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Das Jubiläum - Ein Jubiläums-Essen

Dreierlei mit verschiedenen Zutaten

 

 

Bei diesem Jubiläum geht es viel darum, einen Blick hinter die Kulissen der Heuschrecke zu werfen. Und da ich gerne koche, gibt es im Rahmen des Jubiläums natürlich auch ein Rezept.

Ich fragte also Ursula, was HeiDi und sie gerne essen (wurde gestern beantwortet) und sie nannte mir dazu gleich noch ein paar von HeiDis Lieblingszutaten: Kichererbsen, Reis, Tahini, Miso, Kreuzkümmel, Knoblauch und eventuell noch einen Spritzer Zitronen. Wenn das nicht mindestens Hummus bedeutet, weiß ich auch nicht.

Für mich ist es wunderbar, ich bin großer Fan von Kichererbsen, liebe Miso und Kreuzkümmel und Knoblauch sind fantastische Geschmäcker. Ich überlegte, was ich mache, entschied mich aber prompt dafür, einfach alles, was ziemlich offensichtlich ist, zu machen. Rausgekommen ist ein fantastisches Essen, das sich vor allem um die Kichererbsen dreht und im Großen und Ganzen sehr klassisch ist. Durch das Miso hat es aber dennoch einen kleinen Twist.

 

 

Die Kichererbsen Dreifaltigkeit


Also, der Plan war es, das ganze um die Kichererbsen herum zu konstruieren. Ich hoffe, niemand hat Spannung erwartet, denn hier sind die drei Gerichte: Hummus, Falafel und eine Reispfanne. Wie fängt man an? Natürlich mit dem Einweichen von Kichererbsen:

  • 250g trockene Kichererbsen
  • Genügend Wasser
  • 2 TL Salz
  • (1 TL Natron)


Alles in eine Schüssel geben, mit ausreichend Platz, denn die Kichererbsen saugen sich voll. Genügend Wasser wäre wohl die 3-4 fache Menge.
Aber Moment mal - Natron? Hab ich so mal gelesen und kann bestätigen: Es hilft den Kichererbsen weicher zu werden und macht nachher ein feineres Hummus. Obwohl das nicht unbedingt für Falafel und Reispfanne notwendig wäre, hatte ich auch keine Lust die Kichererbsen separat einzuweichen. Hat sich aber auch nicht negativ auf das Endresultat ausgewirkt, wer also genau wie ich alles in einer Schüssel einweichen will, kann getrost Natron dazu geben.
Das ganze lässt man dann am besten über Nacht stehen und träumt schonmal von leckerem Essen - in meinem Fall vor allem von "Fall"afel. (...) Am nächsten Tag setzen wir für das Hummus schonmal die Kichererbsen auf. Das bedeutet:

  • 150g Kichererbsen (ganz grob 2 Drittel des ganzen)
  • 1 kleine Zwiebel, halbiert
  • 1 kleiner Staudensellerie
  • 1 kleine Möhre
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 2 Lorbeerblätter
  • Genügend Wasser um die Kichererbsen dauerhaft bedeckt zu halten


In seiner Gesamtheit in einen Topf, zum Kochen bringen und ca. 1-2 Stunden kochen lassen. Wer clever ist nimmt, einen Teil der Kichererbsen vorher raus (ca. nach einer Stunde), für die Reispfanne, damit sie noch ein bisschen Biss haben. Ich war es nicht. Nach 2 Stunden sind die Kichererbsen fast von alleine zu Hummus geworden. Zwischendrin immer mal nach den kleinen gucken, dass sie auch genügend Wasser haben. Wenn man Falafel machen möchte, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt.

 

 

Fantastische, frische Falafel mit (f)ielen frischen Kräutern


Ich liebe gute Falafel, gibt es leider nicht so viele von... Selber gemacht hatte ich sie vorher noch nie, da ich keinen von diesen coolen Food-Prozessoren hatte. Naja. Hier sind die Zutaten, die ich benutzt habe:

  • 100 g Kichererbsen (ein gutes Drittel von dem, was ich eingeweicht habe)
  • 1 kleine Hand voll frische Petersilie
  • 1 kleine Hand voll frischen Koriander
  • 1 kleine Hand voll frische Minze
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • 2 Zehen Knoblauch
  • ca. 1 EL von einem Mix aus Kreuzkümmel und Koriandersamen (siehe unten)
  • Salz


Das Ganze hat dann gerade so in meinen kleinen Foodprocessor gepasst, siehe hier:

Kichererbsen und Kräuter in Food-Processor

*Alle Fotos haben einen Gelbstich. Das tut mir leid - es war spät, gab also kein gutes Licht mehr...*


Dann geht es darum, alles zu einer Masse zu zerkleinern. Das hat bei mir eine Weile gedauert. Wer sowas schonmal gemacht hat, hat da sicherlich so viel Ahnung wie ich. Soll in etwa nachher so aussehen:

Falafel-Mix zerkleinert


Zu dem Gewürzmix. Ich habe einfach je ca. 2 EL Koriandersamen und Kreuzkümmel in meinen Mörser geworfen und solange darauf rumgedrückt, bis es wie ein gut essbares Pulver aussah, siehe unten. Riecht und schmeckt fantastisch.

Kreuzkümmel und Koriandersamen gemörsert

Die fertige Masse lässt man jetzt mindestens 15 Minuten stehen. In der Zeit kann man mal kurz nach den kochenden Kichererbsen gucken, eine geeignete Pfanne suchen, Öl suchen und wer ungeduldig ist, kann auch schonmal den Herd mit der Pfanne und dem Öl drauf anmachen. Dann werden die Bällchen mit einem Teelöffel und feuchten Händen geformt. (Chef John sagt so schön: "Wet hands make smooth balls" - gilt für alle feuchten Produkte, wie z.B. Hackbällchen). Sie sollen nicht allzu groß sein, daher auch der Teelöffel - ca. 1 guter Teelöffel ist groß genug. Ist das Öl heiß, lässt man sie baden. Muss nicht frittiert sein, reicht auch so wie auf dem Foto. Sieht das nicht wunderschön aus?

Falaffel in der Pfanne



So lässt man sie, bis sie von der einen Seite schön braun sind, ca. 2 Minuten. Dann drehen und nochmal ca. 2 Minuten. Die Farbe ist aber eigentlich ein deutlich besseres Indiz! Fertig und im trockenen sah es bei mir so aus. Außen knusprig, innen schön zart und saftig (klingt in etwa so wie eine alte Werbung)! Das Ergebnis kann sich sehen, aber noch viel mehr schmecken lassen.

Falafel und Hummus


Wenn man das Hummus gut getimed hat, kriegt man warme Falafel mit kaltem Hummus, sieht dann so aus. Anmerkung: Hab ich nicht, mein Hummus war warm, war trotzdem lecker. Apropos Hummus:



Miso-Hummus


Miso-Hummus unterscheidet sich vom Hummus nur durch eine Komponente - Miso. Wer sich das gedacht hat, Hut ab. Hier also erstmal das Rezept für fertiges Hummus. Man nimmt die gekochten, fast Hummus artigen Kichererbsen, schüttet sie in einen Mixer und schüttet Kochwasser dazu, bis sie gerade so bedeckt sind. Aus dem Kochwasser nimmt man auch noch die Möhren und den Knoblauch, der Rest kommt weg! Das püriert man jetzt schön - dauert etwa 2 Minuten. Schön langsam anfangen, dann immer schneller, bis sich eine glatte Masse ergibt. Wenn die Masse zu dickflüssig ist, einfach noch mehr Kochwasser dazu geben. Wenn sie zu dünnflüssig ist, ist irgendwas schief gelaufen. Dann weniger Kochwasser - äh, beim nächsten Mal. Ist man mit der Konsistenz zufrieden, alles in eine Schüssel. Dazu kommt jetzt ein Püree aus Tahini, Knoblauch und Zitronensaft:

  • 1.5 gute EL Tahini
  • 4 Knoblauchzehen
  • Saft einer Zitrone


Das Ganze kann man auch gut in einem Mixer pürieren. Dann so viel des Pürees in das Kichererbsen-Mus rühren, bis es so schmeckt, wie man es sich vorstellt. Das kann mal mehr, mal weniger sein. Einfach Löffel für Löffel abschmecken, dann wird das schon. So. Hummus fertig. Jetzt nimmt man entweder alles davon oder nur einen Teil und mischt das ganze mit einem EL Miso. Daraus ergibt sich ein Hummus mit einem guten Miso-Geschmack. Auch hier gilt: Variieren nach eigenem Ermessen. Nimmt man mehr, schmeckt es mehr nach Miso, und umgekehrt. Fun Fact: Dass Miso, Knoblauch und Tahini gut zusammen passen, ist kein Geheimnis: Auch für (Miso-)Ramen nimmt man oft eine Mischung aus diesen 3 Komponenten (+ eventuell weitere), um die Brühe noch mehr zu würzen.

Ohja. Miso. Für die, die damit noch nicht in Berührung kamen: Miso ist ein Fermentprodukt aus Sojabohnen, Koji(Eine Pilz, der zur Fermentation gebraucht wird) und Salz. Daraus entsteht eine Art Würzpaste, die sehr salzig ist und viel Umami hat. Irgendwo ähnlich wie Sojasoße, aber als Paste. Genau wie bei Soja-Soße gibt es hier Variationen, je nach Fermentationsdauer.

Am besten schmeckt das ganze kalt, aber auch warm muss man sich nicht dafür schämen. Zum Anrichten mit ordentlich gutem Olivenöl überträufeln. Toll zu den Falafeln.


Reispfanne a la HeiDi


Zu guter Letzt die Reispfanne. Sie vereint alle die Geschmäcker der anderen beiden Produkte in einer neuen Konsistenz. Ein weiterer Vorteil: Es ist deutlich einfacher zu kochen und woanders aufzuwärmen (Ursulas Wunsch). Dazu nimmt man:

  • 75g Reis
  • Wasser
  • Salz
  • ca. die Hälfte der vorgekochten Kichererbsen
  • 3 Zehen Knoblauch
  • 1 EL Koriander-Kreuzkümmel-Mix
  • 1.5 EL Miso
  • 1 EL Zitronensaft
  • Frische Kräuter und Tomaten und eventuell noch Hummus zum Anrichten


Kurzum: Reis mit Salz vorkochen, bis er al dente ist. Pfanne erhitzen, Knoblauch kurz in heißes Öl, aber aufpassen, dass er nicht verbrennt! Dann den Reis dazu, kurz anbraten. Dazu die Kichererbsen, Miso, Gewürze und Zitronensaft dazu. Alles gut verrühren. Dann probieren. Wenn es noch nicht genug Geschmack ist, mehr davon. Bei mir ist es irgendwann ein bisschen matschig geworden. Macht aber nichts - muss man sich nur beim Anrichten etwas mehr Mühe geben. Tomaten und frische Kräuter (aus dem Falafel-Mix) finde ich ein Muss dazu! Tomaten schmecken auch so hervorragend zu dem Gewürzmix, aber sie geben dem sehr Umami-lastigen, weichen, samtigen Essen eine gute Frische, bieten einen schönen farblichen Kontrast und werten das Essen nochmal deutlich auf. Wichtig ist, dass sie nicht warm sind. Für die Kräuter gilt ähnliches!

Reispfanne mit Tomaten und frischen Kräutern


Guten Appetit!

 

 

Bonus:

 Frittierte Reisbällchen mit Hummus und Tomaten

Reste der Reispfanne im Öl von gestern fritiert. Schmeckt auch nicht schlecht. Wer sagt, die sein zu dunkel, würde ich recht geben - ich musste allerdings einen Blogbeitrag schreiben und habe die Zeit aus den Augen verloren. War lecker, aber ein bisschen bröselig!

 

 

Wer's verpasst hat:

Opens external link in new windowJubiläum Teil 1: Text aus der Vergangenheit

Opens external link in new windowJubiläum Teil 2: Wer ist Heuschrecke heute?

Opens external link in new window Jubiläum Teil 3: Ein externer Erfahrungsbericht

Opens external link in new windowJubiläum Teil 4: Was gibt's eigentlich bei HeiDi und Ursula zu essen?

 

 


 Joshua Stübner

 

Meine Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

Mehr zu dem anderen Opens external link in new windowhier.

 

 

 

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 1
Tags: rezept, jubiläum, bio-gewürze, gewürze
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Das Jubiläum - Ein externer Bericht eines Praktikanten

Gundel in ihrem Büro
Gundel in ihrem Büro
Ferdinand, fast Maria
Ferdinand, fast Maria
Heidi im ersten Büro
Heidi im ersten Büro
Mein kleines Büro, vorher und nachher
Mein kleines Büro, vorher und nachher
Ursula in ihrem Revier
Ursula in ihrem Revier
Tom schmeißt jetzt den Warenausgang
Tom schmeißt jetzt den Warenausgang
Manfreds "Büro"
Manfreds "Büro"
Teemischung - vor der Mischung
Teemischung - vor der Mischung
Eine andere Perspektive auf Tom
Eine andere Perspektive auf Tom
Messestand - vorher
Messestand - vorher
Messestand - nachher
Messestand - nachher

Ein Erfahrungsbericht mit der Heuschrecke

 

 

Nachdem ich auf den großen Platz auf dem Industriegebiet in Troisdorf-Spich angekommen war, Hausnummer 50a gefunden hatte und die kleine Klingel an der kleinen Tür der großen Halle der Firma gedrückt hatte, öffnete mir ein älterer Mann mit langen, grauen Haaren und einem langen, grauen Bart. Nun, das war keine Überraschung. Mein Onkel HeiDi ist keine Neuheit, weder für mich, noch für die meisten anderen in der Branche.
Nicht nur HeiDis Erscheinung weicht von dem Bild einer Firma ab, das man kriegt, wenn man an die große, graue Fabrikhalle von außen sieht. Betritt man das Gebäude durch die kleine Tür, kommt man in einen kleinen Raum voller Urwald-artigen Pflanzen, mit einem alten Computer, ein paar Regalen, ein paar Druckern und Faxgeräten. Man könnte sich fast zu Hause fühlen.

Ein gedanklicher Rundgang durch die Firma 


Ich wurde durch die nächste Glastür geführt und erstmal herzlichst von zwei sehr freundlichen Frauen begrüßt, Maria und Gundel (Zur Zeit wird Maria zwar von Ferdinand vertreten, aber das ist eine andere Geschichte). Zwar wird mittlerweile häufig nur noch der Vorname verwendet, aber in der Heuschrecke ist es noch eine deutlich persönlichere Atmosphäre, sodass es sich da absolut natürlich anfühlt.
Weiter durch die nächste Tür in Ursula und HeiDis Büro - ein Raum vollgestellt mit Büchern, Computern, Gewürzen, Kartons und Dingen, von denen man als Außenstehender die Bedeutung nicht versteht (wie z.B. schimmelnde Vanille in einer Plastiktüte).


(Anmerk. Heuschrecke: diese Vanille-Schimmel-Studie gibt es immer noch. Die Frage ist, wie weit es wuchert, oder ab wann es sich selbst reguliert oder wieder verschwindet.).

Als nächstes führte mich HeiDi ins Lager. Ich sah einen gelben Gabelstapler zwischen den Regalen rumfahren, überall standen Paletten herum, die Regale waren voll und es roch (und riecht) nach einer wilden Gewürzmischung mit Tee - klingt eigentlich ziemlich lecker. Nach und nach wurden mir die Mitarbeiter vorgestellt: die Gewürzfrauen Brigitte, Brunhilde, Christina, Heidi (ohoh), wie sie im ersten kleinen Raum sitzen und gerade verschiedene Gewürze abfüllen und die Teefrauen Ira und Lydia (keine klare Trennung), wie sie an einer alten Maschine sitzen, die viel Lärm macht und langsam Tee bewegt. Ehrlich gesagt, als ich die Frauentruppe das erste Mal sah, wusste ich nicht so recht was ich sagen oder denken sollte. Wer sie das erste mal kennen lernt, weiß bestimmt was ich meine.

Weiter durch das Lager wurden mit nacheinander Manfred, Sven, Azimi, Robert (Anm.: jetzt Tom, Robert ist in den Osten gezogen zu seiner Lebensgefährtin) und Marcus vorgestellt - die Männer aus dem Lager, zuständig für alles und gleichzeitig verschiedenes. Sven mischt und mahlt Gewürze, Azimi bereitet die Rezepturen vor, d.h. wiegt die Einzelzutaten genau ab, und mischt auch die Teemischungen, Robert packt die Warensendungen und empfängt und Manfred fährt viel Gabelstapler und kümmert sich um alles andere, Marcus macht Wareneingänge und mahlt in der Nachmittagsschicht. Wenn irgendwo Hilfe gebraucht wird, macht das erstmal Marcus und man hilft sich, wo es geht.

Zu guter letzt HeiDi und Ursula. HeiDi, der gefühlte 18-20 Stunden am Tag Zahlen durchrechnet, mit aller Herren Leuten und Ländern telefoniert, plant, nachdenkt, rumläuft, guckt und so ziemlich alles selber macht, was er selber machen kann. Und das ist fast alles, außer Delegieren. Dazu Ursula, die so ziemlich alle anderen Tätigkeiten macht und die die Marketing-Abteilung, Beschwerde-Abteilung, Kunden-Betreuung und noch so einiges anderes in sich vereinigt.

Das erste Event stand aber schon an: Die wöchentliche Montag-Morgen-Besprechung. Alle versammelten sich und Heidi hält eine Ansprache - Probleme, Neuigkeiten, Pläne und Tadelungen. Es wird der Wochenplan dargelegt, was eben ansteht und was schief gelaufen ist. Nur das Lob blieb meistens aus, wobei das Ausbleiben von Tadeln als solches zu verstehen war (worüber sich die Mitarbeiter so manches mal beklagten). Es war durchaus spannend, das ganze zu erleben,

 

obwohl ich keinen Kontext zu dem Meisten hatte. Ich hatte vorher keinerlei Erfahrung mit Lager-, Büro- oder ähnlichen Arbeiten, war ein bisschen überwältigt und gleichzeitig voller Lust und Energie, mein Praktikum zu beginnen.

 


Praktikum bei der Heuschrecke - ein externer Einblick


Mein Praktikum bei der Heuschrecke war ein ziemlich außergewöhnliches, mit unglaublich vielen Möglichkeiten und voller Eindrücke und Erfahrungen. Viel musste ich lernen, noch mehr durfte ich machen.
Angefangen habe ich mit Lagerarbeiten, Pakete packen, Bestellungen verarbeiten, neugepackte Ware ins Lager räumen. Es hat was unglaublich meditatives durch die Regale mit abgepackter Ware zu gehen, die richtigen Gewürze rauszusuchen und in Kartons zu verpacken. Es klingt monoton, ist ein bisschen monoton, aber genau das macht auch manchmal den Reiz aus. Mönche harken stundenlang Kiesel, Heuschrecke-Mitarbeiter verpacken eben Gewürze in Pakete und verschicken sie an die vielen Kunden.


Weiter ging es mit Großware für Weiterverarbeiter. Riesige Säcke voll mit Senfsaaten packen, Wareneingänge mache, was man eben so im Lager macht. Betrachtet man das 40-jährige Jubiläum wundert es einen vielleicht nicht, dass die Heuschrecke zu der Zeit mit einem fast ebenso alten Waren-Wirtschaftssystem gearbeitet hat.  Mich als jungen, auf Technologie und Computer ausgelegten Menschen hat es dennoch gewundert. Doch auch dafür gibt es Antworten. (Anm.: Ja, Ende 2018 soll es dann endlich ein modernes neues Warenwirtschaftsprogramm geben, so der Plan) Wo ich nur Fragen stellte, und ich glaube es waren einige, da erhielt ich Antworten. Manchmal lautet die Antwort bloß: "Frag Heidi", oder "So ist das eben", aber gut. In aller Regel waren die Mitarbeiter mir gegenüber (vermutlich auch weil ich der Neffe der Geschäftsführung war), sehr hilfsbereit.


Nächste Abteilung: Gewürze und Tees bei den Frauen, quasi in der Drachenhöhle. An der alten Teemaschine werden Tees von Hand abgefüllt, mit kleinen Schäufelchen werden die Gewürztüten befüllt. Eine Menge Arbeit, die Frauen arbeiten unglaublich schnell, effektiv und laut. Die Stimmung ist immer toll, es wird kein Blatt vor den Mund genommen und auch viel gemeckert, aber mehr auf wirklich liebevolle Art. Für mich war es wirklich ein Erlebnis, das zu beobachten und zu versuchen, es ihnen gleich zu tun.

Irgendwann wurde ich nachmittags in die Büroarbeit eingeführt. Lernte Bestellungen, die noch viel über Fax, aber auch über Email kamen, per Hand in das System einzugeben, weil "das eben nicht anders geht". Die Büro-Atmosphäre ist sehr entspannt. Es wird viel gearbeitet, aber trotzdem ist es alles sehr herzlich. Nach und nach hab ich dann noch andere Aufgaben gekriegt. Neue Listen anlegen für Lieferantenmuster und diese probieren und eintragen, am Nachhaltigkeitsbericht arbeiten, mich um den neuen Werbeflyer kümmern, was eben so anfiel oder sich über die Jahre angestaut hatte. 


Dazu konnte ich HeiDi und Ursula zu zwei Messen begleiten. Eine kleine in Coesfeld und die große Biofach in Nürnberg. Zwei sehr unterschiedliche Messen, auf den ich viele Urgetümer der Bio-Branche kennen gelernt habe. Es ist ganz erstaunlich. Als Außenstehender dachte ich an etwas Kühle zwischen "Konkurrenten", aber es waren viel mehr alte Freunde, man aß, trank und unterhielt sich sowohl über alte Zeiten, als auch über aktuellen Situationen und Pläne. Dazu kommen viele Kunden, die sich auch schon wie Freunde anfühlen. Es ist viel Wärme in dieser doch recht kleinen Branche. Das ganz unabhängig von der Größe der Messe. Auf der kleinen Messe, war es eben alles ein bisschen kleiner. Weniger Menschen, kleinere Stände. Und auf der großen Messe wirkte alles nach außen etwas professioneller, war es auch ein Stück. Trotzdem wurden mir alte Kunden und diverse Firmenvorstände vorgestellt und es wurde sich freundlichst unterhalten.



Die Familie Heuschrecke, eine gut geölte Maschine 


So wurde ich dann bald eingesetzt, wo ich gebraucht wurde. Konnte alles ein bisschen, nichts so gut wie die Mitarbeiter, aber ich konnte aushelfen, wo es notwendig war. Stau in den Bestellungen, ich war zur Stelle bei der Eingabe und beim Einpacken. Große Warenlieferung, hab ich eben da geholfen. Für mich war das das Beste. Viel Abwechslung macht mir Freude und ich stand in andauerndem Kontakt zu allen Mitarbeitern, die mir über die Zeit immer und immer mehr ans Herz wuchsen. Man erzählte sich Geschichten, macht die Arbeit, beklagte sich manchmal, lachte ein andermal und am nächsten Tag geht es dann wieder weiter.

Das ist für mich, was die Heuschrecke zu so einer einzigartigen Firma macht: Es gibt eine große Menge Persönlichkeit (HeiDi alleine, aber so ziemlich jeder in der Firma hat eine Geschichte zu erzählen), eine ganze Menge Herzlichkeit und es fühlt sich so an, als säßen alle in einem Boot, das man über Wasser halten muss. Das braucht viel Arbeit, aber das schweißt auch dementsprechend zusammen. Und sobald ein Teil wegbricht, funktioniert das ganze System nicht mehr so richtig.

...alte Maschine

Dadurch, dass alles so lange schon funktioniert und dementsprechend beibehalten wird, kamen mir immer mal wieder Fragen und Verbesserungsvorschläge, die ich auch ab und an zu Wort brachte. Das Warenwirtschaftssystem ist ein Beispiel, wo mir nicht klar war, wieso man so viel Mehraufwand betrieb und sich mit den vielen Ecken rumschlug. Auch andere Abläufe oder Ideen waren mir nicht immer einleuchtend, aber vieles wurde mir erklärt. Wer so viel Erfahrung hat, der weiß eben mit viel umzugehen, wo man als junger Neuling aneckt. Trotzdem schlug ich immer wieder Dinge vor, besprach mich mit manchen und ich glaube, dass es auch irgendwo seinen Effekt hatte. So wie vielleicht jetzt, dass das Jubiläum auch auf den social media verkündet wurde. Ob das nun besser ist, das weiß ich nicht. Aber es ist immer gut, über Alternativen zumindest nachzudenken.

Und das obligatorische Resümee


Alles in allem war meine Zeit bei der Heuschrecke sehr lehrreich, ich habe viel (auch menschliches) gelernt, vieles ausprobieren dürfen und einiges beeinflussen dürfen. Trotz des Jubiläums (oder gerade deswegen) wollte ich nicht bloß ein rein lobendes Bild malen, sondern eins, das der Heuschrecke möglichst nahe kommt. Denn eins ist die Firma mit Sicherheit - authentisch. Und dementsprechend sollte auch der Bericht sein.

Es war mir eine große Freude, das Praktikum gemacht zu haben, diesen Bericht schreiben zu dürfen und das Jubiläum mit gestalten und erleben zu können. Ich hoffe, ich konnte die Freude auch auf Euch als Leser übertragen. Ein kleiner Einblick, wie es IN der Heuschrecke abläuft. Denn die Heuschrecke sind nicht bloß HeiDi und Ursula, die der Firma ihr Gesicht geben und mit allem was sie sind in der Firma aufgehen, sondern auch die ganzen anderen Mitarbeiter, die man nicht so häufig zu Gesicht bekommt.

Hoffentlich geht es noch eine gute Weile weiter. So lange, bis Ihr keine Lust mehr habt.

 

Wer's verpasst hat:

Opens external link in new windowJubiläum Teil 1: Text aus der Vergangenheit

Opens external link in new windowJubiläum Teil 2: Wer ist Heuschrecke heute?

 

 

 


 Joshua Stübner

 

Meine Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

Mehr zu dem anderen Opens external link in new windowhier.

 

 

 

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Das Jubiläum - Ein Blick in die Vergangenheit

Die Welt des Heidi Gaspers vor geraumer Zeit

Schaufenster des Bioladens "Was die Bäume sagen" - soo misstrauisch schaut heute niemand mehr in einen Bioladen.
Schaufenster des Bioladens "Was die Bäume sagen" - soo misstrauisch schaut heute niemand mehr in einen Bioladen.
Wer erinnert sich an das Selber-Abpacken im Hinterzimmer: Flocken, Reis, Körner, aber auch Honig, Nussmuse, Carobmus - eine Menge Arbeit, wenn das Öl sich schon abgesetzt hat. Anspnste war der Bäumeladen absolut spezialisiert auf Tee und Kräuter.
Wer erinnert sich an das Selber-Abpacken im Hinterzimmer: Flocken, Reis, Körner, aber auch Honig, Nussmuse, Carobmus - eine Menge Arbeit, wenn das Öl sich schon abgesetzt hat. Ansonsten war der Bäumeladen absolut spezialisiert auf Tee und Kräuter.
Kollektivladen als Begegnungsstätte
Kollektivladen als Begegnungsstätte
Die Lieferungen - hier Tee - und auch die Weinimporte wurden auf dem Hof und der Halle in der Äußeren Kanalstraße gelagert - die erste Residenz, als die Firma dann "Heuschrecke" hieß
Die Lieferungen - hier Tee - und auch die Weinimporte wurden auf dem Hof und der Halle in der Äußeren Kanalstraße gelagert - die erste Residenz, als die Firma dann "Heuschrecke" hieß
BNN - Gruppenfoto Anfang der 90iger - wer erkennt sich wieder?
BNN - Gruppenfoto Anfang der 90iger - wer erkennt sich wieder?
Ab 1988 wurde das Weinprogramm der Heuschrecke systematisch ausgebaut, vor allem französische Biowinzer - Urgesteine besucht. Junger Heidi am Messe-Stand...
Ab 1988 wurde das Weinprogramm der Heuschrecke systematisch ausgebaut, vor allem französische Biowinzer - Urgesteine besucht. Junger Heidi am Messe-Stand...
... und junge Ursula (kam 1988 dazu). Auf den BioFach-Messen waren wir, vielleicht bis auf einer, bisher bei allen dabei.
... und junge Ursula (kam 1988 dazu). Auf den BioFach-Messen waren wir, vielleicht bis auf einer, bisher bei allen dabei.
Nach dem Umzug in die Krefelder Straße wurde die Kräuterabfüllung professionell ausgebaut (professionelle Manufaktur). Wir begannen dort auch, selbst zu mahlen und zu mischen.
Nach dem Umzug in die Krefelder Straße wurde die Kräuterabfüllung professionell ausgebaut (professionelle Manufaktur). Wir begannen dort auch, selbst zu mahlen und zu mischen.
Unsere erste Übersee-Reise zu Lieferanten - hier nach Japan zum Familienbetrieb Shimodozono für hochwertige Grüntees. Es folgten Reisen nach China, Indien, Sri Lanka, Nepal, Südafrika und Simbabwe, wo wir viel über den Kosmos der kleinbäuerlichen Landwirtschaft lernten, heute ein Schwerpunkt in unserer Warenbeschaffung.
Unsere erste Übersee-Reise zu Lieferanten - hier nach Japan zum Familienbetrieb Shimodozono für hochwertige Grüntees. Es folgten Reisen nach China, Indien, Sri Lanka, Nepal, Südafrika und Simbabwe, wo wir viel über den Kosmos der kleinbäuerlichen Landwirtschaft lernten, heute ein Schwerpunkt in unserer Warenbeschaffung.
Die Krefelder Straße war eine alte Sherry-Reiferei mit 3 Tiefgeschossen. Gute Lagerbedingungen -  aber viel Arbeit, jede Palette durch den Schacht mit einer Seilwinde hochzuziehen.
Die Krefelder Straße war eine alte Sherry-Reiferei mit 3 Tiefgeschossen. Gute Lagerbedingungen - aber viel Arbeit, jede Palette durch den Schacht mit einer Seilwinde hochzuziehen.
Mitten in der Innenstadt wurden die zunehmenden LKW-Anlieferungen zum Störfaktor. Deshalb ...
Mitten in der Innenstadt wurden die zunehmenden LKW-Anlieferungen zum Störfaktor. Deshalb ...
... im Jahr 2000 eine nigelnagelneue Halle in Spich, superpraktisch und mit der S-Bahn hervorragend zu erreichen.
... im Jahr 2000 eine nigelnagelneue Halle in Spich, superpraktisch und mit der S-Bahn hervorragend zu erreichen.
Das Hochregallager wird aufgebaut -
Das Hochregallager wird aufgebaut -
und im September 2000 feierten wir die Einweihung. Was haben wir noch vor? Gerne noch 10 weitere Jahre Heuschrecke, so das Schicksal es will.
und im September 2000 feierten wir die Einweihung. Was haben wir noch vor? Gerne noch 10 weitere Jahre Heuschrecke, so das Schicksal es will.

Umsonst Baumblätter - 40 Jahre Heuschrecke - heute am 1.9.2017

 

Die Baumblätter: Ein Artikel aus der geheimen, erst jetzt entdeckten Heuschrecke-Chronik von Heinz-Dieter (Heidi) Gaspers Mutter. Wir schreiben das Jahr 1978 - ein Jahr Bioladen "Was die Bäume sagen" -  gegründet am 1.9.1977.

 

Ende der 80er entstand von dort aus die Firma Heuschrecke: Import, Großhandel und Herstellung für ein Spezialsortiment: Gewürze, Kräuter, Tee - und damals noch Wein.

 

 

Die Geschichte in Kürze: Heidi hat das Kollektiv "Was die Bäume sagen" am 1.9.1977 gegründet. Er hat von Anfang an nebenher Großhandel betrieben, wie die okzitanischen Weinimporte, und er hat auch im großen Stil Bio-Getreide für ein paar Bio-Bäckereien der Umgebung besorgt - mit dem Kipplaster seines Vaters, der ein Tiefbauunternehmen hatte (natürlich in Säcke verpackt).
Er hat mit vielen Lebensmittel alle damals schon existierenden Läden im Raum mitversorgt: Rapunzel-Sammeltransporte organisiert, Flocken (waren schon Bio), Trockenfrüchte und Nüsse (gab's noch nicht bio), Kräuter von Galke u.a. (damals noch konventionell, bio fing erst 83/84 an) und natürlich Tee.  Der erwähnte Teeimporteur ist Wolfgang Wilhem, mit dem wir ja auch heute noch zusammenarbeiten, und der wesentlich mit daran gewirkt hat, dass es aus alle relevanten Teeanbaugebieten auch Bio-Tee gibt.

Ende 1980 hat Heidi sich aus dem Bioladenkollektiv rausgezogen. Es war eine aufregende Zeit, das Stollwerk in Köln wurde gerade besetzt, kulturelle und sozial - gesellschaftspolitisch interessante neue Räume taten sich auf. Heidi ist in dieser Zeit Mitglied des Kölner Umweltinstituts Katalyse geworden, das kurz danach den Bestseller "Chemie in Lebensmitteln" veröffentlich hat (Heidi hat mit daran geschrieben). Weiteres: Mitarbeit in der ersten Bioladen Zeitung: Zopf, Gründung des Vorläufers des Opens external link in new windowBNN e.V., und Mit-Initiierung der ersten Biomesse 1983 (FKK - Frankfurter Körner Kongress, Vorläufer der heutigen Weltleitmesse Opens external link in new windowBioFach.
Er merkte, dass er nicht jeden Tag im Bioladen stehen wollte, sondern es einfach zu interessant war, neue Möglichkeiten zu erforschen - als Diplom-Volkswirt sozialwissenschaftlicher Richtung interessierte ihn alles, was in der "alternativen" Szene geschah. Eine Zeitlang reiste er durch die ganze Bundesrepublik und hat andere Projekte besucht.
Ende 1980/ Anfang 1981 hieß sein Import- und Großhandels-Unternehmen dann Heuschrecke.
Die ersten Jahre auf dem Hof und in der Halle seiner Eltern, ab 1986 in der Kölner Innenstadt an der Krefelder Str., ab 2000 dann hier in der Redcarstr. in Troisdorf-Spich .  1988 kam ich, Ursula Stübner, dazu, zuerst lange Jahre zuständig für die Weinabteilung, seit 2002 machen wir zusammen die Geschäftsleitung, jetzt - 2017 - leben und arbeiten wir schon mehr als ein Vierteljahrhundert zusammen. 18 weitere MitarbeiterInnen wirken heute mit daran (mahlen, mischen, füllen ab, verwalten, beraten, verkaufen etc.), dass unsere leckeren Gewürze, Kräuter und Tees in vielen Bioläden stehen, oder auch von anderen Naturkostherstellern weiterverarbeitet werden.



Soweit für jetzt.

 

Unser Neffe und Heuschrecke-Social-Media Journalist Joshua wird die nächsten 6 Tage das Jubiläum begleiten, uns ausfragen und dazu aus seiner Sicht bloggen, posten, twittern und instagramen. Für heute hat er das historische Dokument säuberlich ins Web getippt, bereinigt um etwa 700 Bindestriche, ergänzt um ein paar Dutzend Punkte. Der Charme der Einheit der Kleinbuchstaben wurde zur Leserlichkeit aufgebrochen. Es geht um allerlei spannende Themen, von denen man heute entweder nichts mehr versteht oder die heute noch genau so aktuell sind wie damals. Viel Spaß beim Lesen!

 

 


 


"Liebe KörnerfresserInnen, TeetrinkerInnen, Alternativlinge und Wasimmer Ihr auch sein möchtet.

 

Wir haben uns so gedacht, so regelmäßig - unregelmäßig was zu den Sachen zu schreiben, die uns so gerade beschäftigen und die wir Euch auch so sagen wollen: Keine Werbung soll das sein und wenn es so aussieht - dann beschwert euch - dann sind uns die Pferde durchgebrannt oder sowas ähnliches.

 

Ein Jahr sind wir alt - irre - gefeiert haben wir es nicht. Haben vor lauter Wiedereröffnungshektik nach dem Urlaub nicht feste gefeiert, sondern feste gearbeitet. Bilanz zieht man gern gern bei so einem Datum - aber das ist nicht so ganz einfach: Wir schreiben lieber wie es so im Moment aussieht!

Zu dritt sind wir: Der Heidi, die Karin und die Liesel und ganz schön viel helfen tun Brigitte, Gisela, Ingrid und Lilian (den Anderen, die nicht mehr dabei sind muss auch irgendwie gedacht werden, aber das ist immer ein bisschen schwierig, etwa so wie die Gründe, warum sie nicht mehr dabei sind. Puh! Aber wir hätten längst wieder mehr Magengeschwüren und schwarze Rändern unter den Augen, wenn es sie nicht gegeben hätte). Das sieht ein bisschen nach Frauenladen aus, aber das ist überhaupt nicht so. Der heidi ist, wie sich hier und da sicher schon rumgesprochen hat, ein Typ. Der schleppt die Säcke oder sitzt hinter dem Papierkram. Karin, Liesel und die Anderen wiegen ab und verkaufen - jaja die arbeitsteilung. Der Heidi will sich aber bemühen, seine Informationsmacht was loszuwerden.


Das Geld, Akt 1: Das Problem mit den Zulieferern


Zum Geld, viel ist es nicht: Drei kriegen jetzt nach einem Jahr erstmals je 500,- und haben das Essen frei. Die Anderen kriegen die Sachen billiger bzw. nehmen sich soviel, wie sie denken, dass sie geholfen haben. In Stundenlohn gerechnet ist die Arbeit äußerst alternativ hier: 250 bis 300 Stunden hat der Monat für die Drei, die immer da sind.


Wo dran das liegt, dass wir entgegen mancherlei Vermutungen nicht im Geld schwimmen? alle kleinen Lebensmittelgeschäfte haben es sehr schwer gegen Aldi, Kaisers und den Rest der Welt. Bei uns bestehen noch erheblich größere Probleme dadurch, dass wir alternativ beliefert werden. D.h. wir versuchen so weit es nur irgend möglich ist, bei Leuten einzukaufen, die ihre Großhändlerrolle nicht so auf die volle kapitalistische Art abziehen, sondern das auf eine alternative Art bringen (wie das nun zu definieren ist - fragt mich nicht - es hat viel mit dem Gefühl zu tun für die Leute mit denen man handelt).

Das Problem für den Laden ist dabei, dass es mit der Belieferung oft nicht so richtig klappt. Teilweise nur alle sechs Wochen und auch nicht immer alles was bestellt wurde. Aber dafür Sachen, die man nicht haben wollte mit verkehrten Rechnungen, usw. Alles oft ein bisschen flippig, mit wesentlich mehr Arbeitsaufwand.

Ein Beispiel, wo aber alles immer recht gut klappt, die auch schon viele Jahre das machen und von denen wir am meisten bekommen: Rapunzel in 8901 Tegernbach: Ein paar liebe Leute stellen die Nussmuse mit alten gebrauchten Bäckerei- und Metzgereimaschienen her und importieren viel Trockenobst und Nüsse und kennen einen Onkel, der den Honigmet macht. Was die so oft bringen ist nicht alles aus biologischem Anbau - die Sachen kommen oft aus der Türkei. Der Josef von Rapunzel fährt aber ab und zu hin und versucht mehr und mehr Einfluss auch auf den Anbau zu kriegen. Neu ist der Import von biologischen Trockenobst und sehr gutem Honig aus Israel. Nun schimpft nicht, wir sehen den Widerspruch! Aber das stammt aus einem großen Kibbuz mit 200 Erwachsenen und nochmal so vielen Kindern und die experimentieren mit biologischem Landbau.

Zum Boykott von Waren aus bestimmten Ländern: Da gibt es in Holland Verteilzentren für Biolebensmittel von Leuten gemacht wie wir. Und wir wollten da Sachen herhaben. Die haben gesagt: Nein, mit Westdeutschland handeln wir nicht mehr - Berufsverbote - 88a Zensur - Repression gegen Linke - Polizeistaat - neuer Faschismus - Hexenjagd auf Linkes.

Gut, nach mehreren Stunden Diskussion gab's dann eine Mehrheit im Kollektiv. Die wollten uns schließlich doch helfen. Aber irgendwie blieb die Ablehnung an jeder Ecke zu spüren.

Für uns ergibt sich daraus: Wenn das Kibbuz, wie der Josef sagt, okay ist, dann verkaufen wir biologisches Trockenobst aus Israel und ein garantiert naturreinen Orangenhonig, nicht erhitzt mit gutem Heilwert (niedriger HMF-Wert).

Aber zurück zum Geldproblem - Rapunzel und zwei andere "Großhändler" liefern alle 6-8 Wochen aus - mit dem schönsten Sattelschlepper(Regenbogen heißt er). Und da kommt dann jedes mal ein irrer Haufen Zeugs und das soll dann auch recht bald bezahlt werden. So wie das bei Denen ist, so wird das auch von Anderen gehandhabt. Wenn wir also immer Alles dahaben wollen - und da besteht Ihr ja so oft recht heftig drauf - dann brauchen wir ein riesen Lager und auch das entsprechende Geld was da drin rumliegt.


Interludium: Die okzitanischen Weine


Dann gibt's da noch die Geschichte mit dem okzitanischen Wein. Da wandern auch schon ständig ganze Bündel Geld in ein Weinlager. Warum? Na da muss ich wieder was ausholen und eine geschichte erzählen:

Okzitanien ist eine große Region in Südfrankreich, reicht vom Mittelmeer (Provence, Langedoc - hier kommt v.a. der wein her) entlang den Pyrenäen bis zu Atlantik. Seit dem 12. Jahrhundert vom Norden (paris) unterdrückt und unterentwickelt gehalten, setzen sich v.a. seit dem Mai 68 mehr und mehr Leute da unten für ihre Interessen, Sprache und Kultur ein, wehren sich gegen die Ausbeutung durch die Konzerne des Nordens, gegen die Emigration zu den Arbeitsplätzen im Norden, gegen Militärlager (Larzac), gegen Weingroßpanscher und "Wein"-Großimporteure, die ausländische Billig-"Weine" als Preisdruckmittel gegne die Winzer und ihre Genossenschaften einführen.

In Neu-Isenburg haben sich ein paar Leute zusammengesetzt, um darüber zu informieren. (Es gibt eine Broschüre dafür für 4,- und ein Buch vom Trikont-Verlag für 12,-) und verbinden das mit einem Verkauf von okzitanischen Weinen. Der wird direktimportiert, stammt von kleinen Winzergenossenschaften, denen der doppelte Preis für den Wein gezahlt wird, den sie von den Großhändlern erhalten. Die Qualitäten sind alle naturrein, ohne Zuckerzusätze, stammen jeweils von einer kleinen Kooperative und sind bis auf den „Lo Bartas“ herkömmlich gespritzt und geschwefelt worden.

Nur eben der „Lo Bartas“ ist schonender behandelt worden, weniger gespritzt und hat nur Fass-Schwefelung über sich ergehen lassen müssen. Z.T. stammt der Wein auch aus biologischem Anbau, aber das wird sich erst nach einiger Anlaufzeit erreichen lassen.

Das größte Problem für kleine Winzerkooperativen ist das Abfüllen des Weins in Flaschen, ein enormes finanzielles Risiko. Durch den Direktimport wird es den Winzern meist zum ersten mal möglich, nicht nur an Tankwagen zu liefern.

Was die Neu-Isenbruger organisiert haben, machen jetzt in verschiedenen Städten auch andere Gruppen und wir versuchen es demnächst auch - zusammen mit dem Matthias Knaden Makrobiotik in der Hans-Sachsstr. 21. Nur - und hier wieder das Geldproblem - Damit die Fracht nicht den Wein erheblich verteuern würde, müssen wir 20 t nehmen, das sind 12000 Flaschen Wein und das ist selbst, wenn wir einen regionalen Zwischenhandel mit anderen Ländern aufziehen wollen, sehr sehr viel. Das Geld, da vermutet ihr richtig, muss direkt bezahlt werden, damit der Wein überhaupt abgefüllt werden kann.

Wir haben im Augenblick mit "Unser Laden" Münster und anderen einen LKW geteilt - nur noch keine preise - sehr wahrscheinlich wird der Wein billiger!!)


Das Geld, Akt 2: Die Preise oder Doppelmoral, die gemeine Arbeit und die gemeinen Kunden


Nun was zu unseren Preisen: Die sind an der untersten Grenze kalkuliert. Ihr könnt das mit den Preisen in anderen Städten vergleichen. Für gute Qualitäten (also wenn ihr nicht gerade aus dem Aldi oder McDonalds leben wollt) und für kleine Läden gibt es keine andere Möglichkeit, als teurer zu sein (obwohl das überhaupt nicht für alle Waren stimmt!). Ihr könnt uns nicht mit irgendeinem Supermarkt vergleichen. Weder was Qualität, noch was Viertel-Tante-Emma-Überschaubarer-Kollektiver-Laden angeht. Ihr könnt nicht irgendwo links und/oder alternativ und/oder gesund sein wollen, was gegen AKWs haben und ohne erhebliche Widersprüche bei unseren und eEuren Feinden, nämlich den Nestles, Oetkers, Unilevers, Bayer-Fflanzenschützern, in deren Glas-Stahl-Beton-Neon-Kauffabriken einkaufen.


Für Leute mit echt wenig Geld: Es ist ein Problem - es ist irgendwo eine scheiß schizophrene Situation - auch für uns (man könnte an zweierlei Preise denken - nur der Verein gegen das Unwesen im Wettbewerb droht da mit ruinösen Strafen und Knebelverträgen). Auch wenn wir uns relativ unschuldig darin glauben - wir snd nämlich auch Leuten mit wenig Geld - kein vernünftiger Mensch würde für 2-3 Mark Stundenlohn arbeiten und das bei erheblichem Stress. (Übrigens ich schreib das hier schon den 2. Sonntagnachmittag, statt mich im Wald zu erholen!) Auch ihr seid an dem Stress schuld. Wenn ihr im Laden schon mal warten müsst, weil viele Leute drin sind und wir gerade uns hinten mal hingesetzt haben und was zu essen runterschlingen, dann denkt doch auch mal an Die, die euch hier was verkaufen und macht eurer Ungeduld etwas weniger Luft.

Der Rücken vom Heidi tut oft drücken, wenn er mehrere Tonnen Lieferung, vorzugsweise in 50kg Säcken durch die Gegend geschleppt hat (jaja ich weiß - ich bin ein toller Kerl - und jammere gern - aber ich muss mir auch mal was Luft machen!!). Und das ständige Rechnen und freundlich bleiben auch bei ausgefallenen Sonderwünschen und Beschwerden und Nörgeleien und sonstigen Flippereien unserer sehr veehrten Kundschaft. Und das Rumstehen den ganzen Tag, das stupide Abwiegen immer derselben Sachen - puh puh!!!!

Klar es ist irgendwo schön, so einen Laden zu machen. Aber eben je länger desto, mehr Routine und lohnen tut es sich nur, wenn wir fühlen, für wen wir das machen, denn für uns alleine lohnt es sich echt nicht.


Geld, Akt 3: Geldspartipps für Leute mit wirklich wenig Geld


Also für Leute mit wenig Geld: Obwohl bei uns sündhaft teuer (oft doppelt soviel wie auf den Märkten), ist es immer noch eine sehr billige Sache - braucht allerdings was mehr zeit für die Zubereitung - dazu ein paar Getreidekörner, was Gewürze und ein paar Hülsenfrüchte (experimentiert mal was mit Sojabohnen. Tofu ist irre. Das ist Sojakäse und dann gibt noch leckere "Leberwurst" aus Kichererbsen zu machen und all sowas - Rezepte könnt ihr bei uns kaufen! Werbung !!! Achtung lieber nicht kaufen Raffinierte Werbung !!). Dann nehmt müsli, mischt es euch selbst dann wirds billiger. Wir haben den Preis ziemlich pauschal berechnet, weil wir die Zutaten nicht immer genau abwiegen, und weil sieben verschiedene Leute an verschiedenen Tagen eben recht viel verschiedene launische Müsli-Mischungen auf Lager haben. Brot ist zum Teil teurer geworden, frisches Mehl kriegt ihr von uns, backt also selbst! Ich stell mir vor: Wer wenig Geld hat, hat viel mehr Zeit - stimmt das?? Außerdem macht es mehr Spaß, selbst was auszuprobieren. Kuchen und Plätzchen auch, v.a. wo es jetzt billiges Obst auch bei uns gibt.

Die ganzen Süßigkeiten wenn auch ohne miesen, weißen und braunen Zucker, sind doch genauso wie der Wein alles Törnmittel und eben Luxus, den wir (also ich auch) lieben. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, dann kann man nicht uns dafür verantwortlich machen, dass man/frau solche Süchte hat und schwer Geld dafür ausgeben muss - oder vielleicht doch, hm?


Das Geld, Akt 4: Mehr Leute mit Doppelmoral, was vom Geld übrig bleibt und Boykottaufrufe


Aber vollends sauer kann man werden, wenn Leute, die stangenweise paffen und/oder Deckel sich rund vollmalen lassen und dan noch bei uns meinen knausrig nachrechnen zu müssen, wie wir kalkulieren. Dann gibt‘s auch wirklich gewählt gekleidete (nicht einfach angezogene) Leute, die sich ihren Schick was haben kosten lassen. (Ich weiß ich bin nicht der Richtige, um dadrüber zu meckern. Ich lauf eben nun mal in den ältesten Klamotten rum und immer bis sie dringend Wäsche nötig haben) Aber ich meine, wer viel Wert darauf legt und das soll er/sie wirklich wollen, denn eigentlich guck ich gerne hin. Und wenn's auch noch bunt dann sind‘s ja fast Blumen und ich fänd's sehr langweilig wenn's alle so schludrig machen würden wie ich. Also nur Boutiquen und so kalkulieren mit mindestens 100% Aufschlag auf die Einkaufspreise und wir mit dem 50% und Kneipen glaub ich noch mehr als 100%.

Wo wir gerade dabei sind - hier unser Gewinn: Wir kaufen Sachen ein, ziehen die Mehrwertsteuer ab, schlagen 50% drauf und versuchen dann die Sachen loszuwerden, was auch meist gelingt. Wir verkaufen also zu 100% (Einkaufspreise) + 50% sind 150%. Wenn wir nun etwa 20000,- Umsatz im Monat haben (das sind jetzt die 150%) und rechnen unseren Wareneinsatz wieder zurück, dann ergeben die 33,3% des Umsatzes, die erst mal uns sind (Das ist alles was kompliziert. Aber nur, wenn man in der besagten Prozentrechnungszeit gerade krankgeschrieben war oder so: Beispiel 150,- Umsatz, 100,- Wareneinkäufe, Kosten(Mieten, Tüte, Schwund, LADENDIEBSTAHL, PFUI!) muss man prozentual zum Umsatz sehen. D.h. 50,- sind für uns und unsere Kosten und das sind eben 33,3333% vom Umsatz). Also von den 33,33% gehen jetzt alle Kosten ab(Miete, Tüte, schimmelige und mit kleinen Tierchen verfeinerte Qualitäten, die Niemand zu schätzen weiß, aufgeplatzte Säcke, das Auto z.T. Frachtraten mit 1,- per kg, Strom Telefon und dann die STEUER, die doch zu unserem aller Nutzen verwendet wird, Strahlende kleine AKWs, begeisterte Manöverkrieger mit vielen Spielzeugen und dann die ständig helfenden(wem?) Polizisten - Alles, um uns vor uns selbst zu schützen??

Ja, so ein Steuerboykott wäre schon eine Sache! Einfacher scheint uns da jedoch der STROMPREISBOYKOTT! D.h. 10% nicht zahlen sondern auf Sperrkonto, mindestens 200 Haushalte, Versicherungssystem für den Ernstfall (Klage der GEW). Also was ist, packen wir's an, rafft euch auf - die "Atomkraft - Nein danke"-Schilder kann ich nicht mehr sehen - es muss schon ein bisschen mehr dazukommen! Ich glaube, Sand im Getriebe schafft die größten und kompliziertesten Maschinen (zwar nicht ab..aber..)

Also weiter: Sollen sich die Leute echt die Lunge teeren, sich vollkiffen und volllaufen lassen/sich ausgefallen kleiden und sonst was machen. Wir sind keine Puristen oder Dogmatiken für oder gegen irgendwas, nur sollen eben die leute nicht das schwächste Glied in ihren Konsumgewohnheiten, nämlich den Einkauf bzw. den Nichteinkauf bei uns im Bioladen von unseren Preisen abhängig machen. Die Leute müssen sich eben für was entscheiden: Für genussvolles, verschwenderisches Genießen auf ein paar Gebieten und Fressen aus dem Aldi und der Pizzeria oder sich hier und da was beschränken und in Bioläden was kaufen (und das meinen alle 7 Bioläden in Köln und Umgebung - Adressen in der Stadtrevue. Wir sind nämlich schon der Größte, und wenn noch sehr viel mehr Leute bei uns kaufen, dann wird's eh immer ungemütlicher - weil immer voller - und außerdem liegen wir was regional verteilt!)

 

Interludium II: Der Pakt mit dem Matthes, der teuflische Zucker und der gute Honig

 

Noch was zu den Preisen und den anderen Läden: wir sind dabei mit dem Matthes Knaden eine gemeinsame Preisliste aufzustellen. Wir legen eh recht nah beieinander - nicht nur von der Entfernung - und wir haben fast die selben Sachen, helfen uns gegenseitig aus, wenn dem einen was ausgegangen ist, bestellen gemeinsam (Fracht billiger, Mengenrabatte - da sind auch die anderen Läden dran beteiligt oft bis nach Bonn, Aachen, Giessen. Aber eben mit dem Matthes kommen wir am besten aus, weil... eben so .. weiß auch nicht!)

Nun noch was zu einigen neuen Artikeln, alten und neuen Problemen. Wir haben jetzt sehr viel dunkleren, feuchteren Rohzucker aus Zuckerrohr, viel mehr Melasse drin. ABER Zucker bleibt scheiße - gewöhnt es euch ab: Weißer Zucker ist noch ein bisschen schlechter als der helle Rohrohrzucker und der ist ein bisschen schlechter als der Melassenrohrohrzucker - aber der ist ... auch schlimm.

Honig ist besser - aber auch nur in Maßen!

Zum Honig: die Qualitäten, die wir im Augenblick haben, sind nicht die besten - das ergibt sich schon aus den Preisen. Wir wollen jetzt alternativ zu den Überseehonigen auch deutschen Imkerhonige dazunehmen, die hohe Heilwerte haben und auch behalten, sofern sie nicht zu alt werden, kühl gelagert, nicht verbacken werden und nicht in den heißen Tee getan werden. Im Moment sind, wie uns versichert wird, der Mexico Honig und der Orangenhonig aus Israel das beste für Honigkuren. Hier sind die Fermente noch weitgehend erhalten (der beste Honig ist immer in verschlossenen Waben und den holt man sich am besten direkt beim Imker, da kommen wir nicht dran und so frisch kriegt ihr ihn sonst nirgends). Es gibt eine Methode zur Analyse des Heilwertes von Honig - die Ermittlung des HMF-Wertes. Das ist ein bestimmtes Molekül, das nur entsteht wenn der Honig zu warm gelagert, erhitzt(und so) worden ist. Man/Frau geht dann davon aus, dass bei vielen Molekülen in einer bestimmten Menge, die wesentlichen Heilstoffe (v.a. Fermente und Zuckerspaltungseigenschaften) futsch sind. Welcher Chemiker mit Labor kann uns mal bei so einer Analyse helfen? Versuchsanordnung haben wir. Wer weiß mehr - bitte melden!

 

 

Interludium III: Der schwefelige Wein

 

Die zweite Sache um die wir uns im Moment kümmern, ist die Qualität des Weins. Nicht was du denkst - ständig probieren - jede Flasche und so! Nein - mehr chemisch - ehrlich!!

Es scheint sehr schwer zu sein, Wein wirklich biologisch herstellen zu wollen. Der Wein ist eine Monokultur und hochgezüchtet und hat verheerende Schädlinge. Damit er haltbar ist, muss er wahrscheinlich immer was an schwefeliger Säure erhalten, Aber richtig durchblicken tun wir noch nicht. Es fehlen noch hundert Seiten Material dazu. Aber man/frau kann davon ausgehen, dass sich vor allem der Anteil an schwefeliger Säure (SO2) mit gutem Willen, sauberem Traubenmaterial und kurzfristiger Lagerdauer (höchsten 1 Jahr, stark geschwefelter Wein schmeckt erst nach 1-2 jahren). V.a. deutsche Weine sind mit Vorsicht zu genießen, oder besser die Weintrinker desselben, die ihn gerne süß mögen. Das ist nämlich bei Sonneneinstrahlung hierzulande nur mit durchschnittlich 300mg/l SO2 zu erreichen, wobei die FAO davon ausgeht (Weltgesundheitsorganisation oder so), dass 20mg/Tag pro Person, die Grenze des Unschädlichen sind. Oder anders ausgedrückt:  Wenn Rosinen 20mg/kg SO2 (zulässige Höchstmenge) enthalten, müssen sie als stark geschwefelt ausgezeichnet werden. Der mit 300mg/l SO2 ausgezeichnete Wein (nein, da muss nicht drauf stehen) bräuchte wohl entsprechend ein Totenkopfzeichen und giftig wäre der richtige Ausdruck. Der dicke Kopf am morgen ist also nicht nur eine leichte Alkoholvergiftung, sondern v.a. eine Vergiftung mit schwefeliger Säure - Prost. Äh ja, also, was ich noch sagen wollte, versichert, dass absolut keine Spritzmittel auf die Trauben kommen und kein Schwefel in den Wein, wir uns nur vom Charles (C&S Importers, München), dass dies bei 2 Sorten so ist. Beim okzitanischen Wein vergiften wir uns also solidarisch oder so - beim "Lo Bartas" ein bisschen weniger. Und dann demnächst immer noch ein bisschen weniger, weil da vom Christian, dem Winzer mehr drauf geachtet werden soll.

Also auf dem Wein-Gebiet brauchen wir noch kräftige Unterstützung von lebensmittelchemischer Seite - aber billig wenn's geht!

Also wir sind keine Spezialisten, sondern plappern einfach nach, was Solche von sich geben, sofern sie recht vertrauenserweckend sind. Also nicht bös sein, wenn's zu sehr falsch sein sollte. Mir können auch umdenken - bitte melden - damit was dabei rauskommt, dass wir uns soviel Mühe geben.

 

Der Preis, letzter Akt: Läuft gut, bitte mehr!


Zu den hohen Gemüsepreisen: Die kommen zustande, weil der Bauer Bursch in Waldorf bei Bornheim für sein biolog.-organ. Gemüse, was ihm sehr viel Arbeit macht, viel haben will. Mit den Landkommunen aus der Umgebung läuft es zwar schon ein bisschen besser - aber immer noch sehr flippig. Viel ist im Frühlig versprochen worden, aber es ist halt alles nicht so einfach. Und so eine Verbindlichkeit kostet viel Kraft. Wer immer das liest und will uns was vorbeibringen und der sicher ist, dass er nicht gespritzt oder künstlich-chemisch gedüngt hat, der soll mit einem/einer von uns sprechen. Meist können wir was abnehmen. Im moment sieht es ganz gut mit dem Gemüseverkauf aus, wir werden fast doppelt soviel los wie noch vor den Sommerferien und dann gehen auch die Preise ein bisschen runter. Das Risiko für uns ist recht hoch, dass was liegenbleibt und vergammelt. Deshalb wäre es gut, ihr würdet vorbestellen, aber bitte nur wenn ihr es euch auch abholt! Sonst haben wir wieder den (vergammelten) Salat. Frisches Gemüse gibt es freitags und montags jeweils so gegen 16 uhr nachmittags und zwischendurch schonmal sehr flippig von besagten Landkommunen.

 

La Fin

 

Ein paar von den Sachen, die uns so einfielen, haben wir hier aufzuschreiben versucht! Ah! Was vergessen! Über den schwarzen Tee wär noch was zu sagen: Einkaufen tun wir ihn bei einem von den alternativen Großhändlern. Wir kommen ziemlich gut mit ihm aus, fahren den Tee immer selbst in Eich bei Worms holen und reden und probieren dann immer was. Die neue Teepreisliste kommt wohl mit diesem Schreib zusammen heraus, neue Preise gibt's wenig. Nur alle 111 Sorten (hui) sind drauf - nicht mit Allen sind wir sehr glücklich - v.a. die parfüm  - äh - aromatisierten Sorten mag keiner so recht von uns. Aber weil wir's angefangen haben (und damals haben wir die noch getrunken) machen wir's halt weiter. Diese Sorten sind jetzt danach zu unterscheiden, ob es natürliche Extrakte der Pflanze oder chemisch-künstliche Nachbildungen sind. Die letzteren lassen sich nicht vermeiden, weil es die Düfte in der natürlichen Umgebung einfach nicht gibt. Es lassen sich nur die Teesorten vermeiden! Zu den traditionellen schwarzen Tees bleibt zu sagen: Wir trinken so einmal die Woche ein kleines Kännchen, aber jeder soll es halten, wie er will. Besser als Kaffee ist Tee allemal oder wenigstens gemütlicher, hm! Mehr geht nicht drauf, mehr geht nicht drauf....

Heidi, Karin, Liesel, dem Winter entgegen."

 

Für heute grüßen: Heinz - Dieter Gasper und Ursula Stübner, und 18 weitere Heuschrecken aus Spich

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Darjeeling streikt für Autonomie

Notwendiger Wandel für Darjeelings Teegärten - Kleinbauernkooperativen entstehen

Eine magische Brücke führt in die Region Mineral Spring in den Bergen Darjeelings
Eine magische Brücke führt in die Region Mineral Spring in den Bergen Darjeelings

Die Teeregion Mineral Spring - Sitz der Dorfkooperative Sanjukta Vikas. Wir vermarkten ihren Tee in unserem Darjeeling Springtime!
Die Teeregion Mineral Spring - Sitz der Dorfkooperative Sanjukta Vikas. Wir vermarkten ihren Tee in unserem Darjeeling Springtime!


Präsident der Kooperative Puram Tamang und seine Frau
Präsident der Kooperative Puram Tamang und seine Frau
Viele junge Teebauern dabei -
Viele junge Teebauern dabei -
Konferenz der Kooperativen-Mitglieder bei unserem Besuch
Konferenz der Kooperativen-Mitglieder bei unserem Besuch
Im Hintergrund Dokumentenverwaltung für die Bio-Zertifizierung
Im Hintergrund Dokumentenverwaltung für die Bio-Zertifizierung
Lageplan
Lageplan
Gruppenbild ...
Gruppenbild ...
... und Nachwuchs
... und Nachwuchs
Typische Wohnhäuser in den Bergen
Typische Wohnhäuser in den Bergen
Schmackhafte indisch-nepalische Küche
Schmackhafte indisch-nepalische Küche
Kein Ufo, sondern Bittercurd-Gemüse (Kürbisart)
Kein Ufo, sondern Bittercurd-Gemüse (Kürbisart)

Junge Teepflanzen
Junge Teepflanzen
Ingwer - Anbau, damit es weitere Standbeine außer Tee gibt
Ingwer - Anbau, damit es weitere Standbeine außer Tee gibt
Der Selimbong - Teegarten, bio.
Der Selimbong - Teegarten, bio.
Hier wird der frisch geerntete Mineral-Spring Darjeeling
Hier wird der frisch geerntete Mineral-Spring Darjeeling weiterverarbeitet

weiterverarbeitet, ...
... separat als Kleinbauerntee.
... separat als Kleinbauerntee.
Der Roller ist ein Herzstück in der Teefabrik.
Der Roller ist ein Herzstück in der Teefabrik.
Hier steckt viel Know How drin - wielange, mit welchem Druck und Temperatur die fermentierenden Teeblätter gerollt werden.
Hier steckt viel Know How drin - wielange, mit welchem Druck und Temperatur die fermentierenden Teeblätter gerollt werden.
Teeverkostung
Teeverkostung
Teepflückerinnen ...
Teepflückerinnen ...
auf dem Weg zur Teefabrik, um die gepflückten Two leafs and a bud abzuliefern. Sie werden gewogen und ihnen in ihrem Büchlein gutgeschrieben.
auf dem Weg zur Teefabrik, um die gepflückten Two leafs and a bud abzuliefern. Sie werden gewogen und ihnen in ihrem Büchlein gutgeschrieben.
Die TeemitarbeiterInnen der Fabrik.
Die TeemitarbeiterInnen der Fabrik.
Selimbong ist Demeter-zertifiziert und stellt seine Präparate selbst her - doch das wird nochmal eine eigene Geschichte ...



Juni 2017: Die Autonomie-Bewegung der Nepali-stämmigen Bevölkerung (Gorkha Movement) hat in Darjeeling zum Generalstreik aufgerufen. Auch die Teefabriken stehen schon seit Wochen still, second Flush bleibt auf den Feldern, sowie auch die darauf folgenden Ernten. Keine Exporte gehen mehr raus aus Darjeeling in 2017.


Kurz zur Geschichte: Als die Briten Mitte des 19. Jahrhunderts den Teeanbau in Darjeeling begannen, warben sie in diesem sehr dünn besiedelten Teil Indiens ArbeiterInnen aus Nepal an. Darjeeling ist deshalb tatsächlich heute überwiegend in Sprache und Kultur nepalisch geprägt. Und wehrt sich gegen eine zu starke Assimilierung in den Bundesstaat West-Bengal. Es brodelte schon lange unter der jungen Gorkha-"Kriegern" mit ihrer stolzen Tradition, die im Vielvölkerstaat West-Bengal (noch von den Briten konzipiert) die Verlierer sind.


Ein klassischer Darjeeling-Teegarten ernährt bis zu 8000 Personen in den umliegenden Dörfern, und die Beziehung zwischen den TeearbeiterInnen und den damals britisch geführten Teefarmen war fürsorglich-eng angelegt. Nach Abzug der Briten und Übernahme durch indische Leitungen funktionierten die Mechanismen nicht mehr, die Teegärten verarmten, und damit auch die umliegende Bevölkerung. Dringende Modernisierungsmaßnahmen, sei es in den Fabriken oder in den Häusern der DorfbewohnerInnen, blieben aus. Erschwerend ist, dass auf dem Weltmarkt für die edlen Darjeelingtees schon seit vielen Jahren nicht die Preise erzielt werden können, die benötigt werden. Zur Verdeutlichung: Auf den steilen Berglagen werden nur ca. 750kg Tee/ha erzeugt, im flachen Assam dagegen ca. 3000kg/ha - ein Verhältnis wie zwischen Bourgogne-Crus und Languedoc-Landwein - auch von der Qualität her. Anders als dort gelingt es bei Darjeelingtee nicht, entsprechende Preise durchzusetzen.


Als Außenstehender wünscht man sich einerseits, dass die schöne britische Teegarten-Kultur erhalten bleibt, sieht jedoch auch die dringende Notwendigkeit, den kolonialen Charakter in gerechtere Wirtschaftsformen überzuführen.


Die Frage ist, ob die fortschreitende Konzentration der Darjeelingfarmen in den Händen weniger, außerhalb Darjeelings lebender und nicht unbedingt nachhaltig wirtschaftender Besitzer die Teeregion weiter ruiniert: ausbleibende Reformen für die aktuell noch im Patronatsverhältnis lebenden ArbeiterInnen, z.B. Lösungen für zeitgemäße Sozial- und Rentenleistungen. Sowie Bildung. Eine aufmüpfige junge Generation stellt ihre Forderungen und scheint bereit, einiges abzufackeln: Ist die Zentralverwaltung in Delhi gewillt, wenigstens Darjeeling als Unions-Territorium anzuerkennen, wenn schon nicht der Status eines Bundeslandes erreicht werden kann? Der Traum Darjeelings ist, ein Bundestaat innerhalb der indischen Union zu werden wie das nördlich gelegene Sikkim, das auch nicht größer ist als Darjeeling ( Sikkim ist übrigens 100% Bio. Es gibt dort keine konventionelle Landwirtschaft mehr!). Stattdessen versucht West Bengal provokativ, Nepali als Schulsprache zu verbieten laut Medien ...


Aber auch die fehlende Werterzielung bzw. fehlender Konsens über kostendeckende Preise, die Instandhaltung und innovative Investitionen berücksichtigen, gehört zu den Konfliktursachen. Nur wenn der hochwertigste Tee Indiens seinen Preis erzielt, wird es die Teeregion Darjeeling auch noch in 10 Jahren geben.


Ein schöner Erfolg ist, dass nach den großen Unglücken der 90er durch Bodenerosion nach der langen Monokultur (ganze Hänge rutschten über Nacht ab), nun der größere Teil der Teegärten biologisch bewirtschaftet wird. Eine andere zukunftsweisende Entwicklung ist, dass sich selbstständige Dorfkooperativen gründen, aufgegebene Teepflanzungen wiederbewirtschaften, evtl. zusammen mit einem sanften Tourismuskonzept. Diese Dorfkooperativen arbeiten partnerschaftlich mit bekannten Bio-Teegärten zusammen, die den Kleinbauerntee separat verarbeiten und vermarkten - eine win-win-Situation.

 

Beispiel: Mineral Spring ...  (siehe Fotos)

Diese Dorf-Kooperative bewirtschaftet in unzugänglichen Gebieten alte, aufgegebene Teepflanzen:
Die Kleinbauern der Dörfer Harsing, Dabaipani und Yankhoo östlich der Stadt Darjeeling hatten begonnen, nach Abzug der Briten in den 50iger Jahren die aufgegebenen Teefelder wieder zu bearbeiten. Zuerst illegal, um den sehr kargen Lebensunterhalt mit etwas Tee-Ernte und Holzrodung aufzubessern.


In den 80igern wurde die Landnutzung mithilfe einer NGO legalisiert. Ende der 90iger erfolgte die Gründung der Kooperative Sanjukta Vikas mit 264 Familien in Mineral Spring. Mit dem Kontakt zu TPI (Tea-Promoters India, einem wichtigen Partner von uns für Bio-Tee) wurde der Teeanbau professionell, mit sehr guten Qualitäten, die schon prämiert wurden. TPI garantiert eine feste Abnahme der nun bio-zertifizierten Teeblätter und verarbeitet sie im Bio-Darjeeling-Teegarten Selimbong, getrennt als Mineral Spring Darjeeling.

 

Heute sind 11 Dörfer mit ca. 465 Familien beteiligt. Im Jahr 2014 haben wir die Kooperative in der magisch anmutenden Landschaft besucht.


Unser Darjeeling Springtime beinhaltet seit Ende 2016 eine schöne 1.Flush-Qualität von Mineral Spring. Im politisch fragilen Darjeeling mit vielen verschleppten postkolonialen Problemen ist die Zusammenarbeit von selbständigen Kleinbauerngruppen und Bio-Teeplantagen, wie es TPI unterstützt, eine echte Win-Win-Situation. Wir wünschen uns natürlich, dass unsere Kleinbauerntees guten Anklang finden (wie auch die Nepal-Tees, oder unsere Aroma-Schwarztees mit dem Basistee von den Sahyadri Farmers in Kerala).

 




Der Streik kann - bis die Teeproduktion wieder anrollt, die Felder erst mal von den sprießenden Beikräutern gereinigt worden sind (die Natur ruht nicht während des Streiks) - dazu genutzt werden, Kooperativentee von Mineral Spring, oder den Darjeeling-ähnlichen Tee von der nepalischen Genossenschaft Kanchanjangha Tea Estate kennenzulernen.

Darjeelingtee-Engpässe wird es aber erst ab September 2018 geben; dann auch unvermeidliche größere Preiserhöhungen. Bis dahin haben wir Kontrakte über Tee, der schon in Bremen liegt.

 

 

Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

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Tags: darjeeling, bio-tee, kleinbauern-kooperativen, teegärten, briten, indien, nepali, gorkha, mineral spring
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Biobauern versus Agroindustrie

Froh sein über jeden Biobauer ...

Wildsammlungsprojekt Terra Magnifica, Kroatien: Holunder-Sammlung
Hagebutten
Berberitzen
Kornblumenblüten: pink - red - blue
Bergbohnenkraut
Salbei
Bärlauch
Sammlerinnen
Wacholder
Wasserminze
Gründer von Terra Magnifica Roman Turk, Blütenbauer Drago, Heuschrecke-Gründer Heinz-Dieter Gasper

 

... aber das mit der Rückstandsfreiheit ist in den letzten 40 Jahren von der Landwirtschaftspolitik weltweit vermasselt worden.

 

 

Die Revision der EU-Bio-Verordnung steht nun bevor. In unserem Blog haben wir schon öfter darüber berichtet, warum Bio nicht automatisch Rückstandsfreiheit heißen kann. Seit einigen Jahre beobachten wir eine dramatische Zunahme des Pestizid-Grundrauschens in der Umwelt aus der konventionellen Landwirtschaft. So gab es letztes Jahr und auch bisher in diesem Jahr zum Beispiel keine Ernten aus biozertifizierter Wildsammlung für Schachtelhalm, Löwenzahn und Klatschmohn aufgrund hoher Glyphosatkontaminanationen aus Grundwasser und Luft. Brennnessel, Kamille und viele weitere unserer traditionellen Kräuter könnten folgen. In Übersee-Ländern gibt es dieselbe Problematik für Bio-Kleinbauern, sei es aus behördlichen Spritzungen zur Malariabekämpfung oder aus Intensivanbau von Baumwolle etc.

 


Im folgenden nun die Presseerklärung unseres Branchenverbandes Bundesverband Naturkost Naturwaren zur neuen EU-Öko-Verordnung, mit einem Einschub von uns zur besonderen Situation von Kräutern, Gewürzen und Tee.

 

 

 


 

 

 

BNN: Trilog-Kompromiss zur EU-Öko-Verordnung nicht akzeptabel

So nicht – sonst endet Bio in der Nische

 


Der in Brüssel abgestimmte Entwurf für eine neue EU-Öko-Verordnung hat das Potenzial, das auch von der Bundesregierung gewünschte Wachstum des Biomarkts auszubremsen. Positiv zu vermerken ist, dass der „Bio-Grenzwert“ vom Tisch ist. Allerdings wurden stattdessen in Artikel 20 Regelungen aufgenommen, die bei kleinsten Spuren von bei Bio unerlaubten Stoffen sowohl von Unternehmen als auch Kontrollstellen und -behörden eine lange Reihe von überzogenen Maßnahmen fordern.

 

„Es wird weiter ignoriert, dass Spurenfunde auch bei Bio möglich sind, solange großflächig Ackergifte eingesetzt werden“, kritisiert BNN-Geschäftsführerin Elke Röder. Das führe zu einer Flut an sinnlosen Untersuchungen, unangemessenen Warensperrungen und blockiere vor allem die notwendigen Kontrollkapazitäten für echte Betrugsfälle. „Am Ende könnte der Dokumentations-und Kontrollaufwand Landwirte von der Umstellung auf Bio abschrecken“, warnt Röder.


Ein Fachgutachten im Auftrag des BNN zeigt, dass Jahr für Jahr auf jedem Quadratkilometer landwirtschaftlicher Fläche im Schnitt 258 Kilogramm Agrochemikalien eingesetzt werden. Am Beispiel von konventionellem Weichweizen lässt sich beziffern, dass pro Kilogramm konventionellem Lebensmittel 452 Milligramm Pestizide zum Einsatz kommen. „Ausgerechnet Bio-Landwirte und Bio-Verarbeiter, die chemisch-synthetische Pestizide nicht einsetzen und ablehnen, werden für Rückstände aus der konventionellen Landwirtschaft verantwortlich gemacht“, stellt Röder fest. „Wir können nur immer wieder betonen: Bio-Anbau kann nicht unter der Glasglocke stattfinden.“

 

Trotz des weitverbreiteten Einsatzes von Ackergiften in der konventionellen Landwirtschaft ist die Belastung von Bio-Produkten im Schnitt um den Faktor 100 niedriger als bei konventionellen. Das zeigen zum Beispiel die Analysen des staatlichen Ökomonitorings in Baden-Württemberg und die Ergebnisse aus dem BNN-Monitoring für Obst und Gemüse.
„Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt darf dem Trilog-Kompromiss nicht zustimmen und muss darauf drängen, dass Artikel 20 praxisnah gestaltet wird“, fordert BNN-Geschäftsführerin Elke Röder. Außerdem sei es entscheidend, den Pestizideinsatz in der EU zu verringern.

 

 

  • Pestizid-Grundrauschen - Als Importeur, der gut vernetzt mit Anbauern und Kollegen ist, bekommen wir das steigende Grundrauschen an Pestiziden und Umweltkontaminanten bei Bio-Rohstoffen bedrohlich hautnah mit.
    Der Aufwand, Bio-Ware mit unverschuldeten Kontaminationen für den Bio-Markt zu retten (und um die uns bekannten Bio-Bauern zu schützen, was für Importeure auch eine nicht zu unterschätzende Pflichtaufgabe ist), wird immer aufwändiger und riskanter.

    Die Opens external link in new windowBNN-Orientierungswerte, die noch am ehesten die Realität abbilden und auch jeweils wegen neuer Erkenntnisse angepasst werden, verlieren jetzt schon ihre Akzeptanz bei den Landesbehörden. Die vorgesehene Meldepflicht der neuen EU-Öko-Gesetzgebung wird keinen Raum mehr lassen - selbst Kontaminationsspuren gerade an der Messgrenze können zur Sperrung und Dezertifizierung führen.


    Das bringt die Produktgruppen Kräutern, Gewürzen und Tee in eine besondere Situation, da sie zum großen Teil als Schadstoffsammler fungieren (Boden-Reinigungskräfte, eben Detox), und durch die Trocknung eine relative Anreicherung zu höheren Werten führt (hier auch Trockenfrüchte). Aussicht: eine wachsende Anzahl von Wildsammlungs-(Heil-)Kräuter wird es nur noch begrenzt oder gar nicht in Bio-Qualität geben (Acker-Schachtelhalm, Löwenzahn, Brennnessel, Sauerampfer usw.); Tendenz: jährlich steigende Belastung, es müssen neue Sammlungsgebiete weit abseits konventioneller Landwirtschaft, weitab von Bächen, Flüsse und Gewässern getestet werden usw.. 
    Wie also umgehen mit Kontaminationsbelastungen? Das Wichtigste schützen: unsere Bio-Bauern und -Bäuerinnen, die selbst keine Pestizide
    in die Umwelt geben.

 


Den Videoclip #EndlichVerständlich „Warum Pestizide im Ökolandbau zum Problem werden können, obwohl sie nicht eingesetzt werden“ mit Kirsten Arp, Leiterin des BNN-Monitorings für Obst und Gemüse, finden Sie Opens external link in new windowhier.


Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. │ Katja Niedzwezky

 

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V. vertritt die Unternehmen der Naturkost- und Naturwarenbranche. Der Verband verabschiedet besondere Qualitätsrichtlinien für den Naturkost-Fachhandel (aktuell über 400 Verkaufsstellen), die über die gesetzlichen Anforderungen für Bio-Produkte hinausgehen. Die BNN-Mitgliedsunternehmen beschäftigen insgesamt rund 18.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter über 1.000 Auszubildende. Der Naturkost-Facheinzelhandel erzielte 2016 in Deutschland ein Umsatzvolumen von 3,21 Milliarden Euro mit Bio-Lebensmitteln und Naturkosmetik.

 




Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

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Tags: eu-bio-revision, bnn, eu-öko-verordnung, eu-trilog-kommission, ofis-datenbank
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