Der Riesen-Stein-Schirmpilz im Paukenschlägel-Stadium (Macrolepiota petraea-gigantea), alias Balanced Rock, entstammt nicht der Needles-District-Pilzzucht,  sondern ist ein Relikt der Oberflächenerosion der obersten jüngsten Sand- und Kalksteinschichten des Arches-Nationalpark. Er dürfte vom baldigen Aussterben bedroht sein: der Entrada Sandstone des Schlägelkopfes steht auf einem sehr erosionsanfälligem, kalksteinhaltigem  Ring der sogenannten Carmel-Formation.

 Aber vergänglich sind sie letztlich alle, nur langsamer als Echte Pilze, von denen wir im Canyonlands Nationalpark gar keine zu Gesicht bekamen, obwohl  davon auszugehen ist, dass zuzeiten auch hier Geastrum minimum  (Foto 12) oder Tulostoma brumale unter ähnlichen Bedingungen wachsen, wie wir sie 300 Meilen östlich auf der Mesa von Santa Fe, Arroyo Salado (New Mexico,USA)  unter krüppeligen Ponderosa-Kiefern massenhaft vom Vorjahr stehen geblieben, antrafen.

 

 

 

Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
 




Bilder mit Klickvergrößerung

 


Evi und Lothar Claußnitzer-Wandelt, Pilzsachverständige
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt und Wiesenmeister).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer

 

 

 

 

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: mikrokosmos, pilze, steinpilze, boletus petraeus giganteus, canyonland
Anzahl Aufrufe: 2656
Gastbeitrag
08.05.2015
17:01

Mikrokosmos: Anemonenbecherling

... unter den grünen Blättern von Buschwindröschen

 

 

DUMONTINIA TUBEROSA (Gemeiner Anemonen-Becherling)

 

 

201505_anemone_nemorosa_buschwindroeschen
In diesem Frühjahr hatten wir Glück, denn Glück braucht man um diesen kleinen, braunen, versteckt unter den grünen Blättern von Windröschen fruchtenden Becherling zu entdecken. Er parasitiert auf den Rhizomen (den in der Erde kriechenden Sprossen) von allerlei, zu den Hahnenfußgewächsen zählenden Windröschen, am häufigsten am seinerseits oft flächendeckend im zeitigen Frühjahr im noch lichten Laubwald blühenden Busch-Windröschen (Anemone nemorosa) (Foto 1)

 

 

 

 

 

 

 


201505_dumontinia_tuberosa_anemonenbecherling_anemona_nemorosa

Am besten sucht man ihn an nicht-blühenden Pflanzen, denn offenbar wird das befallene Windröschen so geschwächt durch den Parasiten, dass ihm keine Kraft zur Blütenbildung bleibt. Gräbt man den knapp aus vorjährigem Laub auftauchenden, meist nur 1 cm durchmessenden Becherling aus, erstaunt der 5-10 cm lange, zäh-elastische Stiel, der aus einem aussen dunklen, innen hellen Knöllchen (deshalb der Artname “tuberosa”), dem sogenannten Sklerotium auswächst. (Foto 2)

 

Dieses Speicherorgan des Becherlings sitzt direkt an den Rhizomen des Windröschens. Wegen des Sklerotiums zählt der Anemonenbecherling zur Familie der Sklerotienbecherlingsverwandten, hat aber allein eine ganze Gattung  (Dumontinia) für sich, da er sich von den eigentlichen Sklerotienbecherlingen mikroskopisch im Becheraufbau unterscheidet.

 

 

 

 

 
201505_dumontinia_tuberosa_40xDumontinia tuberosa gehört zu den Schlauchpilzen, die Schläuche, in denen 8 glatte, langelliptische, durchsichtige Sporen, heranwachsen haben keinen Deckel, sondern an der Spitze einen auf Mikrobild 1 deutlich in jodhaltigem Lugol blau angefärbten Apikalapparat, durch den die reifen Sporen austreten können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

201505_dumontinia_tuberosa_hyphenbildend_sporen100xDie Sporen beginnen im geeigneten Medium sofort mit der Hyphenbildung, in unserem Fall sogar gleich in der Aufbewahrungsdose im Kühlschrank (Mikrobild 2).
Zu den Speisepilzen zählt der kleine Schlauchpilz nicht, obwohl er gar nicht schlecht riecht und mild schmeckt. Da hält man sich besser an den Maipilz.....

 

 

 

 

 

 

 

 

Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
 




Bilder mit Klickvergrößerung

 


Die Pilzsachverständigen bei der Arbeit ...
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt und Wiesenmeister).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: mikrokosmos, pilze, anemone, becherlinge, parasiten, rhizome
Anzahl Aufrufe: 2065
Heuschrecke
10.12.2014
12:25

Mikrokosmos: Kräuter und Gewürze wie Kristalle im All ...

... so ähnelt sich das Größte und das Kleinste

Heuschrecke Curry extra 15fach vergrößert
Heuschrecke Curry extra 15fach vergrößert
Heuschrecke Curry extra 30fach vergrößert
Heuschrecke Curry extra 30fach vergrößert
Heuschrecke Curry extra 40fach vergrößert
Heuschrecke Curry extra 40fach vergrößert
Heuschrecke Curry extra 100fach vergrößert
Heuschrecke Curry extra 100fach vergrößert
Heuschrecke Wildkräutermischung, ein Blattstückchen 40fach
Heuschrecke Wildkräutermischung, ein Blattstückchen 40fach
Wilde Malve im Garten
Wilde Malve im Garten
Frische Malven, Farbstoffe (Anthocyane) der Blütenblatt-Epidermis 100fach
Frische Malven, Farbstoffe (Anthocyane) der Blütenblatt-Epidermis 100fach
Frische Malven, Farbstoffe (Anthocyane) der Blütenblatt-Epidermis 100fach (2)
Frische Malven, Farbstoffe (Anthocyane) der Blütenblatt-Epidermis 100fach (2)
Malvenstiel mit Treppentrachee und Schraubentracheide für den Wassertransport, 100fach (jetzt sieht man endlich mal, wie die das machen)
Malvenstiel mit Treppentrachee und Schraubentracheide für den Wassertransport, 100fach (jetzt sieht man endlich mal, wie die das machen)
Frische Schlehen, Zellsaftvacuolen des Fruchtfleisches, 100fach
Frische Schlehen, Zellsaftvacuolen des Fruchtfleisches, 100fach
Schlehenschale von außen mit Wachsschicht und dickwandigen Zellen, 100fach
Schlehenschale von außen mit Wachsschicht und dickwandigen Zellen, 100fach
Hagebuttenschalenzellen mit Carotinoiden und Lycopin, 100fach
Hagebuttenschalenzellen mit Carotinoiden und Lycopin, 100fach
Hygrocybe coccinea, kirschroter Saftling
Hygrocybe coccinea, kirschroter Saftling



Zur Qualitätskontrolle schauen wir uns oft unsere Kräuter und Gewürze mit der Lupe an.

 

Da unsere Mühlen nicht staubfein mahlen, sondern pixelfein, sind unsere Currys, die normal messinggelb aussehen, unter der Lupe ganz bunt - verschieden grüne und rote Pixel zwischen all den gewürzfarbenen Brauntönen - wie ein bunter Garten.

 

Neugierig, wie wir waren, haben wir unsere Mikrokosmos-Autorin, Biologin und Pilzspezialistin Evi Wandelt gefragt, ob sie nicht eine kleine Gewürzstudie machen würde. Sehr interessant war, dass sich beim betreffenden Curry extra diese Differenziertheit in den Farben bei den weiteren Vergrößerungen nicht durchhielt. Zwischen 15- und 30facher Vergrößerung gibt es leider nur noch braun, aber man sieht deutlich das "Stückige" unserer Mahlungen. In Wirklichkeit sind sie natürlich fein genug für die Anwendung - nur zwischen den Fingerspitzen spürt man, dass die Körnung gröber als Mehl ist. Das hat den Vorteil, dass mehr unverletzte Materie vorhanden bleibt, und bis zum Verbrauch Wirkstoffe wie Aromen besser vor Oxidation geschützt bleiben als bei Feinst-Mahlungen.

 

Ab 40facher Vergrößerung wird es dann kristallin, man sieht Farbstoffe (natürlich von Curcuma) und ätherische Öle. Wie Evi sagt: "der Wiedererkennungswert als Gewürz ist sozusagen minimal, aber als Kleinkunstwerk funktioniert’s."

 

Das zweite Studienobjekt war unsere Wildkräutermischung. Auf dem Mikro-Foto ist ein Blattstückchen zu sehen - Evi weist darauf hin, dass "frische Pflanzenzellen, finde ich, in jedem Fall besser aussehen, als die getrockneten Kräuter: die Zellen sind dann kollabiert, wie Du auf dem grünen Schnipsel sehen konntest." Worauf sie dann in ihren Garten ging und schaute, "was vom Herbst noch übrig blieb. Jetzt hab’ ich’s noch mal mit was Lebendigem versucht. Keine Anfärbungen, alles Originalfarbstoffe direkt aus Malve, Schlehe, Hagebutte, die Ihr ja auch im Sortiment habt. Die Puzzlestückförmigen Epidermiszellen des Malvenblütenblattes gefallen mir besonders ..."

 

Die Natur ist schon ein großer Künstler - uns haben die Treppen und Schrauben im Malvenstiel umgehauen. Und natürlich das ganze Farbenspiel. Toll, dass man für diese Wunderwerke einfach nur vor die Tür gehen muss.

 

 

"... die wunderschönen roten-violetten Farbstoffe zählen zu den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen, also zu den Stoffen, die für die Pflanze nicht direkt lebensnotwendig sind, es sei denn, um die Pflanze für Bestäuber attraktiv, für Fressfeinde giftig oder für Pathogene unempfindlich zu machen.
Die hier abgebildeten wasserlöslichen rötlichen Farbstoffe (Anthocyane) schützen die Pflanze z.B. vor UV-Strahlung.
Sekundäre Pflanzenstoffe werden naturheilkundlich auch “Phytamine” genannt, was auf ihre immense Wichtigkeit für die menschliche Gesundheit hinweist.
Viele Farbpigmente wirken im menschlichen Organismus antioxidativ, andere sekundäre Pflanzenstoffe regen das Immunsystem an oder sollen gar vor Krebs schützen. Bunte Früchtetees, Kräuter und Gewürze sind voll davon!
Bei den fettlöslichen Carotinoiden, dazu gehört auch das Lycopin in den Hagebutten, handelt es sich nicht um sekundäre Pflanzenstoffe. Sie sind wichtiger für die Pflanzen,  denn sie tragen in der Pflanze zur Photosynthese bei und schützen sie gegen den Angriff molekularen Sauerstoffs. Alle Carotinoide, auch die im tierischen oder menschlichen Organismus, werden ausschließlich in Pflanzen gebildet und sind Vorstufen des fettlöslichen Vitamin A, sind also für unsere Gesundheit essentiell.
 


Eine spezielle “Weihnachtskugel” der Hobbymykologen darf nicht fehlen.
Wir haben noch Ende November diesen roten Weihnachtsschmuck gefunden: siehe Foto Hygrocybe coccinea
Die in Saftlingen enthaltenen gelben, roten oder orangenen Azomethin-Farbstoffe sind nicht mit pflanzlichen Anthocyanen und Carotinoiden verwandt. Bei etlichen ist eine antibiotische Wirkung gegen diverse tierpathogene Bakterien nachgewiesen."

 

 

Besinnliche Dezember- und Weihnachtstage wünscht die Heuschrecke und das Mikrokosmos Team:

 



Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
 




Bilder mit Klickvergrößerung

 


Die Pilzsachverständigen bei der Arbeit ...
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt und Wiesenmeister).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer

 

 

 

 

 

 

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: bio-gewürze, bio-kräuter, curry extra, wildkräuter, schlehe, malve, hagebutte
Anzahl Aufrufe: 2321