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Heilige des Monats Juli: Maria Magdalena
22. Juli: Maria Magdalena
Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).
Festtag: 22. Juli
Patronin der Frauen insgesamt, im Besonderen der reuigen Sünderinnen; der Kinder, die schwer gehen lernen; der Friseurinnen und Kosmetikerinnen, der Parfümhersteller; der Schüler und Studenten
In den 1980er Jahren sang Sandra "I´ll never be Maria Magdalena", ich werde nie zur Maria von Magdala. Irgendwie ging's um wilde Leidenschaft, und sie wollte nichts bereuen müssen. Anders als die Maria Magdalena jedenfalls.
Die andere Seite sind dann die Keuschen, die der Fleischeslust fern stehen. Die wollen auch nicht wie Maria Magdalena sein.
Maria Magdalena war immer eine Heilige für uns normale Menschen in der Mitte: der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Einerseits bejahen wir das Gute und sehnen uns danach, andererseits sitzt uns das Teufelchen auf der linken Schulter und flüstert uns was ...
Und sie, die junge Frau aus Magdala im Norden Israels, hatte diesen Widerspruch sozusagen körperlich zu leben.
Die Legende setzt sie mit der namenlosen reuigen Prostituierten gleich, die Jesus bei einem Essen (bei dem man damals ja lag) mit ihren Tränen die Füße wusch und diese dann salbte.
Im Musical "Jesus Christ Superstar" singt sie "I don´t know how to love him", wie soll ich ihn nur lieben. Von ganzem Herzen - oder doch mit dem ganzen Körper - und wie schön wäre es, wenn beides ginge !!
Die Evangelien sehen sie, die Jesus aus einer inneren Krise gerettet hatte (damals hieß das "böse Geister austreiben"), immer treu an seiner Seite - auch in den fürchterlichen Todesstunden, als fast alle anderen weg waren, auch am Grab, als er ihr als erster von allen auferstanden erschien. Und da sagt er zu ihr "noli me tangere", berühre mich nicht !
Die ältere Kunst stellt Maria Magdalena oft verzweifelt am Fuß des Kreuzes dar: alle Träume geplatzt, der eine Gute stirbt unter schrecklichen Qualen, die alltäglichen Mitläufer und die alltäglichen Verbrecher bleiben übrig, Schweinewirtschaft, wie so oft, der Lauf der Welt. Das malt überwältigend der Künstler des Kreuzaltars im Kölner Wallraf-Richartz-Museum: unbedingt anschauen !
Neuere Romane versuchen, die dem Mittelalter eigene fromme Freude an schönen Legenden durch wilde Räuberpistolen zu toppen, in denen Maria Magdalena mit Jesus einen ganzen Kindergarten zeugt und den Babybrei im Heiligen Gral serviert. Wer´s mag, nun denn.
Die Kern-Botschaft der echten Maria ist knackiger: eine Frau in einer Männerwelt hat Probleme, verkriecht sich aber nicht, sondern formuliert sie und teilt sie mit dem Menschen, dem sie vertraut. Sie hat den Mut, ihre Liebe zu leben und den Menschen zu unterstützen, der die Liebe predigt und der ihre Unterstützung braucht (denn Feinde hat er schon mehr als genug). Das Geschwätz der Leute interessiert sie nicht, sie macht´s einfach. Klasse, find ich gut.
P.S. 1: Reue befreit, gibt Power für radikale Neuanfänge. Keine Panik vor dem Spiegelbild, dem Alleinsein - man kann sich eh nicht davonlaufen. Unsere Bibelhelden gingen zum Turnaround in die Wüste, Rheinisch-Katholische können beichten (sehr altmodisch, very cool), allen tut das Pilgern gut (Hape !). Oder einfach ein paar Tage allein in die Dünen setzen. Klappt alles, versprochen, nur nicht bange sein - "uns trennt nichts vom Paradies, außer unsrer Angst".
P.S. 2: Wallraf-Richartz-Museum (
http://www.wallraf.museum/ ) nicht vergessen, kostet ja nicht die Welt - und donnerstags ist bis 22 Uhr auf: passt eigentlich immer.

Peter Kirwel
Heiliger des Monats Juni: Das Fest Fronleichman
Juni: Das Fest Fronleichnam
Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).
Festtag: abhängig vom Ostertermin zwischen dem 21.05. und dem 24.06.
Vielen Menschen ist der Sinn des Festes Fronleichnam heute nicht mehr zugänglich. Am Feiertag selbst registriert man eventuell noch die Folklore, aber der Unterschied zum örtlichen Standard-Schützenvereins-Umzug erschließt sich nicht mehr so ohne weiteres.
Es gibt ältere Feste. Fronleichnam, die altdeutsche Übersetzung von Corpus Christi, wie der Tag in England immer noch heißt, kam erst in der Ritterzeit auf, im 13. Jahrhundert. Zunächst feierte man es in den Ardennen, in Lüttich - und als dann ein Lütticher Erzdiakon Papst wurde, führte er das Fest allgemein ein. Das hätte auch ein Flop werden können, aber es wurde ein ungeheurer, bis heute andauernder Erfolg. Weltweit ist Fronleichnam der Tag, an dem Katholiken auf die Straße gehen.
Das 13. Jahrhundert sieht eine Blüte der Innerlichkeit, der Mystik, des persönlichen Gebetes, der direkten Begegnung mit Gott. Man ist nun aus dem finstersten Mittelalter heraus, die Städte wachsen und gedeihen, man strebt ganz allgemein zu Höherem - was man sogar der seinerzeit entworfenen Architektur ansieht: Kölner Dom etc.
Wo aber kann man Gott unmittelbarer erleben als im gewandelten Brot ? Die Menschen sind ganz begeistert, richtiggehend hin und weg vom Sakrament der Eucharistie.
An der ersten Berliner Love Parade nahmen 150 Raver teil, kurz darauf waren es Millionen. So in etwa muss man sich den Erfolg des Festes Fronleichnam vorstellen: nur dass hier nicht der eigene Körper vergöttert und mit Drogen "verwöhnt" wird, sondern Gott kommt hier zu den Menschen, zieht durch ihre Straßen, kommt in der am Festtag empfangenen Kommunion in ihre Körper.
Eine globale Love Parade mit Reizen für alle Sinne: Musik, Lieder, Weihrauch, Blumen - und ER, die Liebe selbst, im Brot der vom Priester getragenen Hostie.
Wo sich die Geister dann natürlich fein säuberlich scheiden, da hilft Ökumene auch nicht weiter - oder wie ein Protestant einmal formulierte: "Könnte ich an die katholische Abendmahlslehre glauben, käme ich von den Knien nicht mehr hoch." Könnte - tscha.
Es ist ein Fest für Katholiken, da beißt keine Maus einen Faden ab - ein schön verrücktes und intensives Fest.
Und wenn´s regnet ? In unserem kleinen Eifeldörfchen gehen wir, auch wenn es aus Eimern schüttet - Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass Gott nass werden könnte ?

Peter Kirwel
Heiliger des Monats Mai: Hermann Joseph
Mai: Hermann Joseph, Schutzpatron der Uhrmacher, Mechaniker und Obstbauern
Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).
Festtag: 21.05.
"Street Credibility", am besten schlicht mit Glaubwürdigkeit übersetzt, ist das, wofür nicht wenige Künstler, aber auch so mancher Politiker und Medienstar seine Seele verpfänden würde. Hat man sie, gehen die Leute mit einem durch dick und dünn - hat man sie nicht, bleibt man ein Papiertiger.
Glaubwürdigkeit gründet sich darauf, daß man das lebt, was man sagt.
Hermann wurde fast 100 Jahre vor der Grundsteinlegung des jetzigen Kölner Doms um 1150 geboren. Seine Eltern waren verarmte Kölner Bürger, die ihrem begabten Sohn trotzdem den damals noch ganz ungewöhnlichen Schulbesuch ermöglichten. Außerdem lernt er irgendwann das Handwerk des Uhrmachers - diese riesengroßen, handgeschmiedeten Ungetüme von Turmuhren waren damals der letzte Schrei. Er hätte in diesem stark nachgefragten Mode-Beruf ein gutes Auskommen haben können. Statt dessen wird er Mönch, in Steinfeld in der Eifel.
Kein Heiliger ohne Glaubwürdigkeit. Heiligkeit definiert sich geradezu durch diese weitgehende Übereinstimmung von Herz und Leben, von Traum und Wirklichkeit. Was bei den meisten Menschen Gedanke bleibt, wird bei den Heiligen Tat.
Hermann lebt seinen inbrünstigen, tief empfundenen, ihn ganz vereinnahmenden Glauben rückhaltlos, geradezu sinnlich. Der Alltag läßt ihn kalt. Wenn er die Messe liest, läßt er das Geschehen des gewandelten Brotes so unmittelbar auf sich wirken, daß er regelmäßig in Trance fällt. Kaum einer der Mitbrüder mag ihm noch Meßdiener sein. Das Heilige ist seinem offenen Herzen so nah wie die Luft, die ihn umgibt. Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.
Als Junge läuft er oft in die Kirche und redet mit Maria und dem Jesuskind wie mit Mutter und Bruder - wie recht er hat. Als er eines Tages im Überschwang seiner Zuneigung dem Jesuskind den wohlverwahrten Frühstücksapfel anbietet, streckt die Figur sich und nimmt den Apfel an - wer hätte auch widerstehen können ?
Wer heute St. Maria im Kapitol besucht, wo dies geschah, der findet fast immer einen Apfel bei der Mutter und dem Kind - ebenso in Steinfeld, am Grabmal des Hermann, den sie schließlich neckend Joseph nannten, weil er mit der Gottesmutter so selbstverständlich auf Du & Du stand.
Schöne Plätze für schöne Gebete - zum Beispiel um die Gnade, unsere allzu gepanzerten Herzen geöffnet zu bekommen: für die Liebe, die tatsächlich alles überwindet.

Peter Kirwel
Heiliger Strohsack: Geschichten vom Heiligen des Monats, April.
Heilige des Monats April 2010: Cantius, Cantianus und Cantianilla
Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).
Festtag in Hildesheim: 01.04. (Ankunft der Reliquien)
Schutzpatrone der Kinder
In den vergangenen Monaten hat uns interessiert, was mit mehr oder weniger bekannten Heiligen los ist, so lange sie da sind - heute fragen wir uns einmal, was Heilige bewirken, wenn sie wieder weg sind.
Sind sie denn weg ? Nun, keiner geht so ganz. Es bleiben Andenken, vielleicht Bücher, Bekleidung - und Knochen. Noch in den 1980er Jahren durfte mein auf´s Eifler Dorf gezogene Schwager die Erfahrung machen, dass in seinem Ort die männlichen Nachbarn eine Tote unter die Erde zu bringen hatten. Man trifft sich auf dem Kirchhof, buddelt abwechselnd, trinkt eine spendierte Flasche Schnaps und versteckt die Knochen der den Älteren bestens erinnerlichen Vorbelegung diskret tief unten im Loch. - Jetzt macht das auch dort ein Unternehmer, aber vorher war das überall so: in der Grüften räumte man Platz für den Nächsten der Familie, auf den Kirchhöfen steckte man die regelmäßig auftauchenden Reste in ein "Beinhaus".
Wohlgemerkt, die Knochen von jedermann, ob mit oder ohne Wappen, ob reich oder arm. Der Tod macht gleich - manche macht er allerdings auch gleicher. Denn wenn es einer in den Himmel schafft, wenn eine wirklich dort oben beim Herrn ist - dann doch die Heiligen ! Da war ein Schauder, eine Aura um deren Überbleibsel, die Reliquien. Die Seele dieses Leibes war sicher geborgen beim Herrn, in Abrahams Schoß: aber hatte diese Seele nicht vorher diese Knochen belebt ? Hatten die Knochen nicht der Seele ganz konkret als Wohnung gedient ? Man fühlte sich diesen heiligen Seelen verbunden, man fühlte sich der jenseitigen Welt zum Greifen nah, war man den Reliquien nah.
Aquae Gradatae bei Aquileia in Norditalien, 304 nach Christus. Drei Kinder bzw. Jugendliche und ein Lehrer werden geköpft. Sie hatten Christen bleiben wollen, trotz der letzten und zugleich massakerreichsten Verfolgung durch den Diktator/Kaiser Diokletian. Aus guter Familie, aber verwaist, hatten sie in Rom alles verkauft und den Armen gegeben, wollten mit ihrem Mentor Protus in der Provinz untertauchen. Kurz vor dem Ziel erkannt, blieben sie ihrer Überzeugung, dem hellen Licht ihres Lebens in all der sie umgebenden römischen Barbarei treu.
Andere Opfer sind längst vergessen, ihr Staub verweht. Der Nachruhm der 3 Geschwister gründet sich darauf, dass ein Priester namens Zoelus ihren Leichen (sicher nicht risikolos) ein gemeinsames Grab zu verschaffen wusste. Den dort verwahrten Reliquien erweisen nun Gläubige seit 1706 Jahren Respekt. In Aquileia ruft man sie als Schutzpatrone der Kinder an, in Kranj (Slowenien) steht eine Kirche zu ihren Ehren - und in Hildesheim in Norddeutschland kamen an einem 1. April vor etwa 1000 Jahren einige Reliquien an. Diese Ankunft der unscheinbaren Knochen war den Menschen dort ein solches spirituelles Ereignis, dass sie diesen Tag der Ankunft seitdem (bis heute) feiern. Ja, noch 1978 (man glaubt es kaum) wurde der neue Hochaltar der Kirche im benachbarten Söhre mit Teilen der Reliquien versehen.
Natürlich kann man darüber spotten, das macht seit Luther alle Welt, moderne Katholiken stehen da mit in der ersten Reihe: kindischer Aberglaube, schlichte Gemüter ! Es wird milde gelächelt. Als Reliquienverächter ist man zweifellos in allerbester, hochintellektueller Gesellschaft.
Wenn man aber gar nicht so oberschlau sein will, und einen dieser Anhauch aus der anderen Welt anrührt ? Wenn man die ausgestreckte Hand aus dem Himmel nicht ausschlagen will ? - Hat der Chef in seiner komischen Art nicht mal gesagt "Werdet wie die Kinder, sonst kriegt ihr nie die Kurve" ? Und wie sieht sie aus, unsere Erwachsenenwelt ? Na ? Wie sieht sie aus ?

Peter Kirwel
Heiliger Strohsack: Geschichten vom Heiligen des Monats, März.
17. März: Gertrud von Nivelles
Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).
Festtag: 17. März 659 (Todestag)
Schutzpatronin der Reisenden und Pilger (auch reisender Gesellen) sowie der Gärtner (besonders gegen Mäuseplagen)
Noch dominiert in der Öffentlichkeit der männliche Blick auf die Leben von Frauen. Einfache Nonnen stopft man in die Schublade "verhärmt, weltfremd, im Kloster dahingedämmert", zu reichen Äbtissinen assoziiert man "von der Familie in den goldenen Käfig abgeschoben, langweiliges und nutzloses Leben hinter hohen Mauern". - Immer unausgesprochen im Hinterkopf: ein Leben ohne Mann, das kann ja nichts sein.
Im Februar hat uns das arme Mädchen Brigida schon gezeigt, wie viel Frauenpower in Nonnen steckt - jetzt im März werfen wir einen Blick auf die Upperclass.
Gertrud wurde 626 irgendwo im heutigen Belgien in die damalige Hochpolitik hineingeboren. Ihre Familie mischte überall mit - sie selbst ist die Ur-Ur-Großtante Karl des Großen. Mädchen ihrer Herkunft wurden zwar nicht so billig verschachert wie Brigidas Mutter, aber verschachert wurden sie doch. Die Versuchung war einfach zu groß: ein Fleckchen Land billig zu erheiraten, statt es teuer zu erobern ... so verplante man kleine Mädchen (und die Mütter gleich mit, wenn sie Witwen wurden). Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt.
So weit die Macho-Theorie - und leider häufig auch die Praxis.
Aber Frauen sind ja nicht dumm. Als es für Gertrud und ihre Mutter 640 brenzlich wird (der Politikergatte stirbt und Gertrud wird 14, also "mannbar"), ziehen beide in trauter Einigkeit die Reißleine. Mutter und Tochter gründen ein Kloster und werden dessen erste Bewohnerinnen. So behalten Sie ihren Besitz, brauchen sich nicht irgendeinem nach selbigem schielenden Tuppes zu unterwerfen, bleiben Chef im eigenen Haus und können ihren Neigungen nachgehen. Gertrud ist nämlich ein schlaues Kind, sie liest: was damals selbst mancher Priester nicht konnte (der hatte das Allernotwendigste halt auswendig gelernt). Sie baut eine Bücherei auf, lässt sogar Bücher aus dem fernen Rom kommen. Nach dem Tod der Mutter wird Gertrud mit 26 Jahren Äbtissin des Klosters und wirkt tatkräftig. Sie engagiert sich für den Unterricht ihrer Nonnen (die später auch heiliggesprochene Amelberga ist ihre Schülerin), unterstützt Arme, Witwen, Waisen und Gefangene, baut den mittellosen irischen Wandermönchen, die den einfachen Leuten die neue Botschaft der Liebe bringen, ein kleines Krankenhaus.
Als Gertrud mit 33 Jahren stirbt (im Mittelalter lebte und stirbt man schneller ...), hat sie ein Frauenkloster in Gang, Licht ins Dunkel und viele Köpfe gebracht, ihr Ding gemacht. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es - Gertrudentag ist ein prima Tag, um ein erstes Mal im Garten rumzuwuseln und der jungen, energischen Patronin der Gärten zu gedenken.
P.S.: Aus dem Krieg gegen Napoleon hat sich eine schöne Geschichte zu unserer Heiligen überliefert:
Da die Legende erzählt, Gertrud hätte einmal eine Mäuseplage mit ihrem Gebet abgewendet, gehören oft Mäuse zu ihren Attributen. Als sich nun 1815 ein siegestrunkener, übermütiger protestantischer preußischer Offizier von einem Einheimischen in Luxemburg durch die Kathedrale führen ließ (und natürlich alles für katholischen, abergläubischen Mumpitz befand), entsetzte ihn eine geschnitzte Figur der Gertrud besonders, da an deren Äbtissinnenstab kleine vergoldete Mäuse als Dank für abgewandte Plagen angebracht waren. "Ja guter Mann: glauben sie denn tatsächlich an so einen zum Himmel schreienden Unsinn ?!" - "Nicht wirklich, Herr Offizier: sonst hätten wir schon längst auch ein paar kleine vergoldete Preußen schnitzen lassen."

Peter Kirwel










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