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Bio-Import

Der Zollverkehr - das letzte Dschungelcamp in Europa

Unser Traum: grenzenlos Bio. Doch manchmal stößt man im wahrsten Sinne des Wortes an die Grenzen - hier drei Schoten aus der Drittland-Bio-Import-Welt:


Unser biozertifiziertes Wildsammlungsprojekt in Kroatien "Terra Magnifica" mit ca. 200 Pflanzen wird von einer Kontrollstelle mit Zentrale in Südfrankreich und neuerdings Ost-Europa-Abteilung in Bulgarien geprüft.

Jeder Vorgang verspätet sich jetzt. Die neuen Wege sind noch nicht eingespielt, sodass er im Moment sein Biozertifikat, obwohl die Prüfung vor Ort schon mehrere Wochen her ist, nicht vorweisen kann. Diese Kette an Umständen zieht sich bis zu uns. Die Kontrollstelle hat sein altes Zertifikat dann verlängert, aber nur bis 30.9. Da der laufende Transport sich auf den 2./3.10. verspätet, kommt erst mal kein Bio an. Also erst mal kurze Zeit kein Bio-Waldmeister und Bio-Kornblumen.




Auch eine schön idiotische Geschichte: im Juli erwarteten wir einen vollen LKW aus Kroatien mit ca. 60 Sorten Kräutern. Das Import-Zertifikat für Bio-Ware (CI) hatte als Anlage eine Liste der aktuellen Ernten. Zwei der 60 Produkte stammten noch aus Vorjahresernte.

Die Lebensmittelbehörde in Graz (die dem Zoll lebensmittelrechtliche Hinweise geben soll) war nicht zu überreden, die strittigen Produkte Bio-Anis Öl und Bio-Buchweizenkraut mit dem "zu neuen" Zertifikat über die Grenze gehen zu lassen.

Erst sollte der ganze Transport zurück, nach längeren Verhandlungen konnten wir uns mit den Grazer Bio-Wächtern auf Streichung vom Bio-Import-Zertifikat und Herausholung der strittigen Produkte unter Zollaufsicht aus dem LKW einigen - dem naiven Menschen eigentlich die selbstverständliche Lösung...; für Behörden ein Problem - darf man auf Bio-Import-Zertifikaten eine Streichung machen?




Diese Woche: Ein LKW aus Kroatien fährt los - für vier Kunden Ware dabei, für uns verzollt, für die anderen Kunden unverzollt. Unverzollte Ware wird eigentlich in verplombten LKWs transportiert - hier wurde davon abgesehen, sonst hätten wir unsere bereits in Österreich verzollte Ware nicht aus dem LKW rausbekommen.

Der LKW kam zuerst zu uns. Beim Ausladen vergaß der Fahrer 5 Säcke für uns mitauszuladen (die wir nicht bestellt hatten, aber uns aus Versehen (?) vom Lieferanten "zugeteilt wurden").
Diese "illegalen Bio-Säcke" stecken jetzt im Zolllager mit der unverzollten Ware der Kollegen fest - ohne Papiere, denn die sind bei uns, bzw. die Säcke sind da ja nicht drauf, da Versehen! Sind gespannt, ob wir die da rauskriegen, und wann?

Übrigens, Kroatien ist ein wunderschönes Land, um dort hinzureisen (das Inland, nicht nur die Küste), aber mit etwas viel Korruption (2008: Rang 62/180, im Alltag gefühlt: höher). Zum Glück haben unsere Kroaten den nötigen Anarcho-Cynismus und sind flexibel genug, um irgendwie rundzukommen. Wir tun unser Bestes, um es praktikabel zu gestalten.

Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

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Tags: bio-import, drittländer, kroatien, dschungelcamp, zollverkehr
Gesehen: 45

Biokontrolle

EG-Bio-Verordnung - Bürokratie und Praxis

Letzte Woche hatten wir unsere große jährliche Biokontrolle, zugleich fand unsere NOP-Zertifizierung nach den neuen, aufwendigeren Regularien statt. NOP/USDA ist der Biostandard der USA, wie bei uns die EU-Bio-Verordnung.

 

Unterm Strich ist es viel Bürokratie. Man neigt dazu zu denken, dass es ungerecht ist, dass wir diese Bürokratie am Hals haben, und nicht die Konventionellen, die uns die Lebensmittel versaut haben.

 

Also: 3 PrüferInnen waren bei uns, von morgens 9:00 bis abends 18:00 Uhr, die ohne Pause konzentriert gearbeitet haben.

 

Es wird geprüft, ob wirklich alle Zertifikate der Vorlieferanten vorliegen, alle Importpapiere und dazugehörige Rechnungen werden überprüft, Lohnverarbeitung und Private-Label-Füllungen. Das Thema Bio-Importe aus Drittländern ist besonders kompliziert - durch kleine Formalfehler geraten ganze LKWs oder Container mit Bioware ins Nirwana.

 

Auf einem Rundgang werden alle Etikettierungen geprüft, und die kleinen Abkürzungen der Lagerarbeiter hinterfragt - oder die vielen Lieferanten, die fantasievolle Etiketten schreiben, die nicht genau der EG-VO entsprechen ...

 

Unsere Datenlage wird allgemein geprüft: Lieferscheine, Rechnungen, Warenetikettierung, Kundenstammdaten, Lieferantenstammdaten, wie gehen wir mit Analysen um, wie mit Schädlingsbekämpfung, mit Rückrufen.

 

Dann gibt es noch stichprobenartige Warenflusskontrollen: einzelne Produkte werden vom Einkauf über Produktion/Abfüllung bis zu den einzelnen Kunden verfolgt - hier sollte es keine Ungereimtheiten oder wundersame Vermehrungen geben.

 

Im guten Normalfall, und bei uns ist es so, ist die Biokontrolle eine Mischung aus Prüfung und lösungsorientierter Schwachstellenanalyse, und deshalb Teil eines ständigen Verbesserungsmanagements (was immer passiert, wenn Externe sich umschauen).

 

Die komplette Verantwortung im Schadensfall oder Biobetrug liegt trotz aufwändiger Prüfung beim Importeur oder Inverkehrbringer. Also: zuverlässige Quellen sind alles - das hat sich in 30 Jahren nicht geändert. Klatsch und Tratsch mit den Kollegen ist hilfreich.

 

Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

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Tags: eg-biokontrolle, nop, öko-kontrollstelle, bio
Gesehen: 66

Motten und Käfer im Tee ...

... als Gabe der Natur

Passionierte Bio-Kräutertee- und Gewürzfans bekommen jetzt, wo die warme Jahreszeit ausklingt, schon mal einen Schrecken: Käferchen oder Maden krabbeln ihnen selbstbewusst beim Öffnen der Tüte entgegen. Das sollte nicht sein, ist aber bei Bio-Kräutertees leider nicht 100%ig zu vermeiden, besonders in den warmen Zeiten.

 

Warum ist das so, und was tun wir als Biobetrieb dagegen?

Im Naturkostbereich und besonders bei Kräutern und Gewürzen kann man Käfer oder auch Maden/Motten nicht ausschließen. Schließlich sind die Pflanzen, vor allem Blüten, der natürliche Lebensraum der Tiere. Hier ist der Mensch, der die Pflanzen erntet und benutzt, sozusagen der Störfaktor. Wir sind halt Konkurrenten um dieselben Beeren und Blätter.

 

Besonders hochwertige Kräuter und Blüten, die nicht für Teebeutelschnitt zerschreddert, sondern möglichst grob bis ganz belassen werden (wie bei unseren losen Heuschrecke-Tees), werden schonend bei ca. 40°Grad getrocknet. Die meisten Tierchen laufen in der ersten Welkphase davon, aber einige Exemplare sowie ihre Eier können natürlich drinbleiben und überleben.

Das "Ungeziefer"  wird sozusagen mit der Natur ins Haus geliefert. Es ist aber zum Glück nicht gesundheitsschädlich.

 

Da Bio-Produkte nicht mit Insektiziden behandelt und nicht bestrahlt oder begast werden wie konventionelle Produkte, werden hier natürlich eher lebendige als tote Käfer und Co vom Feld mitgeliefert. Man kann aber davon ausgehen, dass in jedem Lebensmittel, das aus Feld, Wald und Wiesen oder von Bäumen kommt, ein gewisser "Eiweißanteil" drin ist - in den hochverarbeiteten Lebensmitteln eben nur nicht mehr sichtbar.

Die natürlichen Methoden für Bio-Lebensmittel zur Schädlingsbekämpfung, die auch wir regelmäßig anwenden, sind Einfrieren und CO2-Behandlung. Bevor wir Ware auf Lager nehmen, wird sie behandelt, außerdem turnusmäßig in der wärmeren Jahreszeit. Diese Behandlungsmethoden beeinträchtigen nicht den qualitativen Wert des Bioprodukts.

 

Der Trend zur mehrfachen Sterilisierung von Lebensmitteln, den wir im konventionellen, aber auch zunehmend im Biobereich beobachten, sehen wir kritisch. Dann ist die Ware zwar lange haltbar und ohne Gefahr des lebendigen Befalls, aber die Nahrung wird eben auch steril und verliert ihre Bio-Wertigkeit.

 

Für den Privathaushalt empfehlen wir als erste Maßnahme beim ersten Anzeichen von Befall: in eine Plastiktüte stecken und 5 Tage einfrieren. Wie gesagt, die Käferchen und Maden sind nicht gesundheitsgefährlich, sondern nur etwas eklig für Menschen. Auch Kleider- und Holzmotten aus dem Haushalt fühlen sich übrigens in Bio-Lebensmitteln sehr wohl und lassen sich dort gerne nieder. Hier empfehlen wir auch, befallene Lebensmittel und Kleidung sofort in einer Plastiktüte tiefzufrieren.

 

Also - nicht böse werden, wenn's krabbelt ...

 

Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

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Tags: motten, käfer, natur, kräuter, bio, bio-kräutertee
Gesehen: 85

Einer der vielen guten Gründe für Bio

Europäische Kohlendioxyd - Studie

Taz-Artikel (Autor Bernhard Pötter) vom 22.9.2009 zum Bericht des Europa-Forschungsprojekt "CarboEurope":
Europäische Wissenschaftler aus 62 Forschungsinstituten arbeiteten die letzten 5 Jahre an der Frage: "Wo genau bleibt das CO2, das der Mensch in die Atmosphäre entlässt?"

Im Großen und Ganzen verlassen wir Menschen uns darauf, dass die Pflanzen, vor allem Bäume, sowie die Ozeane CO2 aufnehmen, Sauerstoff wieder abgeben und den Kohlenstoff gut speichern.

Anscheinend ist es im bisher nicht ganz verstandenen Kohlenstoff-Kreislauf so, dass noch vor 20 Jahren etwas über die Hälfte des von Menschen verursachten CO2 (fossile Brennstoffe + intensive Agrarindustrie) durch Pflanzen und Ozeane aufgenommen wurde. Der Rest ging dann wohl in die Atmosphäre und verstärkte die Klimaerwärmung.


Dieser Kreislauf beschleunigt sich nun kybernetisch: aufgrund der Erwärmung, so nimmt man an, wird ab ca. 2070 die Aufnahmekapazität durch die Natur völlig erschöpft sein, den Boden/Pflanzen wird selbst CO2 entströmen, die Meere werden saurer, was die Meeres-Nahrungskette stören wird - Science-Fictionartige Horrorszenarien - hier kann man weiterdenken.

Fossile Brennstoffe (unsere Mobilitätswünsche), konventionelle Massen-Landwirtschaft (intensive Stickstoffdüngung) und -Viehaltung (Methanausstoß)(unser Geiz, beim Essen zu sparen) sind die Hauptverursacher.


Jetzt ist es schön, sich vorzustellen, dass auf EU-Ebene eine ernstzunehmende Diskussion entsteht, wie der Bio-Landbau gefördert werden kann, mit Zielsetzungen: bis 2011 soundsoviel Flächenzuwachs, bis 2012 ... usw.. Mit ambitionierten Forschungen darüber, wie ökologische Landwirtschaft wirtschaftlich tragfähig gestaltet werden kann (ohne gewinnmaximierende Schweinereien wie Großställe für Biohühner usw.... ).


Der ökologische Landbau mit seinen lebendigen Böden, ohne synthetische Stickstoff-Düngung, kleinflächiger, etwas extensiver, mit artgerechter, extensiverer Tierhaltung - ist laut einigen Wissenschaftlern sogar eine globale Lösung, nicht nur für den Klima- und Umweltschutz, sondern um auch langfristig und nachhaltig den Nahrungsbedarf zu decken. Hier kann man auch weiterdenken - diese Szenarien ergeben entspanntere Visionen.

 

Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

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Tags: carboeurope, bio-landwirtschaft, kohlenstoff-kreislauf, kohlendioxyd, klima, Blog
Gesehen: 57

Willkommen

11710 Tage nach Gründung der Heuschrecke: Geburtstag des Heuschrecke - Blogs

Was erwartet Sie hier?


Bio mit Identität: es gibt reichlich zu unseren Produkten oder über unsere Lieferanten zu berichten, oder mal ein Foto zu zeigen, was wir in Monatsrundfaxen oder Infos gar nicht unterbringen können.
Zwischenberichte aus dem Innenleben der Heuschrecke, Überlegungen während der Produktentwicklung - Anekdoten, Verzällcher ...


Rezepte, Gewürz des Monats, Sprechstunde "Heile Welt" - nicht nur praktisch aber nicht unpraktisch.


Alles, was wir lieben: Schönes, Erstaunliches, Verwirrendes, Nachdenkliches. Ausflüge vom Mikrokosmos bis ins All. Ohrenküsse und Point-Zero-Kunst. Bilder und Texte von Gästen.
Die Welt der Epikureer, Hedonisten und Cyniker: wenn uns was auffällt zum Tagesgeschehen, zu Politik und Wirtschaft.


Wie wir auf die Idee gekommen sind, einen Blog einzurichten? Bei einer denkenswerten Geschichte, die uns ein Lieferant erzählt hat. Wir erzählen gerne weiter, und lieben die unbeabsichtigte Absurdität, Witz, aber auch Tragik, die das alltägliche Leben oft mit sich bringt. Erzählen macht das Leben reich, durch Erzählen bewegen sich Dinge weiter und entwickeln sich. (in den Wissenschaften gibt es Oral History und Gossip-Forschung).


So hat unsere Website auch jetzt schon eher einen journalistischen Stil. Mit dem neuen Medium haben wir uns vorgenommen, fast täglich zu berichten (und sind guter Dinge, dass wir es schaffen neben der Arbeit). Die Einträge können von Ihnen auch per RSS "abonniert" werden. Wir freuen uns über Ihre Gedanken. Ihre Kommentare werden am nächsten Arbeitstag online gestellt.


Morgen erzählen wir die initiierende Geschichte.

Alles Gute wünschen


Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner

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Tags: willkommen, heuschrecke-blog
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