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... aber das Kräutersalz bleibt in alter Qualität.
Einige Tage konnten wir nun weder Kräutersalz produzieren noch abpacken.
Der Hand-Gabelstapler bzw. Elektro-Deichselhubwagen unseres Flurförderfahrzeugparks (für die engen Gänge Nr. 1 und Nr. 7) war endgültig altersmüde und ließ sich nicht mehr reparieren. Der Neue wurde sehnsüchtig erwartet. Wir hatten uns natürlich den Porsche unter den Flurfahrzeugen ausgewählt (unser Firmenballett wollte es mit einem Tanz auf den hochgefahrenen Gabeln einweihen, wenn der Sicherheitsbeauftragte nicht hinguckt).
Heute kam er. Man freut sich nach 2 Wochen ohne doch sehr über die Möglichkeiten der Technik.
Auch wenn wir uns immer wieder wundern: wie der Fortschritt die gusseisernstabilen Vorgängergeräte der 80er Jahre (hat ja bis vorletzte Woche funktioniert) zu zarten Plastikteilchen verhunzt. (Übrigens, einer unserer ersten Server - 1998 - funktioniert noch - die Nachfolgegeräte waren kurzlebiger.)
Die Ebene, wo sich unsere Mahl- und Mischräume befinden, ist 3,20m hoch und kann nur mit dem Handstapler im engen Gang Nr. 7 beschickt werden. Der dicke Gabelstapler passt da nicht rein.
Die Arbeitsvorgänge sind so: unten werden gemäß Mischprotokoll alle Kräuterzutaten einzeln fertig abgewogen. Eine andere Person kontrolliert nochmal, ob alles richtig zusammengestellt ist, und dann geht es hoch auf die Beschickungsebene. Dazu kommt eine Palette unseres Atlantik-Meersalz, die gut eine Tonne wiegt. (Natürlich wird das nicht einzeln per Treppe raufbugsiert. Daher die kleine Kräutersalz-Lieferlücke.) 

Kräuter und Gewürze werden zusammen gemahlen (das Zusammenmahlen optimiert das Aroma), und dann mit dem Meersalz gemischt. Kultobjekt: der Rhönradmischer aus dem letzten Jahrtausend. Unser Kräutersalz ist übrigens auch ein Kultobjekt, mit einer interessanten
Geschichte, und außerdem das zweitälteste Bio-Kräutersalz Deutschlands (1984, nach Rapunzel).


Von der Mahl- und Mischebene geht's es dann wieder runter in die Produktionsräume, wo die Frauen das Salz abpacken - von der Streudose über den Nachfüllbeutel bis zum 2-kg-Pack für Verarbeiterkunden. Noch ein Kultobjekt - unsere
Klipverschluss-Maschine ohne Strom und Computertechnik, die (da die Firma das Gerät und die Klipse längst eingestellt hatten wegen Unrentabilität - geht nie kaputt) jetzt mit Raubkopieklipsen aus Spanien läuft.
Als nächstes bekommen wir dann noch einen Waagenhandgabelhubwagen!
Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner
Rezepte: Same procedure ... Christstollen backen.
Rezept: Julias Christstollen
... mit Heuschrecke-Stollengewürz. Julia ist unsere Nichte. Mit 14 Jahren hat sie sich ein eigenes Kochbuch geschrieben mit ihren erprobten Lieblingsrezepten. Hier ist Julias Christstollenrezept - unser Kultrezept für den Monat Dezember. Es ist besonders einfach zuzubereiten, da der Stollen mit Backpulver anstatt mit Hefe gemacht wird. (Sozusagen auch für Nicht-BäckerInnen geeignet)
"Hallo ich bin Julia.
Fehlt euch nicht auch noch das richtige Weihnachtsgebäck für ein schönes und unvergessliches Fest???
Da ich in meiner Freizeit sehr viel und auch sehr gerne backe, ist bei mir schon so manches Rezept tatkräftig und mit viel Hingabe umgesetzt worden.
Was ich euch nun vorstellen werde, habe ich schon selbst oft gebacken und nach meinem Geschmack verbessert.
Selbstverständlich könnt ihr alle Produkte, die ihr hierfür benötigt, bei eurem Bioladen kaufen.
Ich hoffe, dass euch das Weihnachtsstollenrezept gefällt und es euch hoffentlich genauso köstlich schmeckt wie mir. Frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr,
eure Julia"
Christstollen ( Rezept für 2 große Stollen)
Zutaten:
500g Mehl (Typ 550)
1,5 P. Backpulver
300g Rohrohrzucker
175g Butter
250g Quark
125g Rosinen
125g Korinthen
125g geriebene Mandeln
je 100g Zitronat und Orangeat
2 Eier
2 EL Rum
1 kleine abgeriebene Zitrone
2,5 TL Stollengewürz von Heuschrecke
1/2 TL Vanille von Heuschrecke
1/2 TL Cardamom grün in der Schale gemahlen (von Heuschrecke)
200g Marzipan (in 2 Hälften teilen und zu Rollen formen)
Puderzucker zum Bestäuben
Zubereitung:
Das mit Backpulver, Stollengewürz, Vanille und Cardamom vermischte Mehl auf ein Backbrett sieben und zu 2 Haufen teilen.
Die eine Hälfte des Mehls mit Zucker und Eiern zu einem dicken Brei verarbeiten.
Die geschnittene kalte Butter , das Zitronat und Orangeat, den Quark, die Rosinen und Korinthen und die Mandeln mit der anderen Hälfte des Mehles vermischen.
Alles zu einem festen Teig verkneten, diesen in 4 gleichgroße Stücke teilen und zu Laiben formen.
In die Mitte von 2 Laiben der Länge nach je eine Marzipanrolle legen, und die beiden anderen Laibe als Deckel darüberlegen. An den Seiten schließen.
Die Stollen zusammen auf einem Blech (Abstand lassen) bei 160°C mit Umluft (ohne: 180°C) 70-80 Minuten backen lassen.
Nach dem Backen die Stollen mit Butter und dann mit Puderzucker bestreichen, evtl. diesen Vorgang noch einmal wiederholen.
Tipps:
Klassisch wird der Stollen mit Lübecker Marzipan-Rohmasse gemacht (gibt es auch in bio.) Nimmt man Honigmarzipan, kommt eine leicht würzige Honignote dazu.
Julia hat den Stollen auch schon mit der doppelten Menge Gewürze gebacken, und die ganze Menge dann zu 4 schmalen Laiben geformt. Das schmeckt wie ein edler Teekuchen und erinnert an italienische Cantucchini.
Zum Stollen passt ein schöner Darjeeling Tee von Heuschrecke, z.B. Darjeeling 1.Flush Aktionstee.




Die Heuschrecke - Weihnachtsgewürzmischungen: Stollengewürz (Zutaten: Zimt, Anis, Muskat, Nelke, Piment)
Lebkuchengewürz (Zutaten: Zimt, Koriander, Anis, Nelke, Ingwer, Cardamom)
Spekulatiusgewürz (Zutaten: Zimt, Muskat, Nelke, Anis, Koriander, Piment, Macis)
Neu: Printengewürz (Zutaten: Orangenschale, Anis, Nelke, Cardamom, Muskatblüte, Muskatnuss, Sternanis, Fenchel)
alle Zutaten aus kontr. biol. Anbau
Weltweiter Pestizideinsatz erschwert rückstandsfreie Bioproduktion
Umwelt-Studie: Pestizide belasten Gewässer stärker als gedacht
Es gibt mehrere Tausend verschiedener Pestizide der Chemieindustrie im Einsatz, es gibt wellenartig In- und Out-Pestizide (die Labore müssen detektivistische Arbeit leisten), einige in einigen Ländern verboten, in anderen aber nicht, windige Vertreter unterwegs, Falschberatung, im Klimadruck unvorsichtiger Einsatz auf konventionellen Feldern, Abdrift oder Überflutung von Bio-Feldern, und da haben wir den Salat.
Für uns als Importeur von Bio-Gewürzen, -Kräutern und -Tee haben sich die Kosten für Analytik innerhalb eines Jahres verdoppeln, und werden sich dieses Jahr noch mal verdoppeln.
Nach wie vor fatal ist, dass wir, unsere Bio-Produzenten und auch die Bio-KonsumentInnen, die Lasten aus der Agrochemie tragen müssen. Oft stammen die Pestizide aus einer profitoptimierten Agro-Industrie, während wir Ökos möglichst sozial verantwortlich mit Bio-Kleinbauernprojekten handeln, die den einzelnen Familien eine würdige, selbstbestimmte Arbeit auf wenigen ha Landeigentum mit einigermaßen ausreichendem Einkommen garantieren wollen. Wissenschaftler sagen sogar, dass diese kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft langfristig die Welt-Ernährung sichert (im Gegensatz zur zerstörerischen Agro-Industrie, siehe
Weltagrarbericht 2009)). Pestizidfunde in Bioware können dagegen im Nu eine Existenz zerstören.
In seiner aktuellen Pressemitteilung spricht unser Branchenverband, der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) dieses Thema an. Hier folgt der gesamte Text des BNN:
PRESSEMITTEILUNG vom 14.11.2011
Weltweiter Pestizideinsatz erschwert rückstandsfreie Bioproduktion
Berlin. "Pestizideinträge aus der konventionellen Landwirtschaft sorgen im Bioanbau immer wieder für Probleme", erklärt Kirsten Arp, die das BNN-Monitoring für Obst und Gemüse im Naturkosthandel koordiniert. Da Bio in einer Umwelt mit vielen Belastungen produziert werde, könne eine vollständige Rückstandsfreiheit nicht garantiert werden. Selbst im grönländischen Inlandeis seien Pestizidspuren nachweisbar. "Eine hundertprozentig Sicherheit kann nur ein weltweites Verbot aller Pestizide bieten", so Arp.
Weltweit müssen Biobauern damit leben, völlig unverschuldet Opfer der Schadstoffbelastung aus der konventionellen Landwirtschaft zu werden. So kämpften im vergangenen Jahr 300 brasilianische Biobauern wegen Endosulfan-Rückständen in ihrer Soja-Ernte ums Überleben. Mit einer "öffentlichen Stellungnahme" macht der BNN gezielt auf die negativen Umwelteinflüsse aufmerksam, die von den Bioproduzenten nicht beeinflusst werden können.
Auch in Europa steht die Biobranche vor hohen Herausforderungen. Ein Fünftel aller europäischen Oberflächengewässer sind nach EU-Erhebungen schwer schadstoffbelastet. Bereits vor mehr als zehn Jahren erließ die europäische Kommission daher eine Wasserrahmenrichtlinie mit der sich jeder Mitgliedstaat verpflichtete, bis zum Jahr 2015 für oberirdische Gewässer einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu erreichen. Dieses Ziel scheint nun in weite Ferne gerückt. Der Pestizideintrag belastet Europas Gewässer wesentlich stärker als bisher angenommen.
Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben gemeinsam mit Kollegen in Frankreich, der Slowakei, Belgien und Spanien insgesamt 500 organische Schadstoffe aus der Elbe, der Donau, der belgischen Schelde und des spanischen Llobregat mit Hilfe von 750.000 Wasseranalysen untersucht. Dabei deckten die Forscher in den geltenden EU-Richtlinien für Gewässerschutz große Lücken auf. Während die Gewässer bisher lediglich nach 33 Stoffen untersucht werden, stufen die Wissenschaftler insgesamt 73 Verbindungen als potentielle Schadstoffe ein. Zwei Drittel der nachgewiesenen Gifte sind Pestizide, die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden.
Der Naturkosthandel stellt sich der Herausforderung einer belasteten Umwelt mit einem weltweit einmaligen unternehmensübergreifenden Qualitätssicherungssystem: dem BNN-Monitoring. Seit 2003 werden Bio-Obst und Bio-Gemüse aus dem Naturkosthandel dabei systematisch auf Verunreinigungen mit Pestiziden untersucht. "Jeder Rückstandsbefund führt zu einer gründlichen Ursachenforschung, denn vermeidbare Ursachen wie Kontaminationen während Lagerung oder Transport müssen selbstverständlich abgestellt werden", erklärt Kirsten Arp. Auch bei negativen Umwelteinflüssen wie Pestizideinträgen aus der Landwirtschaft, unterstützt das Monitoring die Biobranche bei der Analyse der Ursachen.
Weitere Informationen zum BNN-Monitoring unter:
www.bnn-monitoring.de,
und zur Öffentlichen Stellungnahme:
http://www.n-bnn.de/cms/website.php?id=/de/qualitaet/bnn-orientierungswerte/pestizide.html "Öffentliche Stellungnahmen zur Anwendung des BNN-Orientierungswerts für Pestizide"
Kirsten Arp
Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel e.V. ist der Verband der mittelständischen Naturkost-Großhandelsunternehmen und Naturkost-Verarbeiter. Der Verband verabschiedet besondere Qualitätsrichtlinien für den Naturkost-Fachhandel, die über die gesetzlichen Anforderungen für Bio-Produkte hinausgehen. Der Naturkost-Fachhandel erzielte 2010 in Deutschland einen Umsatz von 2 Milliarden Euro mit Bio-Lebensmitteln und Naturkosmetik.
Glückliche Rezepte: Kille Enna (3)
Herbst: Gelbe Sellerie-Quitten-Suppe

Kille Enna stammt aus Ystad und ist in Schweden vielleicht so etwas wie Sarah Wiener hier.
Sie liebt Gewürze, ihre Aromen, und ist begeistert von unseren Qualitäten.
Wir wiederum sind begeistert von ihrer überschwänglichen Energie, ihrem Mut und der Kreativität in dem, was sie tut. Wir haben selten so lebensfreudige, authentische Rezepte gesehen wie in ihrem Kochbuch *). Wir werden hier mit und mit ein paar ihrer Rezepte passend zu den Jahreszeiten vorstellen.
Unsere Bio-Gewürze:
Wenn es nicht möglich ist, die Gewürze selber frisch zu mahlen, oder frischen Ingwer zu bekommen, empfehlen wir als Alternative Bio-Gewürze aus unserem Sortiment, die bereits gemahlen sind. Wir mahlen selber bei uns im Haus, in kleinen Partien nahe zum Verkaufstermin, sodass die Gewürze frisch und intensiv sind. Unsere Mühlen mahlen nicht staubfein, sondern lassen eine ganz kleine Körnung, sodass die ätherischen Öle gut erhalten bleiben. Im Blogbeitrag:
"Unsere Gewürzmühlen" erhalten Sie einen Einblick in unsere Produktion.
Gelbe Sellerie-Quitten-Suppe
Zutaten
Vorspeise für 4-5 Personen (ergibt etwa 1 l)
- 50g Zwiebeln
- 1 Knoblauchzehe
- Erdnussöl zum Braten
- etwas 15g frischer Ingwer, fein gehackt

- 1 TL Curcuma oder frisch geriebene Curcumawurzel
- 1 Prise Chiliflocken
- 6 Cardamomkapseln, mittelgrob gemahlen
- 1 1/2 TL frisch gemahlener Ceylon-Zimt
- Meersalz
- frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
- 100g Quitten
- 250g Knollensellerie
- 200ml kochendes Wasser
- 3/4 l Milch

Diese gleichzeitig süße und pikante Suppe ist nur ausgesprochen köstlich, sondern auch recht sättigend. Ich empfehle dazu einen bitteren Salat, etwas selbst gebackenes Naan-Brot und ein Glas Sekt. Sind keine Quitten zur Hand, können Sie die Suppe auch mit aromatischen Äpfeln wie zum Beispiel Boskop kochen. Quitten sind allerdings unschlagbar.

1 Zwiebeln und Knoblauch schälen und fein hacken. Einen Topf erhitzen und etwas Ernussöl hineingeben. Zwiebeln, Ingwer, Curcuma (wenn Pulver verwendet wird, sollte es erst in den letzten Sekunden des Bratens zugegeben werden), Knoblauch, Chiliflocken und Gewürze hinzufügen. Bei mittlerer Temperatur 10-15 Minuten braten, bis die Zwiebeln etwas Farbe angenommen haben. Großzügig mit Meersalz und frisch gemahlenem Pfeffer würzen.

2 Quitten und Knollensellerie putzen und waschen. Quitten vom Kerngehäuse befreien und mit Schale grob hacken. Knollensellerie ebenfalls grob hacken. Mit kochendem Wasser in den Topf geben. Alles zum Kochen bringen, dann Milch angießen und den Topf zudecken. Die Suppe 20-30 Minuten kochen, bis die Zutaten gar sind. Beim Kochen flockt die Suppe aus und sieht ziemlich schrecklich aus. Pürieren Sie die Suppe daher, sobald die Zutaten gar sind. So wird sie wunderbar cremig.
Kille Enna

*) Kille Enna und Georg Schweisfurth: Der echte Geschmack. Christian Verlag GmbH, München
www.christian-verlag.de . Rezepte nach Jahreszeiten, mit wunderschönen Fotos von Kille Enna. Das vorgestellte Rezepte finden Sie auf S.114.
Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung von Kille und dem Christian Verlag.
Fairbiotea - Bericht 2011
Bericht aus den nachhaltigen Fairbiotea Grüntee-Projekten in China
Fairbiotea ist ein von der Kontrollstelle IMO geprüftes Qualitätsmanagement-System unseres langjährigen Teeimporteurs, entstanden wegen der unsicheren Situation in China bezüglich Bio-Qualität und sozialer Lage der Teebauern.
Mittel sind Schulungen der Bauern, intensive Begleitung bei Prozessentwicklung und Analytik, Abnahme- und faire-Preis-Garantie - ohne die Almosen-Rückvergütungssysteme der kommerz. Fairtrade-Organisationen - , konkrete Verbesserung der Situation der Teebauern durch Zuteilung von Gärten und Kühen, faires Lohnsystem, Verbesserung der Ökologie (Nährstoffkreisläufe).
Vier Teegärten, von denen der Hauptteil unserer China-Tees auch stammt, sind bisher Teil des Fairbiotea-Systems.
Die Überwachung und Begleitung der Maßnahmen ist sehr aufwendig (und teuer, wir zahlen entsprechend einen Aufpreis an den Koordinator), und es gibt eine ständige Auseinandersetzung der Kulturen: was ist machtbar, was wird nicht akzeptiert, wie macht man es besser.
Die Inspektionsberichte zu den Farmen, die auch ethno-soziologisch sehr interessant sind (es wird nicht beschönigt oder glattgeschrieben), werden auf der Website
www.Fairbiotea.de ab November 2011 veröffentlicht. Wir haben die Erlaubnis erhalten, einen Auszug, der unserer Meinung nach die transparente und sich auseinandersetzende Herangehensweise von Fairbiotea gut zeigt, vorab hier zu einzustellen.
Auf dem Logo-Aufkleber auf unseren Teetüten wird auf die Website hingewiesen. Zur Zeit tragen im Heuschrecke-Sortiment ca. 20 Sorten reine und aromatisierte China-Grün- und Weiße Tees das Fairbiotea-Logo.
Hier folgt zuerst der aktuelle Newsletter von Fairbiotea. Danach ein Auszug aus dem Inspektionsbericht der Quingshan-Farm, den wir so interessant fanden.
Newsletter 9/2011
Inspektion der Fairbiotea Standards durch eine unabhängige Kontrollstelle
Im Sommer 2011 wurden in allen Fairbiotea Teefarmen Kontrollen durchgeführt, bei denen neben der normalen Kontrolle nach EU-Verordnung und nach USDA NOP auch die Entwicklung der zusätzlichen öko-sozialen Fairbiotea Standards überprüft wurden.
Damit beauftragt ist die unabhängige und anerkannte Kontrollstelle Institut für Marktökologie (IMO). Die Kosten hierfür übernimmt der Fairbiotea Importeur. Die Ergebnisse werden derzeit noch von IMO ausgewertet. Wir werden über die Ergebnisse berichten. Diese Inspektionen werden einmal jährlich durchgeführt.
Wie in nahezu allen Schwellenländern üblich gibt es eine Menge kultureller Unterschiede zu bewältigen, die zu vielen Missverständnissen und Fehlinformationen führen.
Die Sichtweisen in Bezug auf Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit. Biolandbau, Qualitätsmanagement, Recht und Soziales sind aus chinesischer und aus europäischer Sicht sehr unterschiedlich.
Das führt auch immer wieder zu Problemen bei der Umsetzung der Fairbiotea Standards.
Deshalb sind auf dem Weg der Entwicklung ständige Anpassungen nötig, um am Ende das Fairbiotea Ziel zu erreichen.
Entwicklungsprogramm Nährstoffkreislauf:

Folgende Probleme und Fehlentwicklungen wurden mit der durchgeführten Kontrolle aufgedeckt:
Das geplante Anbau-und Beschaffungsprogram zur Beschaffung von Biomasse für die Kompostherstellung und die Entwicklung eines natürlichen und nachhaltigen Nährstoffkreislaufes basierten auf falschen Angaben der Produzenten und konnte unter realen Bedingungen nicht zielführend aufrechterhalten werden.
Deshalb wurde ein neues Forschungs- und Trainingskonzept entwickelt, das die Bauern und Produzenten sensibilisieren und die ökologischen, ökonomischen und sozialen Vorteile der Kompostproduktion erforschen und Bauern und Produzenten überzeugen soll. 
Dieses Programm beginnt im Herbst 2011 mit einem professionellen Training durch
http://www.soilandmore.nl/. Die Kosten hierfür übernimmt der Fairbiotea Importeur.
Bonusauszahlung an die Bauern
Bei der Inspektion wurde festgestellt, dass die Prämien, die direkt auf die Bankkonten der Teebauern eingezahlt wurden, nicht entsprechend der Überweisung bei den Bauern ankamen. Die Beträge, die ankamen, hatten sich verändert. Das betraf alle Fairbiotea Farmen gleichermaßen.
Für uns Europäer ist es völlig unverständlich, dass jemand seine Bankkarte und seine Geheimzahl an Dritte weitergibt. Aber genau das ist in China üblich. Die Bauern überlassen die Verwaltung ihrer Bankkonten dem Farmmanagement und das Management verfügt über das Geschick des Kontos, ohne dass die Bauern davon Kenntnis haben. Dafür gibt es sogar plausible Gründe, die sich aus der dortigen Situation ergeben. Details darüber können Sie ausführlich in den Farm-Profilen nachlesen (Links zu den Farmen untenstehend).
Inzwischen haben die Produzenten mitgeteilt, dass die gesamten Beträge an die Bauern ausgezahlt wurden bzw. ihrer Bestimmung zugeführt wurden. Das wird mit der nächsten Inspektion im Sommer 2012 erneut überprüft.
Fairbiotea lernt aus dieser Entwicklung und passt das Bonussystem diesen chinesischen Strukturen an, damit die Bauern ihren verdienten Bonus auch vollständig erhalten.
Vom Fairbiotea Importeur wurden inzwischen Prämien, für die Teebauern in den 4 Fairbiotea Teefarmen ausgezahlt. Ca. 300 Haushalte (ca. 4-5 Personen) erhielten insgesamt:
für das Jahr 2009 = 24.481,00 Euro
für das Jahr 2010 =- 39.032,00 Euro
Wenn man von einem üblichen monatlichen Einkommen der Teebauern von 40 Euro ausgeht, ist das aus Sicht der Bauern ein ordentlicher Betrag, der mit wachsenden Fairbiotea Importen und mit der Hilfe von Verbrauchern in Europa noch deutlich steigen soll. 
Damit die ausgezahlten Summen in ein Verhältnis gesetzt werden können, das zum allgemeinen Verständnis beiträgt, möchten wir an dieser Stelle den Jahresbericht 2009 von Transfair Fair-trade zitieren, nachzulesen unter:
http://www.transfair.org/fileadmin/user_upload/materialien/download/download_jahresbericht0910.pdf
Dort wird angegeben, dass die Prämien für Tee, die im Jahr 2009 in Deutschland gesammelt wurden, für ca. 100 Fair-trade zertifizierte Teeplantagen (ca. 300.000 Bauern) weltweit 136.000 Euro betrugen. Wobei sich jede Teeplantage von FLO-Cert Fair-trade zertifizieren lassen muss, die Kosten hierfür betragen pro Jahr und Plantage ca. 3000 Euro, die von den Teeplantagen zu bezahlen sind. Fazit: 100 Teeplantagen zahlen geschätzt ca. 300.000 Euro für Fair-trade Zertifizierungen.
Rückstände von chemischen Pflanzenschutzmitteln
Seit 2008 werden in allen Teesorten aus den Fairbiotea Projekten keine bedenklichen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln mehr gemessen. Die Ergebnisse entsprachen zu jeder Zeit den BNN Orientierungswerten
http://www.n-bnn.de/cms/website.php?id=/de/qualitaet/bnn-orientierungswerte.html&sid=12b00b654e566b1d92406f82a96d3789.
In mehr als 99 % der untersuchten Fairbiotea Teesorten wurden keinerlei Rückstände gemessen. Die wenigen Rückstände die gemessen wurden, waren in sehr minimalen Mengen vorhanden und es gab natürliche Erklärungen für diese Rückstände. Wir leben leider in einer verschmutzten Umwelt. Diese Umweltverschmutzung ist sehr vielfältig und verunreinigt auch die biologische Landwirtschaft.
Es gibt außerdem Stoffe, die in der Liste der im ökologischen Landbau verbotenen Pflanzenschutzmittel aufgeführt sind, aber auch als natürliche Bestandteile von Pflanzen vorkommen oder im natürlichen Produktionsprozess entstehen, wie z.B. bei der Verbrennung von organischen Stoffen in der Landwirtschaft oder in der Herstellung. Hinzu kommen noch erlaubte organische Pflanzenschutzmittel.
Verbrennung von organischem Material (z.B. Holz) in der Produktion oder im privaten Bereich produziert Biphenyl. Biphenyl ist auch als verbotenes Pflanzenschutzmittel gelistet.
Rückstände von chemischen oder natürlichen Pflanzenschutzmitteln lassen sich auch in der ökologischen Landwirtschaft nicht immer 100%ig ausschließen. Wird allerdings der ökologische Anbauprozess nachhaltig entwickelt und umgesetzt, wie bei Fairbiotea, kann es keine Belastungen geben, die innerhalb der Farm bewusst oder unbewusst verursacht wurden. Das ist normalerweise nicht durch die üblichen Kontrollen der EU-Verordnung sichergestellt. Nachzulesen unter
http://www.Fairbiotea.de/assets/pdf/EU-Oekokontrollsystem.pdf und
http://www.Fairbiotea.de/assets/pdf/Ist_Bio_drin.pdf
Nach der Umsetzung nachhaltiger Fairbiotea Standards im Anbauprozess bleibt lediglich ein kleines, nicht beherrschbares und kaum vermeidbares Restrisiko, das durch die o.g. Umweltverschmutzung, durch natürliche Prozesse oder durch Fehler und Unachtsamkeit einzelner Bauern entsteht.
Diese Rückstände müssen dann im Sinne der Fairness auch akzeptiert werden, wenn die zumutbaren Grenzen eingehalten werden, denn man kann ja Produzenten und Bauern nicht für die Verschmutzung der Umwelt und für natürliche Prozesse, die zu unvermeidbaren Verunreinigungen führen, verantwortlich machen.
Parallelproduktion
Bei der Inspektion wurde festgestellt, dass es entsprechend den Fairbiotea Standards keinerlei Parallel Produktion mehr gibt. D.h. sowohl im landwirtschaftlichen Prozess als auch in den Fabriken werden nur noch Bioprodukte hergestellt. Damit ist eine Kreuzkontamination mit chemischen Stoffen durch Wind Drift innerhalb der Farm nicht mehr möglich. In der Teefabrik können keine Vermischungen mit belasteten konventionellen Produkten stattfinden.
Die Parallelproduktion in ökologischen Anbau ist die häufigste Ursache für Kontaminationen mit chemischen Stoffen, wird aber in der Regel von Kontrollstellen zugelassen.
Abnahmegarantien und Preise
Nur durch die Ambitionen und das finanzielle Engagement des Fairbiotea Importeurs ist es möglich das Fairbiotea Konzept umzusetzen. Noch kommt weder vom Markt noch von den Verbrauchern genügend Unterstützung.
2008 wurden ca. 200 Tonnen aus den Fairbiotea Projekten importiert, 2010 waren es schon ca. 500 Tonnen und für 2011 wurden 700 Tonnen bestellt. Die etwas höheren Preise als marktüblich, die hierfür gezahlt werden, finanziert ebenfalls der Fairbiotea Importeur und einige Großhändler in Europa (Anm.: wie auch die Heuschrecke), die Fairbiotea mit ebenfalls höheren Tee Preisen für nachhaltige Bio-Tees unterstützen.
Leider hat sich der nachhaltige ökologische Anbau- und Verarbeitungsprozess, mit sozialer Ausrichtung und fairen Geschäftsbedingungen, noch nicht im Markt durchgesetzt. Es wird viel über Nachhaltigkeit gesprochen, aber leider nur wenig in der Praxis realisiert.
Fairbiotea ist natürlich noch zu jung, um schon erfolgreich sein zu können. Die Hoffnung bleibt, dass dieser Erfolg noch eintritt und Nachhaltigkeit nicht nur im Marketing benutzt wird, sondern auch praktischen gelebt wird und alle, vom Bauern bis zum Verbraucher, davon profitieren können.
Das ist nur dann möglich, wenn sich das Bewusstsein verändert und wenn Händler und Verbraucher bereit sind diese Nachhaltigkeit mit höheren Produktpreisen zu bezahlen.
Zu Kosten für einen nachhaltigen ökologischen Landbau lesen sie bitte detaillierte:
http://www.Fairbiotea.de/assets/pdf/Hoehere_Kosten_Stand19112009.pdf
Detaillierte Informationen zu den o.g. Themen können sie in den aktualisierten Farmprofilen nachlesen:
http://www.Fairbiotea.de/Land/Provinz/Hunan/qingshang01.html
http://www.Fairbiotea.de/Land/Provinz/Anhui/hecheng.html
http://www.Fairbiotea.de/Land/Provinz/Anhui/xinanyuan.html
http://www.Fairbiotea.de/Land/Provinz/Anhui/mingzhou.html
Überschwemmung im Xinanyuan Projekt nach Starkregen:
Im Juni 2011 trat innerhalb des Xinanyuan Gebietes in der Province Anhui (Mingzhou Farm, Xinanyuan Farm, Hecheng Farm, Liukou Farm) der Fluss über die Ufer und überschwemmte Teile der Farm und einer Teefabrik. Der Fluss transportiert auch Chemikalien aus der konventionellen Landwirtschaft, so können partiell minimale Mengen von Pflanzenschutzmittel gemessen werden, die sonst nicht vorkommen, die aber unterhalb der BNN-Orientierungswerte liegen. In der Teefabrik wurde eine erhebliche Menge Tee vernichtet und Maschinen wurden beschädigt, sodass diese Überschwemmung schwere finanzielle Verluste für das Projekt und die Bauern bedeutet.
Liukou Tee Farm neu im Fairbiotea System

Nachdem in 2010 nahezu die Gesamtmenge Tee an den Fairbiotea Importeur verkauft werden konnten, wird in 2011 die Liukou Farm neu in das Fairbiotea System aufgenommen. Die Farm wird ebenso wie die 3 anderen Farmen von der Xinanyuan Organic Development Co. Ltd. verwaltet und organisiert. Die Farm hat die 3 jährige Umstellungsphase durchlaufen und ist seit 2010 von IMO für den Europäischen Markt zertifiziert und ist wie die 3 anderen Farmen organisiert.
Mehr unter
http://www.Fairbiotea.de/Land/Provinz/Anhui/Liukou.html
Fairbiotea Schulung und Beratung
Schulung und Beratung von außen ist gerade deshalb so wichtig weil es in China so viele Verständigungsprobleme gibt, aufgrund sprachlicher, kultureller und sozialer Unterschiede oder wegen mangelnder Bildung und fehlenden Organisationsstrukturen im Qualitätsmanagement.
Aber auch der Aufbau interner Kontroll- u. Beratungssysteme ist wichtig und muss entwickelt werden.
Dauerhafte Beratung durch Spezialisten ist dauerhaft unbedingt erforderlich, um Sicherheit im ökologischen Anbau zu gewährleiten, aber findet in der normalen EU-Kontrolle kaum statt. 
Die Kosten für externe qualifizierte Beratung werden nach seit 3 Jahren vom Fairbiotea Importeur übernommen. Diese Beratung ist auch zukünftig notwendig.
Bestätigung der Fairbiotea Entwicklung durch IMO
Wir hoffen dass IMO als unabhängige Kontrollstelle noch in diesem Jahr die Umsetzung der Fairbiostandards bzw. den Entwicklungsprozess förmlich bestätigen kann. Wegen der Farminternen Unregelmäßigkeiten bei der Handhabung der Bonuszahlungen, wäre es aber auch verständlich, dass man erst im Jahr 2012 nach der nächsten Inspektion eine Bestätigung ausstellt. Ggf. müssen die Produzenten erst belegen, dass die Bauern die komplette Summe der Prämien erhalten haben. Erst dann kann möglicherweise eine Bestätigung ausgestellt werden.
Fairbiotea Lizenznehmer

Lizenznehmer sind Tee-Hersteller, -Großhändler und -Versandhändler.
Heuschrecke Naturkost GmbH ist einer der ersten Lizenznehmer. Im Juni 2011 wurden wir als erster Lizenznehmer innerhalb unserer normalen Bio-Kontrolle auf die Einhaltung der Fairbiotea-Regeln zertifiziert.
Nicht nur Fairbiotea Lizenznehmer vertreiben Tee aus den Fairbiotea Plantagen. Auch Unternehmen, die keine Lizenzverträge abgeschlossen haben vertreiben Tee aus den Fairbiotea Farmen, oft unter den Namen der Farmen (Mingzhou, Hecheng, Xinanyuan, Liukou, Qingshan). Allerdings kann Fairbiotea nur dann die Werbeaussagen, Herkunft und Vertrieb der Tees aus den Fairbiotea Projekten garantieren, wenn ein Lizenzvertrag abgeschlossen wurde, denn nur dann ist eine Kontrolle durch Fairbiotea gewährleistet.
Inspektionsbericht Qingshan-Farm 2011 (Auszug)
Vorbemerkung unseres Teeimporteurs, Gründer von Fairbiotea:
Fair zu handeln ist in Entwicklungsgebieten von Schwellenländern immer auch ein Entwicklungsprozess, der permanentes Lernen auf beiden Seiten erfordert, und die Standards müssen ständig fortentwickelt und angepasst werden.
Im wesentlichen geht es beim fairen Handeln um gegenseitiges Verständnis, Wohlwollen und Verantwortung mit dem Ziel, dass alle Beteiligten gleichermaßen von der Zusammenarbeit profitieren.
Dies zu verstehen, und auch in die Praxis umzusetzen, ist ein langer Entwicklungs- und Anpassungsprozess, der wegen der kulturellen Unterschiede kaum in den armen Regionen dieser Welt verstanden wird.
Aber besser, es wird nicht verstanden und es besteht Entwicklungspotenzial, als die Armut von Menschen bewusst auszunutzen um daraus Gewinn zu schöpfen, wie es die Industrieländer seit 150 Jahren praktizieren.
Aus dem Inspektionsbericht 2011 der Quingshan-Farm. Der Bericht ist ab November 2011 vollständig aufwww.fairbiotea .de veröffentlicht.
" ... Bei der fairbiotea Inspektion im Mai/Juni 2011 wurden leider Unregelmäßigkeiten beim Bonustransfer in 2009 zu den Bauern entdeckt. Es kamen nicht genau die Beträge bei den Bauern an, die gegen Bankbeleg vom Importeur auf die Konten der Bauern überwiesen wurden. Stattdessen kamen andere Beträge bei den einzelnen Empfängern an. Dies konnte durch Interviews mit den Bauern in Erfahrung gebracht werden, die zur Kontrolle der Auszahlungsbeträge geführt wurden. Die Unterschriften der Bauern auf den zusätzlichen Quittungen wurden vermutlich aus Bequemlichkeit vom Farmmanagement gefälscht.
Aus europäischer Sicht fragt man sich wie es möglich ist, dass ein Betrag der auf ein Konto überwiesen wird, nicht beim Kontoinhaber ankommt?
Weitere Recherchen ergaben, dass es in China auf dem Land üblich ist, dass alle Bauern ihre Bankkarten und Geheimzahlen an die Farmverwaltung übergeben und die Farmverwaltung die Konten verwaltet und Barauszahlungen an die Bauern leistet, ohne den Bauern mitzuteilen welche Geldeingänge auf den Konten eingehen. Dieser Vorgang wird damit begründet, dass viele Bauern nicht lesen und schreiben können, dass die Bank zu weit von der Farm entfernt ist und die Bauern nicht wissen wie sie bei Geldeingängen dorthin kommen sollen, um das Geld abzuheben. Außerdem sind die Bauern nicht daran gewöhnt ein Bankkonto zu haben und überlassen das lieber dem Farmmanagement.
Obwohl das aus Europäischer Sicht unglaublich erscheint, ist es offensichtlich in China üblich und die Argumentation durchaus glaubhaft, wie weitere Recherchen bestätigte. Ohne dem Farmmanagement etwas unterstellen zu wollen, eröffnet diese Handhabung der Korruption viele Möglichkeiten. Wir können an diesen Systemen kaum etwas ändern, außer den Kontrollen zu verstärken und mit der Farmverwaltung detaillierte Verträge auszuhandeln, die dann die Auszahlung der Bonusbeträge an die Bauern ganz genau regeln. Ob diese dann eingehalten werden, ist immer wieder zu überprüfen und bei Fehlverhalten müssen beim Management Korrekturen durchgesetzt werden.
Die Inspektion und Erklärung des Farmmanagements ergab weiter, dass man die leistungsbezogene Bezahlung als ungerecht empfand, weil eine leistungsbezogene Bezahlung in China nicht üblich sei und eine solche Bezahlung von den Bauern als unfair empfunden wird. Deshalb habe man die gesamte Summe sozial und gerecht mit gleichen Beträgen auf die Bauern verteilt, unabhängig davon, was der einzelne Bauer geleistet hat . Einen Teil des Geldes hat man dazu verwendet Rinder zu kaufen. Diese Beträge wurden von der Bonussumme abgezogen und die Bauern erhielten eine reduzierte Auszahlung und die Rinder zur Betreuung und Nutzung. Außerdem sollen die Bauern mehr Hühner und Schweine erhalten haben. Da die Interviews mit den Bauern diese Aussagen bestätigen, ist davon auszugehen, dass die verbleibenden Bonusbeträge unter den Bauern aufgeteilt wurden.
Deshalb besteht letztlich kein Grund an der Aussage zu zweifeln, obwohl unsere Vorgaben missachtet wurden. Das Farm Management war sich keiner Schuld bewusst, hat aber erklärt, die nicht gezahlten Beträge im August 2011 nachgezahlt zu haben.
Die Nachzahlung wird bei der nächsten Inspektion erneut überprüft.
Bis zur nächsten Bonuszahlung wird das leistungsbezogenes Bonussystem aber auch überdacht werden müssen. Halten wir am bisherigen System fest oder muss ein neuer Weg gefunden werden, wie wir das fairbiotea System durch motivierende, leistungsbezogene Bonuszahlungen an die Bauern unterstützen können und gleichzeitig den sozialen Empfindungen der Bauern und des Farmmanagements gerecht werden können. Erfahrungsgemäß kann man nichts gegen den Willen der Bauern und Produzenten erreichen, deshalb werden noch intensive Diskussionen mit den Produzenten nötig sein, um eine Entscheidung über eine Kurskorrektur treffen zu können und so eine höhere Akzeptanz zu erreichen. ..."




















