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Lyrik aus Peru: José Ruiz Rosas

José Ruiz Rosas: Einsames Zwiegespräch II

 

Teresa Ruiz Rosas lebt in unserem Kölner Stadtteil und ist Schriftstellerin.

Ihr Vater José Ruiz Rosas ist in Peru ein bekannter und geehrter Lyriker.

Geboren 1928 in Lima, ließ er sich in der südperuanischen Stadt Arequipa nieder (dort stammt auch Mario Vargas Llosa her), hat die Buchhandlung Trilce geführt, später die Zweigstelle des nationalen Kulturinstituts und die Stadtbiobliothek. Das war der Umkreis, wo (auch in dunklen Zeiten) ein wichtiger Teil des kulturell-intellektuellen Lebens Perus stattfand.

Bisher gibt es wenig deutsche Übersetzungen der Gedichte von José Ruiz Rosas. Ein Übersetzercolloquium um Teresa Ruiz Rosas hat nun eine zweisprachige Anthologie veröffentlicht. Teresa erzählte sehr anschaulich von der intensiven und berührenden Arbeit des Ringens um die Sprache. Das Ergebnis hat etwas Perfektes, als wäre die Poesie eine Blüte im vollsten Moment der Entfaltung - wer Sprache liebt, kann es hier zweisprachig nachempfinden ...

In unserem Blog stellen wir mit und mit einige der Gedichte vor.




Einsames Zwiegespräch II




Das symmetrische Reich der Zufälle,
das bisweilen mein Zeitvertrieb ist,
Verschwendung von Farbe, Zahl und Prunk
tanzend zwischen den Händen und den Bars.

Wie viele Welten fremder Abenteuer
des Goldes, Rausches, Piks und Kreuzes,
wo ich versinke, wollüstig und keusch,
in Kabalen freudiger Duelle.

Ich bin der Magier und der König, bin die Zahl,
manchmal den unendlichen Filz bereisend,
der Elle den Wert des Oberarms zu geben.

Und die höfische Welt entspannt sich
mit überlieferter Sorgfalt, heftigem Eifer,
auch mir das gleiche Kartenlos zu ziehen.
 



Diálogo o solas II



Este reino simétrico de azares
con el que a veces mi transcurso gasto,
derroche de color, número y fasto
danzando entre las manos y los bares.

Cuántos mundos de extraños avatares
del oro, la embriaguez, la espada, el basto,
donde me hundo, lujurioso y casto,
en cábalas de duelos jubilares.

Soy el mago, y el rey y soy el número
que el tapete infinito a veces viaja
dándole al cúbito el valor del húmero.

Y el palaciego mundo se relaja
con atávico afán y celo innúmero
por darme igual destino de baraja.










Aus: José Ruiz Rosas: El viento donde tus ques exclamas / Der Wind, der dein Staunen trägt. Gedichte, 1950 - 2009, eine Anthologie. Öffnet externen Link in neuem FensterVerlag Ralf Liebe, Weilerswist 2009
Gedicht: Einsames Zwiegespräch II. S.16/17
Übersetzercolloquium: Ines Hagemeyer, Teresa Ruiz Rosas, Rainer Maria Gassen, Monika Driller, Monika Winterson
Wir danken für die freundliche Genehmigung von Teresa Ruiz Rosas und dem Verlag Ralf Liebe.

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: josé ruiz rosas, peru, lyrik, poesie
Gesehen: 11

DER MÄUSERICH. Nordindische Kürzestgeschichten

Suman Keschri: Der Mäuserich


Es war einmal ein Mäuserich. Er war groß und stark. So groß, dass er aussah wie ein kleiner Kater. Der Mäuserich war so schrecklich, dass sogar die Katze es vermied, in seine Nähe zu kommen. Sie gab ihm den Spitznamen Motu ("Dicker"). Dieser Motu aber hielt sich selbst für einen Löwen, und so hatte er sich den Namen Scheru ("Löwe") gegeben. Sobald er die Katze sah, richtete er seine Schnurrhaare auf und fing an, sie als Leisetreter zu beschimpfen.

Allmählich erfreute er sich unter den Mäusen allseits einer großen Popularität. Es schien den Mäusen, als könnte sie nur Scheru von ihrer Angst vor der Katze befreien. Sie fingen an, sich um ihn herum zu sammeln. Sie fingen an, ihn zu verehren. Weil sie sich nun voll und ganz in seiner Nähe aufhielten, schwoll seine Brust, und er begann mit hocherhobenem Kopf einher zu stolzieren. Infolge der Achtung und Verehrung, die ihn die Mäuse entgegenbrachten, waren seine Schnurrhaare und sein Schwanz noch länger geworden. Sogar an Gewicht hatte er zugenommen.

Die Katze bekam es noch mehr mit der Angst zu tun. Sie fing jetzt an, sich zu verstecken. Auch ihr Mut, den Mäusen aufzulauern, schwand dahin.
Zugleich mit den Anwachsen seiner Macht mehrte sich auch sein Hochmut. Seine Forderung nach Verehrung steigerte sich, und wenn diese nicht erfüllt wurde, mehrte sich sein Geschimpfe auf die Mäuse. Mit Ausnahme von einigen wenigen Mäusen begannen alle übrigen schon vor seinem Namen zu erschauern.

Die Angst vor ihm war bei weitem stärker als die Angst vor der Katze, mit der sie hin und wieder zusammenstießen..

Einige Mäuse begannen sich an alte Zeiten zu erinnern. Sie fingen an, mit der Katze, die außerhalb des Viertels auf dem Ast eines Guava-Baumes schlief, Verstecken zu spielen und dabei Gott um Beistand anzurufen.

Als die Katze ihre alten Bekannten sah, reckte und streckte sie sich. Und nach vielen Tagen setzte sie ihren Fuß wieder in das Viertel. Zwei, drei Mal erschnupperte sie die dortige Luft. Sie putzte ihren ganzen Körper, indem sie ihn ableckte, und schabte mit den Zähnen ihre Krallen ab. Während sie all das tat, schenkte sie den in ihrer Nähe herumspringenden Mäusen keine Beachtung.

Nachdem die Katze ein paar Runden durch das Viertel gedreht hatte, betrat sie Scherus Haus. Ein paar Mäuse waren gerade dabei den halb liegenden, halb sitzenden Scheru zu massieren. Diesmal war die Katze nicht allein. Ihr folgten etliche Mäuse. Die Katze machte mit ihren gesäuberten, gerade vor kurzem geschärften Krallen einen Satz und - Schluss, fertig, aus!


Einige Tage sind nun vergangen. Und ein paar Mäuse machen sich nun Gedanken darüber, welche Tage wohl die besseren waren, die früheren, die dazwischen liegenden oder die jetzigen.










Die Kürzestgeschichten aus Nordindien, in ihrer Art zwischen Weisheits- und Schelmengeschichten, haben es uns angetan. Wir freuen uns über die Erlaubnis von Prof. Kapp, sie hier im Heuschrecke-Blog vorzustellen.



Suman Kesri: Der Mäuserich (1998), aus: Der Schmuck einer Frau. Kürzestgeschichten aus Nordindien. Ausgewählt, aus dem Hindi übersetzt und herausgegeben: Dieter B. Kapp. Shaker Verlag Aachen 2006; S.108



Prof. Dr. Dieter B. Kapp (geb. 1941), Indologe, zuletzt Professor an der Universität Köln, Übersetzer und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Werke, aber auch zeitgenössischer Literatur aus den verschiedenen Regionen und Sprachen Indiens. Träger der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Medaille und des Rabindranath-Tagore-Kulturpreises, und Künstler (Fotografie, Digitalkunst, Komposition).

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: indien, kürzestgeschichten, sumam keschri
Gesehen: 28

Zwiegespräch. Poesie aus Peru

José Ruiz Rosas: Einsames Zwiegespräch

 

Teresa Ruiz Rosas lebt in unserem Kölner Stadtteil und ist Schriftstellerin.

Ihr Vater José Ruiz Rosas ist in Peru ein bekannter und geehrter Lyriker.

Geboren 1928 in Lima, ließ er sich in der südperuanischen Stadt Arequipa nieder (dort stammt auch Mario Vargas Llosa her), hat die Buchhandlung Trilce geführt, später die Zweigstelle des nationalen Kulturinstituts und die Stadtbiobliothek. Das war der Umkreis, wo (auch in dunklen Zeiten) ein wichtiger Teil des kulturell-intellektuellen Lebens Perus stattfand.

Bisher gibt es wenig deutsche Übersetzungen der Gedichte von José Ruiz Rosas. Ein Übersetzercolloquium um Teresa Ruiz Rosas hat nun eine zweisprachige Anthologie veröffentlicht. Teresa erzählte sehr anschaulich von der intensiven und berührenden Arbeit des Ringens um die Sprache. Das Ergebnis hat etwas Perfektes, als wäre die Poesie eine Blüte im vollsten Moment der Entfaltung - wer Sprache liebt, kann es hier zweisprachig nachempfinden ...

In unserem Blog stellen wir mit und mit einige der Gedichte vor.

 




Einsames Zwiegespräch I



Manchmal hören wir Stimmen,
die uns wie Brisen erscheinen
hergeweht von einem Strand des Lächelns,
die nach Pollen duften und nach Lust schmecken.

Manchmal, du kennst sie auch,
hören wir nur noch Echos aus Asche,
uns das Trommelfell schmerzhaft verletzend,
mit erstauntem Wiehern und Hufschlägen.

So wiegt uns das Bild, sich schnell ändernd,
im Pendel der Zweifel hin und her,
in den aufgezeichneten Hirnströmen.

So erfassen wir aus allen Stimmen
keine, vielleicht in Erwartung
Der ersten und einzigen.




Diálogo o solas I



A veces esuchamos unas voces
que más que voces nos parecen brisas
venidas de una playa de sonrisas,
oliendo a polen y sabiendo a goces.

A veces, tú también ya los conoces,
solo esuchamos ecos de cenizas
que nos hieren los tímpanos en prisas
de relinchos atónitos y coces.

Así, la imagen que veloz se altera
en péndulo de dudas nos acuna,
electroencefalógrafo que fuera.

Así de tantas voces, no ninguna
es la que asimilamos, en espera
quizá de la primera y sola una.


 











Aus: José Ruiz Rosas: El viento donde tus ques exclamas / Der Wind, der dein Staunen trägt. Gedichte, 1950 - 2009, eine Anthologie. Öffnet externen Link in neuem FensterVerlag Ralf Liebe, Weilerswist 2009
Gedicht: Einsames Zwiegespräch I. S.14/15
Übersetzercolloquium: Ines Hagemeyer, Teresa Ruiz Rosas, Rainer Maria Gassen, Monika Driller, Monika Winterson
Wir danken für die freundliche Genehmigung von Teresa Ruiz Rosas und dem Verlag Ralf Liebe.

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: josé ruiz rosas, peru, lyrik, poesie
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UNRUHEN. Nordindische Kürzestgeschichten

Uddschval Barua: Unruhen


Als ein Hund, der am Rande eines Dschungels stand, eine Kuh und ein Schwein auf den Dschungel zuhasten sah, fragte er bestürzt:

"Ihr Lieben, warum habt Ihr es denn so eilig? Sind in der Stadt etwa Unruhen ausgebrochen?"


Da blieben die beiden stehen und blickten sich prüfend um. Dann sagte die Kuh, nach Atem ringend:

"Nein, noch nicht, aber es wird welche geben. Alle Vorbereitungen dafür sind schon getroffen. Nur nach uns wird noch gesucht!"











Die Kürzestgeschichten aus Nordindien, in ihrer Art zwischen Weisheits- und Schelmengeschichten, haben es uns angetan. Wir freuen uns über die Erlaubnis von Prof. Kapp und des Shaker Verlags, sie hier im Heuschrecke-Blog vorzustellen.



Ujjval Barua: Unruhen (1994), aus: Der Schmuck einer Frau. Kürzestgeschichten aus Nordindien. Ausgewählt, aus dem Hindi übersetzt und herausgegeben: Dieter B. Kapp. Shaker Verlag Aachen 2006; S.59



Prof. Dr. Dieter B. Kapp (geb. 1941), Indologe, zuletzt Professor an der Universität Köln, Übersetzer und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Werke, aber auch zeitgenössischer Literatur aus den verschiedenen Regionen und Sprachen Indiens. Träger der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Medaille und des Rabindranath-Tagore-Kulturpreises, und Künstler (Fotografie, Digitalkunst, Komposition).

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: indien, kürzestgeschichte, uddschval barua
Gesehen: 38

VERGELTUNG. Nordindische Kürzestgeschichten

Brahmadev Bandhu: Vergeltung


Als ich bemerkte, wie er vor einem Versteck aus mit einem Stein auf eine Krähe zielte, die oben auf dem Dach hockte, fuhr ich ihn vorwurfsvoll an:

"He, Mann! Warum wollen Sie die Krähe töten? Was hat sie Ihnen den getan?"


"Verehrter Herr!", entgegnete er wütend. "Gerade hat sich eine Krähe aus der Hand meines Kleinen ein Stück Brot geschnappt und ist damit auf- und davongeflogen!"


"Erkennen Sie die Krähe wieder?", fragte ich weiter. "Ist sie es, die mit dem Brot auf- und davongeflogen ist?"


"Vielleicht ist sie es nicht, vielleicht ist es eine andere. Auf jeden Fall ist es eine Krähe", gab er mir ungerührt zur Antwort.











Die Kürzestgeschichten aus Nordindien, in ihrer Art zwischen Weisheits- und Schelmengeschichten, haben es uns angetan. Wir freuen uns über die Erlaubnis von Prof. Kapp, sie hier im Heuschrecke-Blog vorzustellen.



Brahmadev Bandhu: Vergeltung (1991), aus: Der Schmuck einer Frau. Kürzestgeschichten aus Nordindien. Ausgewählt, aus dem Hindi übersetzt und herausgegeben: Dieter B. Kapp. Shaker Verlag Aachen 2006; S.54



Prof. Dr. Dieter B. Kapp (geb. 1941), Indologe, zuletzt Professor an der Universität Köln, Übersetzer und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Werke, aber auch zeitgenössischer Literatur aus den verschiedenen Regionen und Sprachen Indiens. Träger der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Medaille und des Rabindranath-Tagore-Kulturpreises, und Künstler (Fotografie, Digitalkunst, Komposition).

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: indien, kürzestgeschichte, brahmadev bandhu
Gesehen: 58